13 Kapitel




Kopfschüttelnd ging er stracks zu dem Abteil hin, das seins und Fee's war. Sie saß schon beinahe die Hände ringend auf dem Bett und hob erschrocken den Kopf als er reinkam.

Hey...“, machte er nur und sie brach schon in Tränen aus. Schnell beeilte er sich vor sie zu hocken und ihre Hände vom Gesicht runter zu ziehen.

He, Fee... wein doch nicht. Es ist alles gut... alles roger... ist schon okay...“, versuchte er sie zu beruhigen doch sie atmete nur heftig und stoßweise aus und ein und ihre Augen waren weit aufgerissen wie bei einer Panikattake. „Fee, komm schon, sieh mich an! He, sieh mich an! Hör auf zu weinen ich bin ja da. Es ist wirklich alles gut.“, versuchte er es wieder nun doch in Sorge.

Ich bin so dumm Sam. Das ist eine... eine vollkommen... neue Höhle. N...Neue Leute und i...ich versau es gl... gleich wieder, weil ich Angst um die Pferde ha...hab.“, schluchzte sie abgehackt.

Die... Die können mich nu … nun bestimmt schon n... nicht mehr leiden. Die a... alle.“, lehnte sie sich gegen ihn und Samuel lächelte kurz erleichtert.

Nein... Nein Fee. Alles gut, wirklich. Du hast denen nur eben die Augen geöffnet, dass deine Tiere ein Teil des ESA-Programmes sind. Dein Zorn war gut und gerecht. Es hat denen bewusst gemacht dass es hier nicht um Vergnügen sondern um eine Überlebensmaßnahme geht, gleichzeitig hast du dafür gesorgt dass sie dich nun alle respektvoll betrachten und über mich haben sie scherze gerissen weil ich dich erst entschudligt hab, als noch ein bisschen schwach auf den Beinen. Über mich haben sie lachend hergezogen und mich im Maschieenpark eingeteilt, mir einen Trupp von Gelegenheitsschraubern zur Seite gestellt, die gerade darauf bestanden haben, dass ich erst noch mal sehen gehe, wie es dir gerade geht. Du hast mächtig Eindruck hinterlassen und sollst um 10.00 Uhr rüber zur Komandantur im Verwaltungsbereich gehen, denn da machen die eine Expertenrunde in Vorbereitung der Solaris Suche im Außenbereich und der übersiedlung deiner Tiere hierher nach Arche 4. Meinst du du schaffst das, Fee? Oder soll ich besser mit dir gehen oder dich nachher nur hinbringen?“, bot er ihr immer noch besorgt an, weil ihre Augen nun rot vom Weinen waren und ihr Gesicht fleckig und gestresst aussah.

Wenn du mich bringen könntest... ich hab gar keine Uhr mehr. Mein…Mein Vater hat sie mir weggenommen, damit ich keine Ablenkung in der Zelle hatte und nicht wusste wie lang ich nun schon da drinn sitze.“, gab sie leise zu, fast sicher dass er über ihre kindliche Art lieber nicht ohne ihn vor den Vorhang zu gehen lachen würde. Doch er nickte nur wieder sehr ernst und zurückhaltend und strich ihr sachte über das Haar. Wie sehr sie es liebte, wenn er das tat.

Es beruhigte sie besser noch als tausend Worte von Dr. George.

Wieder gut`?“, fragte er sie schließlich sanft.

Sam, ich hab deren Supervisor zurecht geschissen. Ich glaub nicht dass der mir das so schnell verzeiht. Das macht man nicht vor Zuschauern.

Du hast nicht ihn zurecht geschissen, sondern mich, Fee. Und genau so haben die anderen das auch gesehen. Und du hattest recht. Ich kann nicht einfach ein paar Mädchen die früher auf Ponyhöfen geritten sind und begeistert über kleine putzige Hottehühs sind zu deinen gewaltigen Arbeitstieren schicken.

Das ist eine ganz andere Liga. Du hattest vollkommen recht da zu protestieren, Fee. Hätte ich wohl nicht anders gemacht wenn Hobby-uhrmacher auf einmal den Motorblock an meiner Harley auseinandernehmen wollten.“, scherzte er trocken.

Fee lächelte leicht bei der Vorstellung und schniefte noch einmal. Sam trocknete ihr die Tränen mit einem seiner Hemdsärmel ab und lächelte auch ein Bischen.

Wieder gut?“, fragte er sie schließlich.

Ja, klar. Mach dir bloß keine Sorgen, Sam. Du musst zum Dienst, nicht wahr?“, fragte sie sorgenvoll.

Die in 4 nehmen das hier total locker mit den Diensten, Fee. Du machst soviel wie du kannst und wenn du jemanden hast der schwanger ist dann kümmerst du dich gefälligst auch um ihn. Ich hab Punkte gesammelt weil ich drei Tage an deinem Bett gehockt und dich mit aus 2 rausgeholt habe.“, griente er frech. Fee lächelte nur wieder.

Danke dafür, Sam. Ich hab gehofft dass du kommst. Ich hab gehofft das dir irgendjemand bescheid sagt, wie es mir wirklich geht. Aber mein Vater hatte noch mir gegenüber gemeint du warst informiert und einverstanden nur den Zuchthengst zu spielen und dannach zuanderen Mädchen zu wechseln. Du wolltest keinen klotz am Bein, hat er behauptet. Und er … er hat gemeint du hättest den Vertrag nur gemacht um mich in Sicherheit zu wiegen, für ein paar schnelle Nummern... so was eben. Ich hab ihm nicht geglaubt.“, beeilte sie sich Sam rasch zu versichern als seine Miene finster wurde.

Wenn ich deinem Vater in Solaris je begegnen sollte werde ich wohl dannach einige Tage lang in der Brack verbringen müssen und er auf der Krankenstation.“, meinte er dann schließlich nur trocken.

Oh... Sam, nein... bitte das bin ich nicht wert...“, wollte Fee entsetzt auffahren aber Sam legte ihr fest seine Hände auf die Schultern, damit sie sitzen blieb und sah ihr eindringlich in die Augen. „Glaub mir Fee, wenn ich dir sage dass du alles wert bist!“, stellte er so ernsthaft fest das Fee kaum an seinen Worten zweifeln konnte.

Nein, Du bist alles wert, Samuel Haggedorn.“, flüsterte sie darum auch nur heiser zurück und er küsste sie sachte auf den Mund. Es war nur ganz kurz und er stand dann auch gleich wieder auf um sich zu fassen.

Ich muss jetzt zum Dienst und werde mal sehen was die Jungs so drauf haben, ihnen Aufgaben geben und dich dann holen kommen, Fee. Wasch dich und beruhige dich. Geh die Höhle zurück und dann links da kommt dann irgendwo die Höhle in der gekocht wird. Iss was und wenn du nicht hier bist wenn ich komme suche ich dich dort, einverstanden?“, fragte er sie noch einmal besorgt. Fee nickte nur entschlossen jetzt nicht mehr so rumzujammern und endlich was produktives zu tun... oder zumindest nicht mehr rumzujammern, denn die Pferde waren ja noch nicht da und sonst gab es doch gar nichts zu tun, oder?
„Okay.“, murmelte sie also nur leise und Sam verabschiedete sich mit einem weiteren Streicheln über ihr Gesicht.

Er war immer so warm und ernsthaft und ruhig.

Es war gut dass er so ruhig war, fand fee innerlich seufzend und sah zu wie er ging.

Trotzdem fühlte sie sich sofort wieder von aller Welt verlassen, einsam und sehr, sehr klein.

Vor dem Vorhang standen Leute herum und sahen ihm besorgt entgegen.

Samuel Haggedorn?“, fragte eine hochgewachsene Frau ernsthaft, gleich als der Vorhang sich geschlossen hatte. „Wie geht es deiner Frau? Wir hörten sie weinen und haben Dr. Schneider gerufen. Sie ist doch schwanger oder? Blutet sie vielleicht?“, sorgte sich die Fremde erhrlich und wahrhaftig.

Sam schüttelte nur irritiert den Kopf.

Es geht schon. Die Situation ist nicht leicht für Fee. Sie liebt ihre Tiere, die aber noch nicht hier sind. Und eben hat sie wohl etwas zu heftig reagiert auf freundlich gemeinte Hilfsangebote. Das hat sie selbst traurig gemacht, weil sie denkt es sich gleich am ersten Tag mit allen verscherzt zu haben. Ich hab ihr gerade gesagt das ihr Protest gerechtfertigt war. Sie ist die Exprtin für die Arbeitspferde und sie muss aussuchen wer in ihr Team passt und sollte nicht noch neben ihren vielen Pflichten Ponyhof für übereifrige Pferdenarren in Arche 4 spielen müssen.“

Ganz meine Meinung. Ich bin Dr. Eva Friedel, Geologin und Expertin für die Lebens- und Arbeitsweise der Amish-Kolonien in Amerika, welche ich hier in Arche 4 in den letzten beiden Jahren gelehrt habe um unser aller Überleben zu sichern.

Die Amish-Kultur begründet sich ebenfalls auf harter Arbeit und einer einfachen Existenz ohne Maschinentechnik. Und auch bei ihnen sind die Tiere zur Arbeit und dem Lebensunterhalt da und nicht zum Vernügen. Ich dachte ich sehe mal nach meiner jungen Kollegin und nehme sie nachher mit zur Sitzung...“, sagte sie feundlich, doch Sam hob nun sachte warnend seine Hand. „Bitte nicht so schnell. Fee hat mich eben darum gebeten dass ich sie hinbringe, Dr. Friedel. Sie ist gerade etwas eingeschüchtert von allem, weil es nun ja in 3 auch nicht geklappt hat und sie, denke ich, hat Angst davor hat am Ende draußen im Schnee zu sitzen, aber ich bin mir dennoch sicher dass sie sehr gut mit ihnen Arbeiten kann und wird, wenn erst ihre Pferde hier sind um die sie sich gerade große Sorgen macht. Einer der Hengste wurde schwer verletzt und musste in ein Tragegestell gesteckt werden damit er seine Beine nicht belastet. Es macht ihr schwer zu schaffen nicht für ihn da sein zu können. Allerdings werden sie sicher bald sehen dass Fee trotz all der Schläge in letzter Zeit tatsächlich sehr qualifiziert und ernsthaft und auch realitätsliebend an ihre Arbeit rangeht, die ebenso wie ihr Aufgangenbereich unser aller Überleben sichern wird, Dr. Friedel.“, gab Samuel seine Retourkutsche zum Besten und griente dann kurz, weil die Wissenschaftlerin die Stirn kurz runzelte.

Sie war es wohl nicht gewohnt Wiederworte zu hören.

Ich muss jetzt zum Dienst und mir ansehen was ihr hier für Maschinenprobleme habt, Arbeiten verteilen und dann bringe ich Fee um 10.00 Uhr rüber zur Komandantur. Keine Sorge. Wenn sie nicht darauf besteht bleibe ich auch nicht mit da.“, fügte er trocken hinzu und ging durch die überrascht guckenden Leute durch und wieder in den Tunnel zurück wo seine Mannschaft noch immer geduldig auf ihn wartete.

Geht es deiner Frau nicht gut?“, begrüßte Elmer ihn sofort besorgt. Samuel hob den Kopf und schüttelte sich kurz. „Eine Dr. Friedel stand vor dem Vorhang wollte sich Fee angucken und sie mit zur Besprechung nehmen. Es hat ihr nicht gepasst das Fee mich gefragt hat ob ich sie hinbringen kann. Aber das ist erst in einer knappen Stunde. Jetzt also los, wenn wir heute noch was schaffen wollen. Ihr zeigt mir die defekten Maschinen und nehmt überall die Hauben ab. Ich seh sie mir an, wo es hakt und zeige euch gegebenfalls was wir machen können, falls wir genügend Ersatzteile besorgen können. Wenn nicht drüben in Arche 3 haben sie noch eine ganze Menge davon, weil sie sie inzwischen auch wieder einschmelzen und neu herstellen damit das Gerät weiter funktioniert, bis uns irgendwann das Gas und Öl ausgeht und auch Solarzellen nichts mehr reißen. Unser Beruf wird bald aussterben, es sei denn wir entwickeln eine neue Industrie und das nur in wenigen Jahrzehnten. Wofür unsere Menschheit hunderte Jahre brauchte im Zeitraffer. Na ja, ich glaub nicht so ganz daran. Zuerst einmal muss die Natur wieder hergestellt sein, dann kann sich aus nachwachsenden Rohstoffen was entwickeln. Aber Erdöl haben wir nicht mehr, Gas können wir nicht mehr fördern, und zuerst ist wasser drann. Und Gras und Bäume.

Der Planet startet sich mit unserer Hilfe neu, ebenso wie ein Automotor. Aber noch ist das zukunft und wir leben in der Realität. Ich hoffe ihr könnt wenigstens einen Schraubenschlüssel von einem Schraubenzieher unterscheiden. Wenn nicht da ist der Ausgang zu Mike zurück der euch woanders einweisen kann.“, sagte er gewollt Burschikos.

He, Mann halt uns nicht für bescheuert. Wie geht’s deiner Frau wirklich?“, fragte Tristan nur ernsthaft zurück.

Samuel knurrte kurz auf.

Dass ihr ständig über alles reden müsst... Sie hat geweint. Sie hat gedacht sie war gerade zu heftig zu allen und hat dabei ihren Einstieg hier verbockt, dabei hat sie sich gerade nur Scheißsorgen um ihre PS gemacht, mehr nicht. Ich hab ihr gesagt dass ich meinen Teil abbekommen habe und die Sache okay war. Das es nicht ganz so schlimm gelaufen ist wie sie dachte, na ja. Das hoffe ich zumindest. Wenn nicht hat sie immer noch mich und Mika, wenn er mit den Pferden rüber kommt. Ihm vertraut sie auch.“, murmelte er düster vor sich hin.

Elmer nickte Kai düster guckend zu.

Wir schicken ihr nach der Besprechung mal Kara und Hanna vorbei zum Aufmuntern.

Das waren zwei von den Pferdebegeisterten Diven vorhin. Die haben sich heute morgen schon ein Loch in den Bauch gefreut bei der Vorstellung Ponyhof machen zu können. War ein derber Absturz, aber absolut gerechtfertigt. Wir hatten sie ja schon gewarnt, stimmts Kai?“, fragte Elmer seinen Kumpel brummig.

Mike auch und der Kommandant. Aber es war gut das Fee sie so runter geholt hat. Die werden es ihr nicht übel nehmen, vielmehr zerknirscht sein und sich für ihre begeisterung entschuldigen.

Das hier ist nicht mehr die Zivilisation wie wir sie mal hatten. Das hier ist neu und muss tatsächlich auch neu bewertet werden. Fee wird feststellen dass sie sich mit ihrer Ernsthaftigkeit vielmehr Respekt erworben hat. Auch in der Führungsspitze.

Und du dir eben gerade, weil du Dr. Friedel abgewimmelt hast. Das macht sonst keiner. Die Frau hat Haare auf den Zähnen und ist unerbittlich. Aber mit ernstgemeinter Sorge und absolut kühler Logik kriegt man die zurecht gebogen.

Du hast beides benutzt, stimmt`s? - Ist die echt nicht gewohnt. Sogar der Kommandant lässt sie lieber machen als in heiße Diskussionen zu fallen.“

He, du wärst bestimmt ein guter Anführer!“, meinte Freddy begeistert grinsend.

Nur im Kleinen, bei den Maschinen. Ich werde den Teufel tun in die Komandantur zu wechseln. Fee braucht nicht noch einen besserwisserischen Bestimmer um sich rum. Was sonst passiert hat man heute Morgen gesehen.

Ich hab gesagt sie bleibt im Bett, weil sie noch total müde aussah und sie ist aufgestanden und hat ihr eigenes Ding gemacht. Das ist Fee. Sie sollte Kommandantin werden, nicht ich.“, brummelte Sam und Tristan klatschte begeistert johlend in die Hände, ebenso wie die anderen Jungs die belustigt auflachten.

Recht so! Frauen an die Macht. Das hat meine Mutter selig auch immer gesagt und zu Hause auch gelebt.“, jauchzte Elmer laut auf und zusammen gingen sie scherzend und Männerwitze reißend zu den Maschinen hin.



Sam machte als Erstes eine Gesammtaufstellung der defekten Geräte und ließ sie in einer Reihe aufbauen. Dann war es auch schon so weit zu Fee zu gehen und sie zu begleiten.

Die Hauben von allen Motoren ab und zwar ganz. Ihr löst diese beiden Schrauben und die Muttern die kommen in eine Dose die hinter jedem Gerät steht. Wenn ihr fertig seid bin ich hoffentlich wieder zurück!“, komandierte er kurz, dann joggte er zurück zu fee die schon ungeduldig aber gewaschen und gekämmt und auch satt auf ihn wartete.

Was wenn ich voll der Loser in so was bin? Sonja war die Expertin ich hab nur von ihr gelernt, Sam. Sie hat noch viel mehr gewusst als ich, ehrlich.“, jammerte sie ihn flüsternd voll. Sam legte nur lässig grienend einen Arm um ihre Schultern.

Lass die Experten reden und wenn sie dich was fragen bleib bei dem was du über deine PS und die Techniken zum Pflügen weißt. Wenn du was nicht kapierst ist es nicht schlimm. Wissenchaftler und ihr Fachchinesisch- Das ist die wirkliche Wissenchaft. Wenn aber was nicht gut ist für deine PS mischst du dich ein. Immer das beste für deine Tiere und das was du brauchst um zu Pflügen. Mehr musst du nicht beisteuern. Bestätige dass du nichts über Geologie weißt, mach denen bewusst das du die Tierexpertin bist und weißt was die Pferde schaffen und was nicht. Für was anderes wollen die dich da gar nicht haben. Ach und da ist eine Dr. Friedel. Eva Friedel. Die soll ziemlich straight sein und keine Meinung gelten lassen außer der eigenen. Die war vorhin hier um dich abzuholen - und auszuquetschen, wenn du mich fragst. Sag denen nicht zu viel von dir und wenn's dir reicht dann sag dir ist schlecht und geh. Die dritte Höhle links und dann da durch bis zum Ende. Da bin ich... von unserer Nische aus gesehen, okay?“, machte er ihr Mut und Fee nickte nur ergeben vor sich hin.

Schon waren sie in der Haupthöhle mit den Komandanturcontainern angekommen. Soldaten ohne Waffen standen am Eingang und traten ihnen sofort in den Weg.

Die Komandantur berät sich gleich in einer nicht öffentlichen Sitzung mit den Wissenschaftsexperten.“, sagte einer der Kerle kühl zu Sam. Der nur kurz nickte.

Fee Haggedorn ist eine dieser Wissenschaftsexpertinnen... Ich hab sie nur begleitet weil sie nicht wusste wohin sie muss. Wir sind neu hier.“, fügte Sam ebenso kühl hinzu.

Der Soldat grinste kurz auf Fee runter.

Ach dann hast du unseren Mike heute morgen also zusammengeschissen das die

Höhle gewackelt hat?
Alle Achtung, das schafft nicht jeder und war längst mal nötig! Da vorn, der erste Container auf der linken Seite, Fee. Sie warten schon auf die Pferdeexpertin aus ehemals Arche 2.“, zwinkerte er ihr zu. Sam sah seinen Blick kurz interessiert auf ihr Handgelenk runter wandern und wie sich seine Augen kurz enttäuscht zusammenzogen.

Wieder eine Eroberung die Fee gemacht hätte, wenn sie nicht so kaputt wäre und ausgerechnet den Verrätersohn ausgesucht hätte.

Starke Frauen zogen Männer doch immer wie Magnete an. Mit Ausnahme von Dr. Friedel. Die war nicht interessant sondern eher einschüchternd.

Fee wandte sich nun Sam zu und zupfte kurz an seinem Hemd. Er begriff und beugte sich zu ihr runter um ihr einen kurzen Kuss zu geben. „Komm nachher einfach zu mir rüber.“, flüsterte er ihr leise zu und sie schluckte hart und nickte schließlich, zwang sich ein gequältes Lächeln auf den Mund.

Alles zu früh und zu viel für Fee, zuckte der Gedanke kurz durch sein Hirn. Doch sie beide hatten Pflichten und wenn Fee hier nicht als schwaches, kränkelndes sondern starkes, respektiertes Wesen ankommen wollte musste sie nun wohl in den saueren Apfel beißen.

Es sind Menschen. Deine Tiere sind viel launischer, denk drann. Butterball hat mich sogar noch getreten, als wir ihn aufgehängt haben... in die Eier!“, gab er leise raunend zu und grinste, denn davon hatten die Anderen garnichts mitbekommen. Selbst Fees Gesicht hellte sich nun belustigt auf und sie biss sich fest auf die Lippe um nicht zu lachen.
„Das hast du uns ja gar nicht erzählt?!“, kicherte sie trotzdem unterdrückt auf und Sam wuschelte kurz in ihrem Haar im Nacken herum, bevor er sich seufzend abwandte. „Bis später.“, verabschiedete er sich noch und ging die Hände in den Taschen pfeifend davon, drehte sich dann aber noch mal um und sah sie nun viel lockerer auf den Container zugehen. Richtig so. Es hatte gewirkt. Sie war abgelenkt von ihren Zweifeln, würde das Kind schon schaukeln und ihre PS würdig vertreten.

Fees Herz klopfte ihr bis zum Halse hinauf als der Soldat ihr die Tür des Containers öffnete und sie mit einem knappen Lächeln reinwinkte.

Da saßen eine Reihe Leute im Overall und zwei - drei Soldatentypen mit hohen Rangabzeichen, um den Rechteckigen riesen Tisch herum. Vor Kopf saß ein Typ mit dem blauen Barett. Das war der Kommandant der Station. Ihr Vater hatte auch so ein Ding, setzte es aber nur zu besonderen Anlässen auf.

Guten Tag... ich... bin Fee Ho... chrmmm...Haggedorn.“, korrigierte sie sich schnell räuspernd und der Blaubarrett stand lächelnd auf, um ihr entgegenzukommen, ebenso wie die anderen Männer am Tisch. Höfflich waren die hier, wunderte sich Fee insgeheim und reichte einmal reihum jedem ihre Hand. Eine Blonde Frau sah sie eher skeptisch an... „Frau Fischer Agra-Expertin.“, stellte Kommandant Jensen sie auch prompt vor. Frau Dr. Friedel hingegen strahlte richtig herzlich, doch in ihren Augen sah Fee irgendwas, was ihr nicht geviel.

Setzen sie sich doch, Frau Haggedorn, möchten sie einen Tee... da sie ja schwanger sind empfiehlt sich kein Kaffee oder?“

Kaffee haben wir schon seid fast einem Jahr nicht mehr... in Arche 2“, murmelte Fee unsicher und nahm sich nur ein Glas und eine Flasche Wasser vom Tisch.

Komandant Jensen nickte nur lächelnd und deutete weiter in die Runde:

Dies ist Major Finsch, aus Arche 2, Er ersetzt vorrübergehend ihren Vater, Fee, für die Dauer seiner Theraphie und kommt ursprünglich aus Arche 5.“, stellte Jensen ihr einen hageren, hoch gewachsenen Militärtypen vor.

Fee nickte dem Mann nur zu und der Nächste wurde ihr Vorgestellt.

Dr. Bauer – unser Geologe in Arche 4, Dr. Lieder Bohrspezialist auch aus Arche 5. Er wird mit seinem Team unsere Grundwasserbrunnen für uns anlegen, damit wir frisches, nicht verseuchtes Wasser aus den tieferen Gesteinsschichten haben werden. Dr. Neidhammer dort aus Arche 3 ist Wissenschaftler auf dem Gebiet der Erfindung von Aquädukten, altrömischen Pumpen und Bewässerungssysthemen, und außerdem Archäologe.“

Ein Studienzweig der nun komplett nutzlos geworden ist, es sei denn man betrachtet den Anfang als das Ende.“, sagte der blonde junge Mann augenzwinkernd zu ihr und starrte ihr angelegentlich auf die Hand. Fee, sah ebenfalls verdutzt darauf nieder und erkannte einmal mehr das ihr Armband die interessierten Kerle anschei-nend von vornherein abhielt. Hastig trank sie ein paar Schlucke Wassser und sah dann erst wieder das Jensen sie gerade sehr bezeichnend ansah. Die Vorstellungsrunde war noch nicht komplett.

Oh... ja klar, also... mein Name ist Feeline Haggedorn. Ich habe meine fast zweijährige Ausbildung bei Dr. Sonja Bergheim gemacht, die in Arche 2 die führende Expertin und Wissen-schaftlerin für den Agrabau mit Arbeitstieren, Kutschpferden wie auch deren Training, Haltung, Zucht und Pflege, Bodenwirtschaft und Ausbildung von Arbeitern an den Pflug und Egge-Geräten beinhaltete.

Ich bin natürlich kein Dr. in irgendwas. Aber ich weiß was ich tun muss und was unsere Pferde können und was nicht.“, fügte sie kurz hinzu als diese Dr. Fischer entnervt aufseufzte und mit dem Bein zu wippen begann.

Das stellt ihnen auch niemand in Abrede.“, mischte sich Kommandant Jensen mahnend ein und sah zu der blonden Sexbombe hinüber, die gerade den Mund missbilligend verzogen hatte.
„Dr. Fischer, bitte akzeptieren sie dass ihre Expertiese auf diesem Gebiet zweitrang ist, weil Fee Haggedorn nun mal die Trainerin und Expertin an den Pferden ist und bleibt. Wir können ohne unsere ESA-Arbeitstiere auf absehbare Zeit die Felder die wir anlegen wollen nicht ordentlich bewirtschaften, das wissen sie ganz genau. Und wir werden unsere Auswahl potentieller Solaris Bauplätze zusammen mit Frau Haggedorns Expertise und dessen was von den Pferden her möglich ist aussuchen müssen. Die Menschen sind wandlungsfähig, doch selbst wir können nicht auf Stein graben, selbst wenn sich darunter die tiefsten und klarsten Grundwasserad-ern wie auch genügend fruchtbare Sediment-schichten verbergen.“, wandte Dr. Bauer vernünf-tig klingend ein.

Dr. Fischer war aber schwer zu überzeugen.

Aber wie schon so oft gesagt sind diese Shire-Horses und Kaltblutpferde unglaublich

stark und können Findlinge von 400 bis 500 Kilogramm problemlos wegziehen. Auch die Maschienen stehen uns immer noch noch zur Verfügung, Kommandant. Wenn wir nur die oberste Kruste aufbrechen und abtragen könnten, währe das hier schon der absolut perfekte Platz für uns.“, sagte diese Dr. Fischer nun leicht affektiert.

Dr. Bauer hieb mit der flachen Hand auf den Tisch.

Die Diskussion hatten wir nun schon vier Mal, Sibylle. Selbst wenn wir alle zur Verfügung stehenden 13 Arbeitspferde für acht Stunden täglich, wie auch den Maschinenpark bis zum Ende des Öls aufbieten würden, würden wir nicht genug Fläche aufbrechen können, um gerade an dieser Stelle hier oben Solaris zu bauen.“

Aber Sibylle hat doch Recht, Tom. Die Sedimentierung sieht wirklich gut aus. Ein dichtes dickes Stück Erde, dass wir nicht erst noch künstlich anreichern müssten und selbst wenn die Maschinen den Geist aufgeben bleiben uns ja immer noch die Pferde, um den Rest auch noch zu schaffen!“, meldete sich Dr. Friedel nüchtern zu Wort und sah Fee kurz beifallheischend an.

Doch die verschränkte nur angelegentlich die Arme vor der Brust.

Warum reden sie denn hier bitte alle von 13 Arbeitspferden? Wir haben nur noch fünf, nachdem Butterball, der sechste von den Hengsten schwer verletzt wurde.“, warf sie verwirrt ein.

Die Diskussion die gerade dabei gewesen war so richtig zu entbrennen, erstarb abrupt.

Alle Gesichter wandten sich ihr wie auf Kommando zu und Fee schluckte hart, bevor sie kurz die Schultern hob und den Kopf zu schütteln begann.

Wirklich... es ist so! Alle sieben Stuten, die wir in Arche 2 haben, sind zwar groß und alt genug um am Ackergerät ausgebildet zu werden, doch sie sind gerade hochtragend oder haben gerade eben erst abgefohlt. Sie sind absolut nicht Einsatzfähig, weil sie sich um ihre Fohlen kümmern müssen. Und sie sind wie gesagt auch noch gar nicht richtig unter Schwerlast trainiert worden, außer in der führung, handhabung und Pflege, - und dazu das tragen eines Zaumes und das Gehen vor einem ausgeschlachteten Auto als Kutschenersatz, was ich im letzten halben Jahr bei allen sieben Stuten zum Zeitvertreib und für die Muskulaturentwicklung angefangen habe, einfach damit sie Bewegung haben und ausgelastet sind, nicht zu nervös werden in den Höhlen... Aber als Arbeitspferde sind die gerade alle nicht einsetzbar, einfach weil sie unsere einzigen noch existierenden Zuchtstuten sind, die wir haben.Als etwas anderes waren sie schließlich auch nie eingeplant.“

Sie waren nicht eingeplant?“, fragte Dr. Bauer sie erstaunt und auch der Kommandant und Dr. Neidhammer fingen an zu raunen wie auch die Amische expertin mit dieser anderen Expertin...Geologin zu tuscheln begann. Aber Fee ließ sich nicht beirren.

Natürlich nicht. Wir haben, seid wir von Arche 1 wissen und dass die es vermutlich nicht geschafft haben, bei uns für unsere Bücher genaue Berechnungen aufgestellt. Sonja, also Frau Dr, Bergheim, hat das noch selbst gemacht.

Sie sagte mir damals für diese gerade vorherrschende Bevölkerungsdichte und bei von vornherein geeignetem Boden, den wir anreichern könnten, brauchen wir nur maximal sechs Arbeitspferde, um außreichend Felder für außreichend Nahrung zu bestellen. Um über die Winter zu kommen für mindestens drei weitere Jahre, bis die ersten in der Arche geborenen, männlichen Fohlen bereit sind ebenfalls vor den Pflug gespannt zu werden und der Bedarf an Ernteertrag aufgrund aufsteigender Geburtenraten ebenso steigt. Arche 1 hatte ja damals viel mehr Tiere als wir in 2, wenn ich Sie alle bitte daran erinnern darf. Eigentlich war unsere Station auch nur für den absoluten Notfall gedacht. Falls in 1 ein paar Tiere eingehen sollten oder es eine Seuche gibt oder doch noch mal frisches Material zur Zucht gebraucht wird.

Auf keinen Fall trainiere ich aber jetzt sofort die trächtigen Stuten für die schwere Pflugarbeit an, die gerade die nächste Generation von Arbeitstieren produzieren. Das währe vermutlich das Ende unserer Zucht, oder? Sonja hat das alles noch genau festgehalten, mit mir zusammen. Welcher Hengst welche Stute in welchem Jahr decken soll. In welchem Jahr wieviele Fohlen minimal geboren werden müssen und wieviele davon unbedingt durchkommen müssen, damit es noch gerade so mit den reinen Linien klappt. Wieviel Ruhe und Bewegung die Zuchtstuten so brauchen und für was sie nur genommen werden dürfen um ein möglichst hohes Alter, möglichst gesund zu erreichen, indem sie trotzdem hoffentlich jedes Jahr ein Fohlen bekommen.

Wir haben viele Wochen über den Berechnungsplänen und Zuchtlinienbüchern gehangen und haben auch mit weiteren Verlusten unter den Tieren gerechnet, mit erhöhter, schwerer tragfähigkeit aufgrund von Futtermangel im zweiten Jahr draußen, falls einige Hengste eingehen würden, welche Zuchtlinien uns allen dann noch bleiben würden.

Wir haben erst vor ein paar Wochen Butterball, denn besten und stärksten und zugleich ruhigsten unserer Arbeitshengste beinahe an einen rücksichtslosen Arbeiter verloren.

Für die Arbeit vor dem Pflug sogar ganz sicher, und nur noch seine Blutlinie bleibt uns noch eine Weile erhalten, wenn sein Bein wirklich wieder so weit abheilt dass er wenigstens die Aufsprünge schafft. Er wird aber wohl immer ziemlich hinken, kann nur noch ein paar wichtige Fohlen zeugen und ich halte mich derweil weiter an die Notfallpläne die Dr.Bergheim mit mir zusammen aufgestellt hat. Alles andere ist gerade irgedwie Sinnlos... meiner unqualifizierten Meinung nach. Aber wenn sie es wünschen und die Zucht der neuen Generationen von Arbeitspferden gefährden möchten zugunsten eines Stück steinigen Landes, das sich hoch oben in den Bergen befindet und damit weit vom Wasser entfernt... Ich bin Weisungsgebunden, das ist mir bewusst.“, schloss sie nüchtern und griff erneut nach dem Glas, um auszutrinken und sich dann nachzuschenken.

Sie würden also tatsächlich auch die tragenden Stuten ausbilden?“, fragte Dr. Bauer ungläubig nach.

ESA wurde geschaffen, damit einige sehr weise Leute die richtigen Entscheidungen für unser Überleben treffen, Dr. Bauer. Ich bin ganz bestimmt nicht weise oder alt genug um abzu-schätzen was wichtiger ist, dieses Stück Land mit der fruchtbaren Erde, die sie unbedingt haben möchten oder die Nachzucht der Pferde. Ich sage nur was Dr. Bergheim dazu gesagt hat und küm-mere mich um meinen Job und den mache ich so gut dass sie keine Angst haben müssen das alle unsere Pferde dabei drauf gehen. Wenn sie nicht mehr können höre ich auf... und die Arbeiter auch. Sowieso sind Acht stunden am Tag Pferdeeinsatz gerade eher utopisch bei Pferden die nicht mal ordentlichen Auslauf in den dunklen Höhlen hatten und darum auch keine allzugute Grundmus-kulatur behalten konnten. Sie müssen erst richtig Vorbereitet werden ich habe nur einige Übungs-programme zum Erhalt der Hauptmuskeln und der allgemeinen Fitness durchgeführt, an allen dreizehn Pferden. Nur Butterball wird jetzt sicher bald sehr abbauen. Aber das ist nicht schlimm. Wenn er noch sieben Fohlen zeugt, die Gesund sind und überleben, kann er gehen. In den nächsten vier Monaten wird er hoffentlich noch alle sieben Stuten decken. Letztes Jahr war es einer der anderen Hengste, der aufgrund seines irren Verhaltens eigentlich erschossen werden sollte. So haben wir aber schon mal zwei Zuchtlinien, die uns voll erhalten bleiben und Blutrein sind, ausgenommen die Geschwisterpferde der selben Pferdemutter. Aber die Fohlen bekommen alle farbige und nummerierte Marken in die Ohren, um die selben Farben und Nummern auch nie zu kreuzen. Schließlich müssen wir Inzesst vermeiden, für gesunde und starke Tiere. Wenn alles dann gut läuft und kein Fohlen und keine Hengste oder Stuten oder Fohlen dabei draufgehen, haben wir den Bestand in drei Jahren auf zwanzig ausgewachsene Arbeitspferde und noch einmal vierzehn weitere Jungtiere erhöht.

Dann können die Jungstuten von den übrigen Alt-Hengsten gedeckt werden, die daraufhin noch eine Blutreine Linie erschaffen werden, der Bestand an Pferden ist dann gerettet und die Tiere sterben nicht aus. Natürlich ist das alles ihre Entscheidung. Ich kann nur sagen wie es laufen sollte... im absoluten Idealfall. Für ESA und die Chancen der Menschen im Stein dieser neuen Existenz wieder alles neu zu errichten und aufzubauen. Natürlich können sie auch dreijährige Kinder an die Haken und aufs Feld schicken. Oder deren Mütter, gerade en sie erst entbunden haben. Das ist mir vollkommen wurscht. Ich bilde hier nur aus und schaue wo die Pferde arbeiten können, züchte sobald sie es mir gestatten die nächsten Blutlinien und hoffe solange das Beste, mehr nicht. Ich weiß auch gar nicht was ich hier in dieser Expertenrunden groß tun soll, außer ihnen zu sagen dass wir derzeit nur fünf sehr bedingt Einsatzbereite Pferde haben, die maximal drei Stunden Schwerlastarbeit, vielleicht aber auch nur Zwei packen, je nachdem wer es ist. Shadow packt sicher bis zu vier, so stark wie der ist, aber Appache eher nur zwei, er ist der schwächste, und Rangniedrigste. Geronimo nur unwesentlich mehr als Abraxas, das sind ungefähr drei Stunden und Bad Willy... vielleicht zweieinhalb... wenn er mal gut drauf ist und nicht zu zickig wird. Er hat einfach zu wenig Bewegung gehabt und ist auch nicht so temperamentvoll wie Shadow. Die sechs anderen Stuten werden in den nächsten zwei Wochen abfohlen, sie sind dick wie Weinfässer.“, zuckte sie noch einmal mit den Schultern und trank dann das Glas auf einen Satz lehr.

Alles am Tisch schwieg scheinbar betreten, und Fee nun auch wieder. Schließlich seufzte Kommandant Jensen leicht enttäuscht auf.

Damit fällt das Baugebiet Süd entgültig aus der Suche raus.“, entschied er ernsthaft.

Schwachsinn!“, meckerte Dr. Fischer nachdrück-lich. „Die Gäule können auch erst in einem halben Jahr wieder gedeckt werden und wenn alle ausgebildet werden, hätten wir die dreizehn Tiere. Sie hat doch selbst gesagt sie ist Weisungsge-bunden...“

Zwölf Tiere!“, ließ Fee sich nicht nehmen sich noch mal in das Gespräch einzumischen. „Ich hab ihnen allen eben auch noch gesagt das Butterball unser bisher allerbester Hengst der sicher auch fünf Stunden geschafft hätte, ein gebrochnenes Bein hat und wohl nie wieder arbeiten kann.“, unterbrach Fee die unangenehme Frau erneut sachlich.

Wieder drehten sich alle Köpfe zu ihr um. Und wieder hob Fee nur entschuldigend die Hände.

Was kann ich denn dafür, dass sie nicht zuhört? Wir haben insgesammt dreizehn Pferde, sechs Hengste, sieben Stuten und ein neugeborenes Fohlen, dass ich aber auf keinen Fall zu den Arbeitstieren zählen kann. Ein Hengst hängt derzeit sediert in seiner Hängematte rum, gebrochenes Bein, eine Stute säugt ihr Fohlen und sechs weitere sind so dick, dass es schon grotesk aussieht. Wie Weinfässer gefüllte Pferde, die durch die Gegend schwanken und ihre Fohlen alle in den nächsten zwei Wochen bekommen werden. Sie jetzt sofort anzutrainieren geht nicht. Sie passen gerade in keines der Geschirre rein. Nicht mal vor den Wagen kann ich sie jetzt gerade spannen, weil hallo? - Hochträchtig. Wenn sie abgefohlt haben, brauchen sie - damit das Fohlen gute Überlebenschancen hat - mindestens drei Monate Stallruhe mit den Kleinen, erst dannach kann ich mit der Arbeit anfangen. Macht dann mal eben grob geschätzt... sechs Monate bis die meisten der Stuten vielleicht soweit angelernt sind, dass sie sich bereitwillig vor einen Pflug spannen lassen und den auch ordentlich gerade ziehen können. Natürlich noch launisch und wenig bereit da mitzumachen ohne ihre Fohlen bei Fuß. Und wenn Fohlen dabei sind brauchen die Stuten immer wieder Säugepausen und auch Stehpausen damit die Kleinen sich erholen können. Die sind zwar Fluchttiere, doch ähnlich wie Kleinkinder auch schnell müde. Und eine Mutterstute die säugt geht auf keinen Fall von ihrem Fohlen weg. Nach sechs Monaten können wir die kleinen natürlich absetzen, dann kann es richtig los gehen. Die gehen in ein Fohlengatter Und dann habe ich einen Monat zur Grundausbildung für das allergröbste... ich bräuchte dann noch ein paar erfahrene Pflüger, die die Stuten bändigen könnten... na ja eher acht Monate, wenn ich es richtig überlege...“, dachte Fee laut nach und nickte schließlich. „In Acht Monaten können die Stuten bestimmt voll eingesetzt werden. Wenn sie dann nicht schon wieder gedeckt worden sind und langsam dick werden.“, schränkte sie sofort wieder ein.
Dr. Bauer und der Kommandant glucksten belustigt Dr. Fischer und Dr. Friedel sahen aus als hätten die gerade in eine Zitrone reingebissen und Dr. Lieder schnaubte ganz einfach nur laut auf.

Wir haben gerade 5 Arbeitspferde!“, brachte es Dr. Neidhammer schließlich unbarmherzig auf den Punkt.

Komandant Jensen nickte kurz breit grinsend und zückte seinen Füller.

Süd ist wie gesagt erledigt, ich hoffe dass sehen sie nun ebenfalls ein, Dr. Fischer. Einen tiefen Kurzeinblick in die Welt der Zucht unserer Überlebensgaranten ist schon recht nützlich finde ich. - Gut überlegt Dr. Haggedorn.“, sagte er zu Fee, die ihn aber nur verwirrt anguckte.

Fee Haggedorn. Ein Doktor bin ich nicht und hab es auch nicht vor einer zu werden.“, erinnerte sie ihn freundlich daran.

Dr. Fischer schnaubte noch lauter und nun sogar ziemlich verächtlich auf.

Sie schimpft sich also eine Expertin und gibt doch nichts auf Expertentitel? Du bist gerade für eine Expertise gelobt worden, Kindchen, die sehr fundiert und gründlich durchdacht und überaus anschaulich für uns alle war. Unser Kommandant hat natürlich die Möglichkeit dir diesen Expertentitel zuzuerkennen und du bekommst es nicht in der Kopf rein, oder?“, giftete sie in Fees Richtung, die sich aber nicht irritieren ließ. Diesmal nicht.

Frau Fischer, es ist mir absolut egal wer sie sind und auf welcher Uni sie irgendwann mal vielleicht promoviert haben.“, begann sie leise aber scharf zu sagen. „Diese Uni und auch alle anderen der Welt gibt es heute nämlich gar nicht mehr. Und damit ist jeder Expertentitel den die Leute hier tragen echt absolut sinnlos.“ Sie wandte sich an Jensen. „Kommandant, wenn sie jemals so was wie Frieden und Gleichstellung unter den Archebewohnern erreichen wollen hören sie bitte auf einfache, arbeitende Leute wie mich mit irgendwelchen Titeln zu behängen.

Meinen sie das bedeutet mir irgendwas? In mir sieht hier fast jeder immer noch ein Kind, auch wenn ich über meine Pferde mit Höhlekoller wirklich eine ganze Menge weiß. Aber ich bin gerade erst achtzehn, hab diesen Job quasie geerbt, der für mich am Anfang eher eine Art Theraphie nach einer schlimmen Zeit war, keine Berufung oder so. Sonja hat mir alles beigebracht, nur weil sie gemerkt hat das ich die Tiere wirklich mag und echtes Interesse daran habe das aus ihnen zu machen was eben für ESA gebraucht wird, statt Reiterhof und Ponyzucht zu spielen.

Das bedeutet aber auch dass ich in meinem Job nicht besonders naiv sein darf. Natürlich könnte ich auch sofort alle neuen Fohlen, die gerade geboren wurden oder demnächst geboren sind erschießen, gleich wenn sie rauskommen und in drei -vier Monaten haben sie dann ihre Pferdearbeitstruppe die sie gerne haben wollen. Das ist ihre Entscheidung. Aber es steht ihnen nicht zu einen Doktor aus mir zu machen, der ich gar nicht so sein kann, zumindest jetzt noch nicht... und ohne echte Doktorarbeit, die ich vorher doch sicherlich noch schreiben müsste. Das will ich eigentlich auch gar nicht sein, ehrlich.

Ich bin schließlich schon was und wer, ich brauche keine extra Bestätigung dafür das mein Platz in der Arche eine Daseinsberechtigung hat. Ich trage gerade ebenso eine Nachzucht für ESA in mir spazieren, wie meine Stuten. Und in sieben oder acht Monaten oder so kommt das Kind.

Ich hab natürlich vor weiter zu machen - meine Arbeit mit den Pferden - und das Kind nehme ich dann einfach mit in den Stall, ebenso wie die Stuten weiter gedeckt werden, würde auch ich bald wieder schwanger werden. Diese Archen sind nun mal kein Ponyhof und das Wünsch-dir-was-

Programm gab es zuletzt vor zweieinhalb Jahren.

Wachen sie endlich mal auf und lassen ihre komischen Titel beiseite. Was nutzt uns das jetzt noch? Jeder weiß wer der Kommandant ist und wie er heißt. Jeder weiß wer der Arzt ist und wo man ihn findet. Jeder kennt seinen eigenen Aufgabenbereich und jeder ist hier ein Experte in irgendwas, der hier in der Arche sitzt. Und wenn es nur Experten im Kindermachen oder Kinderkriegen sind.

Wollen sie die alle nur so aus Jux und Dollerei zum Doktor machen? - Dann viel Spaß, aber ich verzichte vorerst. Ich bin lieber einfach nur Fee Haggedorn. Dann kommt auch niemand angerannt, der denkt dass ich ihm irgendwelche Sonderwünsche erfüllen kann oder sogar Einfluss habe. Den habe ich gar nicht, den hat eigentlich niemand mehr. Den haben nur die Gegebenheiten und vielleicht noch die ESA Komandantur. Den hat auch noch das was da in Solaris vor uns liegt, die Wiedrigkeiten unseres neuen Lebens und die sind schon Hindernis genug finde ich, da müssen wir nicht auch noch unsere menschliche Arroganz auspacken und extra einen auf megabesonders, supertoll und hochqualifiziert tun.

Ich kann ihnen immer sagen, was in meinem Bereich, also bei den Pferden und deren Training und Zucht los ist und das war's auch schon.“, war sie brutal offen zu der Runde und sah sich wieder eingehend um.

Dr. Lieder grinste nur vor sich hin und nickte dabei aber nachdenklich vor sich hin. Dr. Fischer und Dr. Friedel schienen nun allerdings äußerst schwer beleidigt zu sein und Major Finch räusperte sich kurz bevor er schließlich das Wort ergriff:
„Mir scheint diese Lady hier ist tatsächlich aus einem guten Grund für dieses Programm ausgewählt worden. Ihre Ansichten sind schlüssig, sachlich vorgetragen, fundiert und entbehren nicht einer tiefgründigen Logik. Muss in der Familie liegen. Der alte Hoffmann hat früher auch immer solche Sprüche getan... bevor er zusehen musste wie seine eigene Tochter quasie vor seinen Augen gefoltert wurde. Das hat ihn kaputt gemacht, Fee. Das hat ihn tatsächlich und wirklich so richtig kaputt gemacht und dafür kann keiner hier was, nicht mal er.

Aber er bekommt jetzt Hilfe und du hast dir den Titel Dr. der Pferdewirtschaft redlich verdient. Sogar mehr noch als diese beiden da, die nur große Sprüche klopfen können und ansonsten seid Monaten zu dieser Runde nur Murks beisteuern.“, meinte der Kommandant reichlich gönnerhaft und überhörte das zweifache kollektive Luftholen wie auch das unterdrückte Schnauben von Dr. Bauer,

während er einfach noch weiter sprach:

Zumindest weißt du das unser Überleben auch manchmal davon abhängen kann unbequeme Entscheidungen zu treffen, die vielleicht auch das Opfern von ein paar Pferden beinhaltet – auch wenn ich diese Ansicht und Auswertung der Agrar-Expertin und auch unserer Amish-Expertin nicht teilen kann. Trotzdem solltest du deine Entscheidungen mal zwischendrin in Ruhe überdenken, Jensen.

Wenn du tatsächlich jeden Experten in den Archen sofort und ohne Doktorarbeiten zum Doktor ernennen willst, hast du bald tatsächlich nur noch hocheingebildete Akademiker um dich rumhängen.“

Was auf das Selbe bei rauskommt, wie wenn er es sein lässt. Denn wenn alle einen Doktortitel haben sind alle gleich. Und keiner sieht auf den anderen herab und schimpft ihn Kindchen oder so.

Denn spätestens seid dem Sonnensturm bin zumindest ich absolut kein Kind mehr. Für andere kann ich nicht sprechen.“, schloss Fee leise und setzte sich sachte im Stuhl zurück, lehnte sich an und trank die Flasche aus.

Hört, hört!“, prustete Dr. Bauer amüsiert heraus und klopfte mit einem Stift auf seinen Block.

Sagen sie uns doch bitte Fee was ihre Pferde schaffen. Wie muss der Boden beschaffen sein, welche dichte, welche Tiefe im Sediment und Erdaushub...“, fragte er sie ernsthaft.

Fee berichtete die nächsten Zehn Minuten nur über die Gegebenheiten des idealen Feldgrundes, den Experimenten der letzten beiden Jahre herausgebracht hatten und die Arbeitskraft ihrer PS bevor sie wieder schwieg und der nun neu entbrenneden Diskussion, um den passenden Siedlungsgrund lauschte.

Also scheiden die Berge komplett aus. Die Hufe und Beine der Tiere könnten großen Schaden nehmen. Bleiben die Täler, weiter unten, wo sich das Wasser angesammelt hat. Wir nehmen von verschiedenen Teichen Wasserproben, das können wir noch jetzt im Winter tun und graben die Sedimentschichten mit den Bulldozern um, sobald der Schnee schmilzt und wir sehen können wie nun alles darunter so aussieht. Ich denke nach wie vor an Planquadrat 3c, auch wenn es etwas weiter entfernt ist. Gut dreißig Kilometer und ich weiß das sie denken, das ist zu weit. Doch mit den Solarmobilen dürfte das rüberschaffen des Materials bei Tageslicht locker zu schaffen sein und später haben wir Pferdekutschen die uns hin und her bringen. Genesis kann als eigenständige Stadt hier bleiben und als Rückzugsort bei schlechter Witterung. Sogar die Fohlenaufzucht könnte hier im geschützteren Bereich stattfinden, sobald diese von den Stuten getrennt werden könnten.“, schlug Dr. Neidhammer ernsthaft vor.

Fee sah seinen kurzen Blick in ihre Richtung und nickte ein wenig wiederwillig.

Das setzt aber voraus, das jemand hier ist der mit den Fohlen arbeitet, sie pflegt und trainiert. Sie müssen trainiert und richtig von klein auf ausgebildet werden, gleich wenn sie entwöhnt werden und einen Auslauf haben... und genug Futter natürlich. Die Sonne zu sehen und zu kennen währe ebenfalls vorteilhaft, wenn sie später im Freien arbeiten sollen. Sonst erschreckt sie alles was draußen vor sich geht und wenn Genesis unabhängig sein soll muss es entweder hier unten im Dunkeln Felder geben und eine Wiese, was ich aber bezweifle das sie das hinbekommen, denn wie sonst sollen die Pferde das grasen lernen... und für uns auch Kornfelder. Getreide. Für Brot und das Futter der Nutztiere.

Die Nutztiere würden zu zwei dritteln nach Solaris gehen und ein drittel würde hier bleiben für unseren eigenen Bedarf. Wir behalten erfahrene Tierpfleger hier, die die Zuchtprogram-me, die ähnlich gelagert sind wie ihre, Fee, weiter durchführen würden. Solange wir die Solarmobile haben ist sogar ein Transport der Tiere auf den Hängern möglich, dann müssen sie die weite Strecke nicht zu Fuß zurücklegen.

Doch getrieben zu werden in einer Herde ist nützlich und Sinnvoll für den Muskelaufbau und dreißig Kilometer ist locker in zwei Etappen zu schaffen. Motorräder und Kutschen zum Treiben des Viehs... Kühe und Pferde können so sehr gut getrieben werden und würden auch ankommen.“, warf Fee wieder ein.

der Kommandant machte sich dazu Notizen und Dr. Fischer schnaubte nur wieder undamenhaft.

Wir sind hier nicht im Wilden Westen. Sie haben doch selbst gesagt die Tiere könnten sich verletzen.

Mutterstuten mit Fohlen müssen aber laufen und Fohlen müssen lernen bei der Mutter zu bleiben und mitzulaufen. Pferde sind Fluchttiere und sie lernen von den Eltern. Fünfzehn Kilometer sind nicht viel am Tag. Das schafft ein Fohlen wenn es langsam vorwärts geht und das wird es. Schrittgeschwindigkeit eben. Wenn der Boden in 30 Kilometern gut ist und fruchtbar währe es absolut verschwendet hier die Erdkruste abzutragen. Menschen haben früher noch viel weiter auseinander gelebt … und sie haben trotzdem gelebt.

Währe natürlich schöner, wenn wir die anderen Pferde dazu gehabt hätten. Wann ist Arche 1 eigentlich offen? Kann ich mit rüber um zu sehen ob da noch Wüstenpferde überlebt haben?“, fragte Fee in die Runde.

Währe nicht schlecht, wenn wir von allen Sorten Tierexperten jemanden mitnehmen könnten, um zu schauen was da überlebt hat.

Dr. Keller hat alle Türen der Tiere öffnen lassen als die große Hitze kam und nicht mehr wegging, nur mit Ausnahme die der Raubtiere. Die hat er gleich erschossen, damit sie nicht wild und zu gefährlich werden würden.

Es kann gut sein, das kleine Tiere sich ins Erdreich gewühlt haben oder die Wüstenpferde überlebten tatsächlich, die manchmal wohl noch größere Hitze als sechzig Grad gewohnt waren. Allerdings nicht Tag und Nacht. Na ja. Ein oder zwei Tage, dann ist Arche 1 offen. Dann können wir hinein und die Leichen begraben... wenn nach zwei Jahren überhaupt noch etwas übrig ist um es zu begraben.

Vielleicht werden sie ja auch überrascht und außer der Technik hat sich dort gar nichts verabschiedet. Vielleicht haben auch noch Menschen überlebt und sich irgenwo in eine kalte Quelle gelegt und abgekühlt. Vielleicht machen wir uns auch völlig umsonst Sorgen um die Arche.“, murmelte Fee leise vor sich hin.

Alle sahen wieder wie auch Kommando zu ihr hin, diesmal mitleidig.

Das Sterben hatte schon begonnen, Fee. Keller hatte schon von dreißig Toten nach der ersten Nacht in Hitze berichtet und vielen anderen denen es sehr schlecht ging und die alles versuchten um nicht lebendig zu kochen. Doch Die Erde, das Wasser, alles hatte sich erwärmt. Die Wärmebrücken waren in Arche 1 aus irgendeinem Grund nicht ausreichend. Das Gestein nicht so hart und abwehrend wie gedacht. Bei uns ging es durch den Granit gut und durch die zwei Wärmebrücken gefüllt mit kaltem Wasser die noch künstlich durch Kältestäbe die Elektronisch liefen weiter runtergekühlt wurden. Doch in Arche 1 müssen diese Systheme versagt haben. Dadurch wurde die kochende Wärmebrücke wohl zur Warmhalteplatte für die darunter liegenden Gesteinsschichten. Es gab keine Entspannung. Und wenn sie die Systheme wieder zum laufen gebracht hätten, dann sicher auch das Funkgerät. Dann hätten sie uns Bescheid geben können.“, wandte Kommandant Jensen nüchtern ein.

Da waren jede Menge Kinder in Arche 1. Die nächste Generation... damit es noch etwas zwischen Jung und alt genug um Mutter und Vater zu sein in Solaris geben würde. Noch ein dazwischen. Eine weitere Altersklasse vor den vielen Teenagern und Halbwüchsigen aus denen die Archen nun bestehen.

Die hätten besser reifere Erwachsene genommen, statt der ganzen Kids. Die können eher planen und nicht so in Anarchie verfallen. Solaris wird sowieso ein großes Desaster werden, mein Wort darauf. So verschiedene Menschen aus so verschiedenen Archen und einige davon nun stolze Rebellen eines durchgeknallten Kommandanten, andere hörige Sklaven eines anderen Kommandanten .. Du ja auch, Fee, nicht wahr? Du hast dich nur ein Mal deinem Vater wiedersetzt und das ausgerechnet bei einer so unwichtigen Sache wie der Partnerwahl.“, meinte Dr. Fischer abschätzig.

Dr. Bauer stand empört auf, doch Fee hob einfach nur eine Hand und beugte sich am Tisch leicht vor.

Wenn ich es Recht überlege hat ESA nur einen einzigen Fehler gemacht in ihren Berechnungen.“, begann sie zuckersüß denn solche tiefschlagenden Angriffe von Giftnattern war sie schon lange gewohnt.
„Und welchen genau?“, fragte Dr. Fischer ebenso scheißfreundlich zurück und hob spöttisch die Brauen.

Sie hätten sämtliche durchgeknallten Milfs und alten Leute draußen lassen sollen und die Archen alleine mit Kids und Teens füllen müssen. Wir zumindest wissen wie man sich benimmt. Sie hingegen scheinbar nicht. Wenn ihnen die guten Argumente ausgehen oder sie sich langweilen, suchen sie jemanden um darauf rumzuhacken. Ich glaube ich bin da etwas erwachsener und erfülle lediglich die mir gestellten Aufgaben, sage meine Meinung wenn sie gefordert wird und bin zu was nutze. Dr Fischer, was genau ist hier eigentlich ihr Fachgebiet, da sie sich ja so überaus wenig auf andere Meinungen und fundierte Kenntnisse einlassen mögen? Haben sie etwa auch schon einen Höhlenkoller und halten sich für einen

besserwisserischen Gott?“, fragte Fee sie milde.

Die Frau lief krebsrot an und wollte auf sie losgehen, doch Dr. Neidhammer sprang auf und hielt sie derbe fest.

Sibylle, das war eine durchaus korrekt vorgebrachte und berechtigte Frage nach deinem Angriff auf Frau Haggedorn. Du weißt genau welche Order wir hier heute hatten und hast es dennoch gewagt sie darauf anzusprechen.“, zischte der Wissenschaftler zornig und auch Komman-dant Jensen kam nun um den Tisch herum gelaufen.

Ich denke ihre heutige Anwesenheit und Teilnahme ist sinnlos, Sibylle. Fee hat recht. Wenn sie keine anderen Meinungen und fundierte Kenntnisse zulassen können kann ich sie im Expertiesen-Team nicht gebrauchen und Angriffe auf Personen lassen für ihr Innenleben schlimmes vermuten. Melden sie sich binnen einer Stunde bei Dr. Oppermann zur Untersuchung an. Sie können jetzt gehen!“, sagte er zu der immer noch zornig blickenden Frau und die wurde nun sogar noch röter im Gesicht.

Sie erlauben das ein solcher Teenager eine hochqualifizierte Wissenschaftklerin abkanzelt? Sind sie noch zu retten, Jensen?“

Auch sie ist eine Wissenschaftlerin. Wir alle sind das mehr oder weniger. Frau Haggedorn hat vollkommen recht. Hier zählt Akademikergehabe nicht mehr und Titel auch nicht. Hier zählt nur eine fundierte, kontrollierte und auf Logik und gesundem Menschenverstand basierende Zusammenarbeit, die allerdings Weisungsgebun-den passieren muss und zwar auf allen Seiten. Ich als Kommandant muss mich vor der Kommandantur verantworten, sie sich vor mir und vor ihren Kollegen, die alle anderen Experten sind, welche in ESA zuflucht fanden.

Selbst eine Küchenhilfe ist derzeit ein Experte und eine werdende Mutter ebenso. Der Blickwinkel aus dem wir gerade unsere Welt betrachten mag wirklich fehlgeleitet sein durch die alten Hirachien. Doch Frau Haggedorn hat eine bezwingende klare Sicht auf die Dinge und lässt sich auch durch ihre arge Provokation ganz erwachsen und vernünftig, sogar nach diesem neuerlichen traumatischen Ereigniss in ihrem Leben nicht aus der Ruhe bringen. Ihre Argumente waren heute sachlich und fachlich korrekt.

Wir haben fünf einsatzfähige Arbeitspferde und der Rest ist zur Zucht da... ausschließlich zur Zucht für ESA und unser aller Überleben. Seltsam dass sie das so erstaunt. Schließlich sind sie hier die Führende Biologin und hätten eigentlich selbst darauf hinweisen müssen, dass in ihrer eigenen Sichtweise der Dinge ein Planungsfehler liegt. Wir alle sind zur Zucht aufgefordert und unsere Verträge mit ESA wurden klar umrissen. Darauf Rücksicht zu nehmen bei allem was wir tun ist oberstes und wichtigstes Gesetz. Das Leben zu schützen und niemanden auszubeuten. Nicht mehr die Umwelt die sich erst selbst heilen muss und auch nicht die Menschen und Tiere die nun noch darauf leben sollen.

Wir haben Glück gehabt... wir alle. Die Wissenschaftler von ESA die zu alt für die Arche waren aber sehr erfahren gaben uns allen nur eine zwanzig Prozentige Überlebenschance... zwanzig Prozent, Sibylle. Aber wir sind noch da und wie wir uns nun verhalten ist extrem wichtig. Jeder einzelne Mensch zählt und auch deren geistige Gesundheit. Also reißen sie sich zusammen oder nehmen sich eine Auszeit von ihren Pflichten.“, befahl er weiter und Dr Neidhammer half ihm die nun ärgerlich aufkreischende Frau Dr Fischer aus dem Container raus zu schaffen und sie den Wachen zu übergeben.

Dr Friedel schmatzte nur belustigt mit den Lippen.

Das hätte sie mal besser nicht getan, die Gute.“, griente sie Fee kurz an und

zwinkerte. Fee starrte nur reserviert zu ihr hin und runzelte schließlich die Stirn.

Finden sie es lustig wenn andere Menschen abgeführt werden, weil sie durchdrehen?“, fragte sie die andere Wissenschaftlerin kalt.

Nein ich finde es belustigend das ein so zerbrechlicher Geist immer noch eine solch große Stärke aufweist, Fee Haggedorn. Meinen Respekt dafür haben sie.“, sagte sie leicht herablassend.

Den können sie behalten. Ich sage nichts nur damit andere mich respektieren, ich tue nichts dafür das sie es machen. Ich bin ich und sie sind sie. Sie geben zu viel auf die Meinung anderer, Dr Friedel. Das sollten sie besser mal lassen und einfach ihr bestes geben in dem was sie tun... dabei nett und umgänglich zu sein erscheint mir sinnvoll angesichts dieser Katastrophe um uns herum. ESA hat ausdrücklich darauf geachtet umgängliche und beliebte Menschen zusammenzubringen. Natürlich funkt die Natur da mitten rein und macht aus einigen wieder unbeliebte Menschen doch das muss hier nicht sein. Sie können ihre Abneigungen oder Vorlieben, Respekt oder Respektlosigkeit stecken lassen. Keinen der was auf sich hält sollte das kümmern, was sie über ihn oder sie denken. Es kommt auf jeden von uns an. Ohne das klappt es nicht. zumindest das habe ich begriffen und ich habe denen vergeben die mir weh getan haben. Auch meinem Vater. Er hat sich vom Tod meiner Mutter nie wieder ganz erholt. Mich zu sehen, damals... es war mehr als er noch ertragen konnte und ich wusste das. Ich hab es immer gewusst. Nur habe ich immer mit weit mehr Verstand seitens des Psychologen gerechnet und mit mehr Solidarität unter den Menschen. Da habe ich mich geirrt. Ich glaube das größte Problem das Solaris haben wird ist schnell eine gut funktionierende harmonische Struktur mit strengen Regeln aufzubauen, bei deren Verstoß es umgehende und harte Sanktionen geben muss. Das alleine hält die Menschen zusammen und auf Kurs, so wie mein Vater es gesehen hat, so wie er es gemacht hat. Es war eine gute Regelung die nur einzig den persöhnlichen Willen und die Rechte der einzelnen Personen zu sehr beschränkt hat... eigentlich auch nur meinen Willen, die der anderen hat er immer zählen lassen. Aber das alleine ist wichtig, wenn so viele Menschen zusammenfinden. Unsere letzte Gesetzgebung können sie echt vergessen. Strafen müssen viel härter und strenger sein, von Anfang an und die Strafmündigkeit muss runtergesetzt werden, damit sich die Kids keine groben Scherze auf Kosten anderer leisten. Die Kinder werden sehr viel schneller erwachsen werden als früher. Ich hab es selbst so erlebt.

Ich stehe noch nahe drann, aber Teenagerrebellion geht nicht an einem solchen Ort. Hormonüberschwänge, heulattacken... wenn die Mädchen und Jungs so was hatten sind sie eingesperrt worden bis ihre Attacke vorbei, ihr Trotz weg und sie gelernt hatten sich selbst besser zu kontrollieren. Es war nie wirklich lange und hat keinem geschadet. Wenn sie denken das macht Sklaven aus uns dann will ich erleben wie es wohl 4 ergangen währe ohne Kleintiere, ohne Milchvieh, ohne Hühner denn die sind uns in den ersten Monaten durch eine Tierseuche eingegangen. Und ohne richtige Vollwertige Mahlzeiten, weil die Hälfte unserer Weizenvorräte schimmelig wurden durch die Hitze und damit unbrauchbar befahl mein Vater eine strickte Rationierung der verbliebenen Vorräte in Arche 2. Es hätte sonst Kämpfe um alles gegeben. Anarchie. Es währe Menschlich gewesen um alles zu kämpfen und das Recht des stärkeren zu fordern, die Pferde zu essen, denn die haben genügend Fleisch auf den Rippen gehabt. Wir hatten eigentlich immer Hunger. Aber wir leben heute noch. Und jetzt können wir auch wieder mehr essen, wenn Arche 4 vielleicht was von ihren Samen und vom Kleinvieh teilt, damit Arche 2 wieder selbst zusätzliche Nahrung produzieren kann. Das ist es was wir in Arche 2 ausgestanden haben. Und darum herrschte dort so ein Drill dem jeder tatsächlich gefolgt ist. Das Wort des Kommandant ist Gesetz und keiner hinterfragt dieses Gesetz. Es sei denn es beschneidet die persönlichen Rechte eines Menschen, verletzt oder quält ihn, foltert ihn oder tötet ihn.

Das ist meine Meinung zu diesem Thema aber sie können gerne eine andere Vertreten und weiter belustigt davon sein das ihre Kollegin eben zum Doktor geschickt wurde weil die Höhlen sie scheinbar mitgenommen haben. Ich hoffe sie selbst sind auch regelmäßig in psychologischer Behandlung. Bei uns in Arche 2 war das Pflicht. Es hat uns allen sehr geholfen nicht den Verstand zu verlieren und weiter an einem Strang zu ziehen.“, schloss sie und nahm noch einen letzten Schluck Wasser bevor sie den Stuhl zurückschob und aufstand. Die männlichen Teilnehmer der Sitzung standen ebenfalls leicht irritiert auf, was Fee irritierte, doch dann begriff sie, das sie höflich sein wollten, wie Gentlemen.
„Komandanten Jensen, würden sie mich für den Rest der Sitzung bitte entschuldigen? Ich fühle mich gerade nicht so gut. Das hängt glaub ich mit der Schwangerschaft zusammen. Langsam wird mir etwas kodderig zumute.“, gestand sie dem Anführer von Arche 4 leicht verlegen.

Der nickte nur ernsthaft und kahm zu ihr hin um ihr seinen Arm als Stütze anzubieten

Möchten sie zu unserem Arzt, Fee? Er hat noch ausreichend Medikamente vorrätig gegen Schwangerschaftsübelkeit und dergleichen

Beschwerden.“, bot er ihr an.

Nein, vielen Dank. Aber so schlimm ist es noch nicht. Ich würde mich nur gerne ein bisschen ausruhen.... und dann irgendwas helfen. Schließlich sollte jeder hier eine sinnvolle Auf-gabe erledigen und meine Pferde sind ja noch nicht hier.,..“

Gehen sie nachher bitte noch in Höhle drei, wenn es ihnen besser geht, neben unserem Fuhrpark. Ich möchte ihre Einschätzung haben, ob die Zäune für den Bedarf der Pferde so ausreichen oder ob es noch Veränderungen braucht bis in drei Tagen ihre Pferde herübergebracht werden. Gerade sind schon meine Mitarbeiter dort um ein Heu und Strohlager anzulegen. Schließlich brauchen die Tiere das Futter in der Nähe.“, meinte er freundlich zu ihr.

Fee nickte nur erschöpft und ließ sich von ihm zur Tür begleiten, die er öffnete und sie immer noch zu stützen versuched hinausführte.

Josh! Bring Fee bitte zu ihrer Wohneinheit zurück und verständigt ihren Partner im Maschi-nentunnel, dass es ihr nicht gut geht. Sagt auch Giselle bescheid, dass sie einmal nach ihr sieht, Schwangerschaftsübelkeit.“, sagte er zu einem der Wachtmänner, der sofort besorgt die Stirn runzelte und an ihre Seite trat. „Ja, Kommandant, wird gemacht!“, salutierte der Wächter kurz zackig und der Kommandant ließ Fee bei ihm zurück und kehrte in den Container zurück.
Verwirrt sah Fee sich nach ihm um und dann den fremden Soldaten an.

Wer ist Giselle?“, fragte sie ihn nervös. Der Typ mussterte sie viel zu interessiert, also begann sie demonstrativ mit ihrem Armband zu spielen.

Giselle ist unsere beste Hebamme, begnadet und liebevoll … außerdem sehr erfahren mit jungen Müttern. Bei ihr sind sie gut aufgehoben, Fee.“, meinte dieser Josh gewinnend lächelnd und reichte ihr den Arm, den Fee aber nicht annahm.

Danke es geht schon. Ich brauch keine Stützte, mir ist nur ein bisschen Übel. Und ich kenn den Weg zurück schon, also brauchen sie sich nicht zu bemühen...“
„Josh... mein Name ist Josh, wenn sie gestatten dass ich mich vorstelle. Joshua Freischmidt. Es freut mich sie kennen zu lernen, Fee. Sie sind die Pferdeexprtin, nicht wahr? Die sie aus 2 herrübergeholt haben, weil bei uns bessere Bedingungen herrschen und es mehr Platz für ihre Tiere gibt, bis die Aussaat draußen beginnen kann.

Außerdem haben sie so die Möglichkeit mit ihrem Partner zusammen zu leben, der dringend bei uns gebraucht wurde, mit seinem Fachwissen über Maschinentechnik.

Bisher hat Elmer das alles irgendwie geregelt

nachdem Smitti umgefallen ist, aber er war nur ein Lehrling, nicht wahr? Gefällt es ihnen denn hier? Haben sie alles was sie brauchen, Fee?“, fragte er sie freundlich.

Zu freundlich fand Fee insgeheim und nickte nur zurückhaltend.

Ja, danke. Und ich brauche ihre Begleitung nicht. Es ist nicht weit und ich weiß wo Sam ist, das hat er mir noch gesagt. Bleiben sie lieber hier, falls auch Dr. Friedel einen Koller bekommt. Das wäre sicher nicht so schön, dann keinen Wächter vor der Tür zu haben.“, verabschiedete sie sich noch leicht erbebend doch sie versuchte es immerhin zu unterdrücken.

Die Kerle hier waren viel zu interessiert an ihr, viel zu feundlich und betont umgänglich. Am liebsten währe sie nun direkt aus der Arche raus und zurück nach Arche 2 zu ihren Pferden gerannt. Währe nicht stehen geblieben bis sie bei Butterball war um zu sehen wie es ihm gerade ging, oder dem Fohlen, das sie Socke nennen wollte, weil sein Vater Shadow war und es nur einen einzigen weißen Strumpf an einem einzigen Bein hatte, ansonsten waren die Braunschwarz.
Hart schluckend wandte sie sich von dem nun reichlich verdutzt wirkenden Soldaten ab und rannte tatsächlich los. Durch die erste, dann durch die zweite Höhle ohne auf die Rufe oder die

seltsamen Blicke ringsum zu achten.

Der Wächter folgte ihr, doch das bekam sie gerade gar nicht mehr mit.

Ihr Hirn setzte aus. Sie musste Sam finden. Dritte Höhle links, dritte Höhle.... sie rannte hinein und da war er auch schon. Stand vor einem enormen Fuhrpark an Maschinen die mit geöffneter Haube vor ihm standen und vier Kerle standen mit ernsten mienen um ihn rum während er gerade etwas erklärte.




14. Kapitel




Sam...“, würgte sie hervor und er hob den Kopf. Sein braunes Haar viel ihm in wilden Strähnen in die verwundert blickenden tiefbraunen Augen hinein.

Er ließ den Schraubenzieher fallen, den er in der Hand hatte und kam mit raschen Schritten auf sie zu. Sie versuchte ihm noch entgegen zu gehen doch ihre Beine zitterten auf einmal so stark.

Hey... hey... Fee, komm schon. Sieh mich an, was ist passiert? Was hast du? Hat dich was aufgeregt?“, murmelte er beunruhigt und zog sie dann einfach weil nun sogar ihre Zähne zu klappern begannen ganz fest an seine Brust.

Weiß... brauche... nicht... kann nicht... „, stammelte sie zusammenhanglos und er nickte nur als würde er jedes ihrer Worte verstehen.

Schh... ist gut... ist schon gut. Fee, ganz ruhig, atme einfach, und schließ die Augen ich bring

dich zurück...“

Sam, sollen wir den Arzt für Fee holen? Geht es ihr nicht gut?“, melete sich Elmer besorgt.

Sam sah nur kurz irritiert über die Schulter zurück.

Nein, alles okay, das hat sie manchmal und normalerweise gehen wir dann zu ihren PS, die ihr helfen drüber weg zu kommen. Aber Pferde habt ihr hier ja noch nicht, also bring ich sie heim. Macht einfach das was ich euch gezeigt hab, El...“, sagte er vernünftig und nüchtern klingend zu dem gleichaltrigen jungen Mann, der nur zögernd nickte.

Sam hob derweil Fee die einfach nicht aufhören konnte zu beben auf seine Arme und trug sie zurück zu ihrer Nische.

Der Soldat folgte ihm auf dem Fuß.

Eben war noch alles in Ordung. Ihr war nur ein bisschen schlecht. Also hat sie sich von der Sitzung entschuldigt und wollte sie suchen.“, erklärte er ihm atemlos.

Sam nickte nur ohne den Fremden anzusehen.

Schon gut, sie hat mich gefunden. Ich bleib bei ihr, danke!“, kanzelte er den Typen, der ganz eindeutig andere Motive als nur rein oberfläch-liche Sorge für einen Mitmenschen hatte, ab. Das konnte er ganz deutlich an seinen Blicken erkennen.

Also ging er dem Soldaten nur stumm voraus, bis

zu ihrer Nische und trug Fee zum Bett, legte sie darauf nieder. Ihr Blick war inzwischen starr geworden, ihre Haltung steif.

Fee, komm schon... mach jetzt nicht schlapp, du bist raus, schon vergessen?“, fragte er sie nun doch ziemlich besorgt und setzte sich neben sie. Doch sie reagierte gar nicht.

Soll ich wirklich nicht den Arzt rufen?“, fragte der Soldat vom Vorhang wieder nervend.

Sie braucht keinen Arzt, sie braucht ein Pferd... und jetzt verschwinde endlich, Mann!“, zischte Sam ihn nur nervös an, rannte fast zu ihm hin und riss die Vorhänge vor seiner Nase zu, bevor er zu Fee zurückkehrte, sie kurzentschlossen wieder auf den Arm nahm und sich mit ihr auf dem Schoß an die Felswand setzte.

Ich bin da Fee, hörst du? Ich bin da und pass auf, auch wenn ich kein richtiges PS bin.“

Er wiegte sie sachte hin und her, weil er sich so hilflos fühlte. Und irgendwie schien das dann doch zu helfen. Ihr Kopf lag an seiner Schulter und irgendwann schloss sie die Augen und erschlaffte ganz plötzlich.

Die Starre war weg. Sie war nur erschöpft, redete er sich selbst gut zu. Sie war eben einfach nur erschöpft von dem ganzen Primborium und nicht mehr.

Es währe besser gewesen sie nicht gleich wieder zu fordern und damit zu überfordern.

Verdammt. Er seufzte leise auf und zog sie noch fester an sich. Legte sein Kinn auf ihren Scheitel und spührte wie ihr Körper sich allmählich wieder erwärmte.

Gerade da kam eine Frau zum Vorhang herein. Sie trug eine Tasche bei sich... offensichtlich eine Ärztin.

Ich bin Doktor Ina Tremmel.“, stellte sie sich unwirsch vor, kam zum Bett und ergriff einfach Fees Handgelenk.

Sie braucht keinen Arzt. Sie könnten ihr sowieso nicht helfen.“, sagte Samuel beherrscht, aber abweisend zu ihr.

Für das Helfen sind sie da, für ihre Vitalwerte ich. - Wann hat sie zuletzt etwas gegessen oder getrunken?“, fragte sie nüchtern und zupfte an ihrer Haut auf dem Handrücken herum.

Dehydriert scheint sie schon mal nicht.“

Sie war Frühstücken!“, meldete sich eine weitere Frauenstimme vom Eingang her. Eine etwas korpullente Frau trat ein und zog den Vorhang wieder zurecht.

Eine Schale Müsli mit frischem Obst, dazu ein mit Wurst und Salat-Beilagen belegtes Brot. Sie hat alles gegessen. Außerdem hat sie gerade beim Kommandanten eine halbe Flasche Wasser getrunken,

Ina.“, meldete sie ruhig.

Dann ist es ja gut. Trotzdem braucht sie nun deutlich mehr Zucker und Fett in ihrer Ernährung, damit der Körper besser mit dem seelischen Schock zurechtkommt.

Mach ihr mal eben den Mund auf, Samuel!“, befahl die Ärztin heiter und zückte ein kleines weißes Tütchen. Ein Zuckertütchen!

Eiserne Reserve, trocken, kalt und dunkel gelagert, halten die eine Ewigkeit. Ist nur für Notfälle gedacht, also nix für dich. Kipp ihr das mal eben direkt auf die Zunge. Der Zucker sollte sie dann wiederbeleben und für Extraenergie sorgen.“, sagte die gutmütig scheinende Ärztin weiterhin gelassen bleibend und reichte Sam das bereits aufgerissene Tütchen.

Hm...okay...“, murmelte Sam und ließ Fee ein wenig im Arm nach hinten sinken, schob ihr den Mund auf und kippte das Tütchen über ihrer Zunge aus.

Gut so... alte Methoden sind immer noch die Besten. Wir haben hier in Genesis sogar schon mit der Zuckerrüben- Neuproduktion und auch Raffinerie begonnen. Wir werden es wohl wie unsere Großeltern machen und Beutel aus Leinenstoffen nähen, um den Zucker zu verpacken. Doch es sollte möglich sein unseren Bedarf in der kleinen Gruppe zu decken. Herzlich Willkommen übrigens in Arche 4, Samuel Haggedorn. Von dir hört man nur Gutes und von deiner Fee noch viel Besseres.

Sie ist tatsächlich gerade eben mit Dr. Sturkopf Andrea Fischer aneinander geraten und hat ihr in ruhigem, sachlichen und vernünftigen Ton erklärt was wir alle schon seid Monaten sagen, brüllen und mit ihr diskutieren: Die ESA-Pferde sind nicht ausschließlich für harte, stundenlange Arbeit da. Ganz sicher züchten sie auch. Es sind schließlich Arche-Pferde, oder? Hart arbeiten müssen ein paar von ihnen, doch sicher nicht Steine wegzerren und Beton abtragen. Außerdem hat Dr. Fischer einfach ohne die führenden Experten auf dem Pferdegebiet geplant, organisiert und nur gemeint, die würden ihr schon zustimmen. Die Frau ist Geologin und Agrarexpertin und soll demnächst den besten Platz zum Siedeln für Solaris suchen, und nicht in Utopien leben.“

Sie hat in einigen Dingen aber schon Richtig gelegen. Der Boden unter dem harten Gestein ist sicher nun echt fruchtbar und gut, von der Lava und den Mineralien tief aus der Erde. Besser als die Sedimente über der Erde, die alle sicher Steriel sind. Das hat Sonja auch immer zu mir gesagt.“, meldete sich Fee plötzlich schwach klingend und seufzte dann leise auf.

Fee... geht’s dir gut? Du hattest einen Anfall.“, erklärte Samuel ihr rasch, als sie sich nun sichtlich ratlos umblickend aufsetzte.

Ja, war doch klar. Ich habs komen gespührt und mich schnell rausgezogen als mir komisch geworden ist. Aber dann sind mir die Typen nur wieder so auf die Pelle gerückt. Ich hab dich noch gesucht...“, murmelte sie leise an ihn gewandt und er nickte nur ernsthaft.

Du hast mich auch gefunden, also ist jetzt alles okay... Das ist Dr...äh sie heißt Ina... Tremmel und das ist...“, rätselte er zu der zweiten Frau deutend die sich grienend an die andere wandte.

Ich bin Giselle, die hiesige Oberhebamme, wenn man bedenkt dass die anderen beiden Mädchen frisch mit ihrer Ausbildung fertig waren und noch gar nicht so viel Erfahrung mitgebracht haben. Sie lernen ständig dazu, ebenso wie ich selbst noch zuweilen.“, sagte die rundliche Frau fröhlich und setzte sich nun ebenso auf das Bett.

Wie weit bist du denn jetzt, Fee? Achte Woche oder weiter?“, fragte sie sie angelegentlich

Ähm... nein, noch nicht so weit. Vielleicht vier.“

23.02.2 oder 24.02.2, den Tag können sie sich aussuchen!“, brummelte Samuel trocken dazu.

Oh... ihr habt die Schwangerschaft geplant eingeleitet?“, fragte die Ärztin sie beide erstaunt.

Fee war es die ihr stirnrunzelnd antwortete: „Nein aber das waren die einzigen Tage an denen wir zusammen waren und dann hat mein Vater mich weggesperrt, weil ich die Partnerschaft zwischen uns beiden nicht gleich wieder beenden wollte und Sam wurde achtkannt aus der Arche rausge-schmissen, zusammengeschlagen und nach 3 zurückgebracht.“, murmelte sie erbittert.

Keine guten Startbedingungen. Und dann jetzt auch noch diese unschöne Auseinandersetzung mit Andrea – Dr. Fischer.

Du weißt, das unter starkem Stress die Schwanger-schaft abbrechen kann, Fee?“, fragte die Hebamme sie besorgt.

Hat man uns schon mehrfach mitgeteilt“, unterbrach Samuel die Hebamme nun deutlich genervt. „Aber noch ist sie schwanger und darüber zu reden, dass es weggehen könnte regt auch auf, mich zumindest. Also lassen sie es doch einfach mal sein.“, schlug er knurrend vor und Fee lächelte ihm dankbar zu.
Sachte strich er ihr mit dem Daumen über den Handrücken und Sam sah nur aus den Augenwinkeln heraus dass die Ärztin und die Hebamme sich kurz bezeichnend anblickten, bevor die Ärztin zögernd zu lächeln begann.

Nun, sieht so aus, als ging es dir soweit auch wieder gut.

Ruh dich aus, streng dich nicht an und am Besten

währe auch kein Stress. Ich werde dahingehend auch den Kommandant informieren.

Expertiesen hin oder her, doch wir müssen an euer leibliches Wohl denken, deins und das deines Kindes, Fee.“

Es wird ihr schon deutlich besser gehen, wenn sie ihre Pferde um sich hat. Das Stresst sie dann nicht, sondern entspannt sie. Ebenso geht es mir mit meiner Harley.“, gestand Samuel der Ärztin nüchtern.

Ach dann ist das hier also der Besitzer von dem Ding zu dessen Rettung sich vorhin dreißig Genesis-Soldaten und Handwerker freiwillig gemeldet haben?“, spöttelte die Hebamme vergnügt zu der Ärztin hin.

Fee wandte sich sofort zu Sam um um ihn anzusehen.

Sie haben dir deine Maschine weggenommen als du hergekommen bist?“, fragte sie ihn betroffen.

Und dir deine Pferde, deine Gitarre, deine Sachen, deine Freiheit...“, zählte er nüchtern auf. „Wir holen uns das alles wieder. Freiheit hast du nun immerhin schon mal, oder?“, brummelte er wieder nur beruhigend, als sie ihn traurig anblickte.

Mein Vater hat meine Gitarre wahrscheinlich kaputt gehauen, weil ich mich geweigert habe den Vertrag aufzulösen. Das hat er mir zumindest so gesagt.“, teilte sie ihm wehmütig mit.

der Kommandant von Arche 2 hat ein Instrument eines ESA-Mitgliedes zerstört, um seinen Willen durchzusetzen?“, fragte die Hebamme die inzwischen aufgestanden war kiecksend nach.

Er wollte nur nicht dass ich Sam heirate... aber wenn ja dann nicht für lange. Eigentlich nur genau so lange bis ich schwanger sein würde. Er hat mich zu erpressen versucht damit ich den Auflösevertrag unterschreibe, aber das hab ich nicht getan. Da hat er meine Gitarre genommen , ist raus damit und es hat geknallt als würde er sie geggen die Container schlagen. Also denke ich er hat sie kaputt gemacht und mich dann eingesperrt, damit ich nicht mehr zu den Pferden gehen konnte.

Er hatte mich dann auch schon fast soweit. Ich hätte nach den langen Tagen ganz sicher alles gemacht damit er mich nur wieder aus dem Dunkeln rausläst. Doch dann war Sam da und hat mich geholt. Er hat mich da wieder raus geholt.“, murmelte sie ganz leise vor sich hin.

Die Ärztin kehrte zurück und stellte für Fee nicht

sichtbar einen kleinen Aufnahmerekorder an und in Fees Nähe auf das Bett.

Fee, warum wollte dein Vater dass du Samuel Haggedorn verlässt und den Auflösevertrag unterschreibst?“, fragte sie offiziell und Samuel warf ihr einen richtig finsteren Blick zu, der sich gewaschen hatte. Fee ahnte immer noch nichts von dem Verhör als sie die Schultern zuckte und sich nur wieder gegen seine Schulter lehnte.

Er ist nicht mehr richtig klar im Kopf, glaub ich. Nach der Sache mit Jan... da hat er allen streng verboten mich auch nur anzusehen. Aber der Vertrag mit ESA war noch da und auch wenn alle gesagt haben ich muss ihn nicht erfüllen, sie würden eine Ausnahme machen... mein Vater ist sehr pflichtbewusst. Und hat nur dauernd gesagt es sei wie bei meinen Pferden. Eine kurze Paarung, dann hätte die Stute nichts mehr mit dem Hengst zu tun, wenn alles geklappt hat. Er hat mich fast ein halbes Jahr bearbeitet und auch Dr. Georg hat da mitgemacht. Schließlich hab ich's versucht und es hat aber nicht funktioniert. Die Typen aus 2 hatten richtig Schiss davor, was mein Vater mit ihnen macht, wenn ich dabei ausraste oder es mir nicht gut geht. Also hab ich gewartet, bis die anderen Archen durchgebrochen waren... Ich hab Sam gesehen und gedacht, he wenn er noch nicht vergeben ist oder nichts dagegen hat... dann könnte ich das ja einfach mit ihm durchziehen... vielleicht. Er wusste ja nicht wer ich bin und hatte auch keinen Schiss vor meinem Vater, weil er ihn gar nicht kannte. Und dann... hat er mir aber seine Jacke geliehen, draußen im Schnee und jemand sagte er hat sich Frostbeulen geholt auf dem Weg nach Hause, nur damit ich nicht friere, damit ich es warm habe. Ich hab noch die ganze Nacht lang überlegt und dann dachte ich nur... wieso nicht? Was kann ich verlieren? Ich frag ihn einfach. Und er hat ja gesagt... weiß nicht wieso. Er ist ein toller Typ und die Mädchen müssten total auf ihn abfahren. Er ist Rücksichtsvoll und nett aber nicht einmal ansatzweise verklemmt oder verlegen, aber in 3 hat das keiner so gesehen.

Die haben ihn gemieden wie die Pest. Weil er der Sohn von Haggedorn war. Und mich haben sie gemieden, weil ich die Tochter von Hoffmann war.

Das hat einfach so gepasst und dann wurde er immer netter und freundlicher und hilfbereiter und alles hat echt so wahnsinnig gut geklappt.

Da hab ich mir überlegt.. warum dem reinen Zucht-Plan von meinem Vater noch folgen, dass ich in fünf Jahn fünf Kinder von fünf Männern austrage und zur Welt bringe, bevor ich der Welt den Rücken kehren sollte? Sam ist ideal, nicht nur für eins, sondern für alle fünf ESA-Kinder, hab ich so gedacht. Und er war bereit den Vertrag längerfristig zu schließen.“

Das bin ich immer noch. Ich bin dein Mann, Fee und du meine Frau und Scheiß auf ESA und ihre stumpfsinnigen Pläne zur Mehrleutegemeinschaft. Das bringt auch nicht unbedingt die größten und besten Chancen hervor zu überleben und Artenvielfalt herzustellen. Wir werden genau so viele Kinder haben wie du es gerne willst und wenn es zehn sind, sind es zehn. Was aber sicher nicht heißt dass du sie in nur zehn Jahren alle gebären musst. Dabei würdest du ja kaputt gehen.“

Dem stimme ich zu, Fee. Fünf Kinder in fünf Jahren ruiniert deine Gesundheit. Dein Vater sollte das eigentlich wissen.“, kritisierte die Ärztin den Plan ganz kurz.

Ich glaube nicht das mein Vater jetzt überhaupt noch irgendwas weiß oder klar sieht, was mit mir zu tun hat. Er hat mich geschlagen nur damit ich unterschreibe, dass ich mich von Sam trenne und das aus freien Stücken, blabla.

Sam hat es aber nicht unterschrieben, obwohl mein Vater behauptet hat er wüsste bescheid über den Plan und hätte es auch nur so vorgehabt. Samenspender sein und fertig. Aber als er mir die Unterschrift von ihm nicht zeigen konnte habe ich auch nicht unterschrieben das ich den Vertrag wieder auflöse.

Vater hat geflucht und getobt und mir mit einer Gerte im Stall den Rücken wund gehauen. Das war am Mogen nachdem er Samuel wegbringen ließ und ich gerade noch bei der Stallarbeit war. Er dachte er kommt einfach mit dem Auflösevertrag vorbei und ich unterschreibe einfach so....“

Kann ich mir das vielleicht einmal ansehen?“, fragte die Ärztin sofort alarmiert.

Fee seufzte nur leise auf und zog ihr Hemd so über den Kopf, dass sie selbst nichts mehr sehen konnte, doch sie hörte Sam immerhin leise zischen und die Ärztin laut ihre Striemen und Blessuren aufzählen.

Mehrere längliche Hämatome von einem biegsamen Gegenstand wie einer Reitpeitsche. Die Haut ist nicht aufgesprungen aber noch immer deutlich verfärbt, schwarz-blau-lila, grün und gelb. Massive Fremdeinwirkungsspuren, die sich mit der Aussage von Fee Hagedorn decken.

Fee wurde langsam unruhig und misstrauisch und schob sich ihr Shirt schnell wieder zurecht.

Ist noch jemand hier, weil sie so komisch reden?“, fragte sie die Ärztin erbost und sah unruhig zum Vorhang hinüber.

Fee, sie zeichnet dieses Gespräch auf dem Rekorder auf und hätte dir das eigentlich längst mitteilen müssen.“, brummte Sam nun wieder ungehalten.

Ja, verzeih. Doch wir sammeln noch immer Beweise die Dr. Hoffmann dazu zwingen werden eine Therapie im geschlossenen Rahmen zu machen, damit sein Geist wieder heilen kann und deiner auch, Fee.

Ja klar, macht das kaputte wieder ganz. Aber ich brauche keine Ärzte für das hier. Ich brauche auch keinen Psychologen mehr, ich hab jetzt Sam und wenn sie endlich hier sind auch meine PS.

Und wenn sie was wissen wollen, könnten sie doch einfach fragen. Ja, ich bin eingesperrt worden... Tagelang... in völliger Finsternis und selbst als ich mich aufgekratzt habe und meine Hände geblutet haben, als ich gegen die fast blinde Scheibe schlug, um raus gelassen zu werden, haben sie nur dann aufgemacht, wenn sie den Vertrag dabei hatten und einen Kugelschreiber. Ich hab das Ding zertreten und den Vertrag zerrissen. Dann hat mein Vater mich geohrfeigt und wieder ins Dunkle gesteckt, mich nicht rausgelassen, mir nicht einmal viel zu Essen gegeben, nur Wasser. Er hat mir gesagt dass ich schwanger bin und Sam von Anfang an eingeweiht war. Dass er mich nicht mehr haben will und ich unterschreiben soll, damit er wieder frei ist, aber ich hab ihm nicht geglaubt und nichts unterschrieben, bis ich einfach nicht mehr konnte. Als ich mich eingepisst hab, haben die mich zwangsgebadet mit Zuschauern und Helfern, die mich festgehalten haben. Ich hab nach Samuel gerufen. Ich hab sie angebettelt ihn zu holen und mich gehen zu lassen, doch ich bin wieder in die Zelle gewandert und die Tür war zu, so lange!

Und dann war ich so weit. So weit dass ich alles unterschrieben hätte, nur um wieder da rauszu-kommen, es war mir schon fast alles egal. Ich wollte da nur wieder raus, raus raus. Aber er ist nicht gekommen. Mein Vater hat mich einfach drinn gelassen, nur um mich zu bestrafen.

Aber Samuel ist schließlich gekommen. Und er hat mich rausgebracht. Also selbst wenn jemand wieder mit der Brechstange kommt, ich unterschreibe nichts, bevor mir Sam nicht persönlich ins Gesicht gesagt hat dass er seine Freiheit wieder haben will.“, zürnte sie nun aufbrausend.

Samuel schüttelte nur wieder finster den Kopf.

Darauf kannst du lange warten, Fee.“, versprach er ihr ernsthaft.

Hoffentlich.“, brummelte sie nur wieder erschöpft in sich zusammenfallend. Die Hebamme räusperte sich kurz.

Noch eins?“, fragte die Ärztin sie besorgt.

Ja, sie ist völlig entkräftet. Der Zucker hilft ihr aber nur kurzfristig. Sie muss noch mehr essen und dann ausruhen. Beine hoch lagern, beruhigende Umgebung...“

Pferde!“, murrte Sam nur wieder düster vor sich hin. „Sie braucht sie wie Akkus die Ladestation. Und ich will verdammt sein, wenn ich ihr nicht heute noch zumindest eins ihrer Tiere herhole damit sie endlich Ruhe findet. Sie hatte seid zwei Wochen kaum Kontakt...

Nein, geh nicht, bleib bei mir Sam! Heute wird das sowieso nichts mehr. Es ist doch gar nichts vorbereitet. So kann hier kein Pferd stehen, also lass es bitte.“, flüsterte sie ganz leise als er schon aufstehen wollte.

Die Ärztin seufzte nur wieder und nickte kurz.

Sie sind von der Arbeit entschuldigt, Samuel. Bleiben sie bei ihr, denn auch ich denke sie hat gerade nur sie gebraucht. Ihre Nähe gibt ihr gerade mehr Halt als alles andere. Sie haben sie aus dem Dunkel geholt. Das schafft ein starkes, vertrau-ensvolles Band. Doch wenn sie zu Bluten beginnt oder Schmerzen bekommt, lassen sie uns bitte umgehend rufen. Dann kommt zu gefährlicher Körperverletzung, Misshandlung, Folter und Freiheitsberaubung auch noch Kindsmord hinzu. Herr Hoffmann kann sich auf so einiges gefasst machen, wenn er seelisch wieder stabilisiert genug ist, um den Tribunalprozess der Kommandantur zu erleben.“

Können sie jetzt vielleicht mal aufhören Feeline weiter aufzuregen, nur einfach mal ihre blöde Klappe halten und gehen?“, fauchte Samul die Ärztin mit platzendem Kragen zornig an.

Die blinzelte nur verblüfft, während die Hebamme kurz ein bisschen feixte und Samuel keck zuzwinkerte.

Ruht euch beide aus. Die Jungs werden schon losziehen und eure Sachen besorgen.

Eine Gitarre und ein Pferd für Fee, deine Harley für dich. Ich hoffe nur dass dir bewusst ist, Junge, dass dann alle Typen in Genesis auf deiner Maschine auch mal Probefahren möchten.“

Wenn sie Öl zur Verfügung stellen...die Kiste läuft nämlich recht kostspielig auf Raps.“, murrte Sam nur wieder schlecht gelaunt und winkte die beiden Damen aufgebracht hinaus, was sie diesmal auch wirklich respektierten.

Erst dann ließ er sich mit Feeline im Arm zurück in die Kissen sinken, zog sie sachte an sich und strich ihr federleicht über den Scheitel. Sie erschauerte leicht.

Soll ich abrücken?“, bot er ihr an doch sie schüttelte nur stumm den Kopf und krallte sich förmlich an seinem Arm fest.

Ich hab da keinen guten Start hingelegt, glaub ich. Die halten mich jetzt sicher auch alle für schwach und durchgeknallt... Bin ich ja auch. Ich bin keine Expertin, Samuel. der Kommandant... Jensen, wollte mich vorhin sogar zu einer Frau Dr. erklären. Weil ich Pferdeexpertin bin und so. Aber das bin ich gar nicht- das war nur Sonja. Ich hab ihre Bücher, ihre Abschriften, das was sie mir beigebracht hat, aber dass macht mich nicht zur Expertin. Ganz sicher nicht.“

Du hast den Titel also abgelehnt und ihnen erklärt das du keine Expertin bist, sondern nur eine Schülerin, die gerade mit den Pferden herumexperimentiert?“, fragte er sie leicht ungläubig.

Ich hab den Titel abgelehnt mit der Begründung das hier alle Experten für irgendwas sind und wenn er mich so benennt, nur weil ich ein bisschen was über Pferde weiß kann er ebensogut Sanna S45 aus Arche 2 wegen ihrer hohen Fruchtbarkeit zum Dr. ernennen oder dich zum Dr. für Maschinenwartung, Technik und Reparatur. Wir alle sind hier nun Experten und keiner sollte sich besonders nennen. Vor allem nicht dann wenn das mit den Archen klappen soll, ohne eine Zwei-Klassen-Gesellschaft zu gründen so wie früher.“

Meine Hochachtung... Fee du hast immer die richtigen Worte parat. Die Herren und Damen waren sicher schwer beeindruckt von deiner Logik.“, spottete er sanft.

Du meinst ich hätte das einfach so annehmen sollen?“, fragte Fee ihn nun doch ernsthaft irritiert.

Nein, ich meine dass du gerade der Kommandantur und den hochrangigen Experten den Kopf gewaschen hast, und das gründlich. Entweder hassen sie dich jetzt alle oder aber sie lieben dich.

Ach du... das wollte ich nicht, Sam. Ich wollte doch niemanden zurechtweisen. Ich hab nur gedacht dass das irgendwie falsch ist mich so zu nennen... und generell irgendjemanden Dr. zu nennen, der nicht Mediziner ist. Wir haben hier doch alle große Kentnisse wegen ESA und sind für irgendwas bestimmtes ausgewählt worden.

Du ganz sicher, ich aber nicht.“, erinnerte Samuel sie erneut halb spöttisch.

Fee sah nur verunsichert zu ihm hoch.

Du bist hier abslout gefragt, Samuel, hast du das

noch nicht bemerkt? Die schätzen dich hier und

sind begeistert...“

Weil ich eine Harley fahre und weil ich zu dir halte? Du hast lebenswichtiges Know-How, Fee, zukunftsträchtig lebenswichtig. Mein Beruf wird dagegen in ein paar Jahren für lange, lange Zeit aussterben. Maschinen wird es nicht mehr geben, wenn das Öl irgendwann alle ist und auch die Solarzellen den Geist aufgeben.“

Du denkst nicht weit genug, Sam. Vielleicht wird es mal kurz zu einem Engpass kommen, doch wenn sie in der Erde, vor allem dort wo früher mal Städte waren Rohmetal und Silicium finden, wenn Solaris erst steht und die Kundschafter die Bodenproben nehmen gehen, kann Arche 3 es bearbeiten und einschmelzen und wieder eine richtige Industrie mit Schifffahrt und Wirtschaft aufbauen. Erst im ganz Kleinen, dann im größeren und irgendwann dann so wie früher. Recycelbare Welt, das ist das neue Konzept und immer im Einklang mit der Natur. Nicht zu viel nehmen da wir sonst alle tot sind, immer für Erneuerung sorgen und wieder alles anpflanzen, von dem man sich nimmt, Bäume, Büsche Sträucher. Der Sauerstoffgehalt der noch in der Luft ist, darf nicht so sehr abfallen. Wir dürfen nicht zu schnell zu viele Menschen werden...

Na ja. Sonja hat mir das so gesagt. Sie war die Expertin, ich bin nur ein Laie.“

Stell dein Licht nicht immer so unter den Scheffel, Fee. Das nervt.“, teilte Sam ihr nur wieder brummig mit und verdrehte kurz die Augen bei der Vorstellung wie Fee mit ihrer motzigen kühlen Art die Anerkennung ihres hiesigen Status durch Jensen ablehnte. Was für ein Witz.

Aber Fee war eben so.

Du denkst ich hab einen Fehler gemacht, nicht wahr?“, fragte sie ihn nun ebenfalls zweifelnd.

Samuel seufzte leise auf.

Nein. Ich denke nur Mist und das was du machst ist deine Sache, denn du bist Fee und weißt was du kannst und was nicht. Und wenn du Klartext mit den Oberen der Arche redest, dich selbst sehr genau kennst und weißt dass du nie im Leben so gut bist wie diese Sonja einmal war... dann hast du es richtig gemacht und der Rest von uns denkt wie gesagt nur ständig irgendwelchen Mist und stört sich daran dass du den Durchblick hast.“

Aber den habe ich gar nicht. Das hab ich denen auch gesagt. Ich kann sagen was die Pferde können und was nicht, jetzt! Ich hab gesagt ich bin weisungsgebunden und wenn die unbedingt alle Pferde als Arbeitstiere verpulvern möchten müssen die Fohlen eben gleich nach der Geburt getötet werden und ich bilde auch die Stuten erst mal für den Pflug und das Lastenschleppen aus, bevor es zur Zucht kommt.

Das wäre dann zwar entgegen Sonjas Plan aber der ist ja sowieso schon dadurch kaputt, dass sie nicht mehr da ist, um ihn zu verwirklichen.

Also sollen die Bonzen entscheiden was nun wird. Ich hab nur gesagt was Sonja geplant hatte. Da ist Dr. Fischer ausgerastet und hat gemeint: „Ha, seht ihr? Sie macht es, sie setzt die Pferde alle ein, also los, lasst uns die zusammengeschmolzene Stein-kruste des Berges abtragen, darunter ist die gute Erde und wir können Solaris hier oben aufbauen, nicht weit weg von den Archen.“

Sam richtete sich abrupt wieder auf.

Spinnt die Frau? Wir müssen runter ans Wasser, dass sagt jeder den ich kenne. Hier oben wäscht der Regen die Sedimente doch gleich alle wieder weg, so ganz ohne Gras und Wurzeln die den Boden halten und wenn nicht der Wind sie mit sich trägt. Selbst wenn der Boden dafür bereitet und aufgebrochen wird... Das hier ist ein Berg. Und man baut immer nur unten im Tal... immer!“, stellte er aufgebracht fest.

Das hat Sonja auch gesagt, aber darauf ist die Biologin wohl noch nicht gekommen. Die haben eine Stelle 30 Kilometer von hier entfernt gefunden die vielversprechend sein soll, viel weiter unten in einem Tal, ein See in der Nähe und anscheinend auch genügend Sedimente die sich dort sammeln. Nur eben nicht so fruchtbar wie echter Mutterboden. Wir werden sehen wie es da ist und ob der Boden sich pflügen und sich etwas darauf anbauen lässt. Ich denke die werden bald mit der Erkundung beginnen, mit dem Wege planieren und Straßen schaffen. Wenn sie dass dann haben, können wir zwischen den Archen hin und her wechseln, auch außerhalb der Winterzeit wenn hier gerade Schnee liegt.“, murmelte Fee leicht besorgt vor sich hin.

Samuel ergriff nur ihre Hand und drückte sie sanft.

Du machst dir zu viele Gedanken, Fee.

Lass es einfach alles auf dich zukommen. Wie du selbst gesagt hast: Hier gibt es sehr weise Leute und sie werden das Richtige für uns alle tun, weil sie schließlich auch genau dafür ausgewählt wurden.“

Und ich nicht.“, sagte Fee leise vor sich hin.

Wie... du nicht?“, fragte Samuel irritiert nach.

Ich bin hier weil mein Vater meine Werte gefälscht hat, Sam. Meine Eignung war eher mittelmäßig. Selbst die Fruchtbarkeit war übertrieben. Richtig es gab einige Schwangerschaften mit Zwillingen in unserer Familie. Doch was mein Vater verschwiegen hat war das nur wenige davon auch lebendig zur Welt kamen, weil wir zwar schnell schwanger werden aber die Kinder auch ebenso schnell wieder verlieren können.

Meine Mutter hatte vier Schwangerschaften und drei davon waren Fehlgeburten. Ihre Mutter hatte sechs schwangerschafften und sie hatte einmal Zwillinge und einmal meine Mutter. Aber die anderen vier...

Also freu dich lieber nicht zu sehr auf ein Kind. Ich tu's auch nicht mehr. Nicht nach den Prognosen mit denen sie da ständig ankommen. Mein Vater denkt zwar dass die Hormone die er mir gegeben hat helfen werden die Schwanger-schaft zu erhalten aber ich glaube nicht daran.

Zumindest nicht richtig.

Und wenn dann die Archebewohner sehen dass ich eigentlich gar nicht geeignet war hier zu sein, wird es sicher noch einigen Zank geben, da kannst du drauf wetten, Sam!“, erklärte sie ihm ausdruckslos.

Dann ist es halt so.“, lächelte der aber nur träge und zauste ihr kurz amüsiert die Haare. „Ich bin schließlich auch kein so toll passender Genträger für ESA, wenn mans mal genau nimmt.

Einen Eignungstest hatte ich überhaupt nicht. Mein Vater hat einfsch nur entschieden der Junge kommt mit und schluss. Ich war gerade achtzehn und eher schwer erziehbar als erzogen.

Ich schraube gerne an mechanischen Sachen rum, doch mein IQ ist deutlich unter dem Durchschnitt der für ESA wichtig war.

Wir haben also wohl beide Väter die hier und da geschummelt haben. Und wenn du drei Fehlgeburten hast, dann hast du sie eben. Ein Kind reicht, wenn du es irgendwann bekommst. Zumindest mir, was du willst weiß ich ja nicht.“, spöttelte er finster vor sich hin.

Ich wollte immer nur einen guten Mann, der mir

treu ist wie ich ihm auch treu sein will.

Aber ESA erlaubt das nicht. Treu zu sein ist gegen das Artenvielfältigkeitsabkommen.“, murmelte sie niedergeschlagen.“

Ey, Fee... ESA kann uns mal. Solange du meine Frau bist bin ich dir treu und jetzt hörst du auf mit dem Murksreden. Ich hab gehört die Jungs besor-gen dir eine Gitarre aus Arche 2. Egal wem auch immer die gehört, du kriegst eine, weil das dein Instrument war und nicht das deines Vaters. Du bist erwachsen.“, brummte er mürrisch.

Und meinst du die kriegen wirklich deine Harley aus Arche 3 raus?“, fragte sie ihn leise.

Da sind gerade dreißig Männer rübergefahren um die zu holen. Und meinen übrigen Kram, den ich noch dagelassen hatte. Vielleicht haben sie ja auch schon Altmetall drauß gemacht oder das Ding eingeschmolzen, um Werzeuge drauß zu gießen.“, zuckte er nur bitter klingend mit den Schultern.

Und das alles nur damit du mich in Sicherheit bringen und weiter mit mir verheiratet sein konntest.“, flüsterte Fee geknickt. Dann aber atmete sie kurz tief durch und löste sich von ihm.

He, wo willst du denn jetzt hin?“, fragte er sie verwirrt.

Wenn bald meine Pferde ankommen, dann müssen sie Ställe haben, die ordentlich in Schuss sind. Die Hengste besonders, sonst decken die Wahllos die Stuten, auch wenn die gerade gar nicht gedeckt werden können. Aber es sind eben Hengste...

Außerdem muss Butterball einen abgetrennten Bereich für sich haben und die Plätze muss ich sehen wo das Heu aus 2 eingelagert werden soll, damit da nichts faul wird...“

Kannst du es denn nicht für heute gut sein lassen?“, fragte Sam sie nur besorgt.

Fee, die sich schon hingesetzt hatte und traurig zu ihm zurückschaute schüttelte schließlich langsam den Kopf.

Du liebst deine Harley und ich meine Tiere, Sam. Aber deine Harley braucht einfach nur einen trockenen Flecken und ein Bisschen Öl im Tank und Schmiermittel auf dem Motor, meine Tiere dagegen sehr viel mehr, sonst gehen sie ein und damit währe Solaris am Ende.

Das kann ich nicht zulassen.

Vor allem nicht weil du ja auch noch gesagt hattest das sie mir am besten sofort ein Pferd mitbringen sollen.

Ey das sind dreißig Mann und wenn die übel drauf sind machen die das am Ende sogar noch und dann ist hier nichts bereit. Außerdem hat der Kommandant mich vorhin angewiesen mir die Umzäunungen anzusehen wie sie geändert werden müssten. Da kannst du auch mit kommen, Sam. Wenn die nämlich mal für Elefanten waren, sind die bestimmt aus Stahlrohren gefertigt und viel zu breit und zu hoch gesetzt. Die Fohlen könnten auf Streifzug gehen und sich verletzten...“

Okay, gab Sam nach und schüttelte innerlich seufzend den Kopf. „Aber zuerst isst du noch was gutes und trinkst einen halben Liter Wasser. Das war die Anweisung von Dr. Ina und Giselle, der Hebamme. Wenn es in deiner Familie schon mal so war, dass es Fehlgeburten gegeben hat, dann möchte ich dass du ab sofort vorsichtig bist, Fee, okay?“, stand er ebenfalls auf und griff nach ihren Fingern. Sie griente nur wieder kurz und seufzte dann leise auf.

Ich mache nichts was das Kind gefährdet, Sam, aber ich werde meine Tiere auch nicht vernachläs-sigen. Das kann ich einfach nicht.“

Das hat ja auch niemand von dir verlangt, Fee. Aber wenn du dabei drauf gehst nützt das deinen PS auch nichts mehr. Also bilde dir jemanden aus der alles so gut kann wie du. Fang gleich damit an und bestell jemanden zur Pferdepflege, teil Leute ein und leite sie an, wie sie die Ställe vorbereiten sollen.“, riet er ihr und Fee nickte nachdenklich, während sie sich die Arbeitsstiefel anzog.

Vielleicht wäre eine Herdenhaltung auch wirklich vorteilhafter, wenn hier genug Platz ist und ein genügend großer Auslauf vorhanden, als diese engen Boxen in Arche 2. Sonja hat immer gemeint Pferde sind Herdentiere ihre natürliche Haltungsart zu unterdrücken währe ein Fehler. Sie entwickeln sich besser und auch die Fohlen würden kräftiger wenn sie herumtollen könnten. Außerdem ist auch die Verdauung besser in Bewegung und sie könnten mal ein bisschen herumrennen, auch wenn das wieder Gefahren und Verletzungsrisiken birgt... Aber jeder Versuch den wir bisher in die Richtung gemacht haben schlug fehl... ich weiß nicht... ob ich es hier überhaupt versuchen sollte. Was wir jetzt absolut nicht brauchen sind noch mehr verletzte oder sogar tote Pferde, also werde ich vorerst bei den Boxen bleiben, denke ich und die müssen alle erst mal gebaut werden, aber vielleicht größer als früher wenn wir hier den Platz haben. Ein eigener kleiner Paddock zum bewegen fünf mal fünf Meter oder besser noch mehr...? “, murmelte sie weiter vor sich hin.

Samuel sah und hörte ihr zu wie sie leise Pläne schmiedete für ihre PS und war erstaunt wie fundiert ihre Kenntnisse waren und wie wenig Selbstvertrauen sie doch besaß, wenn es darum ging zu erkennen dass sie tatsächlich schon eine richtige Expertin für ihre PS war.

Daran konnte auch ihr Vater nichts ändern oder er selbst.

Schnell zog er sich an und hielt ihr dann einfach

die Hand hin.

Gehen wir was futtern.“, meinte er nur wieder ruhig und ernsthaft und sah sich in ihrem kleinen Lächeln, dass sie ihm prompt schenkte bestätigt.




15. Kapitel





Sam schlug den Vorhang zurück und war über-rascht von dem Menschenauflauf vor der Nische.

...Ey, wir wollen die beiden ja nicht beim Sex stören, sondern ihnen nur ihr Zeug bringen...“, sagte Fred gerade verstimmt zu jemandem, der sich breitbeinig vor der Nische aufgebaut hatte.

Und ich sagte es bereits... Feeline Haggedorn ist unpässlich. Das hat sie selbst vorhin in der Sitzung erklärt und die Hebamme ist gerade erst gegangen.

Ihr werdet mit unserer führenden Pferdeexpertin später reden und euch einfach mal selbst solange um eure Probleme kümmern müssen...“

Ey das sind ihre Tiere um die es hier geht und Sams Harley. Wir sagen ja nur bescheid...“

Ich sagte...“, fauchte die blonde Frau nur wieder

Verzeihung, was ist denn hier los?“, fragte Fee sofort, als sie naben Sam getreten und auch stehen

geblieben war.

Die Frau drehte sich überrascht um und Fee erkannte Dr. Friedel.

Eva Friedel, nicht wahr?“, sagte Samuel grimmig. „Also sie stehen hier ganz sicher nicht herum und halten meine Leute auf zu mir zu kommen, wenn sie was wissen oder mir sagen wollen.“, bestimmte er finster und auch Fee wurde langsam sauer auf die nun so superlässig tuende Frau Dr. der Amischlehren. „Was ist mit meinen Pferden? Warum sollen die Leute nicht zu mir kommen? Wenn's um meine Tiere geht hab ich das Sagen und sie ganz sicher nicht. Also verzieh-en sie sich endlich, sie falsche Schlange und ver-sprühen sie ihr Gift woanders. Ich bin schwanger und nicht todkrank. Ich hab vorhin gesagt mir war etwas kodderig zumute und das war auch so. Kodderig vor allem durch ihre und Frau Dr. Fischers absolut hemmungslos zur Schau gestellte Blödheit!“, herrschte sie die Frau, die sofort erheblich biestiger wirkte lautstark an.

Fee... Frieden!“, griff Samuel ihre Arme und sie sah ihn nur kurz grimmig an.

Nö, fällt mir nicht ein. Die Kuh hat sich darüber amüsiert das Frau Dr. Fischer vermutlich einen Höhlenkoller hat. Ist das zu fassen? Und die nennt sich erwachsen und mich Kindchen. Nur weil ich klar gemacht habe das meine 13 Pferde keine Spezialmaschinen im täglichen 8 Stunden Einsatz sind, um oben auf dem Berg eine Siedlung zu bauen. Weiß doch jedes Baby das ein Siedlung ins Tal gehört.

Hier oben hat man keinerlei Schutz vor den Witterungen und alle Sedimente werden wegge-waschen, gleich wenn's regnet.

Außerdem sollen meine Pferde statt zu Pflügen Steine wegschaffen. Tausend Kilo-Findlinge oder so. Wenn das mal langt. Aber vielleicht denkt Frau Doktor ja auch sie weiß es besser als ich?“, herrschte Fee Eva Friedel nur wieder derbe an.

Ich halte es für einen schweren Fehler sich so aufzuregen und damit deine eigene Nachzucht zu gefährden, Fee. Aber so ist die Jugend nun mal. Sehr dumm und zuweilen aufbrausend. Na ja...“, stöckelte Dr. Friedel nun affektiert lachend davon und Fee wusste immer noch nicht was das eben gerade werden sollte, doch Samuel lenkte sie sofort wieder mit seiner Frage an die raunenden Männer ab.

Was ist denn nun mit Fees PS?“, fragte Sam seine Leute verwirrt Elmer war s der ihm feixed antwort gab: „Sie sind hier. Alle auf einmal. Gerade eben eingetroffen, da vorne am Tunneleingang.“

Fee ging der Arsch geradewegs auf Grundeis.

Nein!“

Doch! Arche 2 wollte sie nicht mehr haben. Irgendjemand hat rumgetobt, bei denen und ist mit 'ner Mistgabel auf den Stalltypen losgegangen, weil er ein Pferdesteak haben wollte.

Die drehen da drüben gerade ziemlich durch, die dünnen Archeleute. Da dachte wir, wir packen den verletzten Gaul und das Fohlen auf den Laster und binden die anderen einfach dahinter an. Sind auch alle ganz brav mitgekommen, auch wenn sie zwischendurch total gequietscht und mal nach dem Nachbarn getreten haben. Aber der Stallbursche und die Pflügearbeiter sind bei den unruhigen nebenher gelaufen.“, sagte Freddy stolz.

Oh mein Gott, hier ist doch noch gar nichts

vorbereitet - und was ist mit dem Fohlen?“, stieß Fee aus und rannte dann auch schon los.

Tatsächlich standen die Pferde von Schaulustigen Leuten dicht umdrängt in der erste Halle. Fee sah nur noch weiß-rollende roteAugen bei zwei ihrer temperamentvollsten Hengste und bei drei Stuten. Shadow schlug gerade auch noch nach hinten aus, als jemand ihm zu nahe kam. Doch die Leute lachten nur bewundernd darüber statt auf Abstand zu gehen, weil sie sich grade echt in Todesgefahr brachten. Mein Gott! Waren die denn alle verrückt geworden?

SOFORT ALLE WEG VON MEINEN PFERDEN!“, brüllte sie aufgebracht los.

Samuel drang bereits in die nun nur zum Teil überrascht umdrehende Menge ein und seine Gehilfen folgten ihm eilig. Schnell hatten sie eine Absperrung mit ihren Körpern gebildet und schoben, drängten und stießen die neugierigen Leute weiter von den Pferden weg, damit die mehr Platz bekamen.

Fee aber rannte nur so schnell sie konnte zu Mika hin, der versuchte den steigenden Shadow zu beruhigen.

MACHT DAS IHR WEG KOMMT, BEVOR ICH EUCH ERSCHIEßE, IHR ARSCHLÖCH-ER!“, schrie sie wieder in die Runde und endlich schienen die Leute zu begreifen, dass sie gerade selten dämlich und gefährlich handelten.

Gib ihn mir, Mika! Mika, lass los, gib ihn mir! SHADOW NEIN!“, herrschte sie den Hengst erbost an und zerrte heftig an seiner Leine, der auch sofort ganz brav auf den Boden runterkam und nur noch heftig zitternd und zusammenzuck-end mit den Augen rollte.

Fee sah nur seine Ohren an, sah ihm nicht in die Augen und packte sich dann schnell auch noch das Seil seiner Lieblingsstute, während nun von irgendwoher Soldaten kamen, wie auch der Kommandant... im Laufschritt!

Butterball auf dem Laster wiehrte schrill und etwas stieß hart klopfend da drinnen gegen die

Wand.

Mika! Butterball! Gib ihm ein Sedativa!

Er hat schon zwanzig Milligramm intus, Fee.“, berichtete der Stallbursche ihr aufgeregt.

Aber wir mussten da sofort und unbedingt weg, ehrlich! Die wollten sich die Pferde schlachten.. zumindest aber das Fohlen oder Butterball.

Die sind so ganz ohne den Kommandant als Leitfigur abgedreht. Zu viel Freiheit und zu viele Typen die da neu rumspringen und dauernd allen sagen das alles dürft ihr und jenes auch, fordert es einfach ein, es steht euch zu... blabla!

Dein Vater war da deutlich besser, aber den haben sie ja nun in die Klapse gebracht.“, berichtete Mika ihr atemlos und kletterte eilig auf den Laster hoch. „Tür auf, Mann wir müssen das Fohlen rausholen bevor Butterball da drinn alles kurz und klein schlägt!“, rief Fee und sah Sam an ihrer Seite auftauchen und zu dem noch immer unruhig und panisch zuckenden und trippelnden Hengst an ihrer Hand aufsehen.

Sam, nein! Sieh ihn nicht direkt an! Keine Sekunde in die Augen, gar nicht! Sieh nur auf die Ohren, Sam und hau ihm eine auf die Nase wenn er sie flach am Kopf anlegt oder die Zähne zeigt.“, reichte sie ihm Shadows Seil energisch zu.

Wenn er sich nur unruhig bewegt, dann lass ihn einfach um dich rumtanzen, bis er wieder anhält, aber halt ihn die ganze Zeit über fest, steh an seiner Schulter hier, wo ich gerade bin und bleib um Himmels willen ruhig, sonst trampelt er einfach über dich drüber, wenn du vor ihn gerätst.“, befahl sie ihm schnell. Sam nickte nur grimmig und hielt das Seil fest, während Fee nun ebenfalls auf den Laster hochkletterte.

Butterball, Stopp! Hohhh! Brrrr!“, sagte sie mit tiefer, bemüht ruhiger Stimme und stolperte an dem aufgehängten aber panisch um sich schlagenden Hengst vorbei an dessen Kopfende.

Beinahe hätten die herumschlagenden Hufe sie erwischt.

Butterball!“, wiederholte sie und sah auch diesem wild gewordenen Hengst keine Sekunde lang in die Augen, während der hart mit dem Kopf um sich stieß und erneut schrill wiehrte.

Sedativa 10 Milligramm, Mika!“, sagte sie während der Stallbursche bereits den Arzeneikasten durchstöberte, den er mitgebracht hatte und dann Fee das Gewünschte reichte.

Sie prüfte die Einstichstelle und fand den Fehler den Mika gemacht hatte. „Du hast es ihm nicht intravenös sondern intramuskulär gegeben, Mika, das wirkt so nicht schnell, wenn überhaupt bei seiner derzeitigen Anspannung - Hooooh! Hey... mein Junge... Keine Sorge, Butterball dass haben wir gleich... - Halt ihn am Halfter fest!“, befahl sie ihrem Gehilfen und der hängte sich mit seinem ganzen Gewicht an den Kopf des Pferdes an, während Fee nun die Spritze setzte und den Hengst betäubte. Nach nur wenigen Minuten hörte er auf zu schlagen und zu strampeln. Sie rieb ihm den nun wieder herabhängenden Kopf und murmelte beruhigende Worte, während auch sie sich langsam zu beruhigen versuchte.

Schließlich nickte sie Mika zu, der erleichtert aufatmete.

Ich bin so froh, dass du das hier jetzt wieder übernimmst, Fee.

Echt die haben da drüben alles versucht mir deinen Job zu geben und kurz dachte ich, ich pack das vielleicht sogar. Aber ich kanns einfach nicht so sicher wie du. Du kennst sie besser, vor allem Shadow. Und dir vertrauen sie auch mehr als mir, weil du mehr riskierst als ich. Aber ich habs versucht. Bis heute. Weißt du? Da kamen die zu uns zwangsversetzten Hirnis, die in 2 auf einmal viel schlechter verpflegt wurden, als in ihren alten Archen und die haben rumgepöbelt und dachten sie schlachten ernsthaft das Fohlen oder aber Butterball, weil der ja schon in den Seilen hängt, statt sich mit unseren schon seid Jahren bemessenen Rationen zufrieden zu geben.

Die beschissenen Archen haben uns nämlich bisher noch nichts abgegeben. Uns ausgegraben schon, aber wofür? Wir hungern immer noch, dabei prahlen die Soldaten aus 3 und 4 von massig vielen Hasen die sie züchten und schlachten und von Meerschweinchen und Tauben und Enten, die sie an einer Tour mampfen... Ich krieg fast schon Alpträume von all dem was die uns dort erzählt haben. Die haben sogar Rattenpopulationen zum Essen gezüchtet und das geht superschnell bei denen. Aber nicht eine haben sie zu uns rüber gebracht, die reden nur und seid sie bei uns sind schielen sie dauernd in den Stall rein, weil sie hungrig sind und wesentlich unzivilisierter als wir in Arche 2.

Ja, hier gibt es schließlich auch erheblich mehr zu Essen als bei uns. Trotzdem war es unverant-wortlich die trächtigen Stuten so weit hier rüber zu schaffen und sie alle aufzuregen, wo doch die

anderen Geburten unmittelbar bevorstehen.

Gott im Himmel und unser guter Butterball hier... Ich will nur hoffen dass er sich nicht noch schwerer verletzt hat, mit dem Gezappel eben. Hat der Doc das Bein richtig fixiert, Mika?“, fragte sie ihn ängstlich.

Eine Gipsschale, verstärkt mit Metall und Kunststoffbandagen die Knüppelhart geworden sind, Schwer, metallisch verstärkt und eisenhart. Ich glaub nicht dass er die geknackt hat, Fee. Aber das Fohlen ist gerade total verstört und Gilly dreht schon seid einer Stunde draußen ab.“, nickte er besorgt zu der hysterisch wieherenden Stute raus und Fee sprang mit ihm zusammen auf. „Worauf wartest du dann noch? Bring Socke raus zur Mutter. Verdammt... dass die das auch sofort machen mussten. Hier ist doch gar nichts vorbereitet...“

Frau Hagedorn?“, sagte da auf einmal der Kommandant, der den Laste betreten hatte und nun vorsichtig auf das hängende beinahe schlafende Pferd in der Konstruktion blickte.

Ist hier alles in Ordnung? Ich habe mir erlaubt ihren Mann mit den anderen Pferden außer einer Stute die sich hier einfach nicht wegbewegen will zu den Tierställen vorauszuschicken. Wenn sie möchten laden wir den Hengst erst dort drüben ab. Wir haben einen Gabelstapler und einen Kran...“

Werden wir beides sicherlich auch brauchen, doch zuerst muss Socke zu seiner Mutter. Die Stute geht nicht weg ohne ihr Fohlen und das was die Leute da draußen veranstaltet haben und immer noch tun, ist einfach nur Dumm, Kommandant.

Wie leicht könnte jemand getötet oder schwer verletzt werden, wenn die Tiere hier in der Menge durchdrehen und sie waren echt gefährlich nahe drann.

Meine Arbeitspferde sind keine Spielzeuge und sie

waren für zwei Jahre im Dunkeln, in Arche 2. Heute haben sie zum ersten mal wieder den Himmel gesehen nur um gleich wieder in eine Höhle getrieben zu werden, in der sie dann aber eingekesselt wurden, wie von hungrigen Wölfen. Das weckt sämtliche Fluchtinstinkte und es ist reines Glück das keiner hierbei verletzt oder getötet worden ist. Im Höhlenkoller sind die Tiere absolut Lebensgefährlich – für alles und jeden!“, erklärte sie Jensen zittrig.

Ich habe den Platz dort draußen komplett räumen lassen, Fee. Sagen sie einfach nur was sie als erstes für ihre Höhlekollerpferde brauchen und wir versuchen es für ihre Tiere aufzutreiben, die für unser aller Überleben wichtig sind.“

Eine starke Umzäunung für zwei getrennte Paddocks, einen für die Stuten und Fohlen und einen für die Hengste, am besten in getrennten Höhlen, eigentlich sogar für jedes Pferd einen eigenen kleinen Boxenauslauf. Und Ruhe vor Dr. Friedel.

Die hat gerade verhindern wollen, das ich erfahre dass meine Tiere hier sind, Kommandant. Als währe sie eine abwimmelnde Empfangsdame und ich gerade nicht für meine Leute zu sprechen. Die tickt auch nicht mehr ganz sauber, aber am erschreckendsten ist, das Arche 2 wohl gerade mit der Inhaftierung meines Vaters vor die Hunde geht. - Ehrlich, Kommandant Jensen. Lassen sie ihn gehen.

Lassen sie ihn seinen Job wieder machen und die Meute, die heute meine Tiere schlachten und essen wollte, wieder in den Griff bekommen. Und schicken sie doch endlich mal ein paar Lebensmittel und Kleintiere zur Zucht und zum Essen rüber nach 2, damit die endlich nicht mehr so viel rationieren und hungern müssen. Ich dachte ihr habt hier mehr als genug von allem? Also warum teilt ihr das nicht endlich mit den anderen Archen die fast nichts mehr haben?“, fragte sie Jensen heiser und strich noch einmal tief durchatmend über Butterballs Kopf.

Wenn wir diese Tiere hier verlieren dann können wir uns auf ein äußerst hartes Leben mit vielen Entbehrungen und totgearbeiteten Menschen einstellen, sobald wir kein Öl mehr für die Autos haben. Immer nur zu Fuß gehen... mit Hacken, Schaufeln und Spaten den Boden Urbar machen und umgraben, und mehrere Tagesreisen einplanen, um von einem Ort zum anderen zu kommen.“

Sie schwieg kurz bevor sie den Mut aufbrachte den Kommandanten anzusehen und sich dem was kommen mochte zu stellen.

Haben sie schon entschieden was ich nun mit den Fohlen machen soll? Erschießen..., damit die Stuten schnell Einsatzbereit zur Arbeit sind und die Zucht erst später beginnen? Ich glaube ich habe darauf imme rnoch keine eindeutige Antwort erhalten, auch wenn sie die Tiere nicht unbedingt hier oben auf dem Berg einsetzen möchten um zu Arbeiten.“, fragte sie ihn ausdruckslos.

Mika im hinteren Teil des Lasters sah erschrocken auf und öffnete schon protestierend den Mund. Fee sah ihn aber nur kurz stechend scharf an.

Bitte halt die Klappe, Mika, dachte sie nur bei sich und schüttelte beinahe unmerklich den Kopf, als er krebsrot anlief.

der Kommandant lehnte sich nur ebenfalls kurz kopfschüttelnd an die Wand an und verschränkte die Arme vor der Brust.

Sie sind wirklich fest entschlossen Weisungsge-bunden und entgegen ihrer eigenen Überzeugung

zu handeln und ihre Fohlen zu töten wenn, andere

ihnen das so sagen?“, fragte er sie ernsthaft.

Es würde mir sehr schwer fallen, Sir, ich würde sie dafür hassen – vermutlich. Aber das hier ist nun nicht mehr die alte Erde. Das hier ist ESA. Die Executive-Survival-Ark. Sie haben das Komando und wenn sie befehlen das die Stuten schnell arbeitsbereit sein sollen, muss ich mich damit abfinden.“

Und sieben Fohlen töten, obschon wir sowieso nur zwölfeinhalb Pferde haben?“, nickte er zu Butterball hin.

Fee atmete kurz tief durch und nickte schließlich.

Wie gesagt ich würde aufpassen das nicht zu viele, wenn sogar möglich gar keine der Pferde bei ihrem Vorhaben drauf gehen, aber ja. So siehts aus.“, nickte sie erneut.

Mika drehte sich kurz zu ihr um und sein Blick war horrend.

Fee, mein Gott, du kannst doch nicht...“, begann er aufgeregt. Fee aber unterbrach ihn rüde.

Bring Socke raus, Mika! Und sei Froh dass du hier nicht das Sagen hast. Wir arbeiten nur für ESA und die Leute, die uns hier Anführen wissen was sie tun und warum. Ich habe mich bisher nur nach Sonjas Plan gerichtet. Doch hatte ich vermut-lich gar nicht die Erlaubniss jetzt schon mit der Zucht zu beginnen. Nicht wenn ESA die Pferde alle Einsatzbereit braucht, um zuerst unser neues Leben in Solaris einzurichten.“, herrschte sie ihn scharf aber leise an.

Mika verstummte keuchend und schüttelte kurz den Kopf, tätschelte das immer noch im Fond angebundene Fohlen am Hals, bevor er den Knoten löste und das Fohlen aus dem Hänger raus und zu seiner Mutter brachte.

Fee atmete erneut tief durch und wappnete sich, weil der Kommandant immer noch schwieg und sie ernsthaft betrachtete, statt etwas zu sagen. Sein Blick war sogar irgendwie hochachtungsvoll.

Sie überraschen mich, Fee. Ja wirklich. Für einen so jungen Menschen schon derart versiert und abgeklärt zu sein... Das wird es sicher leichter machen, mit ihnen zu arbeiten, wenn sie nicht klammernd an all ihren Pferden kleben, sondern tatsächlich vernunftbegabte Entscheidungen zu fällen im Stande sind, auch entgegen ihrer eigenen Überzeugungen.

Doch... Wie sie sicher noch gehört haben, haben uns jetzt vorerst auf das Gebiet 30 Kilometer entfernt verständigt, nachdem Dr. Fischers Thesen über die sofortige Einsetzbarkeit aller Arbeitspferde von Ihnen wiederlegt wurde.

Sie haben Recht mit ihrer Ansicht das nur zwölf Pferde und noch ein schwer verletzter Hengst bei weitem nicht ausreichen, um einen gelungen neuen Arche-Stammbaum zu stellen, doch nichts desto trotz werden wir nun gewiss jedes Jahr die Fohlenanzahl so hoch wie nur möglich halten und ihre Stuten werden tatsächlich alle nur reine Zuchttiere sein, und höchstens einmal vor diesen Kutschen bewegt, wie sie sie es sagten. Für Fahrten die wir mit den Fahrzeugen nicht unbedingt machen müssen, aber um die Stuten in Form zu halten wird es sicher gehen.. wenn sie sie weiter darin ausbilden und auch in Solaris noch so händeln können. Die Hengste zur Arbeit zu gebrauchen, so wie ...Socke, haben sie den kleinen schwarzen Burschen genannt?“, fragte er sie kurz irritiert.

Das Fohlen hat einen weißen Strumpf. Sieht aus wie ne weiße lange Socke, also ja. Sie hat die Kennnummer 14 und ist damit Stute Nummer 8. In zwei Jahren können wir sie schon decken lassen und dann kann auch sie jedes Jahr ein Fohlen werfen, solange es ihr dabei gut geht, versteht sich. Und wenn noch mehr Stutfohlen kommen, können wir vermutlich auch mal ein Jahr zwischen den Fohlen aussetzen lassen, damit die Stuten sich nicht zu schnell verbrauchen und eben doch auch mal zur Arbeit oder vor der Kutsche eingesetzt werden können.

Nimmt eine Stute nicht mehr auf wird sie ebenfalls ein Kutschpferd oder Pflugpferd. Für beides kann ich sie ausbilden, auch wenn's eine Weile dauert, Kommandant. Immer wenn sie gerade erst aufgenommen haben kann man sie immer noch bewegen und lockere Bewegung, wenn auch nicht zu viel, ist sehr gut für die Stuten. Das hält sie gesund.

Ich... wüsste nur gerne, ob in den nächsten Monaten irgendwas ansteht … mit meinen Tieren, was ich wissen sollte. Zum Beispiel Butterball betreffend. Wenn sie ihn wirklich unbedingt schlachten wollen, damit die Arche 2 mal wieder etwas Fleisch hat, weil sie hier doch nicht ganz so gut gestellt sind wie wir dachten, sollte er vorher wenigstens noch die bereits abgefohlte Stute decken, damit wir vielleicht noch einen Hengst aus seinem Blut bekommen. Und...“

Fee sie haben gerade völlig freie Hand mit ihrem Zuchtprogramm für ESA. Es erscheint mir schlüssig zunächst einmal für die Artenvielfallt und Vermehrung zu sorgen. Jetzt haben wir noch eine Menge Futter, hier übrigens auch. Die Kamele und Elefanten sind uns sehr früh eingegangen und alles was die an Heu und Korn Fressen sollten ist immer noch da. Das bedeutet Futter für die Pferde von ungefähr zwei zusätzlichen Jahren, auch wenns schon alt ist. Es hat aber nicht geschimmelt und wurde trocken und kühl gelagert...“, meinte er kurz.

Fee nickte nur wieder erleichtert und strich Butterball sachte über die Stirn. Der Hengst schlief nun angelehnt an ein Schaumstoffpolster und Fee winkte Mika zu, der gerade zurück in den Laster kletterte.

Lasst uns Butterball nun so schnell wie möglich zum Stall bringen und ausladen. Er muss seine Ruhe haben und in einer halben Stunde ist er wieder am Aufwachen, da hätte ich die Geschichte gerne hinter uns.“, sagte sie zu Mika und der nickte nur stumm und sagte irgendwas zu den Leuten die draußen standen.

Sam kletterte nun ebenfalls in den Laster rein.

Halte dich fest, Fee, Freddy fährt den Laster zu den Kamelställen, die erst mal für die Hengste ausreichen, glaub ich.

Das Gatter ist zumindest stark und viel dichter als das bei den Elefanten und es kommt dir ja vor allem darauf an das die Hengste nicht ausbrechen, oder?“, fragte er sie und Fee nickte kurz. „Ja, klar. Danke Sam, gut mitgedacht.“, meinte sie erleichtert.

Er kam zu ihr, wobei er dem Kommandanten ein kurzes Stirnrunzeln schenkte und strich ihr die verschwitzten Haare aus dem Gesicht zurück.
„Und dann wird was gegessen, Fee. Denk an die Anweisungen von Doc Ina.“, erinnerte er sie sanft.

Fee lächelte nur unfroh. „Jaja, klar. Auch ich

gehöre ESA. Wir alle gehören nun noch dem Zuchtprogramm.“, sagte sie leise zu niemand bestimmten, doch Sam ergriff ihre Hand und drückte sie sachte.

Wir gehören uns auch noch selbst, Fee. Und denk daran, dass das hier so deine Entscheidung war.“, erinnerte er sie kurz. Sie nickte nur dann musste sie sich festhalten, weil der Laster ruckelnd

anfuhr.

Nur wenige Sekunden später schon standen sie an den alten Kamelställen und Butterball döste betäubt vor sich hin.

Die Arbeiter brachten einen Kran aus dem Maschinenpark herein und hängten Butterballs Gestell mit Sams Hilfe und einigen wirklich dicken Ketten an, um die kostbare Fracht hochzuheben. Zugleich kam ein Gabelstapler von der Seite um den Boden des Gestells zu stützen dass dieses sich nicht verbiegen würde.

Langsam fast wie in Zeitlupe, schien es Fee stellten sie den sedierten Hengst in einen der kleineren Pferche der von den anderen Separiert war. Wohl ein Arbeitsbereich für die Stallsachen darstellen sollte.

Ja hier ist es gut. So kann er stehen bleiben.

- Sam? Nimmst du mal ein paar Jungs und verteilt fünf große Haufen Heu an verschieden, weit entfernten Punkten auf dem Pferch dort hinten? Sonst kämpfen sie nämlich um das Futter und das muss nun wirklich nicht sein.

Mika, hilf ihnen bitte kurz und geh dann wieder und schau ob Gilly und ihr Fohlen wohlauf sind. Ich kümmere mich erst mal um Butterball, dass er wieder gut aufwacht, wenn ihr nichts dagegen habt.“

Du bist der Boss.“, meinte Mika nur einmal mehr

leicht lächelnd und sah sie dann aber kurz betreten an.

Was?“, fragte Fee ihn verwirrt.

Ich hab mir erlaubt jemanden einzustellen, für die Stuten. Sie ist gerade schon drüben und kommt wirklich gut mit ihnen klar. Vielleicht lernst du Cara mal kennen? Sie ist hier aus Arche 4 und hat sich angeboten mir zu helfen. Ihre Eltern hatten früher eine Pferdezucht, Fjordpferde, Norweger. Aber die sind auch schwer gewesen. Sie kommt wirklich gut zurecht.“, erklärte er ihr noch einmal besorgt.

Fee nickte nur kurz, fast ein wenig benommen. War sie denn so eine Hexe gewesen? Vermutlich.

Wenn du mir sagst sie hat was drauf, dann behalten wir sie auch im Team, okay, Mika?, fragte sie ihn noch mal etwas verwirrt und der nickte nun endlich erleichtert.

Sie ist eine echte Hilfe, Fee. Auch für dich, du wirst schon sehen. Aber... du siehst echt scheiße aus... wenn ich das mal so nebenbei bemerken darf. Du bist wirklich schwanger, oder?“, fragte er sie heiser.

Fee nickte nur, tief durchatmend und schwieg kurz betreten. „Samuel ist jetzt mein Mann. Hier in Arche 4 geht es traditioneller zu als in 2. Ich hoffe wirklich, ich werde es irgendwann ebensogut packen wie Gilly, mit ihrer feinen, starken Tochter.

Aber damit das sein kann musst du was essen und dich ausruhen, Fee!“, stand auf einmal wieder Sam mit einem reich belegten Brot und einer Flasche Wasser vor ihr und reichte ihr beides, wie auch einen Heuballen, um darauf zu sitzen.

Fee lächelte ihn dankbar an. „Du bist lieb, Sam.“

Tu nur meine Pflicht.“, meinte sie ihn darauf brummeln zu hören, wie es so seine Art war.

Fee schluckte trocken.

Pflicht... ja, die hatte sie auch getan. Nur ihre Pflicht, eiskalt und logisch durchdacht, auf Partnersuche gegangen und jeder war ihr Recht gewesen, der sie nicht so ansah als währe sie gestört. Aber Sam tat so viel mehr noch als nur das. So viel mehr.

Seine Hand fand ihre, als hätte er ihr Bedürfniss nach Nähe und Halt gespührt. Ihre Blicke fanden sich wieder, ihrer besorgt, seiner wie immer unglaublich gelassen und ruhig.

Er war wirklich immer gerade dann stark, wenn sie schwach war.

Hi!“

Fee drehte sich auf den fremden Ruf hin um. Da standen ein ihr unbekannter Mann und eine Frau die bestimmt schon mitte-ende Zwanzig sein mochten vor ihr und sahen sie ernsthaft an.

Wer hat denn hier das Sagen über die Pferde?“,

fragte der Mann sie brummig, beinahe unwillig.

Die Frau stieß ihn kurz an.

Wir sind... waren die hiesigen Tiertrainer der Kamele und Elefanten. Wir dachten wir schauen uns mal an, wie ihr das hier so haltet, weil es uns beiden ja nicht gelungen ist die Herden unserer Zuchttiere zu retten.“, sagte die Frau betrübt.

Tiertrainer?“, fragte Fee sie unsicher und sah kurz zu Mika hin, der nur die Schultern hob.

Wir brauchen noch ein paar Leute die aufpassen das die Kids den Fohlen fern bleiben.“, sagte er leise zu ihr.

Ja, das brauchen wir, aber soweit ich weiß hat Kommandant Jensen eine Liste erstellt, auf die man sich eintragen lassen kann, wenn man hier mitarbeiten will.“, wandte Fee kurz besorgt ein.

Die älteren und erfahreneren Leute hier könnten doch sicher schnell versucht sein ihr die Zucht aus den Händen zu nehmen, da sie ja selbst gar kein richtig ausgebildeter Trainer war, dachte sie ganz kurz, verbot sich dann aber so was hässliches zu denken und versuchte es eher rein positiv zu betrachten:

Es schadete sicher nichts, wenn noch mehr tier-kundige Leute um ihre Arbeitspferde herum waren, die zur Abwechslung vielleicht mal wirklich wussten was sie da taten... na ja, oder zumindest halbwegs.

Fee entschied sich.

Okay, wir brauchen Abtrennungen, Stellwände aus Heuballen währen gut, aber nur so hoch das sie echt nicht drüber können, den Nachbarn aber sehen. Das hier, die reine Herdenhaltung funktio-niert einfach nicht in den Höhlen. Wir haben sieben Pferde im ersten Jahr verloren, und auch Sonja, unsere Tiertrainerin, weil die alle in der Herde durchgeknallt sind...“, erklärte sie den beiden aufgeräumt.

Ja, ich kannte Sonja. Wir haben früher im Wildgehege zusammengearbeitet.

Ich war sehr betroffen als ich hörte ausgerechnet ihr sanfter großer Shadow hätte sie in einem Panikanfall angegriffen und getötet. Ich war schon gespannt wer nun ihre Arbeit weiterführt.“, sagte die Frau stirnrunzelnd.

Ich bin Fee...Haggedorn. Samuel hier ist mein Mann und Mika und Cara sind meine Assistenten. Sie ist drüben bei den Stuten.

Ja, das Mädchen haben wir schon gesehen.

- Reiterhoftussi, was?“, brummelte der Mann kurz und entnervt.

Fee runzelte finster die Stirn.

Mika hat sie geprüft, sie schafft ihre Arbeit, sie ist dabei. Und was ich hier ganz sicher nicht brauchen kann sind Leute die nun ständig mit mir darüber diskutieren was denn jetzt nun besser oder schlechter ist für unsere ESA-Tiere.

Ich habe bei Sonja alles gelernt was sie mir in beinahe zwei Jahren beibringen konnte, schon vor ESA und der Arche. Ich hab es dann übernommen die Herde zu trennen und auszubilden und Bewegungspläne wie auch die Zuchtbücher zu erstellen. Ich brauche Leute die wissen was sie tun und die zuhören und vielleicht auch mal Eigenini-tiative ergreifen, wenn es um den Schutz meiner Pferde geht. Die Methode der Ausbildung und Haltung hier in der Höhle steht aber schon längst fest und wird nicht noch einmal diskutiert solange wir hier drinn sein müssen.

Sonjas Methoden endeten mit ihrem Tod und sie selbst hat sie kurz vorher noch in berechtigte Zweifel gezogen und gemeint wir sollten sie vielleicht besser alle voneinander trennen.

Also, wenn ihr einen Job wollt, dann passt auf was

ich mache, dann macht ihr das auch. In dieser Herde gibt es nämlich keine Herde. Es gibt nur Einzeltiere und bald noch deren Fohlen. Es darf hier auch gar keine Herde geben, weil sie sonst um den Rang kämpfen würden, aber nicht genügend ausweichen können um das auch so zu machen das etwas sinnvolles daraus wird statt Pferdematsch und Hirnmasse auf dem Boden.

Noch mal zwei Stuten verloren wir bei unserem letzten Versuch vor 9 Monaten die Herde zu bilden, weil sie der Leitstute und dem Rest der Herde die Panik bekommen hatten, nicht aus dem Weg gehen konnten. Einen weiteren Hengst hat Shadow vor einem Jahr totgebissen und dabei Sonja überrannt, die ihn eigentlich nur holen wollte.

Wir hatten bei uns damals schon alle unsere Stuten, jede Einzelne in verschiedenen Stufen der schweren bis zum Teil potentiell tödlichen Verletztunggraden und reiner Panik. Alle Hengste lagen im Kampf miteinander. Ebenfalls mit Bisswunden und Verletzungen übersäht. Ich hatte keine andere Wahl mehr als das so wie jetzt zu händeln. Jemand musste was tun, also separierten wir die Pferde... alle miteinander. Und wenn wir diese Reitstallatmosphäre mit Boxen auch hier schnell hinbekommen, dann klappt es auch in den Höhlen mit der Zucht und der Ruhe.“, erklärte sie den Trainern die sich kurz entnervt ansahen.

Du warst also auch so ein Hottehühreiter?“, fragte der Mann sie lahm.

He, Arschkeks?“, meinte Samuel nun ehrlich erbost und trat nun vor Fee. „Wer von euch beiden hat denn jetzt noch seine Tierherde, eh? Du oder Fee?“

Da hat Sam absolut Recht. Wenn ihr nur stänkern und uns unkundigen Reiterhofpussys was von guter, heiler Herdenwelt der Pferde erzählen wollt müsst ihr woanders dannach suchen.“, schaltete sich nun auch Mika äußerst brummig ein und stellte sich demonstrativ neben Fee.

In den Höhlen ist es schlicht nicht möglich sie

natürlich zu halten und bei der kleinen Anzahl erst recht nicht.“, versuchte Fee erneut leise zu überzeugen. „Wir arbeiten mit ihnen, jeden einzelnen Tag. Und hier haben sie sogar auch noch einen Auslauf, so dass wir mehrmals am Tag nur ein oder zwei Stuten oder Hengste, für ein oder zwei Stunden nach der Arbeit für Auslauf und wälzen auf einen Platz bringen können auf dem sie herumgehen und ausgestreutes Futter fressen können, so wie in der Natur. Das sollen vor allem die Fohlen dann lernen. Grasen geht hier ja schließlich nicht und das ging auch in Arche 2 nicht.

Wir schützen ihr Leben indem wir sie streng separieren. Herden können sie wieder bilden, wenn die Fohlen geboren sind und diese abgesetzt werden, um eine eigene Herde zu stellen.

Wenn Fohlen kämpfen sind sie dabei noch nicht allzu grob, zumindest hoffe ich das, Doch wenn wir merken dass es nicht klappt, dann separieren wir auch sie. Wir müssen schließlich dem ESA-Programm Folge leisten. Es kommt gerade nicht mehr nur alleine auf artgerechte Haltung an, so wie Sonja es ja auch noch gemeint hat. Herdenhaltung, gut und schön, doch dann sterben welche von ihnen, sterben sie alle nacheinander und das können wir uns bei einem Bestand von nur Zwölf gesunden Pferden, einem verletzten Hengst und einem Fohlen nicht erlauben!“, erkärte Fee den beiden Trainern.

Der Mann ging nur wortlos davon, in den Stall und kam mit Absperrband und Elektrolitzen zurück.

Na, also dann.“, murmelte die Frau leise vor sich hin. „Verzeih Achim bitte, Mädchen. Er hatte auch an seiner eigenen Methode gezweifelt, doch für einzelne Abteile blieb hier bei seiner Elefantenherde nicht genug Platz. Sie drehten komplett durch als er versuchte sie voneinander zu trennen und in der Herde drehten sie aber ebenfalls durch. Genauso wie meine Kamele damals. Wir mussten sie einen nach dem anderen erschießen, weil sie sich und einander schwer verletzten... und du hast nun einen Hengst der auch schwer verletzt ist?“, fragte die Frau sie leise.

Röhrbeinanbruch direkt über der Fessel!“, sagte Mika erneut kurz, als sie sich an ihn wandte. „Ist aber nicht ganz durch, also haben wir ihm eine Hängematte gebaut und versuchen nur das Bein still zu halten bis es geheilt ist.

Kaltblüter sind sehr viel schwerer als Vollblüter. Ich glaub nicht dass er je wieder richtig laufen kann... oder arbeiten...“, meinte die Trainerin seufzend. „Es währe sicherlich besser ihn zu erschießen und von seinen Leiden zu erlösen.“

Fee sah sie nur kühl an.

Er ist aber außerdem auch noch ein Zuchthengst. Sogar der Beste den wir hatten. Er wird in den nächsten Monaten die abgefohlten Stuten decken und wenn er noch eine Weile rumstehen und ab und an einen Sprung auf eine Stute schafft, dann bin ich es ehrlich gesagt zufrieden damit. Er ist untauglich zur Arbeit, das ja. Aber wenn er nicht zu starke Schmerzen hat und immer noch deckt ist mir das vollkommen egal. Wir brauchen jetzt gerade nur noch seinen Samen, nicht mehr seine Arbeitskraft... für mehr Ausgewogenheit unter den Zuchtlinien. Und wenn er zu starke Schmerzen hat oder es nicht mehr schafft die Stuten zu decken

..dann erst wird er von mir persönlich erschossen, nicht früher.“

Die Trainerin schnaubte nur kurz und streckte ihr die Hand entgegen. „Eiskalt und logisch durch gedacht, also doch nicht nur Ponyhof, was? Ich bin beeindruckt... für so ein junges Mädchen, wie alt bist du? Sechzehn? Hattet ihr früher auch schon mal eine solche Pferdezucht?“, fragte sie Fee nun ein Bisschen freundlicher.

Nein, ich hatte wirklich nur ein eigenes Pferd auf einem Reiterhof stehen. Einen schönen Wallach. Aber da gab es auch Shire-Horses und ich hab eben ab und an geholfen sie auf die Weide oder runter zu bringen oder in die Kutschen einzuspan-nen. Es hat mir geholfen diese Tiere hier zu verstehen und zu begreifen das Ponyhof wirklich für immer vorbei ist.

Das hier ist nun ESA. Und ESA kann sich die normale, artgerechte Haltung gerade nicht leisten, aber hier haben wir zumindest viel mehr Platz als... in Arche 2 – Und ich bin übrigens Achtzehn, nicht Sechzehn.“

Fee sah noch einmal kurz unsicher zu dem grimmigen Kerl hin, der sich nun ruhig zwischen den Hengsten bewegte und sie nur ab und an mit ruhiger befehlender Stimme aufforderte ein paar Schritte zu gehen. Er trennte mit den Litzen einzelne Abteile ab und steckte Pfosten in regelmäßigen Abständen in die weiche Erde.

Mika, hilfst du ihm bitte und ziehst in der Mitte wieder einen breiten Korridor?“, fragte Fee ihn leise. „Ich will rüber zu den Stuten und es da auch so machen.“. Sie sah die Frau zögernd an.

Wenn sie mitkommen wollen, Frau...äh...

Amanda... und das ist Achim, eigentlich Joachim, aber so nennt ihn keiner. Er ist komisch, schon immer. Die Elefanten waren sein ganzes Leben und sie zu verlieren hat ihn innerlich kaputt gemacht. Aber die Pferde hier sind recht groß. Vielleicht wenn er hier wieder ernsthaft arbeitet,

erholt er sich davon.“, hoffte sie leise.

Wenn er mir nicht mit Anweisungen statt Vorschlägen zur Haltung kommt ist alles okay. - Ach ja... und ihr beide trefft keine Entscheidungen bezüglich Tod oder Leben meiner Pferde.

Das darf nur ich oder aber der Kommandant.“, sagte sie mit einem gewissen scharfen Unterton zu der Frau die sie prompt irritiert anblickte.

Wie bitte? Warum das denn? Wir sind durchauas qualifiziert einzuschätzen wenn es Probleme gibt oder Tiere leiden...“

Das ist eben so und darüber gibt es ebenfalls keine Diskussionen mit mir. Wenn jemand eins meiner Pferde erschießt dann ich und wenn es angeordnet ist dann mache ich es auch selbst. Ich war mir bis vorhin nämlich nicht sicher, was Kommandant Jensen nun wollte, aber bei dem Meeting heute Morgen ging es darum das die Pferde alle sofort arbeitsbereit sein sollten. Hätte er es mir befohlen die Stuten sofort am Pfug und für Lasten schleppen auszubilden hätte ich die Fohlen alle töten müssen, damit das möglichst schnell funktioniert.

Mika war darüber echt sauer aber er hat hier nicht das Sagen. Das hab ich und ich bin weisungsge-bunden und arbeite für ESA, nicht für die Tiere, nicht für mich und ganz sicher auch nicht für euch.

Ich werde nicht zulassen das meine Tiere in den Höhlen eingehen, Ich kenne sie – alle. Ich hab sie weiter ausgebildet, nachdem Sonja gestorben ist und euch bringe ich auch gerne bei wie ihr sie behandeln müsst, damit sie einigermaßen ruhig und friedlich sind. Aber sie haben eben einen Höhlekoller und der ist irreversibel, nach meiner Ansicht nach.

Nehmt euch also vor allem vor Shadow in acht. Er gilt als Mörderhengst und ist es auch. Mein Vater hat mir vor einem Jahr befohlen ihn zu töten, sobald wir ihn nicht mehr für die Zucht brauchen.

Er ist sehr gefährlich im Umgang, seid Sonja tot ist. Braucht feste Regeln und ein sicheres Auftreten, keine Experimente und eine bestimmte Abfolge in der Arbeit, dann klappt alles... und nur einer der Pflugarbeiter kommt übrigens mit ihm zurecht. Und ich komme mit ihm zurecht... inzwischen.“, gab sie leise zu. Die Trainerin nickte nur stumm und folgte ihr dann auf den Durchgang zur Nachbarhöhle zu.

Sonja war meine Freundin. Ich wollte von Anfang an dass sie hier nach 4 kommt und nicht in Arche 2, aber die großen Tiere haben hier einfach zuviel Platz gebraucht und in 2 war mehr Raum.

- Hat... sie noch lange gelitten, nachdem Shadow sie angegriffen hat?“, fragte Amanda Fee zögernd.

Fee blieb stehen und schluckte mehrmals hart,

bevor sie sich innerlich gegen die Vergangenheit wappnete und die ältere Frau wieder bemüht ruhig

ansah.

Nein hat sie nicht.“, sagte sie schließlich kühl.

Und Shadow hat sie auch nicht angegriffen, er war nur in totaler Panik, so wie alle anderen Pferde auch. Der Generator unserer Höhlen machte murks, tagelang arbeiteten und lebten wir nur auf Baterien und mit Taschenlampen in fast völliger Finsternis. Die Elektriker konnten ihn einfach nicht schnell genug repariert. Zwei Tage beinahe komplette Dunkelheit in den Höhlen, ...und die ganze Herde hat dann gegeneinander angekämpft. Zwei der Stuten sind niedergetram-pelt worden und wir waren gerade draußen um den Rest der Herde einzufangen und getrennt vonaneinander anzubinden, an den Containern wo wir eine Lampe aufgestellt hatten, als Shadow anfing auf Kalle einzudreschen, ein großer grauer Shire... der Beste den wir damals hatten, aber leider zu Rangniedrig um gegen Shadow zu bestehen.

Er hat ihn durch die Umzäunung gehauen aber selbst als der Hengst flüchten wollte hörte Shadow nicht auf. Wir haben mit Absperrbändern versucht Shadow aufzuhalten, mit den Peitschen mit verjagen, doch als Sonja dann vor ihm stand hat er sie schlicht nicht gesehen... Er ist direkt über sie drüber marschiert und einer... einer der Hufe trampelte mitten auf ihr Gesicht, drückte ihr die Nase ins Gehirn und der andere durchschlug ihr sämtliche Rippen auf der Brust und quetschte ihr das Herz ein. Sie war sofort tot.“, berichtete sie leise und schluckte dann wieder hart.

Ich bin hingelaufen aber es war schon zu spät, das hab ich sofort gesehen. Und Shadow ist davongallopiert hinter Kalli her der sich verzweifelt wehrte und wiehrte, aber Shadow war nicht mehr zu stoppen. Ich wusste, wenn ich hingehe bin ich auch gleich tot. Also bin ich rüber zum Büro gerannt und hab das Betäubungsgewehr geholt, während Mika Hilfe bei den Soldaten holte. Wir dachten schon das war's jetzt mit der ganzen Herde... das wars mit der Zucht für Esa. Die Soldaten kamen schon angelaufen verteilten großkalibrige Gewehre, aber ich bin dazwischen, hab sie angebrüllt, das ich noch eine einzige Sache versuchen muss. Das die Pferde unsere Zukunft sind und wir sie nicht einfach so erschießen dürfen. Mein Vater hat mich gehen lassen, allerdings mit seinen zwanzig Soldaten und angelegten Gewehren im Rücken, als ich wieder in den Zaun rein bin, zu den durchgeknallten Hengsten hin, zu Shadow und Kalli der schon am Boden lag und Shadow trampelte nur immer noch andauernd und rasend auf ihm herum. Es war so schrecklich. Ich hab alle Betäubungspfeile genommen die wir vorrätig hatten, als ich das Gewehr geholt hab, ich habs geladen und dann auf alle Pferde geschossen, zwei Mal sogar auf Shadow, weil das erste Mal nach zehn Minuten noch nicht gewirkt hat. Nach einer halben Stunde dann waren alle Pferde betäubt am Boden, die Soldaten kamen in den Pferch und haben Sonja mitgenommen und mein Vater meinte ich hätte das gerade richtig gut gelöst, jetzt hätten die Handwerker zumindest genügend Zeit um den Generator zu reparieren und ich hätte nun ab sofort die Verantwortung für die Pferde, weil ich sie mir gerade einfach genommen hätte.

Wenn es weitergehen würde mit der Raserei, dann läge es nun ganz alleine in meiner Verantwortung die verletzten oder tobenden Pferde zu erschießen oder die Situation endlich in den Griff zu bekommen.

Die sind dann auch sofort alle gegangen und nur Mika hat mir dabei geholfen den Blickschutz und die Boxenabteile aufzubauen, bevor die Pferde wieder aufgewacht sind. Es waren erst nur Ständer mit großen nassen Tüchern, durch die wir drei-fache Elektrolitze gezogen haben, damit sie bei jedem Versuch durchzubrechen heftig eine gewischt bekommen. Es hat einen Monat lang gedauert, sie daran zu gewöhnen in den Einzelboxen zu stehen, sie waren immer noch wie Irre. Wir haben beide Tag und Nacht im Stall geschlafen und abwechselnd Wache gehalten und alle Pferde hatten andauernd ihre Halfter und Leinen an, damit man sie schnell packen konnte.

Haben sie sich wieder zu sehr aufgeregt, ausgeschlagen oder sind in ihrem Viereck herumgerannt, haben wir sie einzeln auf dem Platz rennen lassen, haben sie angeschirrt und schwere Gewichte an die Zugseile gehängt, um sie Ackern zu lassen, sie anzustrengen und dann haben wir es irgendwann aber aufgegeben nur die nassen Tücher zwischen ihnen aufzuspannen und statt dessen fest in Planen eingepackte Heuballen zwischen die einzelnen Abteile gestellt, damit sie das Zeug nicht auffressen und noch etwas mehr Dämpfung der Geräusche und absoluten Sichtschutz zwischen sich hatten. So dass sie sich eine Weile gar nicht mehr angesehen und nur noch entfernt gehört haben.

Und das hat dann endlich geholfen sie zu beruhigen.

An dem Tag als Sonja darüber nachdachte ob sie ihre Herde im Ganzen verlieren würde.. und dann tatsächlich ihr Leben dabei verlor, weil sie dazwischenging, sind drei von den insgesammt zehn Pferden die wir in der Arche verloren haben gestorben. Kalli lag hinten auf dem Boden im Laufstall, kam nicht mehr alleine hoch und blutete nur wie abgestochen. Shadow hatte ihm, als er unten lag, den Rücken kaputtgetrampelt, also hab ich ihn noch am selben Abend erschossen, wie es mein Vater von mir verlangt hat und die Leute in Arche 2 hatten eine Woche lang sehr viel Fleisch zum Essen. Von ihm und den beiden anderen toten Stuten im Korral.

Dann kamen die Soldaten am nächsten Tag und wollten auch Shadow töten, weil er Sonja umgebracht hatte und die ganze Nacht wie von Sinnen kreischte und tobte, sobald er wieder wach war, aber ich hab meinen Vater davon überzeugt das wir seine Blutline zur Zucht noch bräuchten, hab ihn am anderen Tag durch eine Heugasse ganz alleine mit nur zwei rosigen Stuten auf den Platz getrieben und hab sie dort im Freisprung von ihm decken lassen. Da wurde er endlich etwas ruhiger. Letztlich hab ich fast alle Stuten nur von ihm decken lassen, weil ja nicht klar war ob er nicht doch erschossen werden musste, es hat ihn komplett fertig gemacht und ausgelaugt. Sechs Stuten in zwei Tagen, dannach war er erst mal wieder ganz ruhig und friedlich und ich hab ihn ja auch noch jeden Tag auf dem Patz abgehetzt bis er absolut nicht mehr konnte, schweißüberströmt war und vor Anstrengung gezittert hat. Dann erst kam er wieder in seine Box, alleine... und weit weg von

den Anderen. So weit es nur ging.

Na ja. Letztlich haben sich dann alle wieder beruhigt, weil wir das Licht auch wieder anbekommen haben und weil wir sie alle komplett getrennt haben, weil wir sie auch weiter jeden Tag und bei einsetzender Nervosität auch Nachts einzeln bewegt und mit ihnen hart und erschöpfend gearbeitet haben, auf dem Platz der vorher für die ganze Herde da war.

Longenarbeit, Bodenarbeit, Gewichte ziehen, einspannen der Stuten vor ausgeschlachtete Autos die wir zur Kutsche gemacht haben und damit dann durch die Höhlen gefahren sind. So viele Leute sind da täglich mitgefahren, damit die Pferde ackern und schuften und ausgelastet sind... zu müde um nachher noch zu streiten, friedlich und nur noch mit Futtern und Schlafen beschäftigt.

Es hat funktioniert, unsere Pferde leben heute noch. Sie werden nicht mehr artgerecht in der Herde gehalten aber sie sind immer noch da und die restlichen Stuten fohlen in den nächsten zwei Wochen ab... hoffe ich.

Die Pferde haben sich alle an die Höhlen und auch an stundenlange Dunkelheit gewöhnt, sich von ihren schweren Wunden erholt und ihre Verlet-zungen konnten heilen.“, beendete Fee ihren Bericht und die Tiertrainerin schluckte ebenfalls mehrmals.

Wie alt warst du da... als du zusehen musstest

wie Sonja von ihrem Liebling getötet wurde?“, fragte merklich rauer.

Siebzehn, gerade geworden. Und … ich war auch gerade erst wieder gesund, hatte bei Sonja die Lehre wieder angefangen wie schon vor der Arche und am Anfang. Sie hat mich besucht und mir ihre Bücher mitgebracht mich zu den Pferden geschleppt, wenn ich zu apathisch war und das hat mir geholfen. Die Pferde haben mir geholfen.“

Und dann haben sie es dir weggenommen. Ich hab gehört das man dir die Sorge und Pflicht weggenommen hat, weil du angeblich wieder durchgeknallt bist. Deshalb hatte 2 auch Anfragen auf Tiertrainer gestellt die rüber kommen sollten aber ich wollte nicht dort mit Sonjas Tieren arbeiten. Vor allem nicht in einer Arche wo es hieß der Kommandant sei durchgeknallt und Achim wollte das schon gar nicht. Er kümmert sich gerade um Tomaten und Kürbise. In den Planta-nengärten mit Tageslicht-UV-Lampen. Für ihn ist das absolut kein Leben mehr. Er hat schon zwei Suizidversuche hinter sich. Ich hab ihn heute einfach nur gepackt und hergeschleift, als wir hörten dass die Pferde endlich angekommen sind, und so wie ich das sehe kann er hier bei den Tieren vielleicht doch wieder zu was nützlich sein und ganz gesund werden.“, hoffte Amanda noch

einmal achselzuckend.

Solange euch klar ist das ich über die Pferde entscheide und nicht ihr, können wir es gerne versuchen. Probezeit ein Monat, dann sehen wir weiter.“, sagte Fee nur kurz und Amanda runzelte nur wieder die Stirn.

Warum bist du so autoritär? Du bist wesentlich jünger und noch nicht mal richtig in Tierpfege ausgebildet, wie du selbst gesagt hast...“

Ich hab Monatelang mein eigenes Leben und das von Mika riskiert, weil wir die Archepferde nicht erschießen wollten, wie es schon angeordnet war. Ich hab sie kennengelernt, auch mit Höhlekoller, denn vorher kannte ich sie ja auch und sie waren total lieb und brav und ruhig. Aber das hat sich komplett geändert. Sie sind alle echt gefährlich geworden. Sogar lebensgefährlich.

Aber ich weiß genau wie sie nun ticken. Und ich weiß auch das sie mir nun vertrauen, ich weiß was ich mache, wenn ich mich um Shadwo kümmere und ich weiß verdammt noch mal sehr genau was ich da insgesammt mit ihnen mache, also erklären sie mir nicht was ich kann oder nicht, nach zwei Jahren in denen sie hier erst ihre Herde verloren und dann Pflanzen angebaut haben.

In Arche 2 war es außerdem nötig Autoritär zu sein, um den Pferden ein gutes Leittier zu bieten. Und auch um sie vor den Menschen zu beschützen die immer noch dauernd gedacht haben das hier sind Kuschelponys.

Das sind sie nicht. Sie sind gefährlich, wenn man sie nicht ausnahmslos richtig behandelt. Ich lasse mir die Butter nun garantiert nicht mehr vom Brot nehmen nachdem ich sie monatelang höchst persönlich und sehr mühsam gestampft habe, vor allem nicht wenn sie beide mir wieder mal mit einer reinen Herdenhaltung ankommen.

Sam hat vollkommen Recht. Sie waren mal beide Experten – aber meine Tiere leben heute noch und ihre nicht. Und damit es so bleibt werde ich sagen was geht und was nicht und ihr tut was angesagt wird oder verschwindet alle beide zurück zu euren Kürbissen und Tomaten.“, stellte Fee nun wirklich harsch klar.

Die Frau folgte ihr daraufhin nur stumm in die Nachbarhöhle hinein, wo ein halbwüchsiges Mädchen mit zweifelnder Miene am Zaun stand und zusah wie die Leitstute, Gilly die anderen Stuten von ihrem Fohlen fern hielt und dabei nach allen hin auskeilte.

Hi, ich bin Fee. Mika hat gesagt du bist Cara und hast es drauf, na denn zeig es mir. Wir müssen die Stuten trennen. Wir brauchen E-Litze und Heuballen. Zwischen jedem Abteil einen halben Meter Platz und in der Mitte einen Mittelgang, damit wir das schaffen fangen wir jetzt die Stuten ein und binden sie in weitem Abstand zueinander an den Umrandungen fest. Dann kann Socke vielleicht auch mal wieder was bei Mama Gilly trinken. Die ist so aufgeregt wie 'ne wütende Hornisse und genauso gefährlich wie Shadow, wenn sie jemanden nicht leiden kann. Die übernehme also ich. Ich hab ihr bei der Geburt von Socke geholfen.

- Cara du schnappst dir Santa, dort drüben, die Fuchsstute mit der weißen Blesse und Amanda, du nimmst die schwarze Bonny da hinten. Das sind nummer eins, zwei und drei in der Rangliste. Der Rest der Stuten sind untertänige Mitläufer. Bindet sie rechts und links an und dann erst erst den Rest. Ich hol schon mal Gilly und bring sie da hinten hin zu der Wasserpumpe. Da hat sie Ruhe und wird in ihre Box eingebaut. Wir brauchen auch noch Planen um das Heu zu sichern...

Fee, kann ich dich mal kurz sprechen?“, fragte Sam plötzlich leise hinter ihr.

Fee drehte sich verwirrt zu ihm um.

Sam, nicht jetzt ich muss den Stuten Boxen bauen...“

Bitte, Pferdetrainerin, eine Minute!“, sagte er nur düster und drehte sich um um zum Stall zu gehen.

Oh, na dann... okay sammelt die beiden schon mal ein ich komm gleich!“, rang sich Fee durch zu sagen und folgte dann Sam in den Stall hinein wo er mit seiner gesammten Mannschaft vom Fuhrpark stand.

Was... macht ihr denn hier?

Wir stehen hier und warten auf Anweisungen was hier gemacht werden soll.“, erklärte Sam ihr ernsthaft.

Elmer nickte nur gewichtig.

Wir in Arche 4 helfen uns gegenseitig und verzeihung Fee Haggedorn, aber du siehst echt beschissen aus. Sam hier macht sich bald ins Hemd, wenn du nicht endlich 'ne Pause ein-schiebst. Wir dachten wir bringen Bigg Freddy mal mit, der hat mal auf 'ner Ranch gearbeitet, als er noch jung und dumm war. Er kennt sich auch mit Stuten aus. Wenn du möchtest fängt er sie mit dem Lasso ein, wenn sie zu rasend sind und stark genug ist er auch um sie zu halten.“, erklärte Elmer ihr weiter.

Fee atmete nur kurz ein wenig ratlos durch.

Oh... hm... aber...“

Fee du trägst selbst ein Baby. Denkst du bitte auch mal kurz daran, bevor du hier umfällst? Lass Meine Leute deine Boxen bauen und du sagst einfach nur an wies nachher aussehen soll. Hier ein Block und ein Stift, zeichne es auf, dann mach ich dir das, alles kein Thema, auch bei den Hengsten drüben, aber du musst dich jetzt einfach mal hinsetzen, okay? Sonst bring ich dich höchst-persönlich ins Bett und bleib zusammen mit dir da.“, drohte er ihr leise und reichte ihr schon wieder eine Wasserflasche wie auch ein belegtes Brötchen zu.

He, ich hatte doch erst eins...“, schüttelte sie verwirrt den Kopf.

Anweisung für alle Ex-Arche 2 Leute. Viel mehr und öffters essen, damit ihr wieder was auf die Rippen bekommt. Und zwar sofort. Vor einer Stunde hat es eine Teambesprechung der Archen gegeben und alle die Überschuss haben bringen nun Kleintiere und Pflanzen und Obst und Milch rüber nach 2 um die dort immer noch hunngernde Bevölkerung zu beruhigen.

Du trittst im Moment ganz schön um dich und merkst es nicht einmal, Fee. Die Komandantur hat vor zwanzig Minuten außerdem eine Kriesensit-zung wegen deiner Pferde einberufen. Ich dachte du willst da vielleicht hin und mitreden...“

Fee die gerade getrunken hatte setzte die Flasche abrupt wieder ab.

Aber... ich kann jetzt unmöglich von hier weg!“

Doch wenn du das was zu tun ist delegierst, und ich geh dann mit dir zu der Sitzung und stärk dir den Rücken bei dem Verein hier.“, meinte Sam leise und berührte ganz kurz ihre Hand, weil sie nun stocksteif und ängstlich aussah.

Von draußen wieherte die Leitstute wieder schrill

und auch das Fohlen.

Oh... okay, okay dann also, trennt die Pferde immer zwei schnappen sich eins und binden es weit auseinandergestellt an. Dann wird drumm herum eine viereckige, hohe und stabile Absperrung gebaut, wir haben immer Heuballen genommen und mindestens zwei Drei Meter können wir hier Platz zwischen den Abteilen lassen und die Abteile so groß das die Stuten sich darin gut bewegen, sich umdrehen und auch hinlegen können. Ungefähr fünf Meter länge pro Tier und eine Tür oder Balkenkonstruktion zum Rausführen vorne an jeder Box... Das brauchen wir auch für die Hengste. Da machen die das im Moment mit E-Litzen aber die sind bei weitem nicht so gut wie stabile Holzstangen oder Wände...“

Wir haben jede Menge Holz hier für die Ställe. Die waren zum Ausbessern der Kamelgehege gedacht. Wenn wir das nun benutzen, um feste Boxen zu bauen...“, sagte Elmer kurz. Freddy nickte nur ernst. „Ich weiß wie so was aussehen sollte.“

Ja aber die Hengste dürfen sich nicht sehen!“, befahl Fee dem Riesen ernsthaft. Wenn sie sich sehen, wollen sie sofort kämpfen. Also große Abteile und vorgebaute Wände zum drum rumgehen und richtig streng voneinander separiert.“

Kriegen wir hin. Dürfen wir uns noch ein paar Leute holen, Fee, dann geht es schneller.“

Ja, aber nur wenn keiner die Pferde anfasst außer zum in die Boxen reinführen. Und kein lautes Lachen, Schimpfen oder Geschrei, das können sie echt nicht leiden.“, befahl sie wieder und sah dann Samuel erneut sehr nervös an. „Gott im Himmel.“

Ja, der Kerl könnte sich wohl echt mal wieder blicken lassen und dich ein bisschen entlassten.

Heute war schon wieder viel zu viel los und du bist unglaublich weiß um die Nase herum.“, brummelte er düster und strich ihr sachte die verschwitzten Haare aus dem Gesicht zurück.

Wenn ich nur wüsste...“, begann sie zögernd wollte nun aber wirklich nicht ihr unsicheres Misstrauen rauslassen, dass sie nicht daran glaubte, das Samuels Leute hier im Stall so große Hilfen sein konnten.

Vertrau mir einfach. Das Wissen kommt dann

später.“, flüsterte er noch einmal und winkte dann den Jungs zu.

Ihr habts gehört, mindestens Fünf Quadratmeter Vierecke, blickdichte und stabile Wände. Ich fahre Fee schnell zur Komandantur rüber und komme wieder wenn es da wieder vorbei ist.“

Lass dir Zeit wir kriegen das hier schon hin.“, meinte Elmer nur locker und die Jungs trollten sich alle nach draußen.

Die Stuten kennen sie nicht. Sie werden sie alle niedertrampeln.“, sorgte Fee sich da schon wieder ganz ernsthaft.

So gut wie du sie ausgebildet hast? Vertrau mir, Fee. Vorhin waren sie auch ganz brav, als die Jungs sie rübergebracht haben. Die passen schon auf sie auf. Aber nun los...“

Sam hatte die Harley draußen stehen und setzte sich darauf, half ihr ebenfalls beim Aufsteigen und schon ging es los, duch die Höhlen hinüber in den Verwaltungsbereich.

Da standen wieder Soldaten vor den Containern und der eine, den sie schon kennengelernt hatte sah Fee verwundert an.

Dr. Haggedorn, ich dachte ihr seid unabkömm-lich für die Sondersitzung?“, fragte er sie estaunt.

Fee nickte ihm nur grimmig zu.

Wenn ich noch nicht mal was von einer Sondersitzung weiß kann ich natürlich auch nicht kommen. Lassen sie uns rein?“, frage sie ihn grimmig.

Sie ja aber ihren Mann...“

Er kommt mit wegen mir.“, bestimmte Fee kategorisch, packte Sams Hand und der warf dem Soldaten nur kurz den Schlüssel zu. „Wenn die nachher einen Katzer hat bring ich dich um, aber wenn du's kannst darfst du 'ne kurze Runde drehen!“, warnte er ihn kühl.

Der Soldat sah aus als hätte ihn gerade ein Pferd geknutscht, doch Fee hielt sich nicht weiter auf und klopfte hart an die Containertür und trat ein. Die Diskussion war bereits hitzig im Gange.

...hat selbst noch gesagt das die Pferde hier besser aufgehoben sind. Sie kamen als Herde hier rüber und es ging gut, dann schreit diese Person aber alle Leute zusammen und lässt ihren Gorilla von Mann Absperrungen errichten. Das ist nicht die Art wie man mit Menschen umgeht, das können sie mir nicht einreden! Und sie findet ja noch nicht mal was daran zu den Sondersitzungen zu kommen, Jensen. Die Pferde sind ihr wichtiger als das Wohl von ESA...“, lamentierte Dr. Friedel mal wieder extrem giftig in die Runde.

Wenn ich nichts von Sondersitzungen weiß, kann ich auch nicht kommen!“, wiederholte Fee nur erneut eisig und ruhig, was alle anderen verstummen und aufblicken ließ und setzte sich auf ihren Platz. Sam blieb einfach stumm hinter ihr stehen, weil es keinen Stuhl mehr gab und sah grimmig in die Runde.

Sie haben meine Frau also hier in der Runde ausgeladen, obwohl sie ein Experte ist. Hätte Mike mir nicht durch Elmer Bescheid gegeben das hier gerade was läuft, währe Fee jetzt nicht hier.“, sagte er steif in die Runde. „In Arche 3 wurden alle Verantwortlichen direkt vom Kommandanten informiert, wenn es so was gab, entweder telefonisch oder über Funk.“, merkte er an und sah Jensen, der erstaunt die Brauen hob und dann zu Dr. Friedel hinsah, die Fee erst abschätzend und dann aber schon wieder ziemlich giftig von der Seite her anschaute.

Was haben sie zu ihrer Verteidigung zu sagen Dr. Haggedorn? Sie haben da draußen Menschenleben mit ihrer Hysterie gefährdet. Die Pferde waren ganz ruhig, bis sie kamen und sie aufregten!“, schnurrte sie böse.

Das ist irrsinnige Scheiße was sie da sagen und das wissen sie auch, Dr. Friedel!“, meinte Fee zornig. „Meine Pferde waren schon fast in heller Panik haben ausgeschlagen und sind gestiegen und die herandrägenden Menschen währen um ein Haar alle niedergetrampelt worden, weil es hier nämlich scheinbar niemanden interessiert ob eine Herde von Zucht-Tiere lebt oder stirbt. Sonst hätten sie ja vielleicht auch mal die anderen Tiertrainer besser unterstützt und hätten die normalen Leute von ihren Tieren komplett fern gehalten.

Ich hab es schon mal gesagt, meine Pferde sind

keine Spielzeuge sondern Arbeitstiere von und für ESA. Ich trainiere sie, separiere sie...“

Was gegen das ESA-Statute der Herdenbildung

spricht die natürlich sein sollte, damit sich die Tiere auch sofort wieder natürlich verhalten können!“, wandte Dr. Friedel biestig ein.

Dr. Andrea Fischer ist Biologin, ordentlich studiert übrigens, und sie nicht. Sie sagte, es ist ein Skandal wie die Tiere in Arche 2 gehalten wurden...“

Nun... mit der so viel gepriesenen Herdenhaltung habt ihr hier zumindest eure eigenen, wertvollen Tier-Herden vollkommen ausgerottet.“, warf Sam nur wieder eiskalt ein. „Und als Feelines Ehemann und Helfer bei ihren PS sage ich hier und jetzt, dass ich jeden der zu ihren Tieren will und dort nichts verloren hat eigenhändig aufhalten und dem Kommandanten übergeben werde.

Meine Leute von der Mechanik sind gerade dabei die Stuten und Hengste zu separieren und auch die letzten beiden Tiertrainer sind schon zu uns gestoßen. Sie hatten die Selben Eiwände wie Dr. Friedel, aber hier und jetzt sage ich dass Fee es besser weiß, denn der Erfolg gibt ihr recht und ihre durchgeknallte Biologin kann uns mal.“, fuhr Sam die Amisch-Expertin rüde an.

ESA und die Wissenschaften sind nicht ihre Sache, Samuel Haggedorn. Sie sind nur ein lächerlicher KFZ-Mechaniker...“, stieß die Ex-pertin wieder grimmig hervor. Fee stand erbost auf und hieb einmal laut klatschend mit der Hand auf

den Tisch.

RUHE! BEIDE!“, donnerte sie in die Runde.

Das wollte ich auch gerade sagen. - Danke Dr. Haggedorn.“, meinte der Kommandant eisig und nickte Fee nur würdevoll zu, die sich nun zitternd hinter ihren Stuhl stellte und aufgeregt durchatmete.

Frau Friedel weiß nicht, was sie sagt.“, verkündete Fee horrend in die Runde. „Meiner bescheidenen Meinung nach, hat sie wohl immer nur Bücher über alles gelesen und von anderen Leuten Meinungen gehört, sich aber noch nie mit der ernsthaften Realität auseinandergesetzt, Kommandant.

Meine Pferde sind zum Teil wirklich lebensge-fährlich. Einer der Hengste da draußen hat Dr. Sonja Bergheim überrannt und getötet, andere haben so wild gekämpft das in Arche 2 fast keiner mehr mit ihnen arbeiten oder auch nur zu denen in den Paddok reingehen wollte. Für ein halbes Jahr lang nicht, bis ich sie wieder friedlich trainiert hatte, zusammen mit Mika. - Und das war wirklich nicht leicht. Die Höhlen sind nun mal keine artgerechte Haltung für Pferde, die haben da drinn … hier drinn... Klaustrophobie bekommen, Panikattacken und Ausraster, die tödlich für Mensch und Tier waren, genauso wie die Menschen selbst doch auch reihenweise gekollert haben. Die Weiden und Wiesen unter offenem Himmel sind es, was das natürliche Umfeld von Pferdeherden sind. Hier drinn im Fuchsbau ist es ihnen zu dunkel und auch zu warm. Es gab keinen Wind, nur das drückende Gefühl der Enge und dann eine Ewigkeit Dunkelheit. Doch das konnte ich nicht ändern.

- Sam, danke dass du deine Hilfe abietest, doch ich werde die Menschen die sich bei meine Pferden in Lebensgefahr bringen möchten ganz sicher nicht aufhalten. Wenn sie gerne sterben möchten, nur weil meine PS wegen ihrem Rücksichtslosen und durchweg A-Sozialen Verhalten durchdrehen ist das ihre Sache, nicht meine. Und wenn sie glauben, Kommandant, dass ich zulasse das meine Pferde getötet werden, weil sie jemandem etwas antun, der einfach nur dummes Zeug angstellt hat, statt dem Programm zu folgen, das wir für unsere Tiere aufgestellt haben, dann irren sie sich. Es ist mir schnurzegal wieviele Menschen meine Hengste und Stuten in den Höhlen töten. Sie selbst werden deshalb ganz sicher nicht getötet.

Das habe ich schon in Arche 2 so durchgesetzt und hier wird es nicht anders laufen. Wenn sie denken sie dürften solche gewaltigen Tiere ungestraft aufregen, indem sie Sonntagsausflüge zum Stall machen, die Pferde in eine Herde einbringen, die sie einfach nicht bilden können, weil sie niemals eine solche waren oder auch vollkommen frei überall laufen lassen wollen... bitte sehr, das ist dann ihr Problem nicht meins. Ich sammle hinterher nur meine Pferde wieder ein, wenn sie über alle Idioten die ihnen angeblich Gutes wollen drübergetrampelt sind und bringe sie zum Abregen in ihre Separés zurück.

Wer sich dann nachher bei mir beschweren möch-te das meine Pferde gefährlich sind, der hat sie nicht mehr alle.

Sie sind kein Spielzeug, keine Kuscheltiere, ich kann es nicht genug wiederholen zu sagen. Sie wurden zum Zweck der Arbeit hier eingestallt. Und Ich arbeite mit ihnen, dass sie ihre Aufgaben bewältigen können und die Pflügemeister tun das auch. Ich gebe meine Meinung über Inhalte der Pferdewirtschaft in diese Runde ein, zum idealen Ackerboden, zum Terrain, welches sondiert werden soll, ob es dort für meine Tiere möglich ist zu Arbeiten und zu laufen. Das alles mache ich gerne aber schließen sie mich nie wieder aus einer Sonderrunde aus, wenn es dabei auch um mich und meine Tiere geht.

Und geben sie vor allem nicht mir die Schuld daran das diese Idioten die Pferde unbedingt heute hier rübergebracht haben... aber nur um ihr Leben vor den durchgeknallten Arche 3, 4 und 5 Bewohnern in Arche 2 zu retten, die dorthin zwangsversetzt wurden und nun hungrig wie die Wölfe sind, weil sie hier anscheinend vergessen haben das sie nicht alleine in ihrer Arche Kumbaja singend herumtütteln sondern ESA ganze 5 Archen umfasst hat und wir einander zu Hilfe und Unterstützung verpflichtet sind. Es ist auch nicht meine Schuld dass hier noch nichts fertig ist und das gerade die ganze Mechanikermanschaft von Samuel, meine eigenen Gehilfen Mika und Cara und die beiden Ex-Elefanten und Kameltrainer da draußen herumrennen müssen, um möglichst schnell alle Pferde voneinander zu trennen, bevor es wieder Kämpfe auf Leben und Tod gibt. Denn hier wurde von Anfang an keine eingeschworene und sich schon seid langem kennende Pferde-Herde heruntergebracht, nur ausgesuchte einzelne Zuchttiere aus völlig verschiedenen Linien und Ländern. Sie haben sich in den Höhlen leider nie aneinander gewöhnt, obwohl wir wirklich alles versucht haben, obwohl auch Dr. Bergheim alles versucht hat was sie wusste. Aber sie stellen nun mal schlicht keine Herde zusammen. Sie kämpfen nicht nur um den vorherrschenden Rang und die Leitung, sondern immer nur bis zum Tod und wir haben in Arche 2 ganze Zehn Tiere verloren, weil wir ebenso bescheuert dachten dass sie sich mit der Zeit schon noch zusammenraufen würden.

Doch das haben sie nicht getan, nie. Sie nennen

mich hier gerade schon wieder Doktor Haggedorn, na dann, wenn ich das schon nicht verhindern kann, dann hören sie auch endlich mal auf mich, Kommandant!

Ich weiß wie es geht. Ich hab mein eigenes Leben fast ein ganzes Jahr lang riskiert, um es rauszufinden, drüben in Arche 2. Und ich weiß bei Gott inzwischen leider auch wie es eben nicht geht. So hier schon mal nicht!“, beendete sie die Diskussion hitzig und atmete dann wieder tief durch, rieb sich die Stirn und nickte Sam kurz zu.

Geh wieder zu deinen Leuten zurück und hilf Mika bitte... vor allem mit Shadow. Er wird nicht alleine mit ihm fertig, wenn er zu toben beginnt. Denn er hat richtig Angst vor ihm, seid Sonja niedergetrampelt und getötet wurde.

Denk nur daran nicht in seine Augen zu sehen, ruhig zu bleiben und lass ihn auch ruhig um dich rumtanzen, wenn du ihn in die Box bringst und achte immer nur darauf neben ihm an der Schulter zu bleiben statt vor ihm. Du kannst das sicher, du bist stark genug ihn zu halten. Und ich komme dann nach, gleich wenn das hier zu Ende ist.“, sagte sie ernsthaft zu ihm.

Samuel nickte nur kurz und gab ihr einen kurzen Kuss auf die Wange, bevor er sich wieder bitterböse an den Kommandanten wandte.

Machen sie so weiter mit ihrem Kindergarten

hier und wir gehen... alle beide... zusammen mit den Pferden da raus, auf und davon und Scheiß darauf ob es gerade draußen Winter ist. Fee geht es noch nicht wieder gut genug, um ihre irren, kleinkindlichen Machtspiele um Recht und Unrecht und eingebildete Vormachtstellungen mit zu machen. Sie ist schwanger verdammt!“, bellte er noch einmal böse in die Runde. Vor allem in Richtung Frau Dr. Friedeld. Dann verließ er den Container und die Tür knallte zu.

Fee atmete kurz durch und senkte mit einem nervösen Fingertippeln auf die Stuhllehne den Kopf.

Können wir uns einfach darauf einigen, das wir was die Pferde betrifft unterschiedlicher Ansichten sind, Frau Dr. Friedel und das sie bitte niemanden mehr davon abhalten zu mir zu kommen oder zu Samuel, um uns wegen unserer Arbeit zu holen?“, fragte sie die Amisch-Spezialistin kühl. „Sie sind hier nämlich absolut nicht meine Ärztin oder Sekretärin. Und sie wissen auch nicht bescheid über das was ich gerade kann oder nicht, was ich möchte und was ich angewiesen habe.

Dazu müssten sie sich nämlich erst einmal die Mühe machen mich dazu zu befragen, zwischen- durch mal über Sachthemen mit mir reden und rausfinden wie ich so ticke. Sie übersteigen ihre Kompetenzen mit ihren unqualifizierten Äußer-ungen hinsichtlich meiner Pferde, die ich für ESA trainiere. Und ja, heute ging noch mal alles gut... gerade so eben.

Währe ich aber zwei Minuten später gekommen und Mika hätte die Kontrolle über Shadow verloren und das hätte nur noch ein paar Sekunden gedauert, sähe es jetzt auch für sie ganz anders aus.“, erklärte sie noch einmal ausgesprochen ruhig, dann sah sie in die Runde. Dr. Bauer grinste ihr kurz ermutigend zu, Dr. Neidhammer nickte ernsthaft und Kommandant Finsch aus Arche 2 räusperte sich kurz.

Nun, wenn dazu jetzt alles gesagt ist, könnten wir damit fortfahren, um was es hier eigentlich ging?“, fragte er in die Runde und bedeutete Fee sich wieder hinzusetzen.

Aber sie schüttelte nur den Kopf.

Ich kann gerade nicht sitzen, sorry.“, gestand sie ihm leise und umkrampfte dabei wieder die Stuhllehne.

Haben sie Schmerzen? Brauchen sie den Arzt?“, fragte Kommandant Jensen sie sogleich allarmiert.

Nein... es ist nicht das Baby, aber wenn ich anfange zu zittern, ignorieren sie es einfach alle, das ist nur reine Stresssymptomatik bei mir.“, bibberte sie bereits los.

Ach du...“

Dr. Haggedorn!“, rief Kommandant Jensen . Doch sie atmete einfach nur weiter, schluckte hart und schüttelte den Kopf.

Hab ich eben manchmal, ich brauch keinen Arzt, kann mir sowieso nicht helfen, also würden sie jetzt bitte einfach alle weiter machen, damit ich zurück zu den Pferden kann...? Auch damit die sich nicht alle gegenseitig umbringen, solange sie gerade gezwungenermaßen eine Herde bilden müssen?“, fauchte sie beinahe und erbebte wieder. Die Männer setzten sich wieder und Frau Dr. Friedel verdehte nur entnervt die Augen.

So ein Kind!“, hörte Fee sie murmeln.

Dr. Neidhammer machte seinem angestauten Ärger umgehend Luft: „Halten sie doch jetzt einfach mal den Rand, Eva! Sie und ihre Verleumdungen sind mir seid dem ersten Tag schon ein Dorn im Auge. Und soweit ich weiß wurden sie von Jensen ausdrücklich zu Dr. Haggedorn geschickt sie über diese Konferenz zu informieren und auch die Inhalte, um es ihr dann freizustellen ob sie nun teilnimmt oder nicht.

Ja, Dr. Friedel, das habe ich mir ebenfalls gerade überlegt. Ich glaube sie leiden schon seid einiger Zeit unter Belastungsstörungen, anders als Andrea Fischer, doch hat ihnen ihr Doktortitel wohl ganz gehörig den Kopf verdreht und den Sinn für das Wesentliche genommen. Sie komandieren in letzter Zeit die Leute ganz schön herum. Es gab inzwischen mindestens zwanzig Beschwerden bei Mike und sechzehn bei mir selbst. Ich denke es ist an der Zeit das auch sie von ihrer Arbeit im Sichtungsteam pausieren, um erst einmal auszuruhen und gesund zu werden. Es ist nicht gut wenn sie hier gegen die neue Kollegin einen solchen Sturm laufen, so wie früher gegen die anderen Tiertrainer. Ihre Vorschläge wie auch die von Dr. Fischer haben nur immer alles schlimmer gemacht, während Fee Haggedorn mit ihrer Methode durchaus erfolgreich war und die Pferde am Leben, ruhig in den Höhlen und sogar im Training stehen ließ. Ob das nun artgerecht ist oder nicht, sei dahingestellt. Sie werden sich da also nicht mehr einmischen, Eva.

Und Frau Haggedorn, ich gebe ihnen mein Wort dass ich das nächste Mal persönlich zu ihnen komme und sie über eine Sonderkonferenz informiere und nun...

Punkt eins war die Pferdeankunft und das Fehlverhalten einiger Leute. Dr. Haggedorn ich weiß es sind ihre Tiere und sie machen nur ihren Job, dennoch kann nicht geduldet werden, dass sie oder ihr Mann uns hier Ultimaten stellen, nur weil die Komunikationswege derzeit nicht sonderlich gut funktionieren.“, wies Kommandant Jensen sie kurz zurecht und sein Blick war eisig dabei.

Fee sagte nichts dazu nickte aber einmal kurz zum Zeichen das sie ihn verstanden hatte und umklammerte nur immer noch weiter den Stuhl der schon leicht bebte und wackelte.

Dr. Bauer der sich immer noch sorgte, reichte ihre mal eben eine Halbliterflasche mit Wasser zu und schraubte sie sogar noch für sie auf, doch sie schüttelte nur stumm den Kopf. Sprechen konnte sie gerade gar nicht, sonst währen vermutlich ihre Zähne gekracht.

Dr. Bauer... sie haben das Wort.“, machte Kommandant Jensen nun weiter und die nächsten Zehn Minuten referierte Dr. Bauer über die Möglichkeiten einen Außenstall auf dem Gelände vor der riesige Arche und vor allem im Freien zu errichten, da die Höhlen auch im Winter wohl doch kein so geeigneter Ort waren um dort die scheuen Pfrde zu halten, wie man ja gut gesehen hatte.

Fee wunderte sich kurz das Dr. Bauer dazu sprach, immerhin war er hier doch der Geologe, oder? Aber sie sagte nichts dazu und schwieg nur.

Die wollten ihre Pferde raus ins Freie schaffen und das ohne jedes Winterfell..

Sie schluckte mehrmals hart, als sich schließlich auch Dr. Neidhammer dazu äußerste was nötig sei um eine Bewässerungsanlage für die Ställe einzurichten, die nicht sogleich zufrieren würde. Außerdem hatten die Archeleute vor sämtliche Brunnen und Quellen in den Felsenhöhlen die bisher unter Verschluss waren und nur bestimmte Mengen Wasser abgaben, wieder zu Bachläufen zu machen, damit es eine erneute Gletschereis-bildung auf den Bergen und einen Flusskreislauf bis in die Meere hinein entstehen konnte.

Das würde auch der Aquazucht sehr entgegenkommen, außerdem haben die Sondenmessungen ergeben das wir eine besondes ergiebige Wasserader angebohrt haben, die durch die starken Regenfälle im Letzten Jahr auch garantiert immer wieder aufgefüllt wird. Das Wasser versickert nicht so schnell und der Druck unter dem die Pumpen standen war enorm und hatte schon vermehrt zu Systhemausfällen und Überschwemmungen in den Quellhöhlen geführt, wie alle anderen ja wussten.

Nun den Bachlauf wieder zu befreien war Lebensnotwenig für die neu anzusiedelnde Flora und Fauna und gewiss auch für die Tierwelt, die sich daraus entwickeln sollte. Außerdem musste geprüft werden ob da nicht noch andere Berghänge in der Nähe oder weiteren Ferne verblieben waren, die man mit gebohrten Quellen wieder zu Bächen und Flüssen machen könnte, auf dass die Natur wieder komplett neu durchstarten konnte, mit vom Wind getragenen Samenflug an neue Ufer, Pflanzen und Insekten und anderen Tieren die sie nach und nach aussetzen würden um den Biologischen Kreislauf wieder von vorne zu starten, weit schneller noch als es von sich aus erwachsen konnte. Sie müssten dazu auch die Zuchtpflanzen draußen in zunächst unnatürlichen und von Menschenhand geschaffenen Biotopen aussetzen und sich einige Zeit aklimatisieren, mit Biologischen Zusätzen und Dünger fruchtbarer machen und sich vermehren lassen, bevor sie schließlich auch Tiere dort ausbringen konnten.

Es wird Solaris helfen neu zu erstehen, wenn wir alle die Gärtnerrei und Anlegerei von Teichen, Bächen und Pflanzkulturen überwachen und im Sinne der schnellst möglichen Ausbreitung vorantreiben, statt einfach nur auf den Berg zu steigen und Samen in den Wind zu streuen. Das macht die Natur später von selbst.“, referierte er emsig und auch begeistert über sein Thema.

Fee hörte einfach nur zu und schwieg über die hitzige Diskussion die nun entbrandte, ob man die verbleibenden Resourcen nicht besser ausschließlich und alleine für Solaris statt auf die Umwelt anderer Brghänge verwenden sollte, schließlich hatte man nur begrenzte Mäglichkeiten.

Dr. Bauer meinte nur auf zynische Nachfrage von

Frau Dr. Friedel hin ...die eindeutig schmollte...

das die Ingangsetzung der natürlichen früheren Bedingungen, mit Bergquellen und Flüssen auch auf Solaris und den Neubeginn dort eine positive Auswirkung haben konnte. Schließlich würde Solaris ja zukünftig hoffentlich auch nicht der einzige Ort bleiben, den man neu besiedeln wollte.

Trotzdem sollte man sich vielleicht erst mal auf das Wesentliche beschränken, um einen Ersterfolg zu haben.“, knurrte die Amisch-Gelehrte Wissenschaftlerin kritisch.

Dr. Neidhammer mischte sich schließlich wieder ein: „Flüsse sind wichtig für die Felderbewässer-ungssystheme. Aber wenn man auch die Täler um Solaris herum an das Systhem neu angeschlossen hat könnte man vielleicht auch bald wieder Raps oder Sonnenblumen anbauen, um zu Öl zu kommen und damit weitere Quellen für die Motoriesierung zu erschließen.

Wir brauchen als allererstes genügend Nahrungs-mittel und nicht nur Öl. Wir müssen überleben und die Ernten dürften in den ersten Jahren ja noch reichlich mager ausfallen, trotz der vulkanischen Asche und fruchtbarer Böden, die mit Mutterboden aus den Archen angereichtert werden.“, meinte Dr. Bauer ernsthaft.

Dr. Neidhammer nickte nur wieder dazu, als Dr. Friedel sich wieder und diesmal ausnahmsweise wissenschaftlich einzubringen begann:

Wir brauchen außerdem auch noch neues Saatgut und sollten deshalb dringend alles was da ist Rationalisieren. Die Amische nehmen immer nur so viel wie sie gerade brauchen, nicht mehr!“, meinte sie ziemlich ernsthaft und warf Fee dann aber wieder einen finster Blick zu weil der Stuhl unter ihren Händen ziemlich dolle zu wackeln begonnen hatte und hörbar klapperte.

Himmel, wenn sie sich nicht fühlen, Fee, dann gehen sie auf die Krankenstation!“, brummelte sie entnervt aber auch eindeutig Schadenfroh in ihre Richtung.

Fee aber bekam nun kaum noch etwas davon mit. In den letzten Minuten war das Rauschen in ihren Ohren beständig stärker geworden, obwohl sie versuchte es zu unterdrücken. Es ging nicht!

Dr. Bauer berührte sie an der Hand und sie zuckte erschrocken zurück, hatte das noch nicht mal kommen sehen, oder gehört.

Entschuldigung, ich setze vielleicht doch noch mal besser eine kleine Weile aus.“, murmelte sie heiser und wollte sich schon zur Tür umdrehen, doch ihre Beine trugen sie nicht mehr. Sie stolperte gegen die Tür und knallte dabei mit dem Kopf gegen den Rahmen. Sie hörte noch jemanden ihren Namen rufen. Kurz stach greller Schmerz in

ihren Kopf, dann war es Dunkel.


16. Kapitel




Sie erwachte wieder einmal auf der Krankenstation und Sam saß auch wieder neben ihr - wie schon gehabt.

Fee!“, sagte er sofort, als sie die Augen aufschlug.

Ich bin ja so dumm!“, flüsterte sie heiser zu ihm hoch. „Hab einen Anfall gekriegt und wusste es auch. Aber ich wollte nicht raus. Nicht nach dem was Dr. Friedel alles über mich gesagt hat. Ich hätte einfach wieder zu den Pferden zurück gehen sollen.“, meinte sie leise aufstöhnend und unterdrückte die aufsteigenden Tränen. „So aber denkt jetzt sicher jeder nur wieder dass ich total kaputt bin und … irre. Und du sitzt schon wieder hier und kannst nicht arbeiten gehen.“, schniefte

sie jammervoll auf.

Sam sagte nichts mehr weiter dazu und ergriff einzig ihre Hand, um sie fest zu halten. Seine Augen waren unergründlich.

Fee wurde schlagartig ruhig und sah ihn erschrocken an. „Sam?“, fragte sie ihn ganz heiser vor unbehagen. „Ist was passiert? Mit... den Pferden, oder...?“, würgte sie leise hervor, weil sie es ihm ansah. Da lauerte was... ihre Bust verengte sich mehr und mehr. „Sam?“, flüsterte sie zum zweiten mal drängend.

Er rieb mit dem Daumen kurz über ihre Hand-fläche dann erst sah er sie wieder ruhig an.

Du hast selbst gesagt es ist kein Drama, Fee. Wir können jederzeit ein Neues machen. Der Arzt hat gesagt es war ein Wunder dass es sich nach all dem was war so lange in dir gehalten hat...“, begann er leise und sie wusste endlich Bescheid.

Ihre Hand glitt rasch zu ihrem Bauch und sie rang mehrfach erstickt nach Luft.

Es... ist also abgegangen?“, fragte sie ihn schluchzend.

Sam nickte nur grimmig und rieb einmal mehr mit dem Daumen über ihre Finger.

Was aber nicht schlimm ist.“, sagte er entschie-den. „Es war sowieso noch viel zu früh. Du hast vollkommen recht, weißt du? Wir sind noch nicht einmal in Solaris. Erinnerst du dich und ob nun ein oder zwei Monate früher oder später, was macht das aus? Wir warten einen Monat dann probieren wir es noch einmal.“, nickte er ihr ernsthaft zu.

Fee fasste sich wieder und schluckte hart.

Ja, klar... Hast Recht. Wir... also ...ich werde sicher ganz leicht wieder schwanger. Wir... versuchen es einfach noch einmal und dann ist da nicht mehr so viel Hetze und Unruhe um uns rum und sowieso war es die total falsche Zeit...“, wiederholte sie nochmal heiser. Sam stand abrupt auf und setzte sich zu ihr aufs Bett riss sie beinahe an sich und umfasste sachte ihr Kinn mit seiner Hand.

Das ist kein Beinbruch, Fee. Wir schaffen das schon! Wir beide zusammen, hörst du?“, fragte er sie eindringlich. Sie nickte nur und fing dann aber doch an herzzerreißend zu schniefen und zu schluchzen.

Sie hatte ihr Baby verloren. Sams Baby war tot.

Er nahm sie in den Arm und hielt sie fest. Jemand kam irgendwann rein und spritzte ihr etwas in den Schlauch. Wahrscheinlich ein Beruhigungsmittel, weil es nicht lange dauerte bis sie geborgen in Samuels Armen wieder ruhiger wurde und einschlief.


*


Der tägliche Trott war zurück, jetzt nur noch unterbrochen durch mehr Hilfskräfte, mehr Platz, mehr Trainingsmöglichkeiten und ...Samuel.

Er war der sprichwörtliche Fels in der Brandung.

Er hatte Fee keine Sekunde lang alleine gelassen, war mit ihr zusammen aus der Krankenstation raus und besuchte sie tagsüber mehrfach an der Arbeit. Er hatte ihr auch netterweise das neue schlichte Armband besorgt, diesmal ohne die kleine hölzerne Perle drann. Kurz hatte sie geschluckt als er ihr das Alte abgenommen und das neue übergestreift hatte, doch er sah sie einfach nur ernsthaft an und zuckte dann locker die Schultern.

Ist nur vorübergehend, Fee.“, brummelte er und küsste sie dann plötzlich so heiß, dass ihr dabei ganz anders zumute wurde.

Aber miteinander schlafen konnten sie gerade noch nicht wieder. Sie blutete gerade.

Und es war eigentlich auch gar nicht viel anders als ihre normale Menstruation, weil es ja auch noch viel zu früh für mehr gewesen war.

Viel zu früh um überhaupt schon von einer richtigen Schwangerschafft zu sprechen, sagte sich Fee. Erst die vierte Woche. Das war gar nichts.

Fee fasste sich schnell wieder und machte einen kurzen Haken an die ganze Geschichte drann.

Samuel würde ihr sicher schon bald dabei helfen wieder schwanger zu werden... Wenn sie erst hier raus waren, wenn Frühjahr war. Wenn sie beide es so wollten und Zeit hatten, denn der Bohrer in Arche 1 machte nun immer öffters Schwierigkei-ten, so wie schon zuvor in Arche 2 als sie die Leute dort ausgebudelt hatten. Samuel war der Einzige Mechaniker der mit dem Ding und seiner Reparatur gut zurechtkam und wurde nun deshalb öfters von Mike nach Arche 1 geschickt, während Fee nun die Arbeiten und das nun deutlich gestei-gerte Training in den Höhlen überwachte. Die Tiertrainer machten ihre Sache eigentlich recht gut, wenn man mal von ihren Dickköpfigen versuchen die Pferde wie normale Pferde zu behandeln absah.

Man merkte deutlich das sie in vielen Bereichen deutlich mehr Ahnung hatten als Fee, aber in anderen dafür erschreckend unflexibel und kleinkarriert waren, wenn man von Standartpro-grammen der Pferdeausbildung abwich oder Dinge gänzlich anders anfasste, so zum Beispiel die Art und Weise mit Shadow umzugehen. Achim versuchte es ständig mit direktem Blickkontakt, mit der Konfrontation und den Basisabfragen der Bodenarbeit die Sonja ebenso gemacht hatte, die aber Fee ganz sicher nie bei ihm gemacht hätte, einfach weil er ein Höhlen-kollerpferd war, bis er dann, zu selbstsicher und damit etwas zu unachtsam nach einer Woche frustrierenden Anstarrens und den Hengst tatsächlich nieder-zu-starren-Versuchen tatsächlich von Shadow derbe über den Haufen gerannt wurde. Es ging glimpflich aus, viele Prellungen und Verstauchungen und ein aufgebrachter rasender Shadow, der sofort gegen die Umzäunung angerannt war wie ein Idiot, bevor Fee ihn wieder einfangen und in sein Separé einsperren konnte, zusammen mit Sams und Mikas Hilfe und einem kräftigen Freddy der wie ein Preis-Bulle den gefährlich auskeilenden Hengst hinter sich her zerrte.

Fee ging natürlich danach straks in das Kankenlager um nach Achim zu sehen, stinksauer, aber schweigsam, sah ihn aber nicht an und lehnte nur mit tief gesenktem Kopf und vor der Brust verschränkten Armen an der Wand, bis der zornige Trainer schließlich entnervt aufseufzte: „Ja, ja, ich hätte mich nicht direkt vor ihn stellen dürfen, wenn er immer noch so labil ist. Wolltest du das jetzt von mir hören?“, fauchte er sie beinahe ärgerlich an.

Fee sah nur kurz zu ihm auf und schüttelte leicht den Kopf, mit vollkommen ausdrucksloser Miene.

Nein... das wollte ich nicht hören. Du hörst nicht zu, Achim, du experimentierst mit diesem Kollerischen Bastard herum und hast gerade die Quittung dafür erhalten. Ich bin nur froh dass ich jetzt nicht noch einen sogenannten Experten zu Grabe tragen und wieder einmal Shadows Leben mit der Flinte gegen eine Horde Soldaten verteidigen muss.

Du weißt natürlich ganz sicher was du dir zutrauen kannst, du bist schließlich ein erfahrener Tiertrai-ner. ...Aber das gilt in meinen Augen leider nur für Elefanten. Shadow ist aber ein mächtiges, temperamentvolles Shirehorse.

Ein verrücktes, mächtiges und gefährlich instabiles Shirehorse um genau zu sein, wenn du nicht den Abläufen folgst die wir eingeübt haben damit er funktioniert.

Und das sind die anderen auch alle. Schon seid sie in die Höhlen kamen und vielleicht solltest du das bei Zeiten mal endlich verinnerlichen, Achim. Er tickt nun mal ganz anders als andere Pferde, vor allem seid Sonja nicht mehr da ist. Bei ihr war er meistens brav wie ein Lamm. Möglich das es draußen irgendwann auch wieder besser wird. Aber hier in den Höhlen hab ich es bisher als Einzige geschafft dass er in mir so was wie ein Leittier sieht.

Währe wirklich schön wenn du das irgendwann auch bei ihm schaffst, Achim. Ich glaube wenn ihr einander nur erst mal richtig verstehen lernt und du nicht mehr so abgelenkt bist von deinen eigenen Sachen die du gerade willst, sondern dich immer hundertprozentig auf ihn konzentrierst werdet ihr irgendwann vielleicht zurecht kommen.

Oder aber du hast es dir nun entgültig bei ihm vergeigt, das währe genausogut möglich.

Er hat nämlich ein gutes Gedächnis genauso wie ein Elefant. Und er wollte diesmal was bei dir klar stellen. Währe schön wenn du den nächsten Kampf für dich entscheidest, sonst bist du bei den Hengsten - und zwar allen - komplett raus.“, meinte sie noch leise. Der Trainer sah sie nur böse schweigend an, bis Fee schließlich nickte und ging. Diesmal rüber zur Komandanturzentrale um dort Jensen Rede und Antwort zu stehen.

Doch der schien gar nicht besonders zornig oder überrascht über Shadows Anfall und Gefährlich-keit zu sein oder so besorgt wie früher ihr Vater, wenn Shadow mal wieder ordentlich gewütet hatte.

Wie geht es Joachim, Dr. Haggedorn?“, fragt er sie lediglich nüchtern und Fee nahm vor seinem Schreibtisch platz.

Ein paar schwere Prellungen und Quetschungen, auf der Brust und den Rippen, Armen und Beinen, zum Glück ist aber nichts gebrochen, Kommandant.“, meinte sie nur ernsthaft zu ihm und atmete tief durch, um sich ein wenig zu beruhigen.

Sie war immer noch voller Dreck und Staub von dem Kampf den sie sich mit Shadow im Paddock geliefert hatte, bis sie ihn endlich zu fassen bekam, damit Joachim aus der Bahn gezogen werden konnte.

Komandanten Jensen nickte nur kurz und sah dann erst wieder von seinen Unterlagen auf.

Der Berühmte Shadow, eh? Das Mörderpferd,“, fragte er noch einmal nach und sie nickte nun doch sichtlich betrübt und auch eingeschüchtert was nun kommen mochte. Mörderpferd.. Kollerpferd... Er hatte seine Schuldigkeit erfüllt und Fohlen gezeugt.

Scheiße...

Mein Vater hat bei jedem neuen Vorfall versucht mich dazu zu bringen ihn zu erschießen aber davon würde ich ihnen wirklich ganz ehrlich gesagt abraten. Nach Butterball ist er nun unser bester und kräftigster Ackergaul und wir sollten zumindest warten bis einer seiner Söhne das richtige Alter erreicht hat, um ebenfalls den Pflug zu ziehen und dann vielleicht auch seinen Platz als neuer Deckhengst einzunehmen.

Sowieso lasse ich ihn in den nächsten drei Jahren auch nicht mehr auf die Stuten, damit er ruhiger wird. Er hat uns schon zwei kräftige Söhne gezeugt die gestern und vorgestern erst geboren wurden. Lebensnummer 17 und 18. Es gab keine Komplikationen und wir besitzen nun für Esa mit den beiden Stutfohlen die letzte Woche kamen noch einmal vier gesunde Fohlen, womit die Zahl unserer Pferde nun auf dreizehn erwachsene Zuchttiere und fünf Fohlen gestiegen ist. Insgesamt also achtzehn Tiere. Zwei weitere Stuten werden in den nächsten Tagen noch abfohlen, Kommandant.

Bisher ging alles soweit gut.“, berichtete sie ihm kurz.

Und wie geht es ihnen Fee?“, fragte er sie nach einer kurzen Pause nun ganz ernsthaft.

Fee kratzte sich nervös werdend am Arm und wich seinem Blick aus. „Gut soweit, denke ich. Ich blute nicht mehr und wenn der Monat rum ist, den Dr. Ina Tremmel uns auferlegt hat noch zu warten, versuchen Sam und ich es wieder, damit ESA auch unsere Gene für das Programm erhält. Vielleicht war es auch ganz gut so, dass es abgegangen ist. So hatte ich nun zumindest etwas mehr Zeit für die Zucht der Pferde und die Geburten der Fohlen und muss mich nicht mehr allzusehr schonen.

Es wird sicher alles besser wenn die Ställe draußen fertig sind, auch wenn ich nach wie vor denke sie machen einen Fehler die Kamelställe hier abzubauen und draußen im Freien dort am Hang wieder aufzubauen, nur damit die neuen Pferde den Himmel kennen lernen. Es ist noch zu kalt und meine Tiee haben gerade kein Winterfell. In den Höhlen war es dafür zu warm und wenn sie jetzt noch eins entwickeln würden ist es vermutlich schon Sommer bevor es richtig da ist. Darum würde ich, ihre Erlaubnis vorausgesetzt,

gerne noch ein paar Wochen warten bevor wir wirklich alle raus gehen.

Die Tiere könnten sonst alle wegen der Kälte erkranken, vor allem die Fohlen.“, sagte sie leise.

Sie wissen es sicher besser, Fee. Nun gut, wir errichten bereits die Ställe und einen flachen Auslauf ohne große Löcher oder Hindernisse, damit die Pferde sich nichts tun, der Grund ist überwiegend steinig da draußen, doch die Bulldozer schaffen es leicht ihn für unsere Zwecke zu ebnen. Pavel, mein leitender Botaniker hat damit angefangen ein paar Schichten Gestein abzutragen und die gefrorenen sedimentschichten Freizulegen.Winterharter Gras-Samen wurde schon verteilt, wie auch Mutterboden, damit im Frühjahr das Gras darauf zu sprießen beginnt. Das hier ist nur ein kleiner Testlauf für ESA, Dr. Haggedorn. Wir müssen wissen wie fruchtbar die Sedimentschichten nun wirklich sind und wenn das Gün darauf bereits ohne Mutterboden zu sprießen beginnt brauchen wir nicht ganz so viel davon aus den Höhlen herauszunehmen, um das alles in Solaris zu verteilen. Wir haben bisher lediglich zur Düngung und weil im Moment sowieso alles gefroren ist die Exkrementengrube zu einem Drittel gelehrt und den Schlamm auf der Sedimentschicht verteilt, damit die Bakterien in den Boden eindringen können, gleich wenn es taut.“

Fee nickte nur kurz lächelnd „Gute Idee, Sir.“, meinte sie glucksend. der Kommandant grinste ebenfalls. „Ja, das finde ich auch, außerdem ist diese Grube nun wirklich randvoll gewesen und wir wussten kaum noch wohin mit dem Zeug. Es war eine pure Strafarbeit bei uns Latrinendienst zu schieben, doch nun geht es wenigstens wieder ein bisschen besser und ihre Pferde erhalten dadurch hoffentlich einen kleinen Weidegrund, so das Genesis doch noch als eigenständige Stadt ein paar der Pferde hier behalten kann. Vielleicht ein Hengst und zwei Stuten, oder aber die Fohlen. Dr. Amanda Tipp hat neulich mit mir deshalb gesprochen. Sie sagten sie macht sich gut bei den Stuten...?“

Sie hatte schon etwas Erfahrungen mit Pferden da draußen, und ja wir könnten die Absetzer in einem halben Jahr hierher zurücktreiben, wenn das mit dem Weidegrund Erfolg hat und bei schlechten Wetter die Fohlen in den Höhlen unterbringen so wie jetzt auch – separiert, damit sie nicht durchdrehen.

Sie lernen es gerade kennen, es dürfte also nicht ausgeschlossen sein. Dennoch müsste nach der Fohlenzeit die ja nur nur einen Sommer lang dauert wider eine Auslese getroffen werden. Die meisten der Fohlen sind von Shadow. Das bedeutet die Hengste und Stuten aus diesem Jahrgang können nicht länger zusammenbleiben. Doch die eine Stute ist von Butterball und dazu vielleicht einen Hengst von Shadow, den kleinen schwarzen, der sieht gut aus. Die beiden könnten bei Genesis bleiben der Rest müsste dann wieder nach Solaris gehen. Aber im nächsten Jahr sieht es anders aus. Ich habe vor Gilly in vier Wochen wieder decken zu lassen von Geronimo, einem gewaltigen Braunen. Nach Shadow und Butterball die Nummer 3 im Ranking. Der Rest der Stuten wird dann von Butterball gedeckt damit auch seine Gene in einem Sohn erhalten bleiben. Gilly hatte beim ersten mal von ihm getragen. Es währe unklug noch einmal die selbe Linie zu fahren. Aber wenn Fredd und Butterball im nächsten Jahr neue starke Fohlen gezeugt haben kommen auch diese wieder auf die Fohlenwiese und auch davon könnten sie die Stutfohlen und einen Hengst behalten die nicht Blutverwand mit ihren Fohlen sind. Dann hätten sie noch weitere. Amanda kann sie ausbilden und wir nehmen nur die zurück die sich nicht in der Blutline gebrauchen können um sie hier mit den anderen Stuten zu kreuzen. Hengste beginnen ihren Sprung mit eineinhalb bis zwei Jahren. Stuten sollten aber erst mit Zwei Jahren gedeckt werden, damit sie mit Drei zum ersten mal Mutter werden, früher währe unklug, eigentlich sollten sie auch erst mit drei gedeckt werden, wenn sie ganz ausgewachsen sind, doch die Zeit haben wir einfach nicht und in der Natur passiert das auch immer mal wieder... oder passierte früher.“, meinte sie leise seufzend. Kommandant Jensen nickte nur dazu.

Ich möchte sie in den nächsten Tagen mit hinaus nehmen zum Siedlungsgrund von Solaris den wir uns nun nach ihrer Expertiese über Sedimentdichte und Ackergrund via Satelitenbildern ausgesucht haben, Dr. Haggedorn. Ich möchte dass sie die Sedimentschicht dort überprüfen. Dr. Bauer wird Geologische Kernbohrungen machen um herauszufinden wie tief die Schicht dort unten am großen See ist, den wir für uns gefunden haben. Und in den nächsten Wochen werden wir auch noch damit beginnen den Quellbach zu formen der von Genesis hinunter ins Tal und in diese drei Seen fließt, damit das Gewässer nicht mehr länger steht. Arche 2, 3 und 5 werden das ebenso machen und wenn wir endlich in 1 duchgebrochen sind, werden wir auch dort die Quelle überfließen lassen.

Sie hatten ein noch viel größers Wasserreservoire als wir es besitzten, und unseres ist schon wirklich gewaltig. Der Druck war unglaublich hoch. Na ja.“

Er schwieg kurz und Fee sah ihn besorgt an.

Wann werden sie durchbrechen, Sir? Kann ich dann mit nach Arche 1 – wegen der Pferde dort?“

Sie sind eine unverbesserliche Optimistin, Fee, in allen Ehren. Doch es gibt keine Anzeichen mehr von Leben in Arche 1, ganz im Gegenteil. So wie es aussieht nach der ersten Tiefenlochbohrung in die Versammlungshöhle hinein, ist diese irgenwann in den letzten zwei Jahren komplett überflutet worden, wegen der nicht Nutzung des Wassers und weil darüber der Druck an der Pumpe zu groß geworden sein muss. Damit stehen auch alle anderen Höhlen unter Wasser, die es in Arche 1 gibt und das Einzige was uns dort erwarten wird sind jede Menge Wasserleichen und nur noch sehr wenig Material das allerdings damals in den Containern Luftdicht verpackt wurde. Wenn sie sie nicht noch geöffnet haben, können wir uns wenigstens noch das Material für Solaris hohlen. Und dafür lohnt es sich auch die Höhle zu eröffnen. … und natürlich für den natürlichen Flusslauf der schon durch die Öffnung entstehen wird. Die Geologen sind sich dahingehend alle einig, Dr. Haggedorn. Fließendes Wasser wird über unser aller Zukunft entscheiden, das und der Ackerbau.“

Ja Sir. Ich bitte trotzdem darum bei der Eröff-nung dabei sein zu können. Ich... ich kannte den dortigen Maschinisten. Er war ein Genie. Ein Freund meines Vaters. Eigentlich wollten sie mich auch dort in Arche 1 eingliedern, statt bei meinem Vater, weil ich ja schon etwas zu alt für Eltern war. Doch in letzter Sekunde, weil meine Mutter so unvermutet starb hat sich mein Vater ument-schieden. Jens Kobalt wollte mir damals die Familie ersetzen... na ja, so ein Bisschen.

Und ich kann einfach nicht glauben dass er das nicht überlebt hat. Das überhaupt keiner aus 1 das überlebt haben soll, was wir ja auch überlebt haben. Selbst wenn die Höhlen unter Wasser stehen...“

So geht es derzeit vielen Leuten, aber gut. Wenn wir durchbrechen wird es vermutlich einen halben Tag dauern ehe das Wasser soweit abgeflossen ist, dass wir uns die Höhlen einmal ansehen können. Dann gehen alle Experten und verantwortlichen hinein. Da sie nun auch zu den Experten gehören sind sie dabei, Dr. Hagedorn.“, entschied der Kommandant grimmig und sah sie dann aber noch einmal ganz anders, irgendwie ernsthaft an.

Sir...?“, fragte Fee ihn sofort verunsichert.

Sie leisten in der Tat gute Arbeit, Fee. Ihre erweiterten Kentnisse über die Höhlenkollerpfer-de, wie sie in Arche 2 genannt wurden, sind enorm wichtig für uns alle und das bis hierhin und auch hoffentlich weiter so erfolgreiche Zuchtprogramm für Solaris.

Ich denke zudem, dass sich mit dieser Sache von heute, also das einer unserer renomiertesten und erfahrensten Tiertrainer aufgrund seiner eigenen groben Fehleinschätzung der Situation, gegenüber eines ihrer als höchst gefährlich geltenden Tieres hin beinahe tödlich verletzt hat, damit nun auch die vielen vorliegenden Anträge vom Tisch sind, ihnen diese Zucht und das Training besser aus den Händen zu nehmen, Fee, aufgrund ihrer zur Zeit noch oft sehr instabilen Seelenverfassung.“, sagte er so ruhig, dass sie schon kurz dachte sich verhört zu haben. Fee stand abrupt auf und keuchte hart. „Sie... bitte was, Sir? Sie wollten mir wirklich die Zucht der Pferde und deren Ausbildung wegneh-men?“, fragte sie ihn heiser vor Aufregung.

Jensen schob einige Blätter, die er vor sich liegen hatte zusammen und nickte ganz ernsthaft.

Die gesammte Komandantur, Dr. Haggedorn, war dieser Ansicht. Nach ihrem letzten Zusammebruch, aufgrund der massiven folternden Methoden ihres Vaters in Arche 2 gab es unter den Psychologen wie auch unter den Führungsspitzen erhebliche Zweifel an ihrer Geistigen Stärke wie auch der generellen Eignung zu diesem Projekt.

Sie haben sich an dem Tag als die Pferde hier in Arche 4 ankamen tatsächlich etwas unbeliebt gemacht. Vor allem bei Dr. Friedel und Dr. Fischer, die aber tatsächlich ausgewiesene Expertinnen in ihren Gebieten sind und die einhellig meinten das jemand mit eindeutig resignierend-suizitären Anwandlungen und seelisch instabilen Anfällen, welche zu vermehrten Aussetzern aus der allgemeinen Arbeit führt, sie zudem auch schlicht noch nicht die nötige Reife und Weitsicht besitzen, eine solche Verantwortung für ESA zu tragen.

Das war übrigens nicht meine Einschätzung der Situation, Dr. Haggedorn, auch wenn ich selbst kurz gezweifelt habe, nachdem sie nun auch noch ihr Baby verloren haben, sondern vielmehr die vielen Eingaben und Berichte der Ärzte und Psychologen die ihre Anfälle in den letzten Jahren katalogisiert, dokumentiert und ausgewertet haben.

Mann dachte sich zu Anfang in den Führungsebe-nen der Tierversorgungs- und Aufbauexperten man stellt ihnen hier nun die sehr erfahrenen Tiertrainer zur Seite und sieht wie sich alles weiter entwickelt. Wer denn nun unter ihnen insgesammt die Führung übernimmt und ob sie sie aufgrund ihrer seelischen Verfassung nicht einfach sofort alles an die fähigeren Hände abgeben, wie auch die Methodik der Ausbildung noch einmal ändern, die ja schon Artgerecht sein sollte, wie ESA es mit den damaligen Experten bestimmte.

Man hat abgewartet, wer nun womit die besten Resultate erzielt, wer sich wie und wo einbringt, wer sich bei was auch immer hervortut und das bessere Händchen mit ihren schwierigen Tieren hat, bevor man diese wertvolle Zucht anschließend den tatsächlichen Experten überlässt, Fee.

Nun, ich habe deren Einarbeitung selbst beobachtet und auch weiterreichend beobachten lassen. Sie sind nun seid über einer Woche am Werk, die beiden zu unterweisen. Alle beide, Amanda und auch Joachim haben meines erachtens ganz vernünftige Ideen, aber in der Realität keinen Plan was ihre Pferde gerade tatsächlich können und was nicht. Sie machen gefährliche Versuche auf eine Art die äußerst experimantell und willkührlich wirkt und auch schnell für dritte, unbeteiligte gefährlich werden kann, es sei denn natürlich sie sind in der Nähe, erkennen die Situation umgehend und greifen beherzt ein, wobei sie regelmäßig eher ihr eigenes Leben dabei riskieren, sich zwischen die Pferde und deren leichtsinnige Opfer stellen, die gerade in höchste Gefahr geraten, als dass sie andere Leben riskieren. Soweit man mir berichtete haben sie Joachim das Leben gerettet, Fee. Er versuchte wiederholt eine Methodik die sie bei diesem äußerst gefährlichen Tier strikt ablehnten und auch stets vorauassagen was worauf geschieht, wenn man in einer bestimmten Weise an ihm handelt. Sie haben neben dem Zaun gestanden, wussten was geschehen würde und haben ihn noch zwei mal eindringlich gewarnt, als sie die Zeichen des drohenden Angriffs erkannten.
Sie wollten wohl gerne eingreifen, wie es hieß doch ließen sie dem Trainer Zeit genug um seine Methode und sein Können beweisen zu lassen... nun allerdigs zu seinem Ungunsten ausgefallen. Doch haben sie Shadow rasch eingefangen und besänftigt bekommen, bevor er wieder zu dem am Boden liegenden zurückstürmen und noch einmal über ihn drüber maschieren konnte.

Eine Spezialität von diesem Pferd, wie ich gehört habe. Und ich habe viel gehört in den letzten Tagen. Vieles dass mich ziemlich verwirrt hat. Viele Vorschläge die ich so schon einmal gestattet hatte und dann waren unsere eigenen Zuchtpro-gramme aber auf einmal Gegenstandslos, weil wir am Ende gar keine Tiere mehr übrig hatten. Weil wir sie alle erschießen mussten und die Tierforscher und Verhaltensexperten konnten nicht erklären warum sie den Höhlenkoller ihrer Tiere nicht mehr hatten stoppen können, Fee. Doch sie konnten es ganz gut. Können es gerade jetzt, jederzeit. Sie gehen in die Herde hinein, sie sehen sie sich alle genau an bevor sie etwas machen, sind vorsichtig aber mit Ruhe und Kraft und starker Haltung am Werk.

Sie haben tatsächlich sehr viel gelernt bei ihrer Vorgängerin, haben sich in ihrer Freizeit die nach Ausbruch des Höhlenkollers sehr knapp bemessen war noch mit einschlägiger Literatur und den Schriften der Verhaltensforscher auseinanderge-setzt um diese Tiere verstehen zu lernen. Ich habe mir ihre Zucht-, Beobachtungs - und Trainingsprotokolle schicken lassen, alle die sie selbst angefertigt haben. Sie haben da zum Teil sehr unsachlich geschrieben, nur Eindrücke und Gefühle statt Tatsachen festgehalten, doch gab mir das in den letzten Tagen einen guten Einblick in ihr allgemeines Verständnis der Dinge, wie sie sich entwickelt haben und nun tatsächlich sind, Dr. Haggedorn. Dies hier ist nicht das Verständnis über normale Pferde mit einem normalen, artspezifischen Tierverhalten, in einer normalen Umgebung, also einer Welt die noch genau so existiert wie in unseren Geschichtsbüchern vor zweieinhalb Jahren.

Diese Tiere, die sie da für ESA züchten und ausbilden sind schon lange nicht mehr normal zu nennen und so wie ich die Sache sehe sind die sogenannten Experten in ihren Meinungen, Berichten und Ratschlägen zur Verbesserung und Trainingsumstruckturierung wiederlegt, da das was sie vorschlagen und einbringen schlicht nicht funktioniert und bis weilen sogar lebensgefähr-liche Situationen schafft.

Damit aber bin ich nun auch nicht mehr länger dazu geneigt den vielen Anträgen aus dieser Richtung kommend, welche sie als zu jung, zu unsachlich, zu wenig geübt und schlicht hand-lungsunfähig einstufen stattzugeben. Schon gar nicht nach diesem letzten haarsträubenden Vorfall.

Sie haben ihre Tiertrainer andauernd und mit Vermerken auf das bloße Aussehen ihrer Schützlinge - Shadow insbesondere - genau vor diesem Resultat gewarnt, wenn sie ihren normal scheinennden, ruhigen Weg des Trainings mit den Pferden gehen würden.

Sie haben sie auf Besonderheiten aufmerksam gemacht, auf Tricks die sie nutzen um das gewünschte Resultat zu erzielen, doch die Trainer haben es nicht aufgegriffen.

Außerdem erledigen sie ihre Arbeit wie ein Uhrwerk und erlauben es sich erst dann einen Anfall oder kleinen Zusammenbruch zu haben wenn die Fohlen geboren und die Tiere wohlauf sind, wenn die Arbeit weitestgehend getan ist, Fee. Daran ist nichts Verwerfliches, finde ich. Was die Menschen in ihrer Freizeit tun und lassen kann mir recht egal sein und ein Abort bringt wohl jede Frau ein wenig durcheinander, da ist es verständ-lich wenn sie zwischendurch ein wenig Abseits geht.

Mit ihrer Vorgeschichte, Fee, ist es sogar ein echtes Wunder, dass sie noch immer so aufrecht stehen und ihre Pflichten getreulich erfüllen. Das respektiere und schätze ich sehr. Sie sind stark und geistig reif genug um sich der enormen Verant-

wortung die auf ihnen lastet bewusst zu sein.

Sie haben uns einige gute, verwertbare neue Zuchtlinien geschaffen, ich habe auch ihre hiesigen gerade neu angelegten Bücher gesichtet und bin beeindruckt über die nun tatsächlich sachliche und klare Linie und die geordnete Struktur in ihren Berichten und Einschätzungen, wie auch dokumentierte Erfolge und Misserfolge bei verschiedenen Methodiken, besonders die der neuen Trainer welche nicht auf meinem Tisch gelandet sind sondern nur in ihrer Ablage.

Die Fohlen überlebten bisher alle, aber nur durch ihre permanente Stallwache, Dr. Haggedorn...“, unterbrach er sich kurz als Fee ihn nur wortlos und hart schluckend anstarrte, auf seinen erschütternden Bericht hin.

Sie fühlte sich gerade total ausgeliefert und bloßgestellt. Ihre Welt krachte mit einem irren Rutsch in sich zusammen.

Die hatten alle vorgehabt ihr die Zucht hier wegzunehmen.

Nehmen sie mir die Zucht nun weg oder nicht, Kommandant Jensen?“, fragte sie ihn also nur noch tonlos und leise klingend

Ich gestehe, ich war mir zu Anfang nicht ganz sicher, Fee, was ich nun tun sollte, vor allem weil sich die Arztberichte und psychologischen Befunde aus Arche 2 in keinster Weise mit der energisch auftretenden jungen Frau mit höchst erweiterten Kenntnissen der Pferde Nach- und Aufzucht, sowie den Gegebenheiten des Ackerbaus und dem Training an den Geräten übereinbringen konnte, die ihre Meinung auch noch derart wirkungsvoll vertritt, dass sich zwar einige Menschen vor den Kopf gestoßen fühlen, doch mehr als nur verletzte Gefühle bei ihrer Art der Arbeit kaum je zu erwarten sind.

Auch menschliche Ausfälle, vor allem bei unseren Experten, können wir uns derzeit nicht leisten, Dr. Haggedorn, darum nur habe ich auch darauf bestanden ihnen sofort den Titel der Expertin zu geben, auch wenn sie das zunächst wiedersinni-gerweise abgelehnt haben.

Doch darin zeigt sich schlicht ihr noch sehr junges Alter. Mann sollte es auch wohl bemerken, finde ich. Um so erstaunlicher ist ihr erzielter Erfolg.

Es ist unvermeidlich für die Führungsebene von ESA endlich anzuerkennen dass sie Fee, hier sehr wohl wissen was sie tun, wann sie es tun, wenn sie es tun und wie. Auch wenn ihre Methoden wohl so nicht in den ganzen Lehrbüchern stehen, so zählen doch am Ende nur die Resultate für unser aller Überleben.

Sie besitzen derzeit mein uneingeschränktes Vertrauen was das Zusammenleben der Genesis-Menschen mit ihren Pferden angeht und ich erwarte ab sofort von ihnen das sie nun tatsächlich in ihren Ställen die unangefochtene Führungsposi-tion übernehmen und die hiesigen Tiertrainer in ihre Art der Arbeit einweisen, damit sie im Sinne von ESA, statt dem eigenen, früher irgendwann einmal erlernten Weg vergessen und endlich begreifen lernen wie am Besten mit den Höhlen-kollerpferden zurecht zu kommen ist und wir damit auch die erwartete Nachzucht für Genesis, so wie sie es gerade eben für mich dargestellt haben, mit ausgesuchten Exemplaren für unsere eigene zukünftige Zuchtline erfolgreich bewältigen.“

Er stand ebenfalls auf und sah mitfühlend auf die nun heftig zitternde Fee hinab.

Es ist in meinen Augen nicht sehr weise einem führenden und erfolgreichen Experten in seinem Fach Schachmatt zu setzen, der wohl als Einziger alles richtig gemacht hat, doch den Kommandanten und Vorstehenden ESA-Experten leider noch etwas zu jung und vielleicht auch zu seelisch verkrüppelt erscheint, um ihm in seiner Methodik völlig zu vertrauen.

Doch sie packen das, Fee, da bin ich mir sicher.

Diese erste Zucht und auch die demnächst entstehenden Ausbildungsställe in Solaris sind nun ganz offiziell ihre. Heute erhalten sie den schriftlichen Auftrag der Kommandantur und wissenschaftlichen Führungsebene, mit ihrer eigenen Arbeitsmethodik fortzufahren, sich noch weitere Tiertrainer auszuwählen und sorgfältig darin anzuleiten ihre bewährte Methode in der Ausbildung der ESA-Pferde zu verwenden.

Wir erwarten außerdem, und da sie ja auch selbst dies als Argument hervorgebracht haben, Dr. Haggedorn, das sie dazu einen schriftlichen Leitfaden verfassen, über die Veränderungen im allgemeinen Pferdbenehmen aufgrund der Höhleneinflüsse, situativ geregelte Probleme, die aufgetreten sind, die Versuche der Herdenbildung die sie ausführlich dokumentiert haben, die dann entwickelte Annäherungs- und Abarbeitungsme-thode, die sie gestartet haben und in der sie besonders die feine facettierte Körpersprache der Tiere in ihre Situativ bleibende Arbeit mit einbeziehen, auf deren Grundlage sie ihre Erfolge erziehlen.
Sie schaffen damit das neue Handbuch der Höhlenkollerpferde, zur Ausbildung der nächster Generationen, welches die zukünftigen Pferdetrainer in ihrer Theoretischen Ausbildung wie auch in der Praxis bei ihnen in Solaris lesen, umsetzen und studieren sollen. - Natürlich aber nur, wenn sie das auch so wünschen,
Dr. Haggedorn.“, reichte er ihr ein amtliches, mit vielen Unterschriften und Stempeln versehenes Dokument zu.

Fee atmete immer noch heftig aus und ein.

Dann... hatten die Leute von ESA also wirklich nur immer vor nach der Eröffnung von Arche 2 die Pferde von anderen Trainern weiter ausbilden zu lassen und die Zucht komplett wie sie war an Amanda und Joachim abzugeben?“, fragte sie noch einmal bebend nach.

Jensen schüttelte nur achselzuckend den Kopf und zog die Stirn in Falten.

Es erstaunt mich ernsthaft, dass sie überhaupt nichts davon wussten, Fee. So wurde es ganz offiziell in den Funkkonferenzen der Kommandantur beschlossen, schon mit ihrem Vater zusammen.

Es war ja eigentlich nur eine Übergangslösung für Arche 2 dass ausgerechnet sie sich um unseren wertvollsten Bestand an Zuchttieren kümmern, Fee. Doch nun kann ich dem vorliegenden Antrag auf Übergabe nicht mit ruhigem Gewissen statt-geben, weil es einfach niemanden gibt der außer ihnen diese Arbeit tatsächlich händeln kann.

Keiner von uns konnte das in den letzten Tagen nachvollziehen, wie die ausgewiesenen Trainer so wenig Verständnis für ihre Pferde, die tatsächlich alle irre und durchgeknallt sind aufbringen konnten.

Sie wirkten am Anfang stets so selbstsicher mit ihren Übungsprogrammen in die sich die Pferde aber zu keiner Zeit auch nur ansatzweise gefügt haben, bis auf eine Ausnahme, eine Stute namens Stella, mit der Amanda Quitt gearbeitet hat.

Sie wurden in der letzten Woche wirklich ausgesprochen gründlich beobachtet, Fee, alle drei. Aber selbst mit ihrem Abort im Krankenlager gaben sie noch laufend vernünftige Anweisungen was welches Tir zu welcher Zeit wie zu tun haben sollte, gleich wenn sie bei Bewusstsein waren. Sie sorgen wirklich gut für ihre Tiere und damit auch für ESA, Fee. Und sie haben trotz ihrer Schwäch-en der größten Überblick über alles, kennen ihre Pferde bis ins allerkleinste Detail, haargenau, sehen es sofort, wenn bei einer Stute eine Geburt ansteht und können den Stuten sogar ohne die Hilfe eines Tierarztes wichtige Geburtshilfe leisten und sich klar, sachlich und verständlich ausdrücken, auch wenn sie manchmal doch etwas über das Ziel hinausschießen.

Daran müssen sie noch ein bisschen feilen, denke ich.

- Diplomatie, Fee! Üben sie sich darin. Und nun gehen sie wieder an die Arbeit, Dr. Haggedorn und sehen sie bitte zu, das nicht wieder solche gefährlichen Unfälle wie heute morgen passieren. Ich möchte ungerne noch mehr Menschen an ihren Gewaltbolzen Shadow verlieren, auch wenn ich natürlich begreife dass es sinnvoll ist den Hengst für den Ackerbau und die Nachzucht zu behalten – solange sie noch mit ihm zurecht kommen und auch die Pflughelfer.“, stellte er unmissverständ-lich klar.

Fee nickte nur wieder ganz hart schluckend und murmelte ein letztes, leises „Ja Sir.“, bevor sie die Dokumente wie auch den zusammengeschobenen Blätterstapel, die der Kommandant ihr nun mit einen ernsthaften Blick zureichte entgegennahm und dann wie eine Schlafwandlerin zur Tür zurück und hinaus ging.



17. Kapitel



Sie war schwer erschüttert und zitterte immer noch am ganzen Leibe, während sie kurz die ihr mitgegebenen Unterlagen durchsah und einzelne Passagen wie erstarrt las.

Dannach war ihre Sicht auf alles was sie gedacht

hatte bisher richtig und gut gemacht zu haben, all ihre Entscheidungen, seid sie mit ihren Pferden hier in Arche 4 war, tief erschüttert.


Der Soldat Erik Lesser der wieder Dienst schob

sah sie, als sie hinter den Containern hervorkam und ging augenblicklich zu ihr hin.

Dr. Haggedorn? Ist ihnen nicht gut?“, fragte er sie besorgt, doch sie sah ihn gar nicht an, antwortete ihm auch nicht, sondern ging nur starr und steif an ihm vorbei, durch die Höhlen durch.

Die hatten wirklich ganz ernsthaft vorgehabt ihr die Pferde weg zu nehmen, gleich wenn Arche 4 Zugang zu Arche 2 hatte, gleich wenn die Tiere hier waren und die Experten sie übernehmen und wirklich antrainieren würden, wie sie es sollten.

Die hatten das von Anfang an so vorgehabt und ihr Vater hatte davon natürlich auch gewusst und das sogar auch noch unterstützt.

Deshalb hatte er sie also am Ende schwanger gemacht und eingesperrt und nicht mehr zu den Pferden gelassen. Deshalb sollte sie lieber ein Kind bekommen und darin ihre Erfüllung im Leben sehen und deshalb wollten sie Mika zuerst dazu bewegen alles zu übernehmen, bis die anderen beiden die Zucht erhalten würden. Nur deshalb.

Bis die richtig ausgebildeten Trainer, die schon Gewehr bei Fuß standen und auf die neue Aufgabe brannten sich genug bei ihren Tieren eingearbeitet hätten, um alles an sich zu reißen.

Die hatten alle davon gewusst, sie aber nicht. Was mussten Amada und Joachim sich insgeheim über sie lustig gemacht haben, als sie davon sprach das sie hier das Sagen hätte und dass sie alleine Entscheidungen über Leben und Tot der Tiere traf.

Das hatte sie aber noch gar nicht gehabt. - Das Sagen. Zu keiner Zeit. Sie war nur der irre Pausen-clown für die Pferdeställe gewesen, ohne wirklichen Auftrag von ESA, ohne Legitimation.

Die beiden Trainer hatten, während sie selbst nur ernsthaft gearbeitet hatte, heimlich Berichte angefertigt über augenscheinliche grobe Fehler in ihrer Methodik und Arbeit.

Zum Beispiel der Umgang mit Shadow, ihn nicht direkt anzusehen. Ihre Ausbildungsmetoden seien gerade an diesem Beispiel bemessen von extremer Ängstlichkeit im Umgang mit ihm geprägt, statt von Sicherheit und Ruhe.

Sie war zwei Mal, Anfang der Woche, bei ihren anbahnenden Panikattaken – kurz nachdem sie das Kind verloren hatte – in den Stall in eine der Boxen, zu Gilly und ihrem Fohlen gegangen, um

sich dort zu beruhigen.

Das wurde ihr als äußerst instabiler Zustand und Ruhestörung der Mutterstuten und Fohlen ausgelegt.

Die hatten sogar richtig Tagebuch über sie geführt, diese beiden Arschlöcher! Die hatten sie für jeden Pups angeschwärzt und ihre Methoden für wenig Effektiv eingestuft, den Zustand der Tiere als unterdurchschnittlich trainiert, die Muskulatur zu wenig ausgeprägt, grob fahrlässig und selbst verschuldet anhand der Trainingstagebücher ausgewertet, die ihrer Meinung nach nur den einen Schluss zuließen: sie hätte keine geeignete Methode angewandt, um die Pferde in guter Form zu halten, wenn sie übrhaupt einmal vernünftig mit ihnen gearbeitet hatte was die beiden Experten aber wiederholt offen anzweifelten. Denn sie hatten bisher ja noch keines der Fünf als solche ausgewiesenen Ackerpferde wirklich auch mal ein Feld Pflügen gesehen. Statt dessen gab es nun zehn protestierende und beschwerde führende Eingaben beim Kommandanten in nur sechs Tagen, zehn!

Tief getroffen ging sie eilig, ohne dabei nach Rechts und Links zu sehen weiter durch die Höhlen durch, zerknüllte dabei beinahe die Dokumete in der Hand, weil ihre Finger so zitterten, hörte nichts um sich rum, als Leute sie besorgt ansprachen, weil sie so kreidebleich aus-sah und immer stärker zitterte.

Sie rannte schließlich doch nur wieder los, zu ihren Pferden, zu den Stuten... zu den Fohlen.

Mika und Cara hatten zwei Stuten und ihre Fohlen gerade in das Gatter gebracht, damit sie sich ein bisschen bewegen konnten. Die Neugeborenen!

Mika sah sie kommen und ging augenblicklich auf

sie zu.

Fee?“, fragte er sie erschrocken bei ihrem leichenblassen verschwitzten Gesicht. „Geht es Achim schlechter?“, fragte er sie, doch sie schüttelte nur den Kopf, sagte irgendwas unartiku-liertes zu ihm, dass er nicht verstehen konnte und floh dann einfach nur an ihm vorbei zu ihren Pferden in den Paddock rein.

Mika sah alarmiert zu Cara rüber, die nun auch rüber gekommen war.

Was ist denn passiert?“, fragte sie Mika ängstlich.

Was Schlimmes. Was richtig fies schlimmes, glaub ich. Sie hat so komische Dokumente in der Hand.

Vielleicht wollen sie ja, das sie Shadow doch sofort tötet oder... Sie nehmen ihr die ganze Zucht einfach weg, weil der Unfall passiert ist. Das hat Fees Vater schon einmal versucht. Mir das ganze aufzudrücken. Scheiße. Geh besser und hol mal Samuel her. Er müsste noch drüben im Maschinenpark sein, die Mannschaft für 1 rückt erst in einer Stunde aus. Vielleicht bekommt er aus ihr raus was passiert ist. Sie hat völlig dicht gemacht. Und wenn sie jetzt über dies auch noch einen Panikanfall bekommt, können wir sie für heute komplett vergessen.“, wies Mika sie an und kletterte zwischen den Stäben durch, um zu Fee zu

gehen.

Hockte sich dann auch stumm vor ihr nieder und wartete. Wartete einfach ab.

Sie atmete zittrig, ihre Augen schienen getrübt, außerdem wiegte sie sich sachte vor und zurück und schluckte immer wieder hart. Bis sie Mika schließlich ansah und ihm stumm die zerknitterten Dokumente zureichte, die er ebenso stumm annahm und zu lesen begann.

Schon nach den Ersten Zeilen war es ihm zumute als würde sich eine stahlharte Faust in seine Eingeweide reinrammen.

Er stand auf und blätterte um, las wieder, verständnisslos, las und blätterte weiter und schüttelte dabei immer wieder ungläubig den Kopf.

Das haben die Zwei nicht gemacht... das nicht...“, sagte er ausdruckslos vor sich hin.

Das war von Anfang an so geplant gewesen, Mika. Sonja ist tot und sie sind die nächsten Experten für Tierzucht und Ausbildung, egal mit welchen Tieren. Die haben mich in den letzten Tagen ganz genau beobachtet und jedes noch so kleine Firlefanzzeug dokumentiert, um zu belegen dass ich absolut gestört, fertig mit der Welt und ungeeignet bin für diesen Job.

Joachim hat nur deshalb so intensiv mit Shadow

gearbeitet weil er es mir zeigen wollte.

- Also wie's richtig geht. Er wollte mich vorfüh-ren, Mika.

Und wenn's geklappt hätte währe ich die Pferde jetzt los. Wenn's geklappt hätte mit diesen falschen Nattern zwischen meinen Pferden, dann würden die ab heute wieder eine komplette Herde bilden. Die würden sie einfach kaputt machen, alle. Die gehen laut ihren Expertiesen davon aus das sich bereits eine Herde in der Herde gebildet hat weil sie sich alle aneinander gewöhnt hätten in zwei Jahren Stallnachbarschaft. Die haben es nicht verstanden, was wir denen erklärt haben. Die sind so...“, sie schüttelte nur wieder verstummend den Kopf

Wir haben's doch versucht!“, rief Mika erbost aus stand auf und trat gegen den Zaun vor Zorn. „Das hast du doch auch genau dokumentiert, Fee, vor einem halben Jahr haben wir es zuletzt noch mal versucht aber sie können sich einfach nicht ab und es war zu wenig Platz in Arche 2...“

Hier ist aber mehr Platz. Die denken echt sie wissen alles, per Ferneinschätzung haben sie meine ganze Arbeit verfolgt und ständig kritisiert. Aber…“, sie atmete tief durch und sah ihn kurz schniefend an.

Ich hab sie jetzt, Mika. Die Zucht. Die ist jetzt zum ersten mal ganz offiziell meine. Und ich habe nun echt auch noch die Aufgabe oder besser den Auftrag erhalten diesen hohlen Experten-Ärschen die sich Tiertrainer nennen beizubringen wie man richtig mit unseren Höhlekoller-Pferden umgeht, damit sie beide dann hier in Genesis bleiben und die Fohlen, also die Nachzucht ausbilden, die im Sommer Absetzer werden sollen. Dann bleiben welche davon hier, nur zwei. Ein Hengst und eine Stute. Wenn sie dann alt genug sind sich zu paaren beginnt hier die zweite Zucht... in Genesis und ich soll es ihnen beibringen... diesen Arschlöchern die versucht haben mir hier alles wegzunehmen und die absolut nichts kapiert haben, absolut nichts!“, rief sie immer erregter. Da setzte Samuel auf einmal mit einem Satz über den Zaun und sah Mika schwer amend an, dann Fee.

Was ist hier los? - Fee?“, fragte er sie besorgt, aber sie schüttelte nur heftig aus und einatmend den Kopf und hob Wortlos keuchen die Hände. Mika war es schließlich der ihm zornig antwortete.

Die neuen Stallhelfer, die hier früher die Experten und Trainer waren und nun für Fee arbeiten sollten, haben versucht sie ganz mies aus-zuboten, ihr die Pferde wegzunehmen und dafür allen möglichen Quatsch in zehn Berichten zusammengerührt, aufgeschrieben und Eingaben zur sofortigen Entnahme der Pferde aus Fees Obhut gemacht.

Das sind alles Eingaben die Fee diskreditieren, die

ihr grobes Fehlverhalten und Unfähigkeit wie auch einen klapsmühlenmäßigen Geisteszustand bescheinigen.

Fee hat gerade gesagt wenn Achim nicht heute von Shadow überrannt worden wäre, hätten sie die Zucht ab heute oder demnächst einfach überom-men und dann wirklich schön an die Wand gefahren, weil sie wieder eine normale Herde mit den Tieren bilden wollten, was wir ja auch versucht haben aber es ging einfach nicht. Die Hengste bringen sich gegenseitig um und überrennen dabei die Stuten. Die Fohlen würden als erste dabei kaputt gehen, wenn die Hengste kämpfen...“, regte sich nun auch Mika auf.

Plötzlich kam Amanda mit Cara dazu.

Was ist passiert?“, fragte sie in die Runde und wich vor zwei wirklich extrem hasserfüllten Bicken zurück, die sich gewaschen hatten. Mika trat schließlich vor sie hin und hielt ihr schlicht die Dokumente unter die Nase.

Die Frau hatte zumindest den Anstand erst rot und dann kurz auch wieder bleich zu werden, bevor sie sich fasste und wenig interessiert tuend mit den Schultern zuckte.

Es war nun mal so abgesprochen, mit der Kommandantur, das die Pferde sogleich wenn wir sie nach Arche 4 herüber holen können, unsere Angelegenheit werden.

Natürlich kann Fee hier als Assistentin bei den Pferden bleiben und vielleicht später auch in Genesis bei den Fohlen, die hier aufgezogen werden sollten, wenn Achim das nicht lieber selbst machen möchte... und du kannst auch gerne bleiben, Mika. Was aber Cara betrifft...“

Das ist nicht dein Ernst?“, fuhr Samuel erbost dazwischen und Fee nickte nur ausdruckslos.

Doch das ist es. Die kamen nicht hierher um einfach nur bei uns zu helfen und zu sehen was die Tiere brauchen, um richtig zu funktionieren.

Die wollen jetzt wieder eine Herde machen, hier drinn... damit unsere Tiere dann genauso kaputt gehen wie ihre eigenen, an denen sie so großartig versagt haben.“, sagte sie ausdruckslos.

Amanda schnaubte genervt auf.

Fee, jetzt hör aber mal auf. Du bist doch noch ein Kind und weißt gar nicht was du eigentlich tust. Warst nur Sonjas Assistentin, eher so was wie eine Praktikantin, auch wenn du deine Sache mit deinen Mitteln gewiss ganz ordentlich gemacht hast. Doch es ist nun wirklich Zeit deine kindisch-en Reiterhofgeschichten zu vergessen und die Pferde in eine natürlichere Zuchtart zu bringen...“, sagte Amanda so schrecklich von oben herab das Fee aufgeregt auf die Füße sprang.

Sam kam zu ihr und fasste ihre Hand, doch sie riss sich heftig keuchend von ihm los.

Diese Pferde werden keine Herde bilden, da sie sich alle auf den Tod nicht ab können!“, sagte sie eisig zu der etwas größer gewachsenen Frau die nun ebenso eisig wurde.

Wenn du dich nicht anpassen kannst, Fee, kannst du auch gerne mit deinem Mann zu den Maschi-nen gehen und dort ein bisschen rumschrauben lernen, statt das zu tun was das Richtige ist. Und das ist das was wir sagen, Fee.“, meinte die Tiertrainerin nun äußerst hart.

Fee schluckte kurz und ging dann aber straks zu Mika hin, riss ihm beinahe die Zettel aus der Hand und blätterte vor bis zum letzten, den sie vom Kommandanten zuerst bekommen hatte, während Amanda nur weiter auf sie einredete, als währe sie ein kleines dummes Kind:

Du wirst doch immerhin zugeben, dass deine schwer gestörte, seelische Verfassung keine weitere Belastung zuläst, ganz ehrlich... Du kannst ja nun auch selbst einfach ein paar Kinder kriegen, so wie andere Mädchen auch und dich damit beschäftigen. Und wenn du willst besuchst du uns eben nur dann und wann...“, schlug sie entnervend ruhig vor.

Fee riss derweil den einzigen Zettel den sie zur Zeit brauchte aus dem Stapel raus und schmiss den Rest davon heftig auf den Boden, drehte sich zu Mika um und begann hart und laut vorzulesen:

Protokollauszug der Kommandantursitzung vom 11.3.2, 16.45 Uhr.

Komandant Jensen Arche 4, referiert vor den Vertretern aller Archen über die Vor- und Nachteile der Inkrafttretung der angewiesenen Maßnahme Feeline Haggedorn aufgrund seelischer Überbelastung und Angezeigter Inkompetenzen die Sorge für die 13 erwachsenen Archepferde nebst Fohlen von ESA zu entziehen!“, las sie vor.


Das ist ein Fehler.. ein absolut schwerer Fehler!“, unterbrach Mika sie kurz zornig aufbrausend und schmiss das Tuch an dem er sich gerade die Hände abgewischt hatte heftig auf den Boden. „Ohne Fee währen nun gar keine Archepferde mehr da. Sie hat Tag und Nacht wie eine Verrückte gearbeitet und am Anfang auch jeden Tag ihr Leben riskiert um die Hengste wieder zu befrieden! Sie hat sich reingetraut wo alle anderen die Tiere nur noch erschossen hätten...“, tobte er wild und trat in den Blätterstapel hinein der wild durcheinanderflatter-te. Doch Fee schüttelte nur den Kopf hob nur kurz eine Hand in seine Richtung und las dann laut und schnell weiter:

Nach Auswertung aller bisher aufgestellten Zuchtbücher, -Pläne, Trainingstagebücher und Ackerpflugtrainingseinheiten, nach eingehenden Gesprächen mit den Ackermeistern und Feststellung der Emotionalen, psychischen und körperlichen Eignung zur fachlichen Sachlichkeit und Weisungsuntergebenheit die in aller Ausführlichkeit diskutiert wurden, wie auch die Berichte der beiden Trainer Amanda Quitt und Joachim Hornfeld, ergeht folgende Einschätzung der Situation:

Die Trainingseinheiten der ausgebildeten Tiertrainer wurden im Geheimen von den fachlich versierten Biologen aus Arche 3,4 und 5 wie auch Kommandant Jensen persönlich in den letzten Tagen beobachtet und dokumentiert.

Wenn Dr. Feeline Hagedorn nicht übermäßig oft eingegriffen hätte, bei den Versuchen der Experten die Herde auf die fachlich rechte Weise zu trainieren, hätten die als sehr versiert gelten-den Trainer sich in der Arbeit mit den Tieren, durch diese, durch ihre eigene Art des Trainings, durch unkorrekte Beobachtung von gedachtem- und tatsächlichen Verhalten mehrfach schwer verletzt und hätten sogar dabei getötet werden können, wie es am heutigen Tag beinahe geschah.

Trainer Joachim Hornfeld nahm sich den gefährlichsten der Hengste, Shadow in Arbeit, ignorierte die Vorschläge, Anweisungen und Warnungen von Dr. Haggedorn und riskierte damit nicht nur sein eigenes Leben sondern auch das aller umstehenden Personen auf dem Platz, die als Trainergehilfen in seinem Sinn aufgestellt waren, als der Hengst in wilder, schon bekannter Manie durchging und auf ihn eintrampelte.

Wie Dr. Klaus Freitag beobachtete brauchte Dr. Haggedorn nur wenige Sekunden, um den furchtbar tobenden Hengst wieder einzufangen, obschon er auch an ihrer Hand weiter rasend tobte, schrie und stieg gelang es ihr doch ihn mit Hilfe der Trainerassistenen Mika und Cara und dem externen Berater Freddy in seine Separébox zu bringen, wo er sich wieder beruhigen konnte. Ihre At der Befriedung des Hengstes entspricht sicher nicht den allgemeinen Lehrstudien norma-ler Pferde, war aber in ihrer Art ausgeführt, Zielbewusst und auch Erfolgreich, was aber engegen der bisher eingegangenen Berichte der unsachgemäßen Arbeit mit eben jenem Hengst spricht, die der Tiertrainer Joachim Hornfeld angeprangert hatte.

Auch Trainerin Amanda Quitt erwies sich nicht als besonders Hilfreich im Bändigen und Umgang mit den schrierigen Hengsten.

Zudem sprachen die Pflugmeister aus Arche 2 Dr. Haggedorn ein eindeutiges positives Arbeitszeugnis aus, was Sachlichkeit, Anlerntraining, Fachkenntnisse und den allgemeinen Umgang mit den einzelnen Tieren betrifft.

Die Höhlenkollerpferde, wie sie seit einem Jahr in ihrer Stamm-Arche genannt werden, wurden in Arche 2 zudem drei mal erfolglos aber mit verschiedensten anerkannten und fachlich korrekten verifizierten Methoden in einen Herdenverband zu bringen versucht. Jedes mal mit beinahe tödlichen Folgen für einzelne Tiere, die aber alle zur Zucht für das ESA-Programm benötigt werden.

Der Vorgang wurde damals von Kommandant Hoffmann, dem Biologen Dr. Keil, der verstorbenen Tiertrainerin Dr. Sonja Bergheim und Feeline Hoffmann selbst ausführlich dokumentiert und sind nachvollziehbar erklärt. Eine Zusammenführung der Pferde in eine Herde ist unmöglich, da sich sämtliche Stuten und Hengste in einer permanenten, durch die zu dunklen und für Pferde auch räumlich zu engen Höhlen und ihre dahingehend ausgeprägten Fluchtistinkte ausgelösten Stresssituation befinden, sich gegenseitig in Argonie heftig bekämpfen, ohne jemals das pferdetypische unterwerfende und nachgebende Sozialverhalten auch nur ansatzweise in ihrer Art zu zeigen. Auch nach einem vollen, einem weiteren Halben und nun nach zwei Jahren in den Höhlen entwickel-ten sie keine der Norm entsprechenden Verhaltensweisen mehr.

Weiterführend wurden dazu weitere Versuche dokumentiert, mit dem selben negativen Ausgang. Insgesammt sind bei den Versuchen der Zusammenführung zu einer einzigen Herde zehn Pferde und ein Mensch ums Leben gekommen, weshalb damals Feeline Hoffmann beschloss einen anderen Weg, den sie Tage zuvor noch persönlich mit Sonja Bergheim und Kommandant Hoffmann besprach zu gehen.

Sie folgte den Richtlinien der normalen Arbeitsweise ESA's und des in den Handbüchern beschriebenen Trainings nicht mehr länger nach, unterließ die Versuche der Herdenbildung und separierte die Herde zunächst so, dass jedes Tier für sich alleine erfolgreich gesunden und schließlich ins Taining oder zurück in die Zucht genommen werden konnte.

Der von den Trainern angeprangerte mangelhaf-te allgemeinzustand der Tiere, Muskulatur und Durchhaltevermögen betreffend, basiert vor allem auf der erst seid einem halben Jahr möglichen Ackerarbeit, mit den nun angelehrnten Hengsten, die aber zunehmend erfolgreicher verläuft wie auch dem harten individuellen Einzeltraining geschuldet ist, das Dr. Haggedorn in Arche 2 ganz alleine mit einem Stallburschen bestritt, der ebenfalls im Umgang mit den Pferden geschult, jedoch bei weitem nicht so mutig und darum nicht kompetent genug ist, um sämtliche Pferde zu trainieren, vor allem den Mörderhengst Shadow.

Die Einheiten des Trainings, die Dr. Haggedorn zu absolvieren hat, sind bislang in einem 14 Stundenrytmus festgehalten und dokumentiert, wobei jedes einzelne Pferd an jedem Tag für eine bestimmte Zeit gearbeitet wurde, zunächst von ihr alleine, später dann auch von Mika Spor und noch später von den Ackermeistern. Weitere Helfer zum erarbeiten der Pferdetrainingspläne sind laut Komman-dant Hoffmann nur sporadisch eingeteilt gewesen und Assistenten konnte Feeline Hoffmann alleine nicht ausbilden, da keiner der Arche 2 Bewohner sich bereit erklärte länger als nur ein paar Tage bei den Pferden zu arbeiten, aus Angst um das eigene Leben oder die menschliche Nachzucht von ESA.

In allen Berichten des Biologen Dr. Klaus Feitag

wird der allgemeine Umgang mit den Pferden als zumeist extrem nervenaufreibend, Lebensgefähr-lich und nervlich wie auch Körperlich erschöpfend beschrieben.

Mehrmals wurde aus Angst vor einem Durchgeh-en in den Höhlen die Eingabe gemacht die Herde zu erschießen, weil sie zu wild zu werden drohte, wann immer die Zusammenführung geplant, eingeleitet und mit der langsamen Eingewöhnenden E-Draht Zaun Methode zum kennenlernen durchgeführt wurde.

Fazit:

Es währe äußerst leichtsinnig und für das Nachzuchtprogramm der Lebenswichtigen Arbeitspferde für die Menschen Lebensbedrohlich Dr. Haggedorn die Leitung über diese Tiere die sie bislang so gut befrieden konnte und auch wirklich sehr gut kennt aus der Hand zu nehmen und sie in derzeit leider eher inkompetente fachexperten- Hände zu geben, welche die neue Methode nicht gutheißen können, Aufgrund ihrer langjährigen Erfahrungen als Wildtiertrainer und Pfleger normal aggierender Tiere mit Arttypisch-em Verhalten.

Sämtliche Ereignisse, in denen die Pferde, nicht zuletzt der Mörderhengst Shadow in den letzten Tagen Auffällig wurden und beinahe tödliche Zwischenfälle verursachten, wurden durch unsachgemäße Behandlung der ausgewiesenen Experten und Trainer Amada Quitt und Joachim Hornfeld verschuldet und sind nicht wie in den Berichten beschrieben dem Verhalten und der Arbeit von Dr. Haggedorn zuzuschreiben.

Unsere Empfehlung ist es nun, die Tierexperten der Elefanten und Kamelzucht, welche ihre Herden verloren, sich nun aber bereit finden die schwierige Aufgabe mit den Archepferden aufzunehmen, den Umgang mit diesen uneinschätzbaren und dadurch gefährlichen Tieren in einer grundlegenden Neuausbildung, angeleitet und durchgeführt von Dr. Feeline Haggedorn lernen zu lassen, damit eine zweite Zuchtstation in Genesis entstehen kann, so wie mit Dr. Haggedorn besprochen.

Sie ist die derzeit einzige wirkungsvoll arbeitende Expertin für die Pflege und das Training der Höhlenkollerpferde und sollte darum die beiden derzeit noch unqualifizierten Tiertrainer im sachgemäßen Umgang, der Methodik und Verhaltensweisen an ihren Höhlenkoller-Pferden ausbilden, wie auch stellen wir fest das sie allein die Leitung der Pferdestation in Solaris und Genesis übernehmen sollte, bis sie einen Nachfolger mit Assistententrainer für Genesis in ihrem Sinn herangezogen hat oder aus medizi-nischen Gründen der Gesamtaufgabe nicht mehr gewachsen ist.

In diesem Punkt merken wir, die Komandantur an: Ihre gelegentlichen Panikattacken, durch überstandene posttraumatische Belastungsstör-ungen, welche Sporadisch auftreten, sind kein wirkungsvoller Grund um ihre Qualifikation als Leitung der Pferdestation anzuzweifeln, da sie sich trotz dieser wiederkehrenden Attacken voll und ganz in den Dienst für ESA stellt und selbst zugibt strikt Weisungsgebunden zu arbeiten und im Notfall auch breit währe auf Anweisung der Kommandant einzelne ihrer Zucht-Tiere zu töten, um der Sache der Archen insgesammt dienlich zu sein.
Damit erteilen wir Dr. Feeline Haggedorn den offiziellen Leitungsauftrag für die Zucht und Trainings-Pferdestationen von Solaris und Genesis wie auch weiterer Stationen die noch folgen mögen.

Zudem wird in schnellst möglicher Zeitspanne um ihre fundierte Expertiese zum Zwecke der Fortbildung und Neuausbildung zukünftiger Tiertrainer in schriftlicher Form eines offiziellen Handbuches gebeten, die den Höhlenkoller der Pferde sachlich fundiert beschreiben, aufzeigen, Lösungswege und Handhabe, Taining und Methoden der Lehren trotz Koller-Anfälle und Verhaltensauffälligkeiten umfasst.

Der Auftrag wurde umfassend und ohne einschränkungen in den Fragen der Assistenten-wahl, Ausbildungsmethoden und Werkzeuge erteilt und ist unbegrenzt gültig, damit die bereits bewährte Methode des zum Teil durch das unberechenbare Verhalten der Tiere gefährlichen Trainings weiter fortgesetzt werden kann, um das Überleben der Menschheit auf dem Planeten Erde, auch nach den Archen zu gewährleisten.


Fee faltete das Papier und sah nur schweigend vor sich hin. Keiner der anderen sagte noch etwas, Amanda schnappte immer noch nach Luft und nur Sam kam wieder zu ihr und ergriff nochmals ihre Hand und diesmal ließ sie es zu und sah ihn kurz zittrig an.

Amanda Quitt aber schnaubte schließlich undamenhaft auf. „Das ist nicht deren Ernst.“, sag-te sie flüsterleise und ausgesprochen fassungslos zu niemandem.

Fee steckte das Papier in ihre Gesäßtasche ein und hob mehrmals hart schluckend den Kopf.

Du bist hier Weisungsgebunden, Amanda. Ich würde dich und Achim am liebsten sofort aus meinem Team rausschmeißen. Das was ihr da gebracht habt war echt niederträchtig, mies und absolut unsachlich. Das was ihr macht ist es auch und zudem stimme ich Jensen zu dass ihr beide absolut unqualifiziert seid, obwohl ihr zwischendurch auch mal einiges ganz gut und richtig macht.

Aber ihr hört beide nicht zu. Vor allem wenn Mika euch warnt Gilly nicht zu nahe zu kommen oder Abraxas nichts mehr weiter mit der Hand zu fressen oder an Zuwendung zu geben, weil er das nämlich absolut nicht gut verträgt und dann einfach irgendwann fies zu beißen anfängt. Ihr hört nicht zu, wenn man euch sagt bleibt direkt vor Shadow weg, denn er rast immer ganz plötzlich und ohne Auslöser los. Er ist wild und launenhaft aber ihr wisst einfach alles besser. Wir haben noch mit Sonja zusammen versucht die Herde zu bilden. Wir haben es drei mal versucht und es endete beim zweiten mal mit ihrem Tod, verdammt.

Und jetzt da hier schwarz auf weiß steht wer nun für immer das Sagen über diese, meine Pferde haben wird, sag ich dir nur eins, Amanda: Für heute bist du raus. Geh Latrinen putzen oder mach dir die Fingernägel, ist mir wurscht. Melde dich bei Mike der wird schon eine Arbeit für dich haben, aber komm mir heute nicht mehr vor die Augen... und morgen auch nicht. Ich soll euch ausbilden, steht da. Nun denn, dann fangt ihr beide mal besser an eure Köpfe lehr zu räumen, denn all das Zeug was ihr bisher kanntet, was gut war und funktioniert hat, könnt ihr hier in den Höhlen absolut nicht gebrauchen. Wenn ihr beide wiederkommt erwarte ich das ihr wirklich dazulernen wollt. Und wenn ihr dazu nicht in der Lage seid dann habt ihr meine Erlaubniss dem Kommandanten zu erklären, dass ihr es einfach nicht packt.

Dann nehme ich jemand anderen, und sowieso gehe ich nun erst mal die Freiwilligenliste durch die Mike mir gegeben hat. Ich suche noch nach weiteren Arbeitern, Pflügern und Helfern für die Fohlen. Sie müssen geführt werden sie müssen an die Hand gewöhnt werden und das Fohlen ABC lernen, das allerdings nach den Höhlenregeln da wir ja immer noch nicht raus sind und ihr Verhalten auf keinen Fall normal zu nennen ist. Euch überlasse ich die Fohlen erst wenn ihr es so könnt wie ihr es sollt, wenn ihr das macht was ich will, dann wenn ich es will, weil die Pferde genau das brauchen und nicht eure halbseidenen Versuche von früheren Methoden, die ihr unter diesen Bedingungen hier aber alle vergessen könnt. Und wenn ihr es nicht packt, dann gehe diesmal ich zum Kommandant und schreibe vielleicht auch mal so einen netten, total irren Bericht, wie ihr beiden hier.

Zehn zweiseitige Berichte in nur sechs Tagen... !? Seid ihr eigentlich noch zu retten?“, fauchte sie die hochrot angelaufene Frau ruppig an und drehte sich dann einfach um und ging weg, auf die andere Seite der Koppel zu den Stuten und den beiden Fohlen die nun zaghaft miteinander zu spielen begannen.

Fee setzte sich an die Wassertränke und sah ihnen

einfach nur eine Weile lang zu, vollkommen erschöpft und fertig mit der Welt.

Sie bemerkte erst das Samuel sich neben sie gesetzt hatte als er ihr ein Taschentuch zureichte.

Schwein gehabt, was?“, brummelte er, als sie sich leise schniefend bei ihm bedankte.

Sie schniefte noch einmal und putzte sich die Nase, bevor sie ihn ausdruckslos anblickte.

Wenn Shadow Achim heute nicht über den Haufen grannt hätte, hätten sie mir die Pferde vermutlich weggenommen. Die anderen Ereignisse in den letzten Tagen waren nicht halb so schlimm wie das aber sie hätten auf die Typen gehört.

der Kommandant war ziemlich ernsthaft. Und auch wenn sie gesagt haben, ich meine geschrieben dass meine Panikattaken kein Grund sind mir die Pferde wegzunehmen, sie waren der einzige ehrliche Grund es überhaupt in Erwägung zu ziehen.

Sie haben mich nur genommen weil keiner sonst mit Shadow zurecht kommt und wie sieht das denn bitte aus, wenn das gefährlichste Pferd im Stall nur von den Assistenten geführt werden kann aber alle anderen bringt der Monsterhengst um?

Sie haben ihn Mörderhengst genannt, Sam.

Sie haben auch noch reingeschrieben das ich im Falle eines Falles weisungsgebunden einzelne Tiere erschießen werde.

Das ist... eine direkte Auffoderung ja nicht noch mal zuzulassen das jemand so schwer verletzt wird wie heute oder damals Sonja.

Macht er das wieder ist er tot und ich müsste ihn auf Komando erschießen, Sam.“, sagte sie ihm leise.

Er nickte nur grimmig.

Aber jetzt da du das weißt, arbeitest du alleine mit ihm weiter, oder?

Nein... Das kann ich nicht. Er braucht eine starke Männerhand. Das hat Sonja auch immer gesagt. Und du bist gut mit ihm zurecht gekommen. Sam ich will dich für Shadow.“, sagte sie ihm auf den Kopf zu.

Samuel runzelte nur kurz die Stirn.

Weil ich bald Joblos bin?“, fragte er sie schließlich zynisch lächelnd.

Weil du ihn das eine mal ganz locker in den Stall geführt und Mika mit ihm geholfen hast, als er in seine Box sollte und er hat nicht einmal versucht nach dir zu treten oder zu beißen. Das bedeutet er mag dich... oder sieht in dir zumindest eine Respektsperson und damit also ein potentielles Leittier. Genau das was er braucht, Sam. Außerdem möchte ich dich bitten mir deine Crew für jeweils eine Stunde am Tag zu leihen. Die Typen habens ordentlich gemacht und auch sie werden Joblos sein, wenn das Öl alle ist... und das wird ziemlich schnell gehen, jetzt da sie die Bulldozer einsetzen, um hier oben von Genesis einen Teil der Erdkruste abzutragen, damit die Pferde auch hier oben eine Weide haben können,

angrenzend an den Stall.

Sam ich brauch euch. Ich brauch starke Männer die zuhören und einfach machen was man ihnen sagt, wenn mans sagt. Ich trau diesen Typen da nicht mehr, ganz eindeutig nicht und wenn ich die Sache richtig sehe werden die auch gar nicht mehr lange weiter unter mir arbeiten wollen. Erst ja, vermutlich... zumindest so tun als ob, aber es wird nicht klappen, weil sie in mir von Anfang an ein kaputtes, irres Kind gesehen haben und nun unmöglich zurückrudern können.

Was bedeutet, ich hab alle Hände voll zu tun und ich brauche zumindest für die Fohlen etwas

Hilfe und von dir bei Shadow. Ich bin mir sicher dass du mit ihm zurecht kommst Sam, sonst würde ich das ganz sicher nicht vorschlagen.“, fügte sie noch mal hinzu als sie seine Zweifelnde Miene bemerkte.

Dann aber nickte er kurz.

PS ist wohl PS, sagte er düster und stand auf um weg zu gehen.

Sam!“, rief Fee ihm nur leise hinterher und er blieb mit geballten Fäusten stehen.

Danke dass du so schnell gekommen bist, um mir

beizustehen. Ich weiß dass du wichtige Arbeit hast und ich weiß das du sauer auf mich bist...“, rief sie ihm leise schniefend nach.

Sam drehte sich noch einmal kurz zu ihr um.

Auf dich bin ich nicht sauer, Fee. Aber auf alle anderen schon.“, sagte er noch grollend, dann ging er fort.

Fee schluckte wieder hart und vergrub das Gesicht in den Knien, bis Mika irgendwann kam um die Stuten und ihre Fohlen wieder einzufangen.

Sollen wir nun Gilly und Stella rauslassen? Die beiden haben sich doch ganz gut vertragen, oder?“, fragte er sie ernsthaft.

Schick mir Cara rüber, Mika und wenn du sie rausgestellt hast geh rüber zu den Hengsten und mach mir Shadow zurecht, ich komme gleich.“, sagte sie beinahe ausdruckslos.

Mika schlckte nur kurz dann aber nickte er grimmig. „Sofort wieder in den Sattel, hm?“ fragte er sie heiser.

Sie nickte nur seufzend. „Bevor er es noch verinnerlicht hat und wieder nur das macht was er machen will. Den Pflug brauche ich auch und die Handschuhe und sag Lars bescheid dass er kommen soll. Ich will diese Höhle dort drüben heute Abend noch komplett einmal umgepflügt haben. Das wird Shadow sicher auf andere Gedanken bringen.“, sprach sie entschlossen.

Mika nickte nur stumm und verschwand mit den Stuten. Die Fohlen liefen hinterher und wieherten munter und vergnügt. Zwei Stunden Auslauf für die Kleinen und die Stuten, das musste reichen. Gilly konnte nicht mit Farah und auch nicht mit Jasmin, aber mit Stella kam sie leidlich aus.

Fee sah zu wie Mika die Stuten und ihre Fohlen hinausbrachte. Sah die feine kleine Stute die Butterball hervorgebracht hatte. Sie hatte sogar seine Fellzeichnung geerbt nur eben in weiblich.

Es tat ihr gut die Stuten zu sehen wie sie sofort zu rennen begannen und die staksigen Fohlen folgten ungelenk rennend und stolpernd. Tja, leider nur eine begrenzte Zeit lang, um laufen zu lernen, dachte sie wieder bei sich und überlegte was sie tun könnte, um da Abhilfe zu schaffen.

Mika kam dicht an ihr vorbei und fragte sie noch einmal ob sie sich das mit Shadow auch gut überlegt hätte.

Fee nickte nur ausdruckslos und folgte ihm dann mit nur zwei Minuten Abstand zum Hengststall hinüber, in die letzte Höhle.

Der Boden neben den Ställen war festgestampft ohne Ende und wurde nicht genutzt. Kurz prüfte sie die Beschaffenheit und konsistenz. Steinhart, also genau richtig für Shadow, der sich dann mal gehörig anstrengen musste.

Auch Lars kam bald schon an, gerade als sie dem

unruhigen Hengst das Geschirr anlegte.

Willste echt das Monster heute noch arbeiten, Fee?“, fragte er sie unwirsch.

Er ist ein Ackergaul und nicht ausgelastet. Außerdem muss ich ja nun endlich mal beweisen was unsere Tiere wirklich können, damit ich auch weiterhin hier Trainerin bleibe.“, gestand sie ihm leise. Am Höhleneingang waren gerade einige Leute zusammengekommen. Fee weigerte sich hinzusehen. Das waren bestimmt nur wieder die beobachtenden Experten.

Die würden jetzt gleich enscheiden ob Shadow noch ein paar Monate oder Jahre leben oder noch heute strben würde. Da war sie sich zu hundert Prozent sicher.




18. Kapitel




Okay, wie soll ich anfangen?“, fragte Lars sie kurz ganz tief durchatmend und Fee patschte einmal kurz und hart auf Shadows Hals, als der Lars beißen wollte.

Gleich volle Kanne, Lars, bloß nicht nachdenken! Er muss sich verausgaben, vollkommen! Leider kann ich nur die erste Bahn übernehmen, wenn überhaupt. Dann bist du drann und ich will dass dieser ganze Platz hier, der so brach und hart und ungenutzt da liegt nachher tiefe ordentlich gerade Furchen aufweißt. Ich geh mit, Lars aber du treibst ihn an. Pass auf die Hinterbacken auf und wenn er zuckt ziehst du ihm auf der anderen Seite eins über und treibst ihn noch mehr an, damit er abgelenkt wird. Ich häng mich in dem Fall ans Halfter drann, also brauchst du dir keine Sorgen zu machen. So und jetzt los.“, komandierte sie leise und trat an den Kopf des Hengstes, nahm einer der Gerten zur Hand und ließ sie kurz in seine Richtung witschen, ohne Shadow aber zu treffen. Trotzdem trat er unwillkührlich einen Schritt von ihr zurück.

Brav...“, sagte Fee nur leise zu ihm und machte eine andere Geste. Diesmal tat er einen Schritt zur Seite und wieder lobte sie ihn. Sie blieb nur neben ihm stehen, behielt seine Ohren im Augen die wie wild vor und zurückschossen. Nervös stampfte er mit den Hufen am Boden auf. Mächtige Hufe...

Aber Fee hatte gerade keine Angst. Das durfte sie einfach nicht haben, wenn sie hier noch was durchsetzen wollte und sie durfte nicht klein bei geben. Es ging hier gerade immerhin um sein Leben.

Du tust was ich will, wenn ich es will!“, befahl sie dem Hengst ganz leise und er schnaubte nur

wieder erregt.

Sag mal was hast du da eigentlich vor?“, fragte Amanda sie plötzlich erbost.

Fee legte nur den Kopf leicht schief und sah die Ältere grimmig an. „Shadow pflügt nun ein Feld, ich dachte doch dass du das erkennen würdest, Amanda. Doch ich habe dir auch gesagt dass du jetzt gehen wirst. Ich will dich heute und morgen nicht mehr hier haben!“, zürnte sie böse.

Amada aber achtete gar nicht darauf.

Dieses Monster hat schon Achim beinahe umgebracht, Fee. Nimm Vernunft an, du schaffst das nicht alleine mit ihm, er ist zu wild...“

Mika, nimm sie doch mal bitte bei Seite, und steck ihr irgendwas großes ins Maul rein dass sie möglichst nicht so schnell wieder los bekommt, Ich will ihr quengelndes Geschrei nun echt nicht am Pferd haben. Und sie nennen sich auch noch Expertin in Sachen Tiertraining!“, ätzte Fee in ihre Richtung.

Wahrscheinlich sind sie schon lange nur noch Expertin im Dummschwätzen oder so!“, vermutete Fee finster und packte nun Shadows Halfter und die Leinen. Sie ging leicht versetzt hinter ihm so wie immer.

Du machst das Falsch... ganz Falsch!“, brüllte Amanda Quitt noch einmal auf, was einen nervösen Zucker von Shadow zur Folge hatte, dem ein kurzer Tritt nach hinten folgte, so wie Shadow es fast immer am Anfang tat, wenn er arbeiten sollte. Dadurch dass sie leicht versetzt stand traf er sie aber nicht. Fee sah nur kurz steinern in Mikas Richtung der die Frau nun hart packte und ihr den Mund zuhielt. Cara nahm mit finsterer Miene ihr Halstuch ab und holte auch noch ein paar Stricke um die Frau zu fesseln und zu knebeln die immer noch irgendwas zeterte. Aber das hörte nun schnell auf.

Mika hatte sie ruhiggestellt – endlich. Shadow benötigte nämlich gerade ihre vollste Aufmerk-samkeit.

Lars folgte ihnen Beiden auf den Grund den Fee nun Pflügen wollte und half ihr beim ersten reindrücken des Ackerpfluges. „Huop!“, machte Fee nun leise und der Hengst sprang beinahe sofort nach vorne ab. Doch da der Boden so hart war kam er nicht weit und begann lediglich den Pflug durch die Erde zu reißen, schnell und im Trab. Fee folgte einfach und zog die Zügel einmal heftig an Huop-HOOOO!“, schrie sie kühn und nun ging das Pflügen ganz leicht und einfach. Lars folge ihnen wieder stumm und misstrauisch so wie immer. Auch Fee blieb aufmerksam weil sie wusste das immer noch eine Aktion von Shadow kam und richtig. Auf einmal bäumte sich Shadow hoch auf und trat dann buckelnd nach hinten weg. Fee zog nur wieder sachte an den Zügel und wiederholte das Komando: „Huop-hoooo!“ und da sie immer noch leicht versetzt hinter ihm stand traf er sie auch diesmal nicht als er wieder ausschlug.

Sie hörte die Menge am Höhleneingang aufgeregt Raunen und Reden. Sah sich kurz nach Mika um der sofort hinging und scharf um Ruhe bellte. Sofort war es wieder mucksmäuschen still und Shadow zog wieder an.

Lars drückte kurz mit Fee zusammen auf den Pflug und die Erde riss in einer geraden Spur auf, eine perfekte Ackerfurche ziehend. Ganz gerade und exakt. Fee führte die erste Linie zuende. „Hooo Shadow, anders rum!“, sagte sie beruhigend zu dem schnaufenden Hengst der sich ins Zeug legen wollte. Hob zusammen mit Lars den Pflug aus der Erde, wendete Shadow und übergab die Zügel dann wieder an Lars.

Achte auf die Ohren!“, wies sie ihn scharf an und der Pflugmeister nickte kühl, übernahm die Leinen nach der Wendung und gab nun selbst das Kommando: „Huop!“

Und es funktionierte. Die Furche wurde unter dem Druck des Arbeiters noch etwas tiefer, weil er mehr Kraft hatte. Fee ging weiter hinten versetzt mit, half beim Aufheben des Pfluges und beim umdrehen bis sie dann in der fünften Runde Lars ansah und er ihr grienend zunickte.

Fee blieb stehen und schaute zu den Leuten am Höhleneingang hin, die sich nun alle ruhig hingesetzt hatten und zusahen wie Lars jetzt ganz alleine mit Shadow den Gund umpflügte, Runde um Runde und Runde.

Fee blieb dabei am Rand stehen und schaute nur noch zu, wusste aber das Shadow sie genau im Auge behielt, denn anders als die anderen Hengste wurde er nicht mit Scheuklappen vor den Pflug gespannt. Das hielt er nicht aus. Er musste immer alles sehen. Lars pflügte die bestimmt hundert Quadratmeter Ackerboden in exakten Reihen um. Der Hengst war schon nach der Hälfte schweißnass geschwitzt und schaubte sehr heftig, als Lars zum letzten mal den Pflug aus der Erde holte. Die Muskulatur des Pferdes zitterte leicht, seine Flanken bebten, doch er stand nun friedlich da und wehrte sich nicht mehr, als Fee wieder zu ihm trat und ihn am Stall angekommen aus dem Pflug ausspannte. „Hooo, Shadow. Fertig für heute!“, sagte sie nur sparsam und rieb ihm fest über die Stirn zwischen den Augen, weil er das mochte. Das war seine Belohnung.

Er senkte den Kopf und schnaubte friedlich. Lars zog seine Mütze ab, die ebenfalls schweißnass war und grinste Fee kurz an.

Hat er gut gemacht, der Teufel. Fast vier

Stunden! So viel hatten wir noch nie an einem Tag, brummte er leise zu ihr hin.

Ja aber das wird sicher nicht so bleiben. Wir haben hier noch drei ganze Höhlen, wo früher auch ein paar Wildtiere untergerbracht waren, an einem Bachlauf Krokodiele und was weiß ich was noch alles. Die Stellen liegen als Ackerfläche gerade etwas zu brach wurden nur mit Harken und Schaufeln bearbeitet. Morgen gehen wir da mit den anderen Hengsten hin und pflügen alles für die Aussaat um. Bisher hatten sie nur geringen Ertrag, weil die Wurzeln nicht tief genug reichten. Ich denke das können wir durchaus ändern, was meinst du?“, fragte sie Lars verschmitzt der nur vergnügt vor sich hin pfiff und dabei half den erschöpften Hengst auszuspannen.

Nix hilft besser als harte Arbeit, wenn man 'nen Koller hat.“, brummelte er dem Pferd leise zu und führte ihn dann abschließend wie Fee es ihm bedeutete in seine Box hinein, wo er ihn abrieb und säuberte und etwas zu Fressen gab. Jetzt erst drehte Fee sich um und sah Kommandant Jensen und die anderen Arche-Komandanten hinter sich stehen. Sie zog den Zettel aus der Gesäßtasche heraus und hielt ihn hoch.

Danke für ihr Vertrauen.“, sagte sie trocken zu den Männern. Jensen nickte nur grinsend und nickte dann aber kurz zu Amanda Quitt hinüber die immer noch an einen Pfahl am Stallgebäude angebunden saß.

Was haben sie mit ihr vor?“, fragte er sie milde belustigt.

Als erstes einmal muss sie lernen zuzuhören, dazu gehört leider auch zuzusehen und zwar still. Schreit sie hier rum kann ich sie so nicht brauchen, also hab ich sie für heute und Morgen von der Arbeit an den Pferden frei gestellt, damit sie ihre Grundeinstellung zu allem hier noch mal ausführlich überprüfen und ihre Schale des Wissens auslehren kann. Übermorgen dann wird sie als erstes Stallarbeit machen und den Arbeitern auf dem Feld zusehen. Es ist wichtig zuerst die vielen winzigen Zeichen und Eigenheiten von den Tieren zu erkennen und zu lernen wie man richtig darauf reagieren muss, bevor sie selbst Hand anlegt. Ich hab mir letzte Woche über den Arsch aufgerissen und den Mund fusselig geredet, Kommandant, aber sie wussten es alle beide immer besser, also hab ich sie machen lassen... und mit offenen Augen zugesehen wie Shadow Achim heute überrannt hat. Mann kann nicht direkt vor ihm oder gerade hinter ihm gehen. Mann muss besonders am Anfang immer leicht versetzt laufen, später dann ist er in der Arbeit drinn und strengt sich tüchtig an, dann ist es ganz leicht. Lars ist ein guter Mann, ruhig und ausgeglichen. Er war mal Jungbauer und hatte Pensionspferde auf seinem Hof stehen. Er schafft es auch schon ganz alleine mit Shadow, nur wenn er wie heute was angestellt hat komm ich erst mal mit und bring ihn wieder auf Kurs.

Er ist unser bestes Pflugpferd, arbeitet hart und bleibt fast immer in der Spur, selbst wenn er dabei mal rumzickt.“, schloss sie sachlich und Jensen nickte ihr anerkennend zu.

Sehen sie nun, Finsch, was ich gemeint habe? Jeder von uns hat seine Momente. Die Höhlen gehen nicht spurlos an uns vorbei aber auf die Resultate kommt es an und die gibt es hier ganz eindeutig - positiv und wertvoll für uns alle.

Da brauchen wir keine namhaften und studierten Experten, da brauchen wir nur Dr. Haggedorn und ihre bereits geschulten Mitarbeiter...“

Ich möchte ihre Erlaubnis, Kommandant, die Mechanikergruppe an den Fohlen und Stuten einzusetzen. Eine Stunde am Tag, damit sie ein zweites Standbein haben, gleich wenn das Öl aus ist.“, warf Fee kurzentschlossen ein. „Die Jungs haben von Anfang an hier ein bisschen mitgehol-fen und ihre Sache auch ganz ordentlich gemacht. Und Samuel will ich noch mal extra für Shadow ausbilden, als Ersatzmann für Lars. Bisher ist er nämlich der Einzige Pflugmeister der mit ihm arbeitet, weil kein anderer sich das zutraut.“, erklärte sie Jensen ruhig und nickte Mika zu, als er zu ihr kam und leise wegen Amanda fragte.

Sag ihr sie hat die Wahl entweder für heute und morgen zu verschwinden oder wieder genau da angebunden und geknebelt zu werden, wenn sie vor übermorgen wiederkommt und wenn sie dann kommt soll sie dann einfach ihr Maul halten und zuhören, was andere, du oder ich ihr sagen und das auch haargenau so machen, sonst kann sie gleich wegbleiben!“, teilte Fee ihm ernsthaft mit. Mika grinste nur kurz und wackelte lustig mit den Brauen „Yes, Ma'm“, salutierte er fröhlich vor ihr und selbst Kommandant Jensen musste über die kleinen Späßchen lachen.

Auch Fee fühlte sich entspannter und sah sich Aufmerksam in der Höhle um.

Die Hengste bewegten sich unruhig in ihren Gattern hin und her. Dadurch das die einzelnen Abteile so groß waren konnten sie sich aber nun genügend Bewegung verschaffen. Doch es war auch immer ein Risiko dabei.

Darf ich sie nun alle bitten die Höhlen zu verlassen, die Show ist nun zu Ende und sie machen die Pferde nervös.

Wenn sie etwas von mir wollen, rufen sie mich bitte über Funk, aber für heute habe ich noch einen Haufen Arbeit vor mir. Die anderen Hengste

müssen auch noch bewegt werden und die Stuten mit ihren Fohlen ebenso.“, sagte sie zu Jensen und der nickte nur schmunzelnd und salutierte ebenso zackig vor ihr, wie Mika eben.

Yes, Ma'm!“, zog er belustigt die Brauen hoch.

Sie haben alles im Griff wie man sieht. Sogar diesen Mörder-Teufel. Machen sie also weiter und melden sie sich morgen 9:00 Uhr im Hangar 6. Wir werden eine kurze Spritztour mit allen Experten und der Kommandoebenen an den Ort machen, wo wir denken das Solaris demnächst gut aufgehoben währe. Wir nehmen mehrere Laster und Anhänger mit, Bohrgerät, um den Grund zu überprüfen und die großen Wasserpumpen die das Seewasser für uns aufbereiten und klären sollen, sobald es taut. Wir haben sechs Monate Zeit bis zum Auszug von Arche 2,3,4 und 5. Wobei Genesis und auch Arche 3 die gerne zukünftig Magma genannt werden will, weil sie Flüssigstahl verarbeiten und uns als Industrie- und Autonome Notfallstandorte erhalten bleiben und im Falle von schweren Stürmen als Unterschlupfgelegenheiten genutzt werden, sobald wie einen Flusskreislauf geschaffen haben, damit die Natur der Erde sich neu starten kann. Gute Arbeit, Dr. Haggedorn, wie

schon gesagt. Sie kommen wirklich gut zurecht mit ihren PS.“

Er nickte ihr noch einmal zu und dann verließen die vielleicht fünfundzwanzig Leutchen die Hengsthöhle, während Fee stand und automatisch lächelte und noch länger stand und winkte, bis sie endlich alle weg waren...

und sie endlich in Ruhe zusammenbrechen konnte.

Sie schaffte es gerade noch zu Butterball und setzte sich neben dem träge dösenden Hengst auf den Boden. Er bewegte sich nur wenig, hob nur ab und an den Kopf und schnurpste ein paar Heuhalme vor sich hin, gemächlich und träge, während Fee nun genau da wo sie saß und vor sich hinstarrte und schließlich zitternd und bebend in Tränen ausbrach.

Gott... oh Gott!“

Shadow war gerettet. Zumindest vorrst wieder.

Gott im Himmel was sollte sie nur tun? Was nur?

Sie hyperventilierte und zitterte und hielt sich den Kopf, um sich wieder einzukriegen. Mika kam schließlich zu ihr und setzte sich einfach danneben.

Sah für mich echt gut aus mit ihm. Ich glaube sie killen ihn doch noch nicht gleich.“, murmelte er leise vor sich hin, rupfte ein paar Heuhalme aus dem Netz heraus und drehte sie zwischen den Fingern.

Fee nickte nur heftig atmend und wieder und wieder hart aufschluchzend. Das hier war schon oft genau so und nicht anders abgelaufen. Shadow machte Mist, jemand kam und überlegte ihn besser sofort zu erschießen und sie riskierte alles dafür, Kopf und Kragen und die von Lars, das er noch ein bisschen weiter lebte.

Wenn die nur mal irgendwann damit aufhören würden.“, schluchzte sie heiser vor sich hin und zitterte noch mehr. Mika nickte nur trübe vor sich hin.

Ja, aber es ist nun mal so. Das Ungeheuer ist gefährlich, erschießt es... Denn Menschen sind wichtiger als irre Tiere. Und jeder darf einen Höhlenkoller haben - außer die Tiere - die natürlich nicht. Die haben zu funktionieren, wie Maschinen, ätzend ist das.“, murmelte er ausdruckslos weiter.

Fee schniefte nur weiter und weiter und wiegte sich mal wieder in ihrem beruhigenden Hospitalismus gefangen vor und zurück, vor und wieder zurück, immer wieder.

Mika saß einfach nur starr neben ihr und wartete, wartete einfach, auch wie schon so oft.

Warum du dir das alles immer noch antust... nur weil du es Sonja versprochen hast.“

Und meine Versprechen halte ich, Mika. Das ist das Einzige was ich noch kann. Ich muss einen Nutzen haben, einen Sinn erfüllen, mehr als nur meine bloße Existenz rechtfertigen. Wir alle müssen das! Wir müssen es verdammt noch mal wehrt sein die Sonnenerruption überlebt zu haben und wenn dazu gehört mein Leben für ein paar irre Gäule zu riskieren, dann mach ich das eben. Und wenn dazu gehört einen Partner für ESA zu haben und Kinder, dann mach ich auch das.

Samuel ist echt unglaublich gut und lieb zu mir. Ich hätte es so viel schlimmer treffen können. Außerdem ist er immer da, wenn man ihn ruft, er bleibt auch wenn er Arbeit hat, sitzt bei mir wenn ich krank bin und er hat mir auch gar keine Vorwürfe gemacht, weil ich doch das Baby verloren habe. Er sagt einfach: Schwamm drüber, machen wir ein neues. Ich wusste schon das es sich nicht hält. Ich hab's gewusst, weil zu viel in mir drinn kaputt ist.. nach Jan und allem. Aber ich versuche es wieder. Ich muss einfach einen Sinn haben. Ich muss Leben erschaffen und ich muss Samuel helfen, denn er hat mir schon so oft geholfen. Er ist so gut zu mir... und mit mir. Wie die Leute ihn behandeln, nur weil er Haggedorns Sohn ist... das hat er echt nicht verdient. Er sieht so hart aus, aber innen drinn... da ist er unglaub-lich viel mehr, viel weicher. Er macht das alles mit, den ganzen Mist - mit mir - ebenfalls nur um einen Nutzen zu haben dabei stehen nun total viele normale Mädels auf ihn. Was sieht er nur in mir kaputten Teil, Mika? Was hast du in mir gesehen, dass du dachtest das könnte mit uns beiden was werden? Ich wollte dich nicht verletzten, du bist mein bester Freund geworden aber...“

Schon klar... ich hab's inzwischen verstanden. Ich bin einfach nicht stark genug für dich, ein Umfaller und innen drinn so weich wie Magarine in der Sonne. Ich hab zu viel Mitleid mit dir und halte mich zu viel zurück.“, brummelte er nur leise und nickte bedächtig.

Fee schniefte nur und sah ihn besorgt von der

Seite her an. „Aber Cara hast du echt gut ausgesucht. Sie ist nett und ruhig. Ich würde ihr gerne die Leitung über die Stuten geben und dir die über die Hengste, wenn du willst.“, schniefte sie wieder leise auf.

Er grinste kurz.

Ginge es nach den Trainern dann währe sie jetzt raus, weil sie noch nicht so viel Ahnung hat.“, murrte er erbost.

Ginge es nach den Tiertrainern dann würden unsere Pferde binnen von zwei Monaten alle eingehen. Sie hatten ihre Chance mit ihren eigenen Tieren. Ich hab schließlich nur das getan was Sonja sich noch selbst überlegt hat. Ich hab mir dann noch zwei, drei Sachen dazu erfunden und es klappt doch. Aber... ey zehn Berichte in sechs Tagen, Mika.“, schnaubte sie erneut erbittert los. „ZEHN!“

Er nickte nur wieder finster vor sich hin.

Und das wird auch nicht aufhören. Zumindest nicht wenn die mich nun auf den Kieker nehmen. Die sehen in mir ein Weichei, weil ich so großen Respekt vor den Hengsten habe.“., murmelte er leise.

Fee nickte nur kurz.

Die werden sich beide noch selbst umbringen, weil der ihnen völlig abgeht. Aber ich soll sie ausbilden. Das ist unmöglich zu schaffen.

Aber ich denke, ich werde nun ebenfalls mal ein oder zwei Berichte pro Tag über die Beiden und ihre Arbeitshaltung anfertigen und diese beim Kommandant zum lesen abgeben.

Meiner bescheidenen Meinung nach werden sie nur höchstens zwei-drei Wochen brauchen bis sie sich beide wieder sehr schwer verletzt haben, weil sie ihren Kopf durchsetzten und in den Pferden ganz normale Tiere sehen wollen – was sie aber hier in den Höhlen nicht sein können.

Und vielleicht auch draußen nie mehr, weil sich dort einfach zu viel verändert hat. Der Himmel ist noch da, die Erde auch. Aber die Farben fehlen, die Bäume, die Tiere. Die Vögel, die Bienen die Gräusche und Gerüche. Da ist nichts mehr, da draußen, Mika. Und wir müssen es auch erst wieder neu errichten und schaffen. Was Gott in sechs Tagen tat. Wir haben dafür nur ein ganzes Menschenleben der Härte und Kargheit vor uns, Hunger und mühsame Arbeit. Aber keiner hat je behauptet das es schnell gehen wird, oder gut wird. Ich hoffe nur wir schaffen es wieder einen biologischen Kreislauf zu erzeugen der sich über die Welt auszubreiten beginnt so wie früher einmal. Das die Bakterien wandern und die Arten sich explosionsartig vermehren. Das wir Menschen im Gegenzug es schaffen das nicht ganz so schnell zu tun. Nur zunächst einen Ausgleich zu den Todesfällen und dann langsames Wachstum, nicht zu schnell das immer genügend Menschen da sind um nicht auszusterben aber nicht genug um wieder die Atmosphäre zu vergiften und den Planeten auszubeuten.

Ich hoffe so sehr darauf das die Aquazucht gelingt und die Pferdezucht und die Wildtiere aus 5 die in den neuen Wäldern irgendwann ausgesetzt werden sollen. Doch zuerst kommen die Bodeninsekten drann die Blumen, die Gräser. Die Wassertierchen, die Einzeller, die Algen und Wasserpflanzen. Dann irgendwann die Fische. Wenn das Wasser wieder aufbereitet ist und in Fluss.“

Du weißt so viel, Fee und du denkst immer noch du packst das vielleicht nicht.“, brummelte Mika

nur leise vor sich hin.

Fee lächelte ihm zynisch zu. „Du doch auch nicht,

sonst würdest du nicht gerade hier neben mir hocken, Mika. Wir sind beide total kaputt und gestört. Und das wird auch nie wieder anders sein.“

Nein, vermutlich nicht.“, sagte er leise seufzend und stand auf.

Soll ich Geronimo fertig machen oder Abraxas?“

Geronimo. Der braucht jetzt ganz dringend mal Bewegung.“, sagte Fee nur wieder niedergeschla-gen.


Es klopfte sachte ans Holz und beide sahen ein bleiches aber kräftig wirkendes Mädchen am Stalltor stehen mit dunklen, unergründlichen Augen.

Hi. Ich stand auf der Liste aber scheinbar wird hier keiner mal zum Vorstellen eingeladen, sondern kommt einfach so vorbei. Ich kenn mich mit Pferden aus. Auch wenn ich nie geritten bin, sondern nur Kutsche gefahren. Wir hatten zu Hause eine kleine Zucht... Friesen.“, sagte das Mädchen finster zu Fee hin die sich die letzte Tränen abwischte und langsam aufstand.

Okay, dann komm mal mit und wir schauen mal was wir machen können... hm...“

Ich heiß Ivonne, kannst aber Ivi zu mir sagen,

sagen alle. Und nur damit du nicht denkst ich hau gleich wieder ab... Ich hab zwei Fehlgeburten gehabt und muss jetzt mindestens ein Jahr warten bis ich es vielleicht/vielleicht auch nicht, noch mal versuchen darf. Dr. Ina meinte ich soll derweil zusehen mir eine nützliche Arbeit zu suchen, was soviel heißt wie, Kinder kriegst du sicher nicht so schnell also mach was anderes.

Ich hab früher bei Pferden gearbeitet und das war okay für mich. Ich will's wieder tun.“, sagte sie mürrisch und trat zu Butterball hin, der aufgehört hatte zu kauen und das finstere Mädchen gespannt ansah, wie sie auch den Hengst... skeptisch und dann schnaubend.

Eine Hängematte für die kaputten Pferde. Hab ich zuletzt in Moondancer gesehen. Hatte auch das Bein kaputt. Mann, aber bei dem hier? Denkst du echt das heilt wieder so weit dass er noch mal auftreten kann?“, fragte sie Fee skeptisch.

Er muss nur noch ein paar mal auf die Stuten aufreiten, mehr ist nicht nötig. Wir brauchen seine Gene.“, meinte Fee kurz.

Schon mal was von künstlicher Besamung gehört?“, spöttelte das Mädel nur hart klingend.

Wir haben dazu keine Ausrüstung!“, warf Mika stirnrunzelnd ein.

Ja, die war drüben in Arche 1. Außerdem kenne ich mich damit auch gar nicht aus.“, gestand Fee dem Mädchen irritiert.

Sie nickte nur grimmig „Aber ich schon. Hab dem

Tierarzt immer assistiert, bei unseren Stuten, die sind alle immer nur besamt worden oder wir haben Samen von unseren Hengsten gezogen und weggeschickt. Ich wollte selbst auch mal gerne Tierärztin werden, aber dann kam der Sonnen-sturm und irgendwie hab ich es hierher geschafft und bin ausgewählt worden, für das ESA-Programm, weil meine Eltern schließlich auch noch Biobauern waren und ich das alles ebenfalls kann. Also wenn du aufnahmebereite Stuten hast bring eine her und ich geh rüber in die Kankenstation und hohle ein Röhrchen, das ist alles was ich brauche. Eigentlich nur ein schmales Glasrohr um den Samen aufzufangen und dann direkt in die Stute einzuleiten. Ungereinigter Samen eben, aber Samen. Mehr braucht es nicht und der dicke hier kann derweil gemütlich weiter abhängen, während wir ihm einen runterholen und ihn heiß machen.“

Fee sah Mika skeptisch an. „Fenna hat erst vor einer Wochen abgefohlt. Ich dachte ich geb ihr noch einen Monat.“

Gleich wenn sie das erste Mal wieder rossig wird, kannst du sie befruchten. Jedes Jahr ein Fohlen zu haben zehrt zwar aus, ist aber unumgänglich um die Zucht hier wieder voranzutreiben. Und ich hoffe du wartest nicht zu lange bis die Fohlen groß geworden sind.“,

muckte Ivi weiter derbe klingend auf.

Warum bist du eigentlich so mies drauf?“, fragte Mika sie nun milde interessiert.

Ivi funkelte ihn nur hitzig an.

Zwei Fehlgeburten, jeweils im fünften Monat.

Hendrick ist abgehauen, denn er will endlich mal Erfolge sehen … und Kinder. Aber nicht mehr mit mir!

- Arschloch.

Gut das der weg ist! Er war sowieso ganz mies im Bett.“, murrte Ivi finster.

Fee hätte beinahe losgelacht, grinste aber nur kurz zu Mika hin, der das Mädchen nun merklich interessierter anstarrte.

Mika?“, fragte sie ihn kurz. Er brauchte zwei Sekunden, um zu ihr sehen zu können. „Hm?“

Kümmer dich um Geronimo und beweg du ihn im Geschirr mit großen Gewichten hinten drann. Nimm erst mal hundertfünfzig Pfund und dann wenns klappt bis zweihundertfünfzig, damit er was zu tun hat. Ich zeige Ivi derweil mal die Stuten und Fohlen. Vielleicht möchte sie uns da ja gerne helfen und die kleinen an die Halfter gewöhnen.

Fohlen ABC? - Okay, ja, das kann ich.“, meinte die brünette Amazone nur wieder knurrig und marschierte schon mal davon.

Mika kam angelegentlich grienend zu ihr hin und

schaute dabei dem Mädchen hinterher.

Noch so ein Theraphiefall für unsere Doktoren- Durchgeknallte-PS?“, fragte er sie raunend. Fee musste erneut breit grinsen und zuckte dann aber noch einmal heftig erzitternd die Schultern.

Mal sehen, wie sie wirklich ist. Auf jeden Fall weiß sie ein bisschen was und braucht eine Arbeit. Das ist schon viel mehr als das was die hiesigen sogenannten Experten zustande gebracht haben. Ich dachte echt die würden uns richtig helfen, sich einbringen und neue Ideen haben mit den schwierigen Pferden. Vor allem Achim mit Shadow, aber dass er alle Warnzeichen absolut ignoriert hat... tja, er stand halt auf Elefanten und Pferde sind ja keine...“, sie unterbrach sich und schüttelte sich kurz.

Vorbei... ist jetzt egal. - Arbeit! Du Geronimo, ich mal kurz Stuten und Fohlen. Wenn du mit dem braunen fertig bist mach mir Abraxas klar und ruf mich über Funk, ich bin auf Kanal zwei. Den machst du mir bitte nicht alleine. Nicht heute, wo er so unruhig ist.

Hat hier zwar seine Vorteile mit den getrennten Ställen aber damit auch eindeutige Nachteile was die Entfernung angeht, finde ich.“, brummelte sie frustriert und nickte Cara kurz zu, die draußen auf dem Pferch gerade die Pferdeäpfel einsammelte um sie dann auf den Acker zu schaffen und dort gleichmäßig zu verteilen.

Ein Mädel das mitdachte und die Arbeit suchte, statt andere anzutreiben das Schmutzige für sie zu übernehmen, überlegte Fee bei sich.

Viel besser als Achim und Amanda.

Eigentlich würde sie viel lieber Cara und Mika als ihre Genesis-Ableger hier zu bleiben wissen.

Aber Befehl war Befehl.

Die Komandantur wollte sicher noch viel mehr an ihr austesten. Führungspersönlichkeit, Lehrereignung und so'n Zeug. Auch denen was beibringen können die man nicht leiden kann weil's Probleme mit denen gab und so weiter.

So blauäugig anzunehmen das ESA ihr die Pferde bei wirklich schweren Schnitzern in der Arbeit, weiteren Todesfällen oder aber offener Gehor-samsverweigerung ganz schnell wieder abnehmen würden, war sie nicht mehr. Also weiterhin hundert Prozent. Immer hundert Prozent und bei Shadow noch 'ne Schippe voll mehr oben drauf, sonst würde er sicher wieder etwas anstellen.

Aber eines musste noch klargestellt werden. Sie nahm das Funkgerät zur Hand.

Mika, kommen!“

Zwei Sekunden, drei vergingen.

Mika, hört.“, sagte er schlicht.

Ich berufe heute um 20.00 Uhr eine Generalver-

sammlung aller Helfer, Pfleger und Ausbildungs-assistenten der Pferde im Krankenflügel bei Joachim ein, damit er das auch mitbekommt, was ich zu sagen habe. Ich les den Wisch noch mal vor damit auch er klar sieht und alle wissen wer hier nun die entgültige Leitung und das Recht hat, die Entscheidungen zu treffen. Sag Cara sie soll um 19.30 Uhr Schluss machen und Amanda suchen gehen, damit sie ebenfalls teilnimmt.

Das ist keine Tee-Einladung sondern ein Befehl! Fee Ende.“

Verstanden, Boss. Ich bin da.“, gab er nur zurück und Fee wusste das er sich dabei gerade einen abgrinste.

Genauso wie sie selbst.


Sie kam nun am Gatter des Fohlenauslaufes an und da hing das neue Mädchen, Ivi mit gerunzelter Stirn am Zaun und betrachtete die Stuten und Fohlen, als währen es Marsmännchen.

So, dann mal rein mit dir auf die schöne Blumenwiese forderte Fee sie heraus, um zu sehen wie sie reagieren würde.

Ivi sah nur knurrig zu ihr hin, nahm sich eine der Gerten die an der Seite lehnten und zugleich einen Strick.

Das imponierte Fee schon mal. Sie ging nicht

unvorbereitet, so wie Achim und Amanda am

Anfang. Die waren einfach so zu den Tieren

reingegangen, sehr von sich selbst überzeugt.

Aber Ivi war vorsichtig. Selbsterhaltungstrieb hatte sie also schon mal, dachte Fee bei sich und lehnte sich nun ebenfalls an den Zaun, während die Stuten nun alarmiert den Kopf hoben, als das fremde Mädchen auf sie und ihre Kleinen zukam. Von der Seite, nicht Frontal. Und nun blieb sie stehen... wartete, beobachtete die Stuten, wie auch diese sie beobachteten.

Ein falscher Schritt und Stella würde losrennen, erkannte Fee. Aber zugleich auch das sie in die andere Richtung rennen würde. Aber Ivi rührte sich nicht. Die Spitze der Gerte zeigte zu Boden, sie stellte sich entspannt hin und schien die Stuten kaum zu beachten. Die Hand mit dem Strick hing locker herab.

Soweit so gut, fand Fee und grinste kurz.

Da tauchte Samuel mal wieder neben ihr auf.

Ich hab dich gesucht.“, raunte er leise.

Sie grinste ihm kurz zu. „Schon fertig mit dem Bohren?“, fragte sie ihn nach einem Blick auf die Uhr verwirrt.

Nein, wir haben gerade noch ein paar Ersatzteile geholt. Ich muss gleich noch mal los, sie laden gerade auf. Da dachte ich ich such dich kurz.“, drängte er sich sachte an ihre Seite und stubste sie mit dem Arm liebevoll an. Fee grinste ein bisschen über seine Flirterei. So war er schon die ganze Zeit über drauf. Von wegen sauer oder niedergeschlagen über die Fehlgeburt oder irgendwie beeindruckt von irgendwas, oder abgestoßen von ihren Panikattaken. Bei Samuel?

- Pustekuchen.

Na und jetzt hast du mich anscheinend gefunden.

...Sieh mal eine Neue. Heißt Ivi und ist total zickig aber ich glaube mit irren Pferden kann sie gut.“, flüsterte sie leise zurück. Und richtig. Die Stuten entspannten sich ein wenig, senkten wieder die Köpfe und mümmelten weiter das ausgestreute Heu vor sich hin, während die Fohlen ein bisschen zu spielen begannen. Ivi bewegte sich weiter, ganz langsam parallel zu den Stuten, die nun vorwärts gingen und näherte sich dabei unmerklich weiter an sie an.

Sie ließ den Tieren Zeit. Keine Überfälle, keine direkte Ansage. Sie war da und zeigte es den Stuten. Ruhig und nüchtern, entspannt und zugleich aufmerksam. Ja, wirklich gut, dachte Fee wieder und erklärte Sam das Verhalten des Mädchens, mit leise flüsternden Worten:
„Sie kennt die Stuten noch nicht und die sie auch nicht. Sie ist vorsichtig und nähert sich vollkommen ungezwungen und auch nicht sehr zielgerichtet, was die Stuten entspannen lässt.“

Hm, bei Shadow kommt sie damit aber nicht sehr

weit.“, murmelte er kurz.

Aber ich brauche sie ja auch eher für die Stuten und vor allem die Fohlen. Ich will deinen Freddy für unseren Abraxas, Samuel, wenn du ihn entbehren kannst. Ich habe gerade irgendwie festgestellt das die Pferde wohl mit komplett verrückten Leuten besser können, als mit expertischen, vernünftigen, erwachsenen Menschen, die keinen Höhlenkoller bekommen haben.“, grinste sie sich eins.

Samuel grinste ebenso breit. „Hab ich also auch einen solchen...? War mir gar nicht bewusst.“, fragte er sie überrascht.

Sie sah ihn wieder nur entnervt an. „Ey, Sam, nun aber mal Futter bei die Fische. Kein Typ der sie noch alle ordentlich im Oberstübchen beisammen hat nimmt eine kranke, durchgeknallte Tussi wie mich, auch wenn ich vielleicht so ein bisschen hübsch bin und macht mit ihr nicht nur ein Baby sondern heiratet sie dann auch noch ganz offiziell.

Kein anderer tut sich so was an, bleibt bei Zitter-fee und taucht ständig in meiner Nähe auf, gerade dann wenn ich ihn wirklich gut gebrauchen kann zum ranklammern und abhängen und bodenlos schnellen Sex machen, der voll fies endet, wenn ich erst mal habe was ich will.

Denk nicht das ich nicht weiß, dass du außerdem vorhattest deine Sachen und deine Harley zu schnappen und einfach auf und davon zu brausen, wie im Wilden Westen, der Cowboy der in den Sonnenuntergang reitet. Hier gibt es keine Prärie mehr, hier gibt es keine tolle Welt, in die du verschwiden kannst und der einsame Cowboy fängt auch nicht mehr irgendwo ganz alleine ein neues Leben an. Du bist genauso durchgeknallt wie ich, Samuel Haggedorn und wehe du bezwei-felst das jetzt schon wieder, dann werde ich wirklich mal sauer.“

Er gluckste leise vor sich hin und tastete sachte nach ihrer Hand auf dem Gatter, umfasste ihre Finger und drückte sie sachte.

Fee durchrieselte es soglleich ganz warm und unwillkührlich rückte sie einen Schritt näher an ihn heran. Zugleich trat auch er den anderen Schritt zu ihr hin und hielt sie bereits im Arm, noch bevor Fee seufzen oder grinsen oder laut auflachen konnte.

Statt all dem runzelte sie nur die Stirn und schüttelte den Kopf.

Wir beide sind echt so was von gestört.“, murmelte sie rau.

Dann ist es ja gut das wir beide keine anderen Partner abbekommen werden. Ich teile dich nämlich nicht, meine Fee. Und ich hab immer noch zwei Wünsche frei, vergiss das nicht.“, flüsterte er ihr leise ins Ohr dann senkte er sein Kinn auf ihren Scheitel und hielt sie sekundenlang nur fest an sich gezogen im Arm.

Wieder alles Okay?“, fragte er schließlich und Fee seufzte nun doch.

Mika gehört der Mund zugenäht. Er petzt einfach zu oft.“, beschwerte sie sich kurz bei ihm.

Mika ist dein Freund und er sorgt sich nur. Ebenso wie meine Leute auch. Die fragen mich alle ständig ob ich mal kurz nach dir schauen will und sagen das das vollkommen okay für sie ist.

Ganz anders als in 3. Die übernehmen dann einfach die ganze Arbeit so wie ich es ihnen gezeigt habe. Wenn wir so weitermachen ist in einer Woche der Maschinenpark in exelentem Zustand und die Jungs haben dann wieder massig freie Zeit zur Verfügung. Arche 3 hat uns vorgestern neue Ersatzteile aus der Industriewerkstatt geliefert, die wir dringend gebraucht haben. Das bedeutet das nun fünfundsiebzig Prozent der Maschinen wieder einsatzbereit sind und die Hundert erreichen wir auch noch mal. Außerdem hat Arche 5 ein großes Rapsfeld in ihrer Anpflanz-Höhle angelegt und erzeugt somit bereits seit zwei Jahren beständigen Nachschub für die Maschinen, wie auch weiteres Saatgut für Solaris, damit wir weit mehr anbauen können als nur die drei Hecktar, die eingeplant waren. Das bedeutet also so schnell wird uns der Saft vielleicht doch nicht ausgehen, sobald Solaris steht. Und dann hast du auch mehr Zeit die Zucht aufzubauen und einige deiner Hengste werden entbehrlicher... falls sie doch noch getötet werden müssten.“, meine er mitfühlend.

Er sagte es ernsthaft, nicht so sehr gelassen oder mit einer Scheiß-Egal-Haltung. Es war nur eine Option und Fee war ihm dankbar dafür, dass er es ihr mitteilte.

Schließlich kannte sie die Gedankengänge der Anführer und Kommandant ja nicht.

Hatte auch ihre Finte ihr die Herde einfach wegzunehmen, sobald die Tiertrainer die Pferde übernehmen konnten, nicht verstanden.

Fee hatte einfach angenommen, dass sie gar keinen schriftlichen Auftrag oder einen Arbeitsvertrag für ESA bräuchte, doch das war ein Irrtum. Das was als erstes wieder bestens funktionierte, gleich nach dem Ausbuddeln der Archen war anscheinend die Bürokratie.

Ich kann deine Gedanken lesen, Fee. Weißt du das die mir heute tatsächlich auch so einen Schrieb geschickt haben, wie dir?“, fragte Sam mich leise schnaubend und hielt Fee plötzlich einen zusam-mengefalteten Zettel unter die Nase. Langsam entfaltete sie ihn und las ihn sich durch.

Tolle Kiste.

Samuel wurde zum leitenden Chief der Mechanik

der Bohranlagen, Gerätehöhlen und Mechanikercrews ernannt und zwar von allen Archen zusammengenommen.

Er sollte weitere Teams ausbilden und zu Arbeitseinsätzen schicken. Das ganze Maschinenwesen, Reparatur und Elektrikgedönse koordinieren und auch gleich aussortieren, wen er eigentlich nicht gebrauchen konnte.

Ihm wurde zugebilligt, ebenso wie ihr selbst bei der Auswahl der Crews für alle einsatzbereiche freie Hand zu haben, nur musste er die bereits bestehenden Mechanikercrews aller Archen in seine jetzige Arbeitstruppe integrieren. Auch so wie bei ihr.

Und was ist, wenn die in Arche 3 nicht unter einem Haggedorn arbeiten möchten?“, fragte Fee ihn leicht zynisch.

Samuel griente auch nur wieder kurz.

Wir verstehen uns, Fee. Unser wirklicher Wahnsinn hat wahrscheinlich gerade erst so eben angefangen, schätze ich mal. Die geben uns unverzichtbare Jobs und lassen uns auch gleich Lehrer sein. Ey ich bin zwanzig.“, spottete er über sich selbst.

Wem sagst du das? Das bin ich noch nicht mal. Gerade erst achtzehn geworden, Sam. Aber … ich kann die Pferde nicht im Stich lassen und du bist gut in deinem Job.“

Trotzdem werde ich mir für deinen Shadow etwas Zeit einräumen.

Die Anweisungen lauten täglich nicht mehr als acht Stunden Einsatz an den Dienststellen, es sei denn es besteht ein Notfall.

Bei mir haben sie sich das gesparrt. Würde ich sowieso nicht nach deren Richtlinien machen können. Die Pferde bekommen ihre Fohlen oder Verletzungen nicht nach der Uhr. Und wenn was ist...“

Dann passt es ja sehr gut zu meinem Plan dann einfach mal bei meiner Frau rumzuhängen und so zu schauen was sie tut und wie ich ihr helfen kann.

Denkst du wir beide kriegen das auf diese Weise hin?“, fragte er sie freundlich.

Lieber guter, Bad-Boy Samuel, dachte sie nur bei sich und kuschelte sich an seine Schulter, während sie wieder zu Ivi rüber sah, die gerade eine der Stuten an ihrem Arm schnuppern lies und dabei ganz ruhig und gelassen stehen blieb.

Mit ein bisschen Hilfe und einem Team das ausnahmsweise mal funktioniert und nicht schon nach nur einem Jahr in Mutterschutz geht, vielleicht.“, murmelte sie seufzend und er lachte leise in sich hinein.

Ich schick dir Freddy morgen früh rüber.“, bot er belustigt an, während sie seine Finger umfasste die auf ihrer Taille lagen und kurz drückte.

Morgen bin ich aber nicht da. Ich fahre raus zum See, wo Solaris demnächst vielleicht entstehen soll. Die Wissenschaftler und Experten sollen den Grund dafür sondieren, Bohrungen machen und die Sedimentschichten untersuchen, so wie ich auch, ob der sich zum Pflügen und für die Pferdehufe eignet. Ich glaub die wollen da auch noch gleich ein paar Sauerstoffwandler aufstellen, damit wir auch dort keine Schwierigkeite haben werden, mit dem Atmen, so wie hier im Umkreis.“

Sei vorsichtig. Einige dieser Seen sollen angeblich nur so gerade eben erkaltete Vulkane sein. Aber eigentlich noch aktiv durch die Schmelze des Solarsturms. Geh nicht ins Wasser, okay? Es könnte auch gut Salpetersäure sein.“, warnte er sie besorgt.

Ich hab ein dutzend Wissenschaftler dabei und bin selbst nur für den Ackergrund zuständig, Sam, nicht für den See. Wir brauchen sehr viel, damit Solaris da draußen überleben kann und die ganzen Agrarexperten werden morgen auch dabei sein, um die Fruchtbarkeit des Bodens und die Eignung des Wassers zu bestimmen. Doch da brauchen wir uns wohl nicht so sehr zu sorgen. Kommandant Jensen hat mir erklärt, dass die Scheißegruben nach zwei Jahren in den Höhlen mehr als nur überquellen. Dünger haben wir also genug für den Acker und Bakterien dadurch auch.“, lachte sie leise glucksend an seiner Hand die er nun sachte an ihre Wange legte.

So kaputt bist du gar nicht, Fee. Und ich, um mal klartext zu sprechen, kann mich echt glücklich schätzen eine so kluge, fleißige und starke Gefährtin und Ehefrau gefunden zu haben. Nicht für ESA und diese ganzen Programme, die können mich mal. Du wolltest mich, obwohl keiner mich wollte, Fee.

Und du mich ebenso obwohl alle Schiss vor meinem Vater hatten und er dich zusammenprügeln ließ, Sam. Ich glaube... unsere Kinder, wenn wir jemals welche bekommen werden ziemlich interessant und komplett durchgeknallt werden.“, grinste sie seufzend zu ihm hoch.

Klingt doch nett.“, fand Sam lächelnd und Fee lachte wieder leise in sich hinein.

Samuels Funkgerät piepste.

Elmer an den Chief! Kommen bitte!“

Samuel nahm das Gerät und drückte auf den Knopf.

Sam hier, ich höre.“

Es ist aufgeladen, Boss, außerdem hat sich der Kommandant gemeldet - Stufe 3. Der Bohrer in Arche 1 macht gerade mächtig zicken und ist nun abgestellt worden. Wir müssen in 15 Minuten drüben sein, Befehl von Jensen.“, klang es

knackend aus dem Gerät heraus. Samuel schnaub-te nur kurz.

Bin gleich da – over und aus.“, meldete er sich ab. Und steckte das Gerät wieder ein.

Arbeit.“, sagte er resignierend zu ihr.

Ja, Acht-Stunden-Tage voller Arbeit!“, höhnte Fee nur ebenso schnaubend und küsste ihn kurz aber sanft, während er sie nur überrascht, dann aber doch ziemlich fröhlich anblickte.

Ich bin echt ein Glückspilz und wehe du fragst mich noch mal was ich an dir finden könnte. Dann versohle ich dir den Hintern das es kracht!“, drohte er ihr scherzhaft.

Fee lächelte kurz milde.

Ja klar, hatte ich fast schon vergessen. Du stehst ja angeblich auf Fesselspielchen.“, gluckste sie noch, dann kletterte sie ohne einen Blick zu ihm zurück unter dem Zaun durch und betrat den Auslauf um Ivi zu helfen.

Sams amüsiertes Lachen klang ihr noch sekundenlang in den Ohren. Schnell drehte sie noch mal den Kopf und sah ihn zum Höhlenausgang rüber joggen.

Er hatte ja gar keine Vorstellung davon wie viel Glück sie mit ihm hatte und wieviel Pech er mit ihr. Aber das würde er wohl irgendwann doch noch feststellen. Jetzt gerade war die Beziehung noch zu frisch und er hatte ja lange keinen Sex

gehabt.

Zweifel kamen wieder in ihr hoch, ob er das alles noch lange mitmachen würde. Doch gerade jetzt und hier war er da, auch für sie.

SEI VORSICHTIG SAM!“, rief sie ihm also laut hinterher und erschreckte damit die Stuten und das Fohlen das Ivi gerade hatte anfassen wollen und das nun trippelnd und ungelenk hinter der Mutter herrannte, direkt am Zaun entlang.

Danke auch! Ich hatte es fast geschafft. Die Stute hat mich rangelassen“, murrte Ivi sie sofort düster an.

Du hast den Job, Ivi, also reg dich wieder ab und versuch es noch mal. Konfrontationstherapie machen wir hier ebenfalls mit den Pferden, damit sie sich irgendwann wieder an mehr Lautstärke und an mehr fremde Menschen um sich rum gewöhnen.“, erklärte sie dem Mädchen freundlich und klopfte ihr auf die Schulter, gab ihr die beiden Fohlenhalfter die sie ihr mitgebracht hatte und wies wieder auf die schon wieder stehenden Stuten, die erneut am Boden nach Futter suchten.

Zieh ihnen die Halfter an und dann war's das für heute. Wenn du das gemacht hast bring die Stuten einzeln mit ihren Fohlen in den Stall Cara zeigt dir ihre Ausläufe. Sie kommen niemals zusammen, außer nur ganz bedingt zu zweit in diesen großen Auslauf, weil sie nämlich zu dritt Mord und Totschlag aneinander betreiben würden. Eine Herde können sie zusammen leider nicht bilden. Sie wurden nach vollkommen artfremdem Erbgut ausgesucht, nicht nach einer bereits gebildeten Herde. Was einerseit toll für Zuchtlinien ist, andererseits eine Katastrophe für die Herdenbildung. Es hat sie beinahe alle miteinander getötet. Sieh dich also vor. Geh immer neben den Stuten in Höhe der Schulter, nie davor, auch nicht neben dem Kopf. Sieh Stella und Gilly nicht in die Augen, bevor sie dir nicht zumindest die Hand lecken... ist mein Ernst. Sonst kriegst du fies was ab. Das hat Amanda neulich beinahe den Hals gebrochen, als sie nicht auf mich gehört hat. Cara kennt sie auch schon ein bisschen, also frag sie wenn du was nicht weißt oder Mika, aber hör um Himmels Willen nicht auf das Geschwätz von Achim und Amanda. Deren Wissen ist hier gerade echt nur großer Mist.

Meine Pferde verhalten sich nämlich nicht typisch. Sie sind in den Höhlen komplett durchgeknallt und mit Vorsicht und Respekt zu genießen. Achte auf die Ohren bleib wirklich immer an der Schulter, wenn sie sie auch nur kurz anlegen, nimm eine Gerte oder ein Seil mit, um dich notfalls zu verteidigen oder sie wegzuscheuchen. Sei nicht dumm und experimentiere nicht an ihnen rum und bleib nicht einfach nur stehen, wenn eins auf dich zugetrampelt kommt, sondern renn in eine Ecke und verteidige die mit Gerte und Seil bis sie sich fügen und dich damit als Chef akzeptieren, aber verlass um Gottes Willen nicht den Auslauf. Denn das darfst du nicht! Bleib mutig, auch wenn die mal wieder ausrasten und das tun sie ziemlich oft. Die Stuten sind alle zwischendurch gefahren worden. Englisch, damit du bescheid weißt.“

Komm ich mit klar!“, meinte Ivi nur mürrisch und sah sie nur wieder ausdruckslos an.

Noch was?“, fragte sie schließlich nach drei Sekunden warten.

Fee griente nur leise. „Bleib am Leben und selbst wenn du mal wider schwanger wirst weiter im Dienst. Das hier ist keine Arbeit die man nur vorrübergehend tut. Wenn du hier mitmachen willst brauche ich dich, mit oder ohne Kind. Und wenn das Team noch wächst, so wie es soll, werden auch immer genug Leute drum rum sein um dir mit deinem Kind zu helfen. Hände werden ganz sicher genügend da sein. Ich selbst werde es auch so halten. ESA ist wichtig. Das hier sind unsere einzigen Pferde die wir noch auf der Welt haben und ich dachte schon sie würden mir heute Shadow nehmen und erschießen.

Kann auch immer noch passieren. Aber der Einzige der hier entscheidet ob ein Pferd getötet wird oder nicht bin ich. Der Einzige der die Arbeiten an euch andere verteilt bin ebenfalls ich oder aber Mika, der direkt auf meine Anweisung hin handelt. Wer dir was anderes sagt, dem teilst du das genau so von mir mit.

Um 20.00 Uhr ist im Krankenlager eine kurze Generalversammlung aller Pferdehelfer, Pfleger und Assistenten. Achim sollte dabei sein, obwohl er ja gerade nicht aus dem Bett raus kann. Also machen wir das bei ihm. Komm dahin, halt erst mal den Mund, hör zu und sieh dir an wie die Dinge hier sind. Du hast einen Monat Probezeit bevor ich dich offiziell anfordere. Du kannst aber deinerseits jederzeit deine Meinung ändern und gehen. Es wird hier nicht so hübsch und nett und wie im Ponystall zu Hause mit euren Friesen sein. Diese Tiere da sind wirklich total krass durchgeknallt, gemeingefährlich und echt krank von den Höhlen. Sogar echt geistesgestört, so wie ich selbst übrigens auch. Ich krieg immer mal wieder heftig Zitteranfälle und bin ab und an nicht ansprechbar, dann wendest du dich aber einfach an Mika. Und das war's auch schon.“, sagte sie dem Mädchen kurz ebenso finster, wie die nun aussah.

Ivi nickte nur wieder stumm und wandte sich ab, ging wieder wieder parallel zu den Stuten und näherte sich langsam an. Schneller diesmal doch immer noch langsam genug, um ihnen Zeit zum Gewöhnen zu lassen.

Sie wahr wirklich total verrückt sich hierauf einzulassen. Aber das konnte nur gut sein. Gut für sie.

Auf verrückte Leute mit mächtigen Macken reagierten die Pferde auffallend normal und auf normale Leute dagegen auffallend Wahnsinnig. So als würde der eine Wahnsinn den anderen überbieten oder aber aufheben, das sollte sie vielleicht doch mal für ihren Leitfaden dokumentieren.

Also sollte sie wohl auch bei der Auswahl zukünftiger Pferdetrainer eher auf durchgeknallte, aber lernfähige Leute achten, oder?

Innerlich über ihre Gedanken lachend, wandte sie sich wieder zum Gehen, hm, eigentlich hatte sie noch ein paar Minuten Zeit und es waren erst 5 um. Sam war also noch da. Also joggte sie nun ebenfalls hinter ihm her, rüber in seine Maschi-nenhöhle. Er hatte sie schon oft besucht sie ihn aber bisher nur ein Mal.

Etwas einseitig fand sie nun schon irgendwie beschämt von dem Gedanken an ihren Egoismus und beeilte sich damit sie ihn noch erreichen würde bevor er wegfahren musste um den Bohrer zu reparieren.

Sie rannte schließlich als sie von weitem schon die

Motorengeräusche hörte. Die Männer, auch einige Soldaten, luden gerade noch ein paar weitere schwer aussehende Teile auf die Ladefläche von zwei großen Raupenfahrzeugen, die in all dem Schnee und Geröll erstaunlich gut zurechtkamen. Samuel stand mitten unter ihnen und rief den Männern Befehle zu:

Den neuen Bohrkopf auch noch und das Steuergerät... pack das Getriebe in die Plane mit ein, Freddy und hilf bitte Elmer beim Festzurren. Sichert alles doppelt und dreifach, der Weg rüber ist holprig und ich will nicht das die Ladung dann beschädigt ankommt!“, befahl er fast brüllend.

Fee blieb stehen und fragte sich kurz verunsichert, ob das jetzt noch mal eine gute Idee gewesen war. Schließlich hatten sie sich gerade schon von ihm verabschiedet.

He, Chief! Deine Frau!“, rief Tristan plötzlich zu ihm herüber. Gerade hatte er sich selbst noch gefragt ob es tatsächlich so klug gewesen war Fee einfach so stehen zu lassen und wegzugehen.

Überascht drehte er sich um und da stand sie, mit offenen, zerzausten, blonden Haaren, gerötetten Wangen, wunderschönen himmelblauen Augen, die aber unsicher blickten.

Die das ganze Geschehen ringsum wahrnahmen aber dann doch nur wieder auf ihm ruhten. So unglaublich intensiv-blaue Augen. Ein kleines Stück des früheren Himmels, der gerade beinahe alle Farbe eingebüsst hatte. Nur weiß und grau-weiß waren noch geblieben, alle Tage die er draußen gewesen war, selbst wenn die Sonne schien.

Fee!“, kam er zu ihr hin.

Hast du noch was vergessen?“

Nein... ich... hatte nur das Gefühl... Ivi kommt ganz gut zurecht und Mika bewegt Geronimo. Ich hab noch ein bisschen Zeit bis Abraxas drann ist und da dachte ich... Ich hab immer viel zu wenig nach dir gesehen... wie du hier zurechtkommst. Ich glaub ich bin in letzter Zeit ziemlich egoistisch geworden oder so. Normalerweise denke ich nicht nur immer an mich und meine Sachen, wenn... ich Freunde bei mir habe. Aber bei dir... Sam bitte sei vorsichtig, wenn du jetzt nach 1 fährst, um die Bohrungen abzuschließen. der Kommandant hat mir gesagt das die Höhlen komplett unter Wasser stehen. Das sind Millionen Hektoliter an Wasserdruck die sich da gesammelt haben. Das reißt den Bohrer glatt weg und dich auch und alle Menschen die dann an dem Grät arbeiten...“

Er umfasste sachte ihr Gesicht, doch als er sah wie seine Männer zu grinsen und sich anzuschubsen begannen, ergriff er ihre Hand und zog sie mit einem kühlen Blick in die Runde mit sich mit, zu seinem Bürocontainer, den er erst vorgestern Von Jensen in die Maschinenhöhle gestellt bekommen hatte, zusammen mit dem Befehl ihn auch zu nutzen.

Jensen schien auf den ersten Bick reichlich träge zu sein und wenig durchsetzungsfähig, doch im Grunde war er knalllhart.

Eben war er noch hier gewesen und Sam hätte ihm für die Sache mit Fee am liebsten den Arsch aufgerissen, doch als hätte der Typ Lunte gerochen kam er bereits zu ihm hin, hielt einen Instrumentenkoffer in der Hand und reichte ihn dem verdutzten Samuel mit einem kleinen Lächeln zu.

Hoffmann hat doch seiner Tochter erzählt er hätte ihre Gitarre zerstört, doch das Ding ist noch heil. Wir haben es gefunden, weil wir von ehemals Arche 4 - Leuten die jetzt in Arche 2 sind, danach haben suchen lassen. Jemand hatte sich das Ding schon gekrallt, gleich nachdem Feeline mit dir fortgegangen war, Samuel. Ich hoffe wir hören sie irgendwann auch mal darauf spielen.“, sagte er nur befehlend und ging dann weg.

Jetzt erinnerte er sich sofort daran, denn er hatte Tristan eben noch mit dem Koffer ins Büro ge-schickt, ihn dort abzustellen.

Mit einem Knall schlug die Tür an die Wand und er zerrte Fee hinter sich herein, trat mit dem Fuß die Tür wieder zu und grinste sie verschmitzt an.

Überraschung!“, murmelte er tief einatmend an ihren Lippen, raubte ihr einen kurzen, feurigen Kuss der auch sie scheu lächeln ließ und sah sich dann suchend im Büro um. Der Koffer stand neben seinem Stuhl am Tisch. Er ging hin und nahm ihn hoch.

Fees Augen weiteten sich sofort, sie keuchte freudig erregt auf und stieß einen leisen lachenden Laut aus, bevor sie ihm den Koffer beinahe aus den Händen riss.

Mein Gitarrenkoffer!“, rief sie glücklich.

Inklusive Gitarre. Sie ist noch heil.“, grinste er sie belustigt an. Sofort stellte sie den Koffer ab und öffnete ihn, nahm das glänzende, gut gepflegte Instrument aus dem mit weichem Stofffutter ausgeschlagene Formbett und strich andächtig darüber bevor sie sich das Band hastig um die Schultern legte und ein Bein auf einen Hocker abstellte.

Sachte zupften ihre Finger über die Stahlseiten und entlockten der Girarre bald einschmeichelnde Töne, bevor sie das Tempo und den Rhythmus änderte und ein schmetterndes „Oh Happy Day...“ zu schmettern begann bei dem Samuel unwillkürlich laut auflachen musste und die Tür nach draußen aufriss während er den Takt dazu mitklatschte, johlte und Pfiff. Schlagartig war es draußen still, Maschinen wurden abgestellt und dann kamen auch dort die Männer, Soldaten und Mechaniker heran.

Sieh mal an!“, hörte Fee einen der Mechaniker begeistert rufen, während andere schon begannen mehr entusiastisch als begabt mitzusingen, während sie nun von Samuel begleitet aus dem Container trat und einfach weiterspielte, weitersang, ihre Stimme laut schmetternd nutzte um Freude und Fröhlichkeit unter den Männern ringsum zu verbreiten, die schon bald einhellig mitklatschten und mitsangen, johlten und juchzten.

Oh happy day – oh happy day!

Oh happy day – oh happy day
When Jesus watsht – when Jesus watsht
When Jesus watsht – When Jesus watsht

Oh when, my Jesus watscht – we found a much better day - a better day.“

Sie röhrte durch die Höhle und die Jungs brüllten die zweite Wiederholstimme laut mit. Es war irre, so fröhlich, so schön und stimmungsvoll. Sie sang die Strophen und dann wieder den Refrain... und alles klatschte begeistert mit.

Als sie schließlich in einem irre schnellen Girarrensolo über das ganze Griffbrett hinab endete, brandete jubelnder Beifall auf und Sam nahm sie lachend in den Arm, gleich als sie die Gitarre abgezogen hatte und schwenkte sie

strahlend im Kreis herum.

Du bist wirklich unglaublich, meine Fee.“, lachte er so wunderbar und herrlich das Fee sich sicher war, würde sie ihn nicht schon längst lieben, jetzt gerade hätte sie sich in ihn verliebt, unwiederruf-lich und für immer.

Er küsste sie und jemand brachte ihr den Koffer nach draußen. Vorsichtig legte sie das heißgeliebte Instrument wieder da rein und schloss die Klappen sorgfältig zu.

Samuel!“, rief Elmer ihn mit dem Funkgerät in der Nähe stehend an. „der Kommandant fragt an wer hier gerade eine Party feiert, wo wir doch einen Auftrag zu erledigen haben?“

Die Leute kehrten sofort wieder ernst werdend zu den Lastern zurück, stellte die letzten Sachen auf die Ladeflächen, zurrten die Gurte fest und die Motoren starteten erneut laut und dröhnend.

Samuel aber neigte nur noch eimal den Kopf um Fee einen Abschiedskuss zu geben.

Ich bin nachher wieder bei dir, meine Fee. Ich hab schließlich noch einen letzten Wunsch frei.

Fee schüttete nur verwirrt den Kopf.

Welchen zweiten hab ich dir denn bitte schon

erfüllt? Ich weiß nichts davon.“, fragte sie ihn

irritiert.

Ich wollte unbedingt wissen, wie die echte Fee von früher mal ausgesehen hat, wie sie gelacht hat, wie sie abgefeiert hat. Das hast du mir gerade eben gezeigt. Du bist unglaublich schön, wenn du so glücklich bist!“,sagte er ergriffen zu ihr und Fee traten prompt die Tränen in die Augen.

Na ja, was erwartest du denn bitte auch von mir, wenn du mich ständig mit so schönen Dingen überraschst, mir dauernd hilfst, immer da bist, nach mir siehst und mir dann noch meine wertvollsten Schätze zurück bringst, die ich nur haben kann?“, fragte sie ihn schniefend und schon wieder ziemlich scheu zu ihm hochblickend.

Du musst jetzt wirklich los. Sei bitte vorsichtig!“, bat sie ihn zum dritten Mal, als wieder eine barsche Stimme aus dem Funkgerät erklang und Elmer es hastig leiser stellte, damit Fee und Samuel es besser nicht hören sollten, doch der Befehlston des Kommandant war unmöglich zu ignorieren.

Sie trat also einen Schritt von ihm zurück und ergriff ihren Gitarrenkoffer.

Samuel viel es schwer sie nun stehen zu lassen, doch Befehl war Befehl.

Hey, Fee! Spielst du heute Abend noch mal was für mich, wenn ich zurück komme?“, fragte er sie noch einmal laut als sie sich schon umgedreht hatte und sie nickte nur hastig über die Schulter zu ihm zurück.

Er lächelte, sie lächelte.

Er sprang behände auf das Trittbrett des Lasters und zog sich in die Fahrerkabine hinein, winkte und das Gefährt sauste auf und davon, hin zu der überfluteten Arche 1, die aber seinem Auftrag gemäß noch zu Ende ausgegraben werden würde. Der Quell würde den Hügel direkt hinab zum großen See fließen und das Wasser wieder in eine natürliche Bewegung bringen. Solange noch ein Fluss mit frischem, organisch lebenden Quellwas-ser floss, würde es auch eine Hoffnung auf ein neues Leben geben.

Und auch wieder Bäche und Fische... irgendwann später auch wieder eine Flora und Fauna, einen Wald und Steppen, Graslandschaften auf denen die Tiere weiden würden und eine Stadt für alle diejenigen, die die Apokalypse der Sonnenstürme überlebt hatten und zurück an die Erdoberfläche kamen.


Fee atmete wie befreit auf und sah zum Höhlenausgang hin, wo der Laster gerade rumpelnd verschwand. Ein jeder hatte hier seine neuen Aufgaben, ein jeder seine eiserne Pflicht.

Sie würde die ihre erfüllen, so gut sie nur konnte.

Ein Buch über die Höhlenkollerpferde schreiben, gleich morgen mit Jensen und den Wissenschaftlern hinaus fahren und sich den Grund für das geplante Solaris ansehen.

Die Stadt der Sonne. Die Stadt der neuen Erde

nach der gewaltigen Eruption, die alles Leben nachdrücklich vernichtet hatte, bis auf die Archen. Den neuen Grund, den sie bereiten, bearbeiten und bebauen würden, um bald wieder wertvollen Lebensraum zu schaffen, Ernten, Weiden, Wiesen und Blumen. Wälder und Täler mit Farben und Düften und Leben.

Die Menschheit würde fortbestehen, sie konnten wieder raus, die Atmosphäre war noch sehr dünn, ohne das Grünzeug, das den Sauerstoff produzierte, doch sie konnten sie atmen und alle wieder frei sein – gleich nach dem Winter.

Und wenn alles gut ging könnten sie und Sam vielleicht auch bald ein eigenes Kind haben.

Er hatte ihr gesagt dass er sie schön fand, das er keine andere wollte als sie. Nur sie, Fee.

Er war so gut, so stark. Sogar dann noch, wenn sie es nicht mehr war.

Sie hatten beide ihren Daseinszweck, nun mussten sie ihn auch erfüllen.

Ihr Funkgerät knackte leise.

Mika an Fee! Ich fange jetzt mit Abraxas an und schirre ihn für dich ein - over!“

Hier ist Fee, ich bin in fünf Minuten da, Mika – over and out.“, meldete sie sich nachdenklich und ging zurück in ihre Höhlen.

Ja, dachte Fee nun wieder lächelnd bei sich, ab

heute werde ich endlich damit beginnen wieder

richtig zu leben, statt nur zu überleben.

Ich werde Sam vertrauen und meine Arbeit für ESA fortsetzen.

- Gleich nach dem Winter, draußen in Solaris.


































Freue dich auf den zweiten Teil:


Solaris II


– Die neue Welt –