6. Kapitel




In ihrem Kopf wirbelten die Gedanken durcheinander. Okay, das war also nur Sex?

Heißer, wilder, leidenschaftlicher Sex... Ihr Herz hämmerte immer noch wie doll gegen ihre Rippen und ihr Blut kochte immer noch in ihren Adern. Ihr war heiß und seltsam benommen zumute.

Aber sie schaffte es doch noch sich ihre Hosen wieder über zu streifen, ihre Schuhe, die irgendwo im Heu herum flogen anzuziehen mit zittrigen Händen zu binden und dann zurück zum Stall zu taumeln. Sie bemerkte kaum die Soldaten, die die dicken Metallstangen zu Butterballs Gehege trugen und machte nur dass sie wieder zu der Stute und dem Fohlen zurück kam. In ihren Ohren rauschte es ganz merkwürdig ... Gott im Himmel! Sie öffnete das Gatter und schlüpfte hastig hinein, verschloss es wieder und wankte halbwegs weiter auf die Mutterstute und das Fohlen zu, bevor sie sich an der Wand entlang zu Boden sinken ließ und erst einmal wieder nach Luft zu schnappen begann. Mit der Hand fächelte sie sich heftig Luft zu.

Gott...

Wie hatte Samuel das nur geschafft, sie so gedankenlos zu machen? Es war natürlich genau das richtige gewesen, wenn sie an ESA und das Zuchtprogramm dachte, an den Partnervertrag den sie mit Samuel eingegangen war... und sie hatte diesmal sogar selbst einen Höhepunkt erreicht, hatte noch nie so gefühlt... vermutlich weil er sie

diesmal überrascht und überrumpelt hatte, und nicht sie ihn.

Beim ersten Mal hatte es fast noch weh getan. Es hatte sie überrascht wie groß gebaut er war und doch viel sanfter als sie vermutet hätte, trotz der Wildheit mit der er dann doch vorgegangen war.

Ihre eigene Schuld. Sie hatte sich selbst keine Zeit gelassen sich zu entspannen, oder irgendwie vorzubereiten. Sie hatte ihn statt dessen heftig gereizt.

Früher, noch vor der Arche, hatte sie manchmal Bücher über die Liebe gelesen, da waren auch Praktiken beschrieben gewesen die einem Mann ziemlich große Freude und Lust bereiteten und sie hatte sich daran erinnert. Hatte einfach nur gewollt, dass er sie nicht ablehnte - nur weil sie vielleicht zu zittern beginnen würde, oder weil sie wieder Panik hätte.

Dass es dann so schnell gegangen war hatte sie selbst wohl am meisten überrascht. Doch es war gut so gewesen, schnell und vorbei, noch bevor sie vor Schmerz oder Angst hätte schreien müssen.

Und jetzt beim zweiten mal... Es hatte sehr gut geklappt und Samuel hatte diesmal darauf geachtet das er ihr auch wirklich nicht weh tun sondern Lust bereiten würde, wie er es ihr versprochen hatte. Er musste sehr erfahren sein... und sie war eigentlich nur ein dummes Kind. Ein dummes Kind mit Flausen im Kopf und einem Stich im Herzen der da nichts zu suchen hatte, weil er eben genau das getan hatte was sie von ihm erwartete.

Sex und dann gehen.. schnell gehen. Nicht noch lange rummachen oder es tot reden.

Genau so wie eben er, hatte sie ihn vorhin schließlich auf behandelt. Das erwartete er wohl nun so auch von ihr und es war okay für ihn. Sogar gewollt. Mehr brauchte sie nicht, konnte sie nicht verkraften oder ertragen.

Also warum dann der Stich in der Brust?

Sie bemerkte das ihre Hände wieder heftig zu zittern begannen und hielt sich selbst fest umschlungen.

Die Stute kam zu ihr hin und ließ ihr Fohlen in der Ecke zurück wo es selig schlief.

Sie schnaubte sie an und Fee spürte die warme Atemluft auf ihren tränennassen Wangen. Wann hatte sie wieder zu weinen angefangen und warum?

Die Stute schnaubte sie weiter an, stupste sie an wie um sie zu trösten und der Stich in ihrem inneren verging, löste sich auf, ebenso die Verkrampfungen ihrer Finger. Sie vergrub ihr Gesicht am Hals der Stute und heulte einfach los.

Weshalb dass wusste sie gerade auch nicht. Aber es tat unglaublich gut.




7. Kapitel



Samuel begann mit den arbeiten, maß die Stangen ab, breitete eine große, feuerfeste Decke aus die weit reichte stellte Wasserbehälter bereit um einen etwaigen Brand zu löschen und begann dann konzentriert die Stangen zu zuschneiden.

Wann immer er kurz Pause machte sah er zu dem Gehege hinüber in dem Fee anscheinend eingeschlafen war. Sie hatte sie die letzten drei Stunden nicht mehr geregt.

Vorher hatte sie noch geweint als hätte er sie fast ermordet.

Es tat ihm weh... und ihr vermutlich auch. Doch sie hatte sich nicht gegen ihn gewehrt, hatte auch nicht geschrien und in ihren Augen hatte er keine Angst gesehen, nur Verwirrung.

Sie wollte es so, sagte er sich selbst, kam sich dabei aber wie ein elender Schuft vor.

Beinahe hätte sie den Vertrag wider aufgelöst. Nur weil er zu verständnisvoll geworden war. Weil er zu sanft mit ihr umging, zu mitleidig vielleicht.

Nein das wollte Fee nicht. sie war stark und sie wollte auch Stärke. Wollte einen harten Typen an ihrer Seite der nahm ohne viel zu geben. Schnell und Zielgerichtet...

Es war ein Kreuz. Und doch war sie nicht wieder in die Panikwelle zurückgefallen nachdem er sie noch einmal genommen hatte.

Nachdem er sie überwältigt, ja überrannt hatte.

Egoistisches Schwein das er war.

So zumindest wollte sie ihn wohl haben. Um keine Gefühle für ihn zu entwickeln? Um sich selbst davon zu überzeugen, dass sie keine Emotionen mehr in ihrem Leben brauchte? Alles Schwachsinn, doch konnte er ihr das momentan noch nicht begreiflich machen, das sie sehr sensibel war, sehr sensibel reagierte und er im Grunde, trotz all der Wildheit und Schnelligkeit sehr vorsichtig mit ihr umgegangen war. Das brauchte sie.

Er schweißte die letzte Querverbindung an. Einer der Soldaten und Mika, der Stallbursche hatten ihm die ganze Zeit über zugesehen wie er, Samuel, schweigend arbeitete, mit finsterer verzogener Miene. Darum schwiegen sie wohl auch beide, obwohl Mika ab und an besorgt zu den Pferden und zu Fee hinüber blickte und den Vorwurf in seinen Augen las, den er aber nicht auszusprechen wagte.

Mika empfand also etwas für Fee... für seine Partnerin.

Er wollte allerdings sicher eine richtige Beziehung zu ihr haben, hatte es vermutlich auch schon versucht, war einer der Loser, wie Fee sie bezeichnet hatte. Die nur versucht hatten sich ihr zu nähern es dann aber bleiben gelassen hatten.

Und nun wilderte Sam in seinem Revier... oh nein, mein freund dachte er bei der nächsten Pause und schenkte Mika einen stahlharten kalten Blick um ihn in seine Schranken zu weisen, bevor er selbst in Fee's Richtung sah.

Ich bin hier gleich fertig. Dann hängen wir den Hengst auf und ich bringe Fee ins Bett. Sie ist schon seid zu vielen Stunden auf den Beinen. Hier scheint ja aber auch niemand da zu sein der einem Mädchen bei der harten Arbeit hilft.“, gab er den kühlen Kommentar ab und sah sich kurz in den Stallungen um.

Ich glaube ich bitte unseren Kommandanten mich täglich für ein Paar Stunden hierher zu versetzen, damit ich Fee zur Hand gehen kann - bei ihren Pflichten. Schließlich bin ich jetzt ihr Partner und muss auf ihr Wohl achten, wie auch auf das ihrer Kinder, sobald sie schwanger geworden ist. Das wird sie aber kaum, wenn sie sich hier zu Tode schuften muss.“

Du musst dich auf die Liste setzen lassen Samuel S12. Fee sucht sich ihre Helfer selbst aus. Sie ist Stallmeisterin und Pferdetrainerin in Arche 2 und nicht leicht zufrieden zu stellen, wenn es um Hilfen geht. Jetzt schon gar nicht mehr, da ein Arbeiter der ihr zwangsweise zugeteilt wurde Hengst Nummer 6 so schwer verletzt hat.“, meinte Mika nun reichlich zynisch, sogar fast verächtlich zu ihm, was Sam erst einmal akzeptierte.

Er würde später mit Fee darüber reden, doch erst einmal griff er wieder zum Schweißbrenner und setzte die letzten Nähte an die Konstruktion.

Es muss noch abkühlen. Lasst es so stehen, wir kümmern uns jetzt um die Plane, die wir als Hängematte für den Hengst zuschneiden müssen. Und zwar auf eine Weise, die ihn stützt, entlastet aber noch kacken und fressen lässt. Denn das braucht so ein Tier ja wohl täglich.“, merkte er an und breitete die Plane, dreifach gefaltet auf dem Boden aus, schnitt sie so zu dass das Pferd sich nichts abdrücken würde und verstärkte die Nahtstellen mit weichem Schaumstoff.

Dann erst machten sie sich daran den Hengst anzuziehen, angefangen mit seinem schlechten Bein. Samuel kauerte sich anschließend darunter und hielt das Gewicht des Pferdes, indem er das Bein weiter hoch hielt und nicht los lies, während Mika und Fee die restlichen Beine einpackten. Er bewegte den Hengst auch noch auf diesen drei Beinen vorsichtig auf die Konstruktion zu und hinein. Das Tier schnaubte nervös, litt aber zu starke Schmerzen, um sich noch groß mit Fluchtgedanken ober biestigem Benehmen herumzuschlagen.

Ich halte das Bein weiter oben, ihr fädelt die Taue in den Flaschenzug ein und dann wird auf beiden Seiten gleichmäßig gezogen!“, kommandierte Samuel kühl und beide Männer begannen mit der Arbeit am Pferd das immer noch nervös schnaubte und schließlich unterdrückt wieherte.

Bin schon da, Butterball, ich bin da!“, sagte Fee da plötzlich zu ihm und stellte sich an seinen Kopf. Verschlafen rieb sie sich die Augen und legte beruhigend eine Hand auf die Stirn des verletzten Hengstes.

Schaffst du das?“, hob Samuel nur mit finsterer Miene den Kopf und sah zu ihr hin. Sie wirkte ruhiger als vorhin, wesentlich ruhiger und nickte nun zu ihm hin aber ohne ihm in die Augen zu sehen.

FEE!“, herrschte er sie da an du endlich schaute sie ihn richtig an.

Ja, ich schaff das schon. Ich bin okay, Samuel.“, erwiderte sie trotzig.

Er nickte nur wieder kühl und Mika und der Soldat arbeiteten flink weiter, fädelten ein und verbanden die einzelnen Strippen mit den dicken Schlaufenringen, die zum Schluss nur alle an einem dicken und in den Flaschenzug eingespannten Tau hingen.

Dick genug und stabil genug für das schwere Arbeitspferd, sah Fee beruhigt und streichelte den Kopf des Hengstes, dass der sich ein wenig beruhigen sollte.

Sam hielt weiter sein Bein nach oben, was er gut machte, auch wenn Butterball zuckte.

Fee beobachtete das Spiel seiner Muskeln. Von der harten Arbeit mit dem Stahl und dem heißen Schweißgerät war er verschwitzt und schmutzig.

Und mein Gott, was machte ihn das attraktiv.

Fee hatte längst bemerkt was den anderen Männern verborgen geblieben war. Die

Frauen und Mädchen von Arche 2 hatten sich bei den Stallcontainern versammelt und

schauten bei der Pferderettung zu. Manches Gesicht kannte sie auch nicht. Das waren

wahrscheinlich Mädchen aus Arche 4 die gestern eröffnet worden war und die heute zu Besuch in Arche 3 waren. Nicht wenige begehrliche Blicke ruhten auf Samuel, der ja auch wirklich eine prachtvolle Erscheinung war, mit seinen Schweiß glänzenden Muskeln die aber nicht zu viel, nicht zu wenig sondern genau richtig proportioniert waren.

Fee wurde das Herz schon wieder schwer, wenn sie daran dachte dass sie bald vermutlich mit Sams neuem Harem konfrontiert werden würde. Das war der einzige Aspekt an dem ESA-Programm der sie von vornherein gestört hatte. Das ein Mädchen sich immer nur einen Jungen, aber ein Junge sich viele Mädchen aussuchen und mit ihr Kinder zeugen durfte. Artenvielfalt und DNA-Vielfalt.

Vermutlich würde der Vertrag mit Sam am besten sofort wieder aufgelöst, sobald sie schwanger war, überlegte Fee für sich und streichelte dem Pferd weiter den Kopf. Weiter und weiter. Der Hengst beruhigte sich, vor allem als die Männer nun begannen die Taue anzuziehen. Nach nur zwei Zügen wechselte Sam an das Tau das Mika zu ziehen versucht hatte, doch er war nicht so kräftig wie der Soldat auf der anderen Seite.

Passt auf, dass ihr Butterball nicht umwerft!“, rief Fee den Männern besorgt zu und zog eine gering dosierte Sedativaspritze für den Hengst auf weil der gerade damit begann mit den Beinen zu schlagen. Schnell stach sie ihm die Spritze in die Halsvene und verabreichte ihm das Mittel, während Sam den Hengst auf seiner Seite gerade, das heißt gleich auf mit der Länge des Soldaten zog.

Dann zogen sie alle beide, Zentimeter für Zentimeter hinauf bis Butterball letztlich zehn Zentimeter über der Erde hing.

Halt das reicht!“, meldete Fee den Männern zufrieden und erleichtert. Das Mittel wirkte und Butterball seufzte schnaubend und lehnte seinen Kopf an das Metallgeländer an.

Da müssen wir auch noch Schaumstoff drumm herum wickeln sonst stößt er sich und verletzt sich den Kopf, Sam!“, wies Fee ihn ernsthaft an und der ging sofort schweigend zu den abgeladenen Materialien um sich ein großes Stück vom Schaumstoff zu holen. Eine große, langbeinige Blondine trat ihm in den Weg und schnurrte ihn geradezu an.

Hallo, Arbeiter. Bist du aus Arche 2? Ich bin gerade herübergekommen aus 4, vielleicht könnten wir uns ein wenig unterhalten, wenn du fertig bist?“, flirtete sie mit ihm.

Samuel sah sie kurz überrascht an, dann aber schnaubte er nur rüde und schüttelte den Kopf, mit unmerklich kurzem Blick auf Fee die ihn nur stirnrunzelnd beobachtete und immer noch den Kopf des Pferdes streichelte. Er sah das Unbehagen in ihren Augen und auch wieder ein bisschen Angst – und entschied sich. „Ich hab schon eine Partnerin für ESA, danke für das Angebot, aber nein Danke.“, sagte er schroff zu dem Mädchen das ihn bedauernd anblickte.

Oh... wie schade. Na ja, vielleicht später mal... wenn deine Freundin dich nicht mehr will... oder du mal eine andere DNA ausprobieren möchtest. Meine Kinder werden sicher sehr schön... vor allem wenn so ein Prachtkerl wie du ihr Vater würde.“, lockte sie ihn weiter du entschwand dann Hüfte schwingend zu den anderen Mädchen die sie aufgeregt umringten und auf sie ein schnatterten.

Sam aber packte nur die Schaumstoffbahn fester und kehrte damit zu Fee und dem Pferd zurück.

Hier die Stange und diese und diese. Dort könnte er sich überall anlehnen sich aber auch daran anhauen und schwer verletzen wenn er Panik bekommt.“, flüsterte sie ihm leise zu. Klang fast schon niedergeschlagen.

Sam machte sich nur wortlos ans Werk und sie half ihm, indem sie die dicken Rollen zusammen hielt während er es mit Klebeband rundum fixierte und befestigte. Zum Schluss glich das vordere Stahlkonstrukt einer Gummizelle für Pferde.

Sam trat ein paar Schritte zurück und sah es sich noch einmal genauer an, rüttelte an den Stangen und stellte fest dass es sehr Robust gebaut war und sogar das Gewicht von zwei Pferden hätte tragen können.

Krankenstation für verletzte Pferdebeine.“, murmelte er zufrieden und grinste kurz zu Fee hinüber die aber nicht ihn sondern wieder die am Rande stehenden und bewundernd gaffenden Mädchen anschaute.

Er beschloss zu ihr hinzugehen und berührte sie sachte am Arm.

He, alles in Ordnung?“

Ich hab nicht mal mitbekommen das Arche 4 jetzt offen ist.“, gestand sie ihm leise, fast flüsternd.

Ja, noch mehr Leute mit denen wir uns demnächst rum schlagen müssen aber auch mehr Arbeitskraft, die Landwirtschaftlichen Produkte und Samenlager für die Felder, Grassamen aus aller Herren Länder, Bäume und Sträucher und jede Menge Erde zum mischen mit den sandigen Vulkanablagerungen. Wir errichten eine Weidelandschaft für die Pferde und pflanzen einen Wald an. Errichten Felderebenen zum einsähen und bewirtschaften, bohren Brunnen und bauen ein Aquedukt wenn wir eine höher gelegene Quelle finden die Abwärts führt. Wenn alles so weit ist und sich neue Erde gebildet hat, neue Lebensräume für die Tiere, die wir dabei haben, dann setze wir sie aus. Sie sollen auch eintausend Bienenvölker mitgenommen haben, damit die Blüten bestäubt werden können.“, bemerkte Samuel um ein neutrales Thema bemüht, doch Fee sah wieder nur zu den hübschen Mädchen rüber die Sam ganz offenkundig anhimmelten.

Doch sie sah, dass er sie gerade genau beobachtete und riss sich vom Anblick der Zuschauer los. Er soll sich erst einmal daran gewöhnen hier nur so zu hängen. Morgen kommt dann der Chirurg vorbei und schaut sich den Bruch an, ob er so heilen kann oder ob der Fuß operiert werden muss. Ich muss noch ein Heunetz füllen und es ihm hin hängen... und Wasser braucht er auch.“, murmelte sie wieder hochgradig nervös werdend und wollte sich abwenden doch Sam hielt sie an den Schultern Fest und sah sie eindringlich an.

Das kann dein Helfer machen, Fee. Du bist für heute fertig. Jetzt musst du mir meine Schlafgelegenheit zeigen und dann...“, machte er eine kurze Bedeutungsschwere Pause die Fee den Atem stocken ließ. „... dann ruhen wir uns aus.“, schloss er schließlich leise.

Sie blinzelte, konnte nicht anders als zu blinzeln, verwirrt und irritiert und stirnrunzelnd.

Aber...“

Fee, eine Panikattacke am Tag reicht vollkommen aus. Die zweite war Gottlob eingedämmt, noch bevor sie begonnen hat, weil du ja gleich wieder bei deinen Pferden warst und dich entspannen konntest. Heute werde ich dich nicht noch einmal anrühren.“, bekräftigte er ernsthaft nickend und zog sie dann kurz seufzend an sich.

Partnerschaften zu unterhalten ist komplizierter als ich dachte. Heute bin ich sogar richtig froh das aus den Verbindungen mit den zwei Mädels, Moni und Sonja nichts geworden ist. Mann die hätten mich glattweg zerrissen.“

Und ich zerreiße dich auch.“, wagte sie sich etwas mutiger fühlend vor. Er hatte sie gerade mit sich gezogen und Mika ein Zeichen gegeben sich noch mal um das Pferd zu kümmern, doch ihre leise Stimme ließ ihn wieder zu ihr herum fahren.

Wie bitte?“

Ich zerreiße dich. Ich bin nicht normal und du musst wesentlich mehr Geduld und ...was auch immer aufbringen, als ich es muss. Mehr investieren. Ich werde hysterisch und du schleppst mich zu den Pferden. Ich zerre dich ins Bett und dann lass ich dich stehen wie ein Wegwerfhandtuch.“

Du kannst eben nicht so mit Nähe, na und? Ich auch nicht. Passt doch!“, log er mit heftig klopfendem Herzen. Sie zerpflückte es schon wieder, war drauf und dran...

Die Mädchen da, aus Arche 4, denen wird es nichts ausmachen wer du für deine Arche bist, die sehen nur tollen Typ mit Muckies und Fleißig und sind Feuer und Flamme. Ich war unfair zu dir. Wir hätten warten sollen bis alle draußen sind und du unter dem Angebot frei wählen konntest. Und nun hast du mich Riesenklotz am Hals...“

Ja, ja, red dir das nur weiter ein. Weist du dein Selbstmitleid steht mir bis hier!“, zeigte er an seine Stirn und sah sie streng an. „Erinnere dich besser mal an deine eigenen Regeln, denen ich, wie du dich vielleicht mal erinnern willst, zugestimmt habe:

Freiraum für uns beide. Wenn du mich brauchst bin ich da und wenn du Sex willst zum Paaren oder auch nur so.. komm vorbei und wir haben Sex. Schnell, heiß, gut.

Dann kann ich wieder meinen Job machen und du deinen. Und ESA hat unsere Gene bald in ihrem Zuchtprogramm der Menschheit stehen in Form von molligen, kleinen Babys die du raus drücken sollst. Weißt du was... das finde ich sogar noch das beste an allem. Dass es für dich nur meine Kinder sein werden.

Eine Frau die leicht gestört ist, weil ein Schwein sie kaputt gemacht hat, sucht sich vielleicht nicht noch einen anderen Typen, der sie doch wieder mies behandeln könnte, wenn sie schon mit dem ersten, den sie gefunden und für gut befunden hat zufrieden ist. Gleiches gilt für mich. Ich will auch nicht ein halbes duzend Frauen auf meiner Türschwelle vorfinden, die fünf mal am Tag nach mir kreischen, weil ich sie alle begatten soll, oder ihnen helfen, oder ihnen hinterher springen und tun was sie mir sagen. Ich bin zufrieden wie es jetzt ist, hab mehr Freiheit als ich eigentlich haben wollte und ich löse diesen Vertrag nicht wieder auf.

- Selbst nicht wenn du es so willst, Fee, also vergiss es!“, fügte er gewollt hart hinzu und funkelte sie böse an. „ Du hast mich gewählt nicht umgekehrt. Du hast mich gefragt und wenn ich richtig liege magst du sogar den Sex den wir beide gerade hatten.

Wenn du mehr davon willst sag mir Bescheid, dann bekommst du mehr, aber immer nur dann wenn ich denke dass du es auch verkraften kannst, Fee. Ich will dich nämlich nicht kaputt machen, verstehst du das?“, schüttelte er sie beinahe schon an den Schultern dass sie ganz verwundert zu ihm aufblickte. Er hielt inne und ließ sie ganz langsam los, strich fast andächtig ihre Arme hinunter und hob dann eine Hand zu ihrem Gesicht hinauf, das so bleich und schön und vollkommen verwirrt zu ihm aufblickte.

Zur Zeit bist du erschöpft, Fee. Bist so müde dass dich nur noch dein Wille auf den Füßen hält. Also wird heute nichts mehr laufen, nicht so.“, flüsterte er ihr ernsthaft zu. „Wir beide gehen duschen und dann schlafen.“ bestimmte er wesentlich milder als Fee gedacht hätte dass er es gerade könnte. Er war doch sauer auf sie, oder?

Ihr Herz klopfte schon wieder viel zu schnell. Sie wagte kaum mehr noch was zu sagen, sah ihn nur groß an und er nickte wieder, diesmal zufrieden. „Gut, du lernst dazu.“ , meinte er noch und ergriff ihre Hand, zog sie hinter sich her auf den Pulk der Mädchen zu.

Meine Damen!“, grüßte er sie mit eisiger Höflichkeit.

He, wenn deine Freundin müde ist, wie wäre es dann mit uns beiden?“, sagte eine hübsche dunkelblonde mit blitzenden Augen zu ihm. „Scheinbar stehst du doch auf Blond oder willst du lieber ein Kontrastprogramm?“, zog sie ihn auf. Fee hielt kurz den Atem an, doch Samuel reagierte gar nicht auf das Angebot und zog sie nur stur weiter mit sich fort.

Die Mädchen seufzten enttäuscht auf, als er sie so gar nicht beachtete und Fee wusste kurz nicht ob sie sich darüber freuen oder besser besorgt sein sollte.

Samuel hatte gesagt er würde den Vertrag nicht wieder auflösen... auch nicht wenn sie das so wollte. Was bedeutete das nur?

Er schien bei der letzten Führung durch Arche 2 aufgepasst zu haben, denn er fand die Badegelegenheiten sofort. Zog sie aber an den Duschen vorbei zu der heißen Quelle hinüber, die manchmal von den verbundenen Paare genutzt wurde, nicht nur um sich zu waschen.

Wollte er also doch?

Zieh dich aus. Wir müssen beide ein wenig heißer und entspannter werden wenn wir bei diesen Temperaturen ruhig schlafen wollen. Seid die Tunnel offen sind kühlt der Berg viel zu schnell aus. Meiner Meinung nach sollten sie Tore oder wenigstens einen Windfang anbringen, statt einfach den Schacht offen zu lassen. Wenn das so weitergeht haben wir schon nächste Woche nur noch zehn Grad in den Tunneln, egal wo auch immer.“, knurrte er und zerrte sich sein schmutziges T-Shirt über den Kopf, kickte seine Schuhe beiseite und zog dann ohne jede Scham die Hose runter.

Mach schon Fee. Ich bin müde!“, sagte er nun wieder so finster zu ihr als sei er böse auf sie und Fee begann unwillkürlich sich zu entkleiden. Dabei fragte sie sich aber die ganze Zeit über ständig warum sie nun genau das tat was er von ihr wollte?

Warum sie ihm nicht eine knallte und dann schleunigst davonrannte. Warum sie nicht protestierte gegen seine Worte, die Verträge währen nicht mehr auflösbar und auch sie könnte nicht zurück.

Ihr Herz schlug schnell, das ja und eigentlich hätte sie jetzt Panik bekommen müssen. Das war zu eng, zu kleine Grenzen... eigentlich gar keine mehr, wenn sie mit ihm zusammen nackt baden ging. Aber ein Teil von ihr schien gerade schrecklich taub und benommen zu sein, ein weiterer fassungslos, ein dritter staunte über sich selbst, dass sie sich nun tatsächlich splitternackt auszog, ohne sich dabei groß zu bedecken oder seinem auffordernden Blick auszuweichen, der nur immer noch ruhig auf ihr ruhte. Er sah nicht eine Sekunde lang fort und streckte ihr schließlich seine Hand entgegen. Dass sie ihm dann auch noch die Stufen runter in das heiße Wasser folgte... Gott im Himmel... Was tat sie hier nur? Und warum?



Er sah den Kampf den sie innerlich aus focht und hielt den Atem an.

Was war nur in ihn gefahren einen solchen Besitzanspruch auf sie anzumelden und sie dieser für sie bestimmt richtig harten Prüfung zu unterziehen? Ihr zu sagen sie könnte nicht zurück, sie währe nun seine Frau und Schluss. Er würde es nicht zulassen dass sie von dem Vertrag zurück trat und sich auch keine andere Frau mehr nehmen?

Was hatte ihn da nur geritten?

Sie war so geisterhaft bleich dass er befürchtete sie würde gleich ohnmächtig, doch ihre Augen sahen ihn weiter unverwandt, beinahe forschend an. Er zog sie an der Hand ins tiefere Wasser hinein, dort wo es blubberte und sprudelte aus dem heißen Quell.

Das Wasser mochte so um die achtunddreißig Grad haben, war heiß, aber nicht viel zu heiß. So einen Quell hätten sie in Arche 3 auch gerne gehabt. Doch dort gab es nur die Duschen aus dem Kaltwasserquell, die künstlich erhitzt wurden, damit man sich nicht komplett den Hintern ab fror. Aber richtig warm war anders. - Warm war das hier. Er genoss es seine schmerzenden Muskeln so einzuweichen und die kleine Hand in seiner zu spüren ...seine Augen zu schließen und abzuschalten. Er ging noch weiter zurück, damit sie auch ein bisschen was von dem sprudelnden Wasser abbekommen sollte, zog sie durch den Quell hindurch und plötzlich trieb sie aufkiecksend gegen ihn. Seine Brust an ihrer, ihr Kopf an seinem. Er fühlte sogar ihren Atem an seiner Wange.

Er öffnete die Augen wieder und sah in ihre. Tief, tief und immer tiefer verlor er sich in dem satten, leuchtenden Blau. Sie war gerade so verletzlich und doch auch unglaublich stark. Und sie errötete gerade außerdem ganz bezaubern.

Er schmunzelte nur deshalb nicht, um sie nicht wieder auf blöde Gedanken zu bringen. Doch seine freie Hand strich einmal mehr über ihr langes Haar, griff nach dem Zopf den sie sich geflochten hatte und begann ihn zu lösen.

Was machst du?“, fragte sie ihn atemlos.

Deine Haare waschen, Fee. Dazu hab ich nun das Recht ... als dein Mann.“

Die Verträge beinhalten keine solchen Klauseln wie Ehe und Rechte in der Ehe mehr, Samuel. Du weißt das ESA...“

ESA und ihr Zuchtprogramm sind mir vollkommen egal, waren es schon immer. Ich wollte gar nicht mit rein in die Arche, aber mein Vater hat darauf bestanden... und mich schlussendlich auch dazu gezwungen. Ich hatte damals eine Freundin. Ashley Stone, eine junge Amerikanerin, die mit der Hoffnung hierher kam wir würden sie vielleicht für das Archeprogramm auswählen.

Mein Vater konnte sie aber nicht leiden.. also ließ er sie nicht einmal testen. Sie blieb draußen. Und das wollte ich auch. Sie nämlich dort ganz alleine auf der Straße stehen zu lassen, die Liebe meines Lebens wie ich glaubte...

Aber dann am Tag der Einziehung war ich nicht zu Hause, hatte mich entschieden. Ich würde zurückbleiben und mein Leben würde enden. Da hat man mich von der Straße weg entführt, gefesselt, eine Kapuze über den Kopf und eine Spritze in den Arsch. Als ich aufwachte brannte die Welt da draußen gerade ab wie eine Fackel und ich lag in einem Feldbett unter den grobschlächtigen Singelarbeitern, die sich darüber unterhielten welche Chicas in der Arche sie wie in die Kiste bekommen wollten.

Denn schließlich war ESA nun unser aller Leitstern, unser aller Retter. Das Ende der Menschheit wurde verhindert durch ein Zuchtprogramm, dass sich der liebe Gott selbst nicht besser hätte ausdenken können.“

Und deine Ashley blieb alleine da draußen zurück und verbrannte?“, fragte Fee ihn heiser vor Mitgefühl.

Samuel zog ihre Hand aus dem Wasser heraus und berührte ihre Finger, einen nach dem anderen, bevor er sie wieder ansah und einen kurzen, beinahe unspürbaren Kuss auf den Handrücken hauchte. Doch Fee sah derweil in seine Augen und sah die Wildheit darin, sah den harten, bitteren Glanz.

Nein, so ein Arsch war mein Vater denn doch nicht. Er holte sie ebenfalls rein, für mich, seinen Sohn. Damit ich ihn nicht hassen würde, doch das konnte er da schon nicht mehr verhindern.

Ashley hatte die ganze Zeit über nur mit mir gespielt, damit man ihr Leben retten würde. Als ich sie fand lag sie im Bett meines alten Herrn und tat alles was er von ihr verlangte, freiwillig und überaus großzügig, um sich bei ihm ordentlich erkenntlich zu zeigen. Mein Vater lachte mich aus als ich darüber zornig wurde. Ich dachte er hätte sie dazu gezwungen. Doch das war nicht so. In den nächsten drei Monaten hat sie mit der Hälfte der Arche 3 – Soldaten geschlafen. Immer von einem zum nächsten. Mich hat sich nicht einmal mehr angesehen. Sie war verdorben bis ins Mark und ist bei den Revolutionen gegen meinen Vater umgekommen – Weil sie für ihn spioniert hat.

Weil sie sein Werkzeug war. Weil sie für den Tod von einer Familie mit drei kleinen Kindern verantwortlich war. - Sie wurde erschossen.“

Fee unterdrückte ihr Mitleid, dass in ihr aufwallen wollte.

Aber du bist hier.“, murmelte sie rau.

Er hob ihre Hand an sein Gesicht und legte seine Finger über ihre um sie auf seiner Wange zu spüren.

Hier bin ich, hier bleibe ich. Du wirst dir auch später keinen anderen mehr aussuchen, oder Fee?“, fragte er sie beinahe ausdruckslos.

Sie schüttelte nur tief durch atmend den Kopf.

Es ist mir schon... echt unglaublich schwer gefallen dich anzusprechen, Sam... nach... nach der Sache mit der Fohlengeburt. Ich dachte nur das du anders bist als die anderen. Du hast mir deine Jacke geliehen obwohl ich dir ja noch eine geknallt hatte, obwohl die Soldaten dich mit der Waffe bedroht haben... und niedergeknüppelt. Und du... drängst dich nicht auf, wenn man dich nicht reizt.“

Er lächelte schwach. „Ach tu ich das nicht?“, brummte er nahe an ihrem Ohr und fühlte sie ganz leicht erbeben.

Sie reagierte auf ihn, aber nicht nur mit Unsicherheit oder Angst. Er ließ ihre Hand los und sie blieb auf seiner Wange liegen. Seine Finger flochten sich in ihre Haare, kurz starrte er sie noch abwartend an, wartete auf das Zeichen... wollte sie ihn küssen?

Sie wich nicht zurück also verschloss er ihren Mund, versiegelte ihn, plünderte ihn und verlor sich ganz im Rausch ihres ganz eigenen Geschmackes. Beinahe hätte er sie wieder genommen, hier und jetzt im heißen Wasser, doch ihr zittriges Stöhnen ließ ihn innehalten. Auch wenn es ihn fast alles kostete was er hatte... Er fing ihre zweite Hand ein die erst auf seiner Schulter gelegen hatte und nun langsam über seine Brust und seinen Bauch herunter gewandert war, drückte sie ihr mit einer heftigen Bewegung nach hinten hinter ihren Rücken und schob sie dann grimmig von sich fort.

Nicht... jetzt,“, knurrte er wieder so wild und brennend dass sie erschrak.

Ich... Ich...“ Er sah Angst in ihren Augen auf blitzen und ließ ihre Hand abrupt los, ließ sie ganz los und tauchte hastig tief unter, als wäre es dort kälter als oben.

Als er wieder auftauchte war sie schon bis zum Beckenrand gekommen, auf der Flucht

vor ihm. Mit zwei langen Zügen war er hinter ihr umschlang ihre Mitte und zog sie zurück ins Wasser. Sie schrie nicht, wie er es halb erwartet hatte sondern ächzte nur leise auf. Kurz schlug sie um sich, doch Samuel zog ihren Rücken fest an seine Brust, hielt ihre Handgelenke fest und murmelte unablässig in ihr Ohr: „ Schhh... schhhh, schon gut, tut mir Leid. Fee, hör zu... beruhige dich. Alles ist gut, du bist sicher...“



Fee hatte nicht damit gerechnet dass er sie noch einmal abweisen würde. Und dann auch noch so barsch, so schrecklich böse. Er hatte ihr die Hand auf den Rücken gebogen damit sie ihn nicht anfassen konnte. Fast als würde er das hassen, was sie gerade getan hatte. Sein Blick war so furchtbar gewesen, so gequält und abweisend.

Sie schämte sich schrecklich und wollte nur schnell weg. Also hetzte sie auf die Stufen zu, zog sich tränenblind hoch und war schon halb draußen. Da hatte er sie schon wieder gepackt und zurück ins Wasser gezogen. Umarmte sie, keuchte an ihrem Ohr und sagte irgendwas das sie nicht verstand... und auch gar nicht verstehen wollte. Es war so schrecklich. „Lass mich gehen, Sam...“, bettelte sie ihn an doch er hörte nicht auf sie. sein Atem streifte ihre Wange, ihr Ohr. Seine Hände begannen ihre kalten Arme zu reiben. Sie fröstelte und er flüsterte weiter irgendwelche Worte in ihr Ohr bis das Rauschen und schrillen darin nachließ und sie es verstehen konnte:

Ruhig... nur ruhig.. So ist es doch viel besser, spürst du das? Nur Wärme und Entspannung, kein Sex, keine Pflichten, keine Anmache, gar nichts... hör mir zu und bleib ganz locker. Es tut mir Leid, wenn ich dir weh getan oder dich erschreckt habe, das wollte ich nicht, Fee.. Du bist meine Frau, hörst du? Hab keine Angst vor mir, ich bin ein Idiot... schlimmer noch als das, aber das ist jetzt egal. Gleich geht es besser.. spüre die Wärme.. das Sprudeln der Quelle. Es ist auch in dir, fühlst du es? Wir brauchen nicht nur Sex um uns zu verstehen. Wir baden nur, hab eine Angst, Fee... meine kleine hübsche Fee. - Du hast mich verzaubert.

Ich hatte vor abzuhauen sobald das Wetter sich hält. Mir irgendwo eine Höhle zu suchen die die Sonnenstürme überlebt hat, bis ich drauf gehe. Und dann bist du auf einmal da und blutüberströmt und ich denke nur nein... nein nicht sie, nicht jetzt wo wir raus sind... sie ist so hübsch und bleich und schwach. Sie braucht mich.

Und dann erteilst du mir aber erst mal eine Lektion, das hat mir ehrlich imponiert.

Erteilst mir eine Lehre und gehst duschen und dann hast du nichts besseres zu tun als durch den Tunnel nach draußen zu laufen, mit noch feuchten Haaren und dir den Himmel anzusehen. Da wusste ich, das Mädchen hat sie nicht mehr alle... aber ich musste dich haben.... und ohne jede Anmache dein Interesse an mir wecken.

Also hab ich dir meine Jacke gegeben und dir zugesehen da draußen im Schnee. Du hast einen Schneeengel gemacht, sahst so glücklich aus. Und der Himmel hat dich mit einem weißen durchsichtigen Tuch aus Schneeflocken bedeckt. Fast wie eine Jungfrau. Die Jungfrau Maria, aber bevor sie das Kind bekam. Ich dachte nur du bist so wunderschön und ich werde dich doch niemals haben können.“, berichtete er ihr flüsternd.

Fee versteifte sich bei seinen Worten und schüt-

telte den Kopf. „Was... was soll das? Ich glaub dir kein Wort. Du lügst...“, keuchte sie atemlos und versuchte seine Finger aufzubiegen, doch er hielt einfach nur wieder ihre Hände fest und zog sie über ihre Schulter hinauf an seinen Mund, küsste die Knöchel, einen nach dem anderen.

Dann bist du zu mir gekommen. Erinnerst du dich? Stehst da und gibst mir die Jacke und sprichst mit mir. Ich dachte ich werde verrückt, wenn ich sie nicht gleich küssen, nicht gleich haben kann.

Du hast mir das angeboten was ich wollte... und noch viel mehr, Fee. Und jetzt hab ich dich und lass dich nicht wieder los. Du wirst mich nicht los, doch ich tu dir niemals weh, versprochen. Und ich gehe... und komme wenn du das so willst. Sieh... du willst mich...!“, umfasste seine linke Hand beide Handgelenke von ihr und drückte sie an sich während seine rechte nun gleichfalls nach unten wanderte, weiter und weiter. „Nein... Sam... oh Gott!“, stöhnte Fee zuckend auf, als er mit einem Finger an ihrer Scham ankam und ihn sachte in sie gleiten ließ.

Nein... nein... nein!, wimmerte sie atemlos auf, als er sachte den kleinen Knoten zwischen ihren Schamlippen zu reiben begann.

Sam... Samuel...“, zuckte sie keuchend und wand sich unter ihm aber auch gegen seine Hand.

Schh... ganz ruhig!“, schnurrte er beinahe in ihr Ohr hinein und hauchte einen Kuss darauf.

Sam!“, schrie sie erstickt auf und legte den Kopf auf seine Schulter zurück, weil Wellen von purer, überwältigender Hitze durch sie hindurchfluteten. Schauer über Schauer von köstlichsten Gefühlen

überschwemmten ihren bebenden Leib.

GOTT!“, schrie sie laut heraus als es ihr kam und Sam spürte das heftige Zucken um seine Finger herum. Er lächelte kurz und drehte sie zu sich herum.

Ihr Kopf landete erschöpft an seiner Schulter. Ruhig bewegte er sich mit ihr durch das Wasser und wusch sie sachte von Kopf bis Fuß.

Er schwieg und sie auch.

Fee atmete endlich wieder langsamer und öffnete die Augen gerade als er sie auf den Beckenrand setzte und ihr einen leichten Kuss auf die Stirn hauchte. „Lauf mir nicht weg, meine Fee. Ich hab noch zwei Wünsche frei.“, sagte er sanft zu ihr, dann tauchte er wieder unter und wusch sich selbst den Schmutz der Arbeit vom Körper ab.

Fee saß während dessen benommen da und versuchte sich wieder zu fassen. Da tauchte er wieder auf und kam auf sie zu. Zog sich die Stufen hoch und kam zu ihr hin. So groß und nackt und stark aussehend. Bevor sie es noch verhindern konnte fasste er unter ihre Arme und Beine und hob sie auf den Arm, so als wöge sie nichts.

Sam...“, rief sie erschrocken doch er lachte nur wieder. „Wo habt ihr die Trockentücher, Fee?“, fragte er sie milde und sie nickte mit dem Kinn in Richtung einer großen Truhe hin.

Er setzte sie daneben auf einen der Hocker ab,

holte ein Tuch heraus und wickelte sie ganz darin ein.

Es geht in einer Beziehung nicht nur um Sex, aber ich gebe zu, dass auch ich diesen Teil derzeit bevorzuge. Vor allem weil du wirklich sehr leidenschaftlich bist Fee.

Und deine Angst vor mir verschwindet langsam, hast du es schon bemerkt?“

Fee trocknete sich ab und errötete derweil wieder bis zu den Haarspitzen.

Ja klar... träum weiter. Ich bin nur gerade so scharf weil... eben die Zeit dazu ist.“, wiegelte sie verlegen ab, doch er lachte nur wieder und schüttelte den Kopf. „Meine schöne Fee, du bist wirklich noch sehr naiv, stelle ich fest. Menschen haben immer Paarungszeit, immer Lust aufeinander, sind immer scharf. Das wirst du noch herausfinden. Doch ich habe es ernst gemeint, als ich sagte dass du erschöpft bist.

Wir werden nun schlafe gehen. – Ausschließlich schlafen.“, bekräftigte er noch einmal, als sie ihn nur verwirrt anblickte und den Kopf schüttelte.

Zu ihrem Erstaunen half er ihr dann beim Anziehen, trug sie erneut hinüber zu den Wohnbereichen zu ihrem kleinen, mit Planen von den anderen getrennten Bett in der

Nische und legte sie sachte auf ihrem schmalen Bett ab.

Ich... hab noch gar nicht nachgefragt wo du heute Nacht... Ich meine mein Bett ist ziemlich schmal und...“, begann sie stotternd doch noch bevor sie zuende sprechen konnte setzte er sich eben sie, zog seine Stiefel und sein Hemd und die Arbeitshose wieder aus, griff feixend nach ihren Stiefeln und half ihr sich ebenfalls wieder bis auf die Unterwäsche auszuziehen.

Samuel, ich halte das für keine gute Idee. Ich glaube nicht dass das Bett breit genug für uns beide ist...“, begann Fee nervös herumrutschend und nahe daran wieder aufzuspringen. Sie wollte ihm schon vorschlagen auf dem Boden zu schlafen, doch er nahm ihr die Entscheidung darüber rigoros ab.

Beruhig dich Fee.“, sagte er nur knap zu ihr, dann schob er sie auch schon bis an die Felswand zurück und legte sich daneben, griff unter ihren Hals und zog sie mit einem kleinen Ruck an sich. Keuchend kam Fee’s Gesicht auf seiner Schulter zu liegen. Sie schaute benommen zu Samuel hoch der immer noch dabei war die Decke mit der freien Hand zu entfalten und über sie beide zu breiten.

Samuel, wirklich ich mein's ernst...“, begann sie wieder einzuwenden doch er hatte die Decke nun geordnet und sah mit einer gehobenen Braue auf sie runter.

Erwartest du jetzt auch noch dass ich dir beim einschlafen helfe, Fee? Es ist schon zwei Uhr in der Nacht. Mach die Augen zu, ganz einfach.“, wies er sie ernsthaft an, verschränkte seinen freien Arm unter seinem Kopf und schien binnen weniger Sekunden ruhig und fest zu schlafen.

Doch Fee schlief nicht. Sie konnte nicht. Er war warm und hart.. überall hart, selbst sein Arm war hart auf dem sie lag. Außerdem fühlte sie ihn noch immer. Was er mit ihr getan hatte, die Gefühle. Es war die Hölle... oder der Himmel... nein beides gleichzeitig, weil sie das alles so eigentlich nicht spüren wollte. Sie hatte sich auf einen unangenehmen Vorgang eingestellt der ihr wenig Freude und schon gar keine Lust bereiten würde, doch sie war bereit gewesen sich für die Sache aufzuopfern.

Lange genug hatte sie darüber nachgedacht und mit sich gehadert.

Dass es nun so ganz anders gelaufen war. Zwei mal Sex an einem Tag und vorhin im Wasser fast noch einmal, zumindest für sie. Warum hatte er das nur getan? Was war der Grund? Dachte er vielleicht seine großartige Rede von der Ehe wie er diese Verträge ansah würde für ESA zählen? Es wurde noch mehr von ihm erwartet. Viel mehr. Die Mädchen würden ihn bald schon aufsuchen um sein Kind zu empfangen. Gut, Esa schrieb niemandem vor mit wem er sich paaren sollte, doch es war ein allgemeiner Satz in der Klausel der Verträge. Verschiedene Mütter, verschiedene Väter. Genetische Vielfalt, um die allerbesten Resultate zu erzielen, die besten Menschen ohne Gendefekte, ohne Altlasten, ohne Krankheitsveranlagungen wie Krebs Diabetes oder Alzheimer, irgendwelche Syndrome Herzkreislauferkrankungen oder Sehschwächen in der Familie. Das es das alles irgendwann wieder geben würde war sicher. Doch vielleicht nicht unbedingt in dieser Generation, die stark sein musste, weil sie aufbauen, Pflanzen, überleben sollte.

Wozu eigentlich, fragte Fee sich wieder einmal unglücklich und versuchte eine bessere Position auf seinem viel zu harten Arm zu finden. Die Kuhle an seiner Schulter wirkte ein klein bisschen weicher, nicht ganz so fest. Sie roch seinen nun sauberen Duft, nach Wasser, Seife und Samuel. Er roch ganz speziell und gut, fand Fee, versuchte sich zu entspannen, weil er das schließlich auch geschafft hatte. Seine Körperwärme war schön. Besser als zu frieren unter der dünnen Decke, wie es schon so oft gewesen war, ganz besonders in letzter Zeit da es langsam kühler hier unten wurde. Kühler und einsamer.

Doch nun musste sie nicht mehr einsam sein. Sam beanspruchte sie anscheinend wirklich erst mal alleine für sich, was sie erleichterte... aber auch wieder beunruhigte. Sie bemerkte das sie wieder viel zu schnell atmete und zwang sich dazu ruhiger und langsamer zu werden, zwang sich dazu an was schönes zu denken, den hängenden Butterball, der vielleicht gerettet werden konnte, dank Samuel... dank seiner Hängematte. Sie dachte an Sam wie er die Konstruktion zusammengeschweißt hatte. Seine Muskeln als er den schweren stahl herumschleppte, Butterballs Huf anhielt, ihn hielt... mit seiner Kraft.

Er hatte sie auf den Armen getragen. Fee schauderte kurz und legte sachte eine Hand auf Sams Brust. Der hatte es gut. Der war wunderbar warm und fror nicht so wie sie.

Sachte, um ihn nicht zu wecken zog sie die Decke noch höher hinauf, bis zu ihrem Kinn und schloss dann die Augen. Ja das war gut.. das war wärmer. Sams Körper heizte die Decke zusätzlich auf. Schläfrig schloss sie die Augen und begann zu träumen wie ihr Leben an Samuels Seite vielleicht irgendwann aussehen konnte. Vielleicht

irgendwann...

8. Kapitel



Ihr Atem wurde wieder ruhiger. Sam wagte nicht sich zu bewegen, weil Fee sowieso noch so verunsichert war. Wenn sie beide nicht schlafen würden, währe es bestimmt nicht von Vorteil, also verhielt er sich ruhig, spürte ihr Erschauern fühlte auch, da er außen lag den Luftzug der die Schlafräume von Arche 2 erreichte. Kalte Luft, unangenehme Luft. Auch wenn sie frisch roch und sauber war. Sauber genug jedenfalls um sie unbedenklich atmen zu können.

Doch zu kalt für Fee. Er spürte ihr Zittern und wie sie die Decke noch weiter hinaufzog. Beinahe hätte er den Kopf gehoben um nach ihr zu sehen. Ihre kalte Hand legte sich auf seine Brust ein kleiner Schock für ihn doch außer einem fast unmerklichen Grinsen zwang er sich weiter zur Ruhe.

Die Kleine war wirklich ein Eisklotz. Kein Wunder also, dass sie ihn nicht einfach aus dem Bett warf. Er wärmte sie zu gut... aber immer noch nicht gut genug. Sie entspannte sich allmählich, ihr Atem wurde noch ruhiger, tiefer und sie kuschelte sich richtig in seinen Arm hinein... endlich.

Er zog sie noch ein wenig näher an sich heran, drehte sich um und hielt sie umfangen. Wärmte sie noch mehr, beschützte sie. Seine Frau, seine gute Fee.

Solche Gedanken zu haben war schlecht, dass wusste er selbst. Für ESA war das zu besitzergreifend, zu wenig Programmgesteuert.

Nicht das, was als seine weitere Aufgabe im Leben vorgesehen war, doch daran hatte Sam auch kein großes Interesse. Eine Frau zu finden, nur eine, das war ihm gelungen.

Und er würde sie genau so nehmen wie sie war.

Endlich forderte die Müdigkeit auch ihren Tribut von ihm und ließ ihn einschlafen.



Die Schreie begannen immer noch mitten in der Nacht.

Unterdrückt aber deutlich hörbar. Es klang als währe Fee gefesselt und geknebelt. Sie lag stocksteif neben ihm und zuckte immer wieder wild. Zuckte mit den Armen, als wollte sie sich befreien, als währe sie gefesselt.

Sam erwachte schlagartig und setzte sich auf, gab ihr mehr Raum, zog die Decke fort, damit die sie nicht mehr einengen konnte. Doch sie blieb genauso verkrümmt liegen wie sie war, gurgelte und schrie, und stöhnte und zuckte wieder wie unter Schlägen.

Fee... mein Gott... Fee wach auf!“, zog er sie zu sich herum und richtete sie auf. Ihre Augen waren halb geöffnet doch sie schien ihn nicht zu sehen. Ihre Arme zuckten herum. Sie schüttelt verwirrt den Kopf. „Nein... nein... bitte nicht... bitte... hör auf, nicht, JAN, NEIN! NEIN!!!“, , schrie sie immer lauter und schriller werdend.

Sam stieg aus dem Bett und hob sie auf. Sie schlug um sich wie verrückt zuckte immer wieder zusammen und als er sie hoch nahm bedeckte sie schützend ihren Kopf. Sachte wickelte er sie in die decke ein, schnappte sich auch ihre Hose und das Hemd und trug sie dann Barfuß, in Boxershorts durch den Tunnel, während sie noch immer in ihren Armen kämpfte. Plötzlich tauchte ein Soldat vor ihm auf.

Halt! Lass das Mädchen los!“, fauchte er mit dem Gewehr im Anschlag.

Das ist Fee, sie hat einen Alptraum und ich kann sie nicht aufwecken. Ich bring sie rüber in den Stall, die Pferde beruhigen sie.“, sagte er nur zähneknirschend während Fee nun allmählich immer schriller zu schreien begann. Der Soldat folgte ihm auf dem Fuß und gab eine Meldung an den Psychologen Dr. Georg durch, das Fee mal wieder schlecht träumte und was ihr Partner nun vorhatte – mitten in der Nacht. Derweil hatte Sam schon die Stallungen erreicht, und schob das Gitter bei dem Fohlen und seiner Mutter sachte auf, setzte Fee in eine saubere Ecke und ging dann wieder hinaus. Sie gurgelte schon wieder, zappelte und schrie erstickt, bewegte sich panisch als würde sie festgehalten ihre Handgelenke krampften, die Fäuste ballten sich, aber sie hob sie nicht, sie schlug nicht mehr. Sie war gefangen und gefesselt.

Die Mutterstute war aufmerksam geworden und trat zu der keuchenden Gestalt hin, roch an ihr und stupste sie zart am Kopf an.

Das bringt doch nichts. Das Pferd wird noch auf sie drauf treten, Mann, holen sie sie da besser wieder raus. Der Doc kommt gleich. Sie hat ziemlich oft diese Anfälle. Das ist eben Fee. Da muss man sie aber nicht erst noch in den Pferdestall tragen und die Tiere erschrecken...

Das sind ihre Tiere, die kennen sie und werden sie nicht treten. In einer Herde kümmern sich alle umeinander. Das ist wie in einer Familie. Fee hat sich heute hier auch schon mal beruhigt und wird es wieder schaffen. Wir brauchen den Arzt nicht, der kann ihr sowieso nicht helfen. Sehen sie zu und halten sie die Klappe, Mann!“, konterte er frustriert, weil er Fee hierbei einfach nicht helfen konnte. Er sah ihr zucken und wusste das waren keine schlechten Träume, das waren Erinnerungen die sie wieder und wieder und wieder erleben musste.

Wie gerne er diesen Jan jetzt nur mal für fünf Minuten in den Fingern gehabt hätte. Er krallte sich förmlich am Gatter fest um nicht wieder zu Fee zu rennen sie zu schütteln und weiter zu versuchen sie aufzuwecken, doch das hatte die Stute wohl gerade geschafft. Mit einem Schreckensschrei kam sie hoch und die Stute hüpfte von ihr zurück und vor ihr Fohlen.

Oh... Gott was... ich weiß nicht … wo bin ich? Hier im Stall?”, wandte sie sich verwirrt um und kämpfte sich dann aus der Decke heraus, stand wankend auf und ging schwer atmend auf die Stute zu. Ruhig, Mädchen... ruhig. Ich wollte dich... nicht erschrecken ich... Gott was war nur los...?“, hörte er sie murmeln.

Er beschloss sich einzuschalten. „Ich habe dich nicht wach bekommen. Du hattest einen heftigen Alptraum, Fee. Ich dachte ich bringe dich besser wieder her. Die Stute hat nach dir gesehen und dich aufgeweckt.“, meldete er ihr so nüchtern dass er darüber beinahe wieder selbst zusammengezuckt währe.

Fee wandte sich mit immer noch leicht glasigen Augen zu ihm um. Der Schock der Erinnerungen brannte noch tief in ihr nach, doch die Pferde die sie nun streichelte machten es besser. Sam beschloss einfach zuwarten bis sie von selbst auf ihn zu kam. Und vielleicht auch bemerkte das der Soldat gerade einen ziemlich guten Einblick auf ihren Körper erhielt.

Möchtest du dich nicht vielleicht bedecken, Fee? Was tust du hier nur mitten in der Nacht nur in Unterwäsche und ohne Schuhe im Pferdestall?“, fragte auf einmal eine befehlsgewohnte Stimme eisig.

Samuel drehte sich zu Fee's Vater um, der einen Morgenmantel über seinen Pyjama gezogen hatte und etwas zerzaust aussah.

Abschätzend mustere Sam den älteren von oben bis unten so wie der ihn auch.

Sie sind noch hier?“, fragte Herr Hoffmann ihn grollend.

Ich bin Fee’s Partner, schon vergessen? Ich hab ihr heute Nacht geholfen ihr verletztes Zuchtpferd aufzuhängen. Da war es dann zwei Uhr oder so, als wir fertig waren und jetzt hatte sie einen Alptraum. Ich bekam sie nicht wach, also hab ich sie zu ihrer Familie gebracht.

Meine Tochter ist kein Pferd, Junge.“, empörte sich Dr. Hoffmann zornig.

Da die aber die einzigen sind die sie trösten und bei denen sie wahre Freundschaft und Verbundenheit empfindet ist es trotzdem ein passender Begriff. Sie ist aufgewacht. Sie beruhigt sich. Sie können wieder zurück ins Bett gehen. Wir haben hier alles im Griff und das hab ich auch Rambo da gesagt, bevor er sie an gefunkt hat. Fee geht es wieder ganz gut.. den Umständen entsprechend eben.“

Das macht ihnen doch sicher was aus, das sie sich von den Pferden trösten lässt und wecken, aber nicht von ihnen, oder Samuel?“, fragte der Psychologe ihn lauernd.

Am liebsten hätte Samuel ihm seine Faust in die Fresse geschlagen, beherrschte sich aber und verschränkte lediglich die Arme vor der bloßen Brust.

Nicht die Spur.“, erwiderte er sanft klingend. „Das erinnert mich nur an gute alte Zeiten. Meine Großmutter streifte Nachts oft durch das Haus weil sie nie schlafen konnte. Sie nickte dann tagsüber ein, aber Nachts ging sie raus in den Garten und goss ihre Blumen, jätete Unkraut und band die Erbsen und Bohnen an den Rankengittern fest. Wenn ich bei ihr war, also als kleiner Junge und auch nicht schlafen konnte hab ich ihr geholfen bis ich müde genug war um doch noch ins Bett zu gehen.

Spleenige Menschen, Dr. Georg. Das ist alles was Fee ist. Ein spleeniger Mensch. Und für mich muss sie sich nicht ändern oder normal sein, was immer das auch ist. Wenn sie mitten in der Nacht zu den Pferden muss um sich besser und schneller von einem Alptraum zu erholen bringe ich sie hin. Das ist ja wohl jetzt auch mein Job, oder?“, forderte er den Arzt heraus der sich gerade seine Brille an seinem Pyjamaoberteil abputzte, und dann wieder aufsetzte um zu Fee hinüber zu sehen, die sich gerade in die Decke wickelte. Hochrot vor Verlegenheit aber auch wieder hellwach.

Nun... es scheint heute zumindest geholfen zu haben. Dennoch würde ich es vorziehen noch einmal mit die über die Beschaffenheit und Inhalte deines Traumes zu sprechen, Feeline. Vielleicht finden wir dann ja eine Möglichkeit dass du dich selbst aufwecken kannst.

Das versuchen sie schon seid fast zwei Jahren mir einzureden Georg, aber ich habe es noch nie geschafft und es gibt auch gar nichts Neues zu erzählen. Es ist immer noch dasselbe wie immer.. haargenau das Selbe.“, sagte Fee zu dem Arzt wobei sie aber die Stute immer noch streichelte und sich langsam wieder ganz beruhigte.

Ich komm gleich Samuel. Wenn du willst kannst du schon wieder ins Bett zurück gehen. Morgen müssen wir beide früh raus.“, versuchte sie Zeit zu schinden. Sie wollte hier nicht weg bevor nicht dass kalte Zittern in ihrem Inneren verstummt war, doch Sam lehnte immer noch total entspannt und kein bisschen ungeduldig am Gatter und hob nur eine Braue als ihre Blicke sich trafen.

Lass dir Zeit. Ich warte solange... Feeline.“, betonte er amüsiert ihren vollen Namen den er bisher gar nicht so mitbekommen hatte. Also doch keine reine Fee, dachte er schmunzelnd und schüttelte belustigt den Kopf.

Sie finden es also lustig das meine Tochter in den Nächten von schrecklichen Alpträumen gequält wird und halbnackt im Pferdestall herum springt, dass jeder Freak sie sehen kann und sich vielleicht an sie heranmachen möchte?“, knurrte Dr. Hoffmann ihn nochmals empört an.

Da ich sie nicht alleine hab nackt herumlaufen lasse, Doktor Hoffmann, wird sie auch keiner an graben, noch belästigen noch irgendwie schief ansehen, sonst macht derjenige nämlich mit dem besten Kieferchirurgen in Arche 3 Bekanntschaft. Übrigens ein richtiges Genie.“, sagte Sam gefährlich sanft und sah dabei ganz besonders den jungen Soldaten an, der sie unterwegs begleitet hatte und der Fee vorhin so genau angesehen hatte, als sie sich aus der Decke ausgewickelt hatte. Der junge Kerl trat sofort einige schnelle Schritte von Sam zurück und ging halbwegs hinter dem Psychologen in Deckung, was Fee's Vater nun finster zur Kenntnis nahm und ihn noch mehr gegen den jungen, ebenfalls fast nackten Gefährten seiner Tochter aufbrachte.

Außerdem mache ich mich nicht über Fee lustig, sondern begrüße lediglich ihre Rückkehr in die Realität, Dr. Hoffmann. Sie als Physiker können natürlich nicht begreifen das Menschen auch Gefühle haben, nicht wahr? Und das es manchmal nicht andere Menschen sind, die eine verletzte Seele sucht und findet um zu heilen und zu gesunden. Fee ist wie sie ist und das akzeptiere ich – sie auch?“, forderte er ihn noch einmal offen heraus doch Dr. Hoffmann war inzwischen krebsrot angelaufen und jenseits aller Vernunft.

Machen sie das sie zurück in ihre Arche kommen, Samuel Haggedorn Und bleiben sie dort wenn sie nicht wollen das meine Tochter sich erneut einen Babymacher für ESA suchen muss. Denn mehr werden sie für sie nicht sein.“, giftete er gehässig.

Fee drehte sich ruckartig zu ihrem Vater um.

Halt den Mund! Du weißt nichts von mir!“, herrschte sie ihn aufgebracht an.

Der Psychologe sah von einem zum anderen und versuchte sich nun schlichtend einzumischen. „Nun, Dr. Hoffmann... Paul. Du kannst einem verbundenen Paar nicht verbieten sich wo auch immer zu treffen das ist gegen die ESA-Statuten...“

Er hat den Akt mit ihr vollzogen bis zum nächsten Monat wird feststehen ob Fee ein Kind empfangen hat, Georg und bis dahin will ich ihn hier nicht mehr sehen... sonst wird er erschossen!“, fauchte Dr. Hoffmann finster.

Papa!“, brüllte Fee nun ebenfalls wütend und rannte zum Gatter. Dr. Hoffmann ließ sie herauskommen und griff dann hart nach ihrem Arm um sie daran zu hindern zu Samuel zu laufen.

Du hast deine Entscheidung getroffen, Feeline. Du wirst am ESA-Programm teilnehmen, doch dieser Kerl da ist nicht gut für dich. Weißt du eigentlich wie oft du heute deine Panikanfälle hattest? Und das nur weil er dich bestiegen hat? Deinen Mut und deine Tapferkeit in allen Ehren aber hier und jetzt ist Schluss. Dein Seelenfrieden hängt davon ab. Du kannst ihn zu Paarungszwecken besuchen und von mir aus dann die Nächte im Stall übernachten wenn es dir hilft, doch er bringt dich aus deiner zurückgewonnenen Ruhe, Fee. Er ist nicht gut für dich. Du musst ausgeglichen sein, hast du das vergessen? Sonst fällst du zurück und Georg kann dir dann vielleicht auch nicht mehr helfen.“

Aber er hat nur das getan was ich wollte das er tut, Papa. Es war okay. Es hat gut funktioniert, er war gut zu mir und ich möchte ihn besser kennen lernen, ist das nicht gut?“, versuchte sie sich aus dem Griff ihres Vaters zu befreien. Samuel wollte vor rennen und sie aus den Armen ihres Vaters reißen, doch der Soldat hatte sich anscheinend darauf besonnen dass er die Knarre in der Hand hielt und drückte ihm den Gewehrlauf hinten in den Nacken rein. „Hände hoch!“ , brüllte er ihn eisig an.

Verdammt noch mal, Fee ist meine Partnerin. Meine und nicht seine. Er ist nur ihr Vater und er tut ihr gerade weh!“, herrschte Sam hob aber die Hände als der Soldat die Waffe auf Herrn Hoffmanns Nicken hin durch lud.

Papa, nein das kannst du nicht machen. Sam hat nichts getan. Er beschützt mich nur und passt auf mich auf...“, wurde nun auch Fee wütend, doch ihr Vater nickte dem Soldaten der gerade Verstärkung erhalten hatte und Sam gemeinsam mit zwei anderen Soldaten auf die Knie zwang zu und zerrte dann Fee einfach mit sich mit.

Nein, Papa! ...Samuel! Papa...Du darfst ihm nichts tun! Er ist mein Partner! Ich hab ihn mir ausgesucht und er macht immer nur das was ich will und brauche... Lass mich los!“

Schritt für Schritt, Fee. Du bist noch zu jung für einen solchen Mann... und psychisch nicht gerade stabil. Konzentriere dich allein auf dich, Fee und auf das vielleicht schon gezeugte Kind, damit hast du weit mehr als genug zu tun.“, wies Dr. Hoffmann seine Tochter an, die aber nun ernsthaft begann sich zu wehren, genauso wie Samuel.

Sie rief ihn wieder, riss sich los, rannte sogar auf ihn zu... und er wehrte einen der Soldaten, den Jungen Typ, der Fee so seltsam angestarrt hatte, finster ab, Er schlug ihn mit der Faust wie versprochen hart ins Gesicht, bevor der Gewehrkolben ihn an der rechten Schläfe traff und die Lichter ausgingen. Doch er hörte Fee immer noch schreien.




Er erwachte in Arche 3 auf dem Krankenlager. Die Psychologin Merte saß neben ihm auf einem Stuhl uns sah sehr grimmig aus, fast empört.

Als sie bemerkte das er wach war, hob sie ein paar Papiere an um sie ihm zu zeigen.

Sie haben dich nur benutzt, Samuel. Dr. Konrad und unser Komandant Falker-Johan ist ebenso sauer wie ich darüber. Du solltest das Mädchen nur mit deinen Genen beglücken, die kleine verrückte Fee. Sie hatten das alles genau so geplant, aber von einer normalen Beziehung war in Hoffmanns Sinn nie die Rede.

Du darfst sie erst in der Siedlung wiedersehen. Es sei denn sie ist nicht schwanger geworden was aber unwahrscheinlich ist. Der Vater hat seiner Tochter zwei Monate in folge Fruchtbarkeitshormone ins Trinken gegeben, ohne das sie davon wusste. Sie haben sie ganz subtil dazu gedrängt sich dem ESA-Programm wie eine Art Märtyrerin zu öffnen, das sie diese Last und den Prozess der Befruchtung tapfer erträgt, bis sie tatsächlich auf die Suche nach einem nicht ganz so unangenehmen Typen gegangen ist... Das steht so hier in den Berichten, Samuel, aus gefertigt von Dr. Georg.

Und eine Fußnote von ihrem Vater geschrieben besagt das Fee auch nichts anderes als das im Sinn gehabt haben soll.

Ich habe sie aber selbst hier erlebt, Habe mit ihr gesprochen, mit euch beiden. Ich weiß das sie vorhatte normal zu sein, so wie alle anderen auch. In einer Beziehung mit dir. Aber ihr Vater scheint das nicht zulassen zu wollen, nicht nach der Sache mit Jan Simons.

Unser Komandant hat auf meine Bitte hin in deinem Namen Einspruch eingelegt, gegen die Art wie sie dich behandelt haben. Dass eure Verträge für ungültig erklärt würden sobald sie von dir schwanger ist. Er hat darauf bestanden das Fee öffentlich dazu gehört werden wird und zwar vor einer Generalversammlung der Kommandantur, außerdem muss sie den Auflösevertrasg unterschreiben und das nicht mit irgendeinem Gekrikel, das wird überprüft.

Ich weiß, du bist jetzt vermutlich stocksauer und das verstehe ich auch.

Es gibt Regeln für so was und selbst Hoffmann muss sich daran halten – wenn seine

Tochter denn wirklich weiterhin bei dir sein will.“ Der kleine Zweifel in ihrer Stimme brachte Samuel auf. Die Geschichte schien sich zu wiederholen, nur diesmal auf der anderen Seite. Doch er würde sich nicht länger für diese Farne anbieten.

Nein. Keine Anhörung. Ich werde das nicht mitmachen wie ESA das geplant hat und Herr Hoffmann. Wenn Fee nicht schwanger geworden ist wird sie es auch nicht von mir werden, es sei denn sie bekennt sich offen zu mir – in der Siedlung.

Bis dahin bleiben die Verträge bestehen sie bleibt auf dem Papier meine Gefährtin und Partnerin und ich stimme einer Auflösung nicht zu. Nicht ohne sie selbst deswegen gesprochen zu haben. Vermerken sie das. Das ist geltendes Recht und Herr Hoffmann kann den Vertrag nicht für Fee auflösen wenn ich eine Unterredung vor meinem Kommandanten und mit Teilnahme unserer Arche- Psychologin verlange. Denn hier gelten immer noch die gängigen Gesetze. Wenn sie selbst aus den Verträgen raus will und das auch Unterschreibt habe ich meine Antwort, Dr. Merte. Wenn nicht werde ich in der Siedlung das machen was ich machen muss und sie zu mir holen. Selbst wenn Dr. Hoffmann eine Hundertschaft von Soldaten zwischen uns stellt.“, spie er aus und rieb sich dann den schmerzenden Kopf und die großen Beulen.

Er hörte immer noch wie Fee nach ihm rief.

Wenn sie ihn als Mann haben wollte, dann würde sie die Verträge nicht auflösen lassen. Unter keinen Umständen.

Wenn sie ihn wollte... so wie er sie.




9. Kapitel




Du wirst das jetzt unterschreiben Feeline, sonst entziehe ich dir die Verantwortung für die Pferde.“, drohte Dr. Hoffmann seiner Tochter kühl und atmete mehrmals tief durch als sie sich immer noch nicht regte. Fee saß nur da, ungekämmt, ungewaschen und verlottert aussehend, mit mehreren tiefen Kratzern und blauen Flecken übersähten Armen und Beinen da, den Mund fest geschlossen.
Sie hatte Stundenlang kreischend auf die Tür eingeprügelt, dass sie sie rauslassen würden, aber ohne Erfolg. Sie redetet seit über einer Woche kein Wort mehr mit ihrem Vater. Seid der Samuel von den Soldaten hatte zusammenschlagen lassen und noch in der selben Nacht wie ein Stück Abfall nach Arche 3 zurück gebracht hatte. Samuel hatte drei Tage lang bewusstlos auf der Krankenstation gelegen und sein Kommandant hatte empört gegen dessen Behandlung protestiert, so wie auch Fee hier in Arche 2, aber hier hatte keiner der wichtig war überhaupt Notiz davon genommen. Sie war ja nur die Verrückte, die Irre, die Duchgeknallte. Und sie wurde nun außerdem eingesperrt, damit sie nicht fortlief, fort zu Sam nach Arche 3.

Als währe sie ein kleines Kind mit Hausarrest und wie sehr hatte sie ihren Vater angebrüllt sie sei längst kein Kind mehr, sei 18 Jahre alt und damit erwachsen.

Das hier sei ihre eigene Entscheidung und nicht seine... Es war ihm egal. Er wollte

schlicht nur ihre Teilnahme am ESA Programm durchziehen, hatte er ihr erklärt und war zufrieden und froh das es so gut geklappt hatte. Sie müsste eigentlich schwanger sein... so hoffte er. Sonst dürfe sie im nächsten Monat auch ruhig noch mal zu Samuel hinübergehen und sich weiter schwängern lassen aber dann sei Schluss mit diesem Unfug und den Verträgen. Die gälten für andere, nicht aber für seine Tochter.

Feeline sein nicht in der Lage ein normales Leben zu führen.

Ich habe dir doch schon gesagt das es eine abgekartete Sache war. Was brauchst du denn noch für Beweise, dass er es nicht ehrlich mit dir gemeint hat?“, hieb er nun wieder verbal auf sie ein.

Hat er öffentlich protestiert? Nein! Und dass er die Verträge nicht zerreißt hat auch nur einen einzigen Grund: Er will weiter Sex mit dir haben, Feeline, dich benutzen so wie Jan. Sein Vater war ein Verräter und ein Sadist, so wie Jan. Er hat die Mädchen in Arche 3 auch benutzt und gezwungen, vergiss das nicht und wenn seine Gene nicht für ESA von Nutzen währen hätte ich gar nicht erlaubt dass er dich überhaupt anrührt, aber jetzt ist Schluss mit all dem. Du musst mir nicht beweisen, also unterschreibe das da. Dann kannst du aus der Zelle raus und wieder im Stall bei deinen Pferden arbeiten.“, meinte er inzwischen hoch verärgert über seine sture Tochter.

Ihre Haare hingen strähnig herunter. Sie hatte sich nicht umgezogen, seid dem Tag als Samuel fortgebracht wurde, sich nicht geduscht, kaum gegessen und nur die Androhung, sie würde an ein Bett gefesselt und an an den Tropf gehängt, sogar künstlich ernährt werden, ließ sie ein wenig Essen und trinken zu sich nehmen. Doch ansonsten hatte sie abgeschaltet.

Wieder hielt er ihr die Papiere die er unterzeichnet sehen wollte unter die Nase und herrschte sie an, schrie und tobte, zwang ihr den Stift in die Hand, doch sie hielt die Finger offen, weigerte sich sie zu schließen und warf den Stift, kaum dass er ihre Hand fluchend losließ heftig in die nächste Ecke.

Paul.. mäßige dich bitte!“, mischte sich Georg einmal mehr ein und hob beschwichtigend die Hände als Paul Hoffmann sich knurrend zu ihm umdrehte.

Ernsthaft!“, begann der Psychologe schwitzend zu erklären. „Das ist nun wirklich Fee's Entscheidung, wen sie wählen und behalten will. Warum lässt du es sie nicht mit dem Jungen aus Arche 3 versuchen, wenn sie das Gefühl hat sie kommt mit ihm und seiner Art klar?“, wollte der Psychologe sich milde einschalten doch Fee hatte nur den Verdacht dass er es tat um wieder ihr Ansprechpartner und Vertrauter zu werden. Die Blicke der beiden Männer sagten ihr genug, wann immer sie sie beobachtete. Immer dann wenn die nicht zu ihr hinsahen, sondern stumm miteinander kommunizierten.

Samuel hatte sich also geweigert die Verträge aufzulösen, das war schon mal beruhigend.

Sie wusste immer noch nicht ob sie nun schwanger war, hoffte es aber beinahe nicht. So würde sie ihn nämlich wiedersehen können... und dann auch gleich mit dem Kommandanten von Arche 3 reden können ob sie zu Sam übersiedeln durfte. Es wäre sowieso besser gewesen sie hätte sich von Anfang an für eine andere Arche gemeldet als die, in der ihr Vater das Sagen hatte. Er war übergeschnappt, wirklich und wahrhaftig. Dass er ihr das alles antat.

Er behandelte sie als sei sie diejenige, die nicht mehr zurechnungsfähig war. Dabei war er es. Er war durchgedreht und ließ nun seine Tochter dafür büßen, was ihr passiert war. Er dachte er hätte das Recht dazu sie ganz alleine für sich zu behalten, außerhalb des Zuchtprogramms. Nächstes Jahr sollte sie sogar ein anderes Baby von einem anderen Mann bekommen, den er ihr noch aussuchen würde und darauf das Jahr ein weiteres... und noch mal und noch mal bis sie die fünf Kinder geworfen hätte die die Mindestanzahl der vom ESA-Programm verfügten Basisnachkommen war, welche jede Frau und jedes Mädchen produzieren musste.

Sie weigerte sich. Sie würde das nicht mitmachen. Sie hatte es ihm gesagt das Samuel jetzt ihr Mann war und kein anderer, das sie das nicht mit anderen konnte, nur mit Sam. Er hatte ihr noch nicht einmal zugehört. Sie nur höflich darauf hingewiesen das Teenagerrebellion in der Arche nicht erwünscht war. Doch hier ging es um ihre Freiheit, um ihre Wahlmöglichkeiten, um Verträge die sie geschlossen hatte, ohne ihren Vater, weil sie Volljährig war. Es ging ums Prinzip.

Also hatte er sie eingesperrt und auch nicht raus gelassen als sie klaustrophobische Angstattacken bekommen hatte, es war ihm egal. Er wollte seinen Willen. Sie musste nur unterschreiben dann war sie raus und nicht mehr länger an Samuel gebunden. Doch das kam ihr wie ein Verrat vor.

Sam hatte ihr die Geschichte von seiner Liebe erzählt die ihn betrogen hatte. Was würde er nun von ihr halten, wenn sie die Verträge auflöste?

Dann hatte ihr Vater schon wieder andere Seite aufgezogen. Sie erhielt Ausgang um sich zu säubern, um zu duschen, um sich mit Freunden zu treffen. Aber sie durfte natürlich nicht zu den Ställen.

Und da sie es nicht dufte und es das einzige war, was sie noch wollte, blieb Fee nun immer in der Zelle sitzen sobald diese aufging, starrte vor sich hin und las auch nicht die Bücher die Dr. Georg ihr zu den Sitzungen mitbrachte, die er immer noch abzuhalten versuchte. Doch Fee hatte sich auch ihm nun komplett verschlossen. Sie machte einfach dicht, war nicht da, ende.

Denn er lief die selbe Schiene wie ihr Vater. Das war abgekartet. Eine Möglichkeit die sie erwogen hatten, eine Manipulation.

Mika war da gewesen und hatte sie gefragt, sehr höflich und vorsichtig, ob sie bald zurückkommen würde, Butterball ginge es besser und die Pferde würden auf sie warten.

Eine Verlockung von ihrem Vater, wusste Fee erbost und antwortete ihm nicht, sah auch ihn nicht an, wippte nur in ihrem eigenen Hospitalismus vor und zurück, vor und zurück und summte ein Schlaflied vor sich hin. Sie sah nicht wie besorgt Mika war, wie sehr ihn ihr Anblick traf und entsetzte.

Als er wieder hinausging hörte sie ihn kurz mit ihrem Vater streiten. „Feeline muss dringend in die Ställe zurück, Sir. Wir brauchen sie dort. Sie ist die Stallmeisterin. Und sie braucht die Pferde. Sehen sie denn nicht dass sie ihre eigene Tochter gerade komplett kaputtmachen, nachdem sie sich gerade erst halbwegs gefangen hat?“

Die Tür war zugeschlagen bevor sie die Antwort ihres Vaters gehört hatte aber Mika kam nicht noch einmal zu ihr.

Und so saß sie nun eine Woche später an seinem Schreibtisch und starrte blicklos vor sich hin hielt sich selbst umschlungen und betete dafür nicht schwanger geworden zu sein. Bald würde sie es wissen.... bald musste ihre Periode kommen.

FEELINE!“, brüllte ihr Vater sie plötzlich so heftig an dass sie zusammen zuckte und wieder protestierte Georg milde und sprach besänftigend auf den Vater ein.

Paul, wenn du sie anschreist erschreckst du sie nur wieder. Sei Verständnisvoll und habe Geduld!“, wies Dr. Georg ihn milde tadelnd zurecht.

Sie stinkt. Sie soll sich endlich waschen und umziehen.“, tobte ihr Vater wütend.

Na dann lass sie in die Duschen gehen. Lass ein paar Mädchen mitgehen die sich um sie kümmern und ihr helfen sollen.“, schlug Dr. Georg vor und ihr Vater nickte nur zustimmend.

Also wurden drei Mädchen, eine davon eine Soldatin die den Befehlen des Kommandanten gehorchen würde her beordert die sie zu den Duschen hinunter brachten, auch gegen ihren Willen.

Mensch, Fee, wie du nur aussiehst...?! Was hast du gemacht dich im Mist gewälzt?“, fragte das eine Mädchen, sie hieß Diana, sie angewidert, als sie ihr die schmutzigen Sachen vom Körper streiften.

Fee sah sie nur bitter an.

Das kann euch doch egal sein, ihr blöden Hühner. Ihr haltet mich alle für Verrückt dabei ist der einzige der Verrückt ist mein eigener Vater der mich eingesperrt in einer Gummizelle hält, für der nur er den Schlüssel hat, nur weil ich Sam ohne seine wehrte Zustimmung gewählt habe.“, schluchzte sie erbittert auf.

Dein Vater hat gesagt der Kerl hat dich neulich angegriffen, Fee. Du hattest einen Nervenzusammenbruch, erinnerst du dich nicht mehr, wie du getobt hast?“, meinte die Soldatin nur ausgesprochen nüchtern. „Du hattest Panikanfälle und jetzt solltest du dich endlich mal wieder duschen, Kleine. Dein Vater hat nämlich recht, du stinkst. Und wenn du nicht willst das ich dich einreibe dann mach jetzt selbst sonst kommen wir hier nicht vor Mitternacht raus.“, befahl sie Feelin betont forsch und hielt ihr Seife und Shampoo hin.

Mit Todesverachtung sah Fee die Soldatin an und begann dann aber doch sich selbst zu waschen.“

Mein Vater tickt nicht mehr sauber, seid das mit Jan war. Er hat mich von allen fern gehalten, Diana, glaub mir!“, flehte sie das andere Mädchen weinend an. „Und ja, ich hatte ein paar Angstanfälle - aber er hat sie noch schlimmer gemacht. Er hat mich dann immer nur irgendwo eingesperrt, Janine. Und er hat mich da nicht raus gelassen bis ich wieder ruhig und friedlich war. Samuel hat mich, statt mich einzusperren oder festzuhalten, zu den Pferden gebracht als ich hyperventiliert habe und ja, das kommt eben manchmal vor. Wenn ich träume und mich Erinnere und gefesselt bin und denke Jan tritt und schlägt wieder auf mich ein. Verdammt, ich bin kaputt, das weiß ich selbst aber ich habe ja wohl ein Recht darauf, so wie ihr alle auch, mir selbst einen Mann auszusuchen und nicht nur als Zuchtstute für ESA her zuhalten, wie mein Vater es nun für mich plant. Jedes Jahr ein anderer Typ der es mal eben mit mir treiben soll bis ich schwanger bin und dann werde ich wieder eingesperrt bis das Baby da ist, okay? Ist das etwa der ganze neue ESA-Plan? Ist das das was man uns versprochen hat, als wir hier rein gegangen sind und die Hölle mitgemacht haben? Sie haben gesagt ich darf frei wählen und ich habe gewählt. Ich will zu Samuel! Sie haben ihn zusammengeschlagen und rüber in Arche 3 gebracht, ohne jeden Grund. Deshalb habe ich getobt, verdammt! Und das haben sie getan, nur weil ich mich geweigert habe die Verträge über unsere Partnerschaftsvereinbarung zu widerrufen, nachdem wir miteinander geschlafen hatten.

Mein Vater hält mich gefangen und ich darf nicht einmal mehr in den Stall zu den Pferden, meine Arbeit tun, meinen Nutzen haben. Das dürfte ich nur dann wieder, wenn ich die Aufhebungsvereinbarung unterschreibe und das werde ich nicht. Niemals! Ich will zu Samuel nach Arche 3!“, heulte sie wieder auf und sah die Mädchen verzweifelt an. Doch keine der Drei sagte noch etwas zu ihr. Keine der Drei half ihr. Sie kämmten ihr die Haare, zogen ihr neue, frische Sachen an und brachten sie dann zurück in ihre Zelle, obwohl sie sich wehrte, um sich trat, nach Sam schrie und schlug.


Hinter dem Badeabteil waren die Handwerker beschäftigt gewesen die defekten Wasserzuleitungen für die Duschen fünf und sechs zu reparieren. Die Handwerker kamen aus Arche 2 hatten aber für heute einen Spezialisten aus Arche 3 angefordert.
- Daniel.

Er wusste das Samuel behauptete hatte Fee wollte sich nicht von ihm trennen, hatte es aber so wie die meisten anderen für einen Fake gehalten. Wer bitte wollte denn mit dem Sohn eines Verräters zusammen bleiben wenn er oder sie erst mal davon wusste?

Doch als die Soldatin die sich wehrende Feelin am Nacken packte ihr den Arm hart auf den Rücken verbog und sie mit Hilfe der beiden anderen Mädchen zurück nach irgendwo schleifte und Fee die ganze Zeit über heulte und nach Sam schrie, standen er und die Handwerker aus 2 neben dem Badehaus und schauten sprachlos zu.

Mann die Kleine tickt nun wirklich nicht mehr ganz sauber. Hast du gesehen wie verdreckt die vorhin war?“, murmelte einer der Typen dem anderen zu.

Halts Maul und ab an deine Arbeit. Die Fasching-Show der Mädels ist vorbei.“, kommandierte der Vorarbeiter rüde und alle kehrten zurück zu ihren Rohren. Doch Daniel rief sich immer wieder Fee's Worte in Erinnerung, um sie nachher bei seinem Kommandanten und Samuel auch ja wörtlich wiedergeben zu können. Der Tag zog sich dahin, doch als er in Arche 3 eintraf hielt ihn nichts mehr. Er informierte den Staffelführer der Soldaten dass er ihn umgehend sprechen müsste wie auch den Kommandanten, erklärte ihm den Grund und rannte dann den Weg zu den Fahrzeugbaracken, wo Samuel wie immer unter einem Truck lag und die Achse wieder gerade zog.

Sam, ich hab heute deine Frau gesehen, Fee!“, platzte er heraus und Samuel kam augenblicklich unter seinem Hummer hervorgeschossen.


Nachdem Daniel seinen ersten Bericht beendet hatte, musste Samuel sich erst einmal setzen. Die hatten Fee ihre Pferde weggenommen und sie in eine Gummizelle gesperrt!

Sie sollte jedes Jahr von einem anderen begattet werden und dessen Kind bekommen, obwohl sie protestierte und auch den Auflösevertrag nicht unterschrieb. Ihr Vater war verrückt geworden und sperrte sie ein, obwohl sie unter Klaustrophobie litt – seid Jan. Er würde sie nur raus und zu ihren Tieren lassen wenn sie die Verträge unterschrieb die ihre Verbindung zu ihm auflösen würde. Fee war deshalb gerade am Durchdrehen. Die hatten sie heute zwangsgeduscht, nach einer Woche eingesperrt in ihrem eigenen Dreck. Sam atmete wie nach einem Marathon. Alles in ihm strebte danach sofort nach Arche 2 zu fahren und Fee da raus zuholen. Die Geschichte begann sich wohl gerade zu wiederholen. Paul Hoffmann entwickelte sich gerade zu seinem eigenen Vater der die Mädchen, allen voran seine eigene Tochter zwangsverbinden und befruchten lassen wollte. Wie ein Kuh...

Ich sag es nachher auch noch dem Kommandanten, Sam. Ich meine.. he, ich hab dir nicht geglaubt aber scheinbar will deine Kleine echt zu dir zurück. Sie hat zwei mal nach dir geschrien. - Ich will zu Sam, ich will zu Samuel... nach Arche 3, das hat sie gerufen, ich schwöre es.“, berichtete er ihm unsicher.

Samuel nickte nur und schloss die Augen. Sein Griff um den Schraubenschlüssel wurde fester, sei Zorn schwoll an.

Daniel wir gehen jetzt zum Kommandanten und bitten auch Dr. Merte hinzu. Sie muss das hören, will vielleicht rüber fahren nach 2 und nach Fee schauen. Ich darf sie nicht so einfach raus holen, aber... wenn der Kommandant nichts unternimmt dann ich. Noch einmal lasse ich einen Despoten wie meinen Vater nicht an der Macht bleiben. Egal in welcher Arche. Mein Vater war in Arche 3 schlimm genug und auch hier hat es langsam angefangen... und jetzt fängt Dr. Hoffmann in Arche 2 an genau das selbe zu tun.

Es ist gegen die Gesetze der Neuordnung. Es ist gegen alle Regeln... Aber erstmal gehe ich den Amtsweg. - Komm!“, sagte er zu Daniel und der folgte ihm auf dem Fuß. Unterwegs hielten ihn einige der Soldaten auf, was denn los sei und er erzählte es ihnen auf dem Weg zum Kommandanten. Über Funk verbreitete sich die Nachricht rasend schnell. Der Kommandant von Arche 2 hatte anscheinend seine eigene Tochter eingesperrt und folterte sie, nur weil diese sich ihren Gefährten selbst ausgesucht hatte. Er wollte aber seine Tochter Fee jedes Jahr von einem anderen Mann begatten lassen, wie eine Zuchtstute.

Der Kommandanten ließ sie dann aber doch eine ganze Weile warten, Dr. Merte ging noch vor ihnen hinein doch ihr Blick bewies Samuel das sie bereits zumindest in groben Zügen von irgendwem informiert worden war. Endlich öffnete sich die Tür und der Kommandant Falker-Johann kam herausmarschiert.

Einmal hatte er einen Aufstand gegen einen Despoten und verrückten Kommandanten selbst angeführt und gewonnen. Sein Gesicht war ernsthaft sein Mund grimmig zusammengepresst.

Daniel, du hast Nachrichten aus Arche 2 mitgebracht?“, überging es Samuel vollkommen, als dieser auf die Füße sprang.

Noch mehr Soldaten waren hinzugekommen und lauschten seinem Bericht über das Gehörte und Gesehene.

Falker unterbrach ihn nicht ein einziges Mal nur Dr. Merte fragte zwei, drei Sachen über Fees Zustand und ihr Aussehen nach.

Die drei Frauen haben sie festgehalten, Sir. Sie schrie wie am Spieß nach Samuel, heulte und rief dauernd, dass sie lieber zu uns, nach Arche 3 will, dass ihr Vater verrückt geworden ist. Sie hat versucht sich loszureißen, doch die Soldatin hat ihr den Arm auf den Rücken gebogen und sie abgeführt wie einen Schwerverbrecher.
Sie haben sie unten im Badehaus zwangsgeduscht, Sir. Vorher sah sie ganz schrecklich aus, als wäre sie gerade aus irgendeinem Loch gekrochen, bleich und mit roten Augen und Schatten wie Fester Adams von der Adams-Family. Sie rief zweimal nach Samuel und sagte wörtlich: Ich will zu Samuel nach Arche 3, zwei Mal, laut und deutlich.

Ich hörte außerdem das sie dort wo sie sie gerade gefangenhalten nicht aus der Gummizelle rausgelassen wird, dass sie nicht arbeiten gehen darf und nicht zu ihren Pferden, die sie immer beruhigen, wenn sie solche Panikattaken hat – wegen dem was ihr mal passiert ist.

Außerdem hat sie wohl Klaustrophobie und hat gebrüllt ihrem Vater währe das egal. Er will doch nur mit ihr Züchten, für ESA. Und wenn sie nicht den Auflösevertrag unterschreibt, der sie von Samuel Haggedorn befreit, lässt er sie nicht wieder raus... von wo auch immer. Doch das will sie nicht, Kommandant. Sie hat gebeten und gebettelt, dass ihr einer Hilft, aber sie haben sie nur wieder zurück geschleift. Eine Hand in ihrem Genick, den Arm verdreht und trotzdem hat sie sich mit Händen und Füßen gewehrt.

Das kommt unsereins doch irgendwie bekannt vor, Sir. Das war doch das Gleiche, damals mit den Mädchen aus Abteilung Sieben, die unter Zwang geschwängert werden sollten... Damals als .. General Haggedorn noch das Sagen hatte.“, murmelte er noch leise.

Er schaute kurz zu Samuel hin, der sich wieder hingesetzte hatte und mit beiden Händen die Stuhllehnen fest umklammert hielt.

der Kommandant ging unruhig auf und ab und Dr. Merte schüttelte immer wieder den Kopf. Was will Hoffmann damit erreichen dass er seine eigene Tochter zwangsbefruchten lässt und fünf Kinder für ESA dadurch schafft? Wie sollen die gut auf die Welt kommen und zu ordentlichen Menschen heranwachsen, wenn er seine eigene Tochter in den Wahnsinn treibt? Kommandant, ich bitte um die sofortige Erlaubnis mit Dr. Frauke und Dr. Gideon aus Arche 4 und 5 Kontakt aufnehmen zu können, wir fahren rüber und schauen uns die Sache an.

Wenn sie uns nicht zu Feeline Hoffmann lassen, dann werden wir das Kommandanturgesetz durchpressen. Es geht nicht das in den Archen Menschen gegen ihren Willen zur Zucht ode Scheidung gezwungen werden.

Wir sind doch keine Tiere und bei diesem Mädchen ist doch sowieso besondere Vorsicht geboten. Außerdem muss ich wohl auch noch meinen Kollegen, Dr.Georg, in Arche 2 überprüfen, ob der noch fähig und in der Lage ist seine Aufgaben zu erfüllen.

Wir sind hier Beobachter, keine Dikatatoren. Das Mädchen Feeline hat so viel entsetzliches durchgemacht...“

Und genau darauf wird Herr Dr. Hoffmann sich berufen.“, mischte sich Samuel ruhig ein und stand entschieden auf. „Fee ist emotional ein Wrack. Eine Berührung, ein wenig Nähe zu einem Mann und auch Sex... dann hyperventiliert sie meistens, dann fällt sie in Erinnerungen und Träume zurück, dann wird sie in ihrem Kopf wieder vergewaltigt und geschlagen und getreten und gefoltert.

Dr. Hoffmann denkt sie will lediglich am Programm teilnehmen. Er verschafft ihr also so wenig Männerkontakt wie nur möglich. Sie muss sich nur fünf oder sechsmal hergeben und den Akt vollziehen. Es muss ihr nicht gefallen aber das wünscht er sich auch gar nicht für sie. Er denkt an ESA. Und er denkt an die Gene seiner Familie die weiter gegeben werden sollen, ohne dabei einen weiteren Mann in seine Welt einzulassen, der ihm seine Tochter noch mal irgendwie wegnehmen könnte... Die schon so lange sein Eigentum ist.

Er will hochintelligente Kinder. Der Mann ist Physiker und Rationalist. Fee konnte sich nicht schnell genug zusammenreißen, darum reißt er sie jetzt zusammen und zieht einen Schlusstrich unter die normale ESA-Geschichte.

Er wählt also irgendeine DNA aus, dann zwingt er Feelin durch Grausamkeiten, ihre eigenen Ängste und Panikanfälle in engen Räumen, bei seinen Plänen mitzumachen – natürlich offiziell nur für ihr Überleben.

Und wenn sie die Verträge für ESA erfüllt hat soll sie für immer Ruhe haben, Ruhe und Frieden in seinem Haus und ein abgeschiedenes einsammes Leben, ohne alle Männer, ohne Freunde, ohne Konkurrenten, um ihre Zuneigung für Daddy. Doch ob Fee das auch so will fragt er sich gar nicht mehr. Er sieht nur, ah ein Mann, Tochter rastet mal wieder aus, heult, zittert, egal aus welchem Grund. Das ist schlecht und deshalb darf es nicht mehr sein.“, schloss er tonlos und grimmig.

Dr. Merte nickte nur langsam.

Klingt tatsächlich nachvollziehbar und so wie ein Vater der überaus Pflichtbewusst ist, es für seine Tochter erdenken könnte, die ein generelles Problem hat. Doch was du vergisst, Samuel, sind unsere Gesetze. Fee darf nicht auf diese Weise zur Zucht gebraucht werden. Wenn sie es nicht will - durch ihre Erlebnisse, durch ihre Leiden geprägt - dann muss sie niemals auch nur ein einziges

Kind bekommen oder einen einzigen Mann erwählen.“

Aber sie hat mich erwählt Dr. Merte. Ich bin nicht zu ihr gegangen. Ich habe sie nichts gefragt, sie nicht berührt, sie nicht angemacht, ihr nur einmal meine Winteracke ausgeliehen, als sie zum ersten Mal aus dem Berg hinaus ins Freie ging. Am nächsten Tag kam sie dann auf mich zu und machte mir diesen Vorschlag.

Ich hab ja gesagt und auch gemeint sie solle es sich doch noch einmal gründlich überlegen, weil ich ihr ja komplett fremd war, aber das wollte sie nicht.“

Freundlichkeit und Rücksichtnahme ohne Forderungen an sie zu stellen.“, nickte Dr. Merte schief lächelnd „Wenn sie in den letzten Jahren nur Mitleid, Forderungen sich zusammenzureißen und allgemeines Bedauern ihrer Situation kannte, so muss ihr dein Verhalten wie das Normalste von der Welt vorgekommen sein, dass sie sich sehnlichst zurückwünschte. Natürlich sind damit ihre Traumata nicht verschwunden, ihre psychischen Verletzungen brauchen wesentlich länger um zu heilen, wenn sie jemals heilen können. Doch sie schein mit dir recht zufrieden, wie ich es gesehen habe, Sam. Also Kommandant, darf ich hinüber und überprüfen ob die Partnerin von Samuel Hagedorn, seine vertraglich gebundene ESA-Gefährtin in Arche 2 gegen ihren Willen gefangen und festgehalten wird, zum Zwecke der reinen Zucht wie Dr. Hoffmanes sich für seine Tochter wünscht?“, fragte sie ihren Kommandant herausfordernd.

Teufel, das wissen sie genau. Mathilda... machen sie mir eine offene Leitung zu Arche 4 und 5 wir fahren da alle zusammen hinüber, alle die gerade abkömmlich sind und bringen auch unsere geballte Feurkraft an Soldaten mit um dem Kommandanten aus Arche 2 zu zeigen, dass er nicht einmal mit seiner eigenen, - wohlgemerkt erwachsenen - Tochter tun kann was er will, ohne das die Archen sich einschalten. Gleiches Recht für alle. Wo kämen wir denn sonst hin? Achim, trommel die Einheiten 1-6 zusammen der Rest bleibt hier. So viele Fahrzeuge wie gerade zur Verfügung stehen. Samuel... Wenn Feeline festgehalten wird befreien wir sie und bringen sie mit hierher... wenn du ihr Raum zur verfügung stellen willst...“

Sie wird nicht mit ihnen mitkommen, Kommandant. Sie wird keinem Vertrauen außer mir. Sie vertraut auch drüben keinem, warum sollte sie also mit ihnen sprechen oder mit Dr. Merte? Sie wird denken das ist wieder nur so eine abgekartete Sache von ihrem Vater, der ihr beibringen will das es keinen Zweck hat gegen ein solch hohes Tier wie er es ist zu rebellieren.“, warf Samuel knurrend ein.

Wahr gesprochen, Kommandant.“, meinte Dr. Merte zustimmend nickend. „ Ich bitte darum dass Samuel mit uns gehen darf. Doch er darf sich natürlich nicht in unsere Arbeit, die diplomatische Weise oder auch die handelnde einmischen. Er sollte seine Frau einzig und alleine fragen, ob sie mit ihm verheiratet bleiben will oder nicht. Das ist alles - wenn sie erlauben.“, schlug Dr. Merte vor und der Kommandant dachte lange und reiflich darüber nach, bevor er seufzend nickte.

Warum nicht? Doch wehe sie mischen sich ein, Haggedorn. Dann machen sie auch mal Bekanntschaft mit unserer eigenen Gummizelle.“, drohte er ihm eisig.

Samuel nickte nur und behielt seine ausdruckslose Miene bei.

Innerlich aber brannte er darauf Fee zu befreien. Innerlich brannte es in ihm ihrem Vater ganz gehörig in den Arsch zu treten.