Bevor ich hiermit starte eine Info!

Auch dieses Buch ist nur die unvollständige Rohfassung des eigentlichen Buches. Unkorrigiert und unüberarbeitet mit jeder Menge fehlender Szenen oder mit Szenen die zu lang sind und darum deutlich gekürzt worden sind.


Wieder mit meinen bekannten, leider oft viel zu langen Monologen, aber das ist bei mir halt im Brainstorming immer so.

Vermutlich im Sommer wird auch dieses Buch auch als Hardcover, Softcover, als E-book und sogar letztlich auch als Hörbuch zu erwerben sein. Infos dazu folgen hier auf meinem Blog sobald es soweit ist. Seelenverwandt hat einige Monate gedauert, darum verspreche ich mir nun nicht allzuviel von Diesmal aber günstiger als die Seelenverwandt-Reihe, fest versprochen!

Um mir die Sache des Neueinstellens zu erleichtern habe ich hier immer gleich mehrere Kapitel zusammengefasst, also denkt euch nichts dabei wenn das Lesen ewig dauert und habt viel Spaß

 

LG  Bea

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Solaris






- Der Durchbruch -







Bea Stache








Prolog




Die Kolonne der Lastwagen, die in den Berg einfuhr, war gewaltig und lang.

Pferdehänger, Viehtransporter, Laster voller Futtersäcke, Korn, Samen, Holz, Stahl, Vorräte, Menschen... ganz zuletzt, kamen die sehr jungen Menschen, die verängstigt und besorgt aus den Fenstern blickten.

Sie aber standen noch am Eingang des Tunnels und warteten.

Ihr Vater hatte ihr gerade wohl zum hundertsten Mal erklärt, dass ihr Handy dort unten im Berg nicht mehr funktionieren und die dort erzeugte Energie auch tatsächlich für andere Dinge, als für Musik vom „I-Pott“ gebraucht werden würde.

Als ob sich ihr Vater für die Technik von heute interessieren würde... oder für Musik.

Sie verstand es nur schwer, aber wer hier mit in eine Arche rein wollte... oder so wie sie gezwungen wurde... musste sich an die Regeln halten.

Selbst die Tochter des Kommandanten. Und dass sie mit dürfte war ein absolutes Privileg – ja klar.

ESA hatte die hiesigen Ausgewählten alle auf Herz , Lunge, Leber und Nieren getestet. Diese Arche hier war nur mit handverlesen ausgesuchten Leuten bestückt worden, alle extrem Fruchtbar, unglaublich gesund und kaum jemand über 35 Jahre alt.

Außer ihr Vater und noch so ein Typ der nun der General hier war und gerade vorne bei ihrem Vater stand.
Fee atmete tief durch und schaute zur gleißenden Sonne hinauf. Das Licht, die Wärme, es war alles so normal und

schön hier draußen.

Wie sollten sie es denn nur Jahrelang ohne all das hier tief unten in einem Berg in völliger Dunkelheit aushalten?

Die Farben und das Licht hier oben waren doch am Schönsten.

Roter Klatschmohn und blaue Kornblumen, blauer

Himmel, und die Erdfarben erst. Das helle Grün der Blätter in den Bäumen und das viel dunklere der Nadeln an Kiefern und Tannen.

Und dann auch noch einen steinernen Berg eine Arche nennen... eine Arche war ein Schiff auf dem Meer oder aber ein Raumschiff ins Weltall. Wie krass das alles war.

Nun, zumindest hatte ihr Vater ihr erlaubt ihre Gitarre mitzunehmen und sie konnte nun doch noch Dr. Sonja Bergheimer mit ihren Pferden helfen.

Ihren sanften Riesenhengst Shadow mochte sie gerne aber der Liebste, war ihr der gutmütige und wunderschön aussehende rote Willy mit der langen, gewellten Mähne. So was Liebes und Zutrauliches hatte sie noch nie gesehen. Und dann noch die vielen Stuten und die anderen Hengste... Aber es stieß ihr trotzdem besonders sauer auf das ihr Vater ihr nicht gestattet hatte ihre fünfzehnjährige Stute Polly mitzunehmen, die nun auf einer großen, weiten Wiese stand und nie wieder bewegt werden würde... vielleicht.

Vielleicht aber auch nicht.

Wenn das hier alles am Ende nur ein gewaltiger Fake der Regierung war, wie die meisten Verschwörungstheoretiker behaupteten, dann würde sie bald schon gewaltig sauer werden.

Apokalypsenfilme gut und schön. Aber egal was diese ESA-Leute und ihr Vater auch behaupteten, sie würde sich erst dann einen Typ suchen gehen, um für ESA Kinder zu machen, wenn sie es ausdrücklich von ihr verlangten, also wenn sie wieder aus dem Berg raus war. Und sie würde denen nichts von ihrer Story glauben, bevor sie es nicht mit eigenen Augen gesehen hatte.

Die Apokalypse... Das Ende der Welt, das kurz bevor stehen sollte.

Eine Sonnenerruption, die angeblich die Erde grillen würde, heute in drei Tagen. Denn dann sollte diese Solarsturmwelle angeblich hier sein, wenn das Magnetfeld der Erde (praktischerweise) gerade leider fast vollkommen zusammengebrochen war, aufgrund der massiven Erderwärmung... oder des Klimawandels... oder der gerade weit entfernten Umlaufbahn von der Sonne, die all dies hier ausgelöst hatte, weiß der Kuckuck was die Wissenschaftler da alles geradebrecht hatten. Solche Sachen interessierten sie gar nicht. Und eigentlich hatte sie ja auch mit in Arche 1 gehen wollen zu Stu und seinen Kindern, vor allem René hatte es ihr angetan, der süße René mit seinen grasgrünen Augen. Aber ihr Vater hatte entschieden, dass sie lieber mit zu ihm kommen sollte, basta.

Und alles Leben auf der Erde würde in drei Tagen enden.

- Angeblich.

Fee wusste das es hier gerade den meisten Teenagern ganz genau so erging wie ihr selbst. Das sie es kaum glauben konnten oder wollten, dass sie aus ihren Familien raus gerissen wurden für ein gigantisches und im Grunde lächerliches Experiment. Denn wenn das Magnetfeld den Sonnensturm doch ab hielt, würden sie trotzdem alle noch mindestens ein Jahr unter der Erde verbringen, in ihrem Bemühen sich da wieder auszubuddeln.

Das war der Grund warum sie die Ausloseverfahren für die Archen eher belächelt hatte, denn ernst genommen, und alles eher zynisch betrachtete, genauso wie sehr viele junge Leute aus ihrer Schule, die heil froh waren nicht in die Archen gesteckt worden zu sein. Sie wären sowieso nicht gegangen. Sie selbst ja eigentlich auch nicht... na ja... wenn ihr Vater sie nicht dazu zwingen würde.

Doch sie sagte sich einfach jetzt mal: Okay, ich geh da jetzt mit rein, Daddy, aber wehe wenn nicht die Welt untergeht... Ja, Wehe. Wenn. Nicht...!

Dann konnte der seinen behämmerten Vertrag über Teenagerrebellion, die er bei ihr in den Tunneln nicht sehen wollte und was sie letzte Woche hatte unterschreiben müssen, ganz einfach vergessen. Denn sie würde dann so was von rebellieren...


Fee! Steig jetzt ein. Wir sind die Letzten!“, rief ihr Vater sie ins Auto und sie sah sich noch einmal finster hier oben auf der Erde um.

Grünes, frisches Gras, weite Wälder, hohe Berge, Wind und Vögel und Wild... Bayern eben, nichts Besonderes. Trotzdem setzte sie sich ins Auto und legte eine Hand mit finsterem Blick auf ihren Gitarrenkoffer, den sie sich nicht auch noch hatte verbieten lassen mitzunehmen und ließ sich mit dem Jeep ihres Vaters in die Dunkelheit des Berges hineinbringen.
Der Tunnel wurde gleich hinter dem Militärjeep ihres Vaters mit meterdicken Sicherheitstoren aus Kruppstahl verschlossen, welche noch heute beginnend und dann in den nächsten zwei Tagen folgend mit eiskaltem Wasser geflutet werden würden.

Die noch übrigen Hohlräume des Tunnels im Zwischenraum würden gleichfalls mit flüssigem Beton aufgefüllt, dann gab es keinen Ausweg mehr aus dem Steingrab... dieser künstlichen Pyramide.

Sie würden mindestens ein Jahr und fünf Monate brauchen, um sich da ganz alleine wieder auszugraben, wenn sie keine Hilfe von Außen erhalten würden, dachte sie noch tief durchatmend, weil todunglücklich und schaute nur noch sehnsüchtig aus der Heckscheibe guckend zu, wie die gewaltigen Tore sich nun rumpelnd schlossen und alles Licht verging.






1. Kapitel




Jahr: 02

Tag: 1096 n.A.


Der Bildschirm schien regelrecht zu explodieren.

Die flammenden Eruptionen, die das Filmmaterial zeigten, waren gewaltig.

Wie gebannt starrten die über Achtzehnjährigen alle auf den Bildschirm, der den Menschen im Raum zeigte was vor zwei Jahren auf der Oberfläche der Erde vor sich gegangen war.

Die allerletzten Videoaufnahmen, die allerletzten Übertragungen von draußen, normale Menschen, die da standen, saßen, gingen und in ihren Wagen fuhren. Sie wurden von einer Wand aus grell leuchtendem Feuer das vom Himmel herab geschossenen kam getroffen, schrien, kreischten und fingen Feuer.
Sie rannten... wenige Augenblicke nur... als lebende Fackeln herum und starben schließlich qualvoll, ehe auch die letzten Satelliten von den heftigen Sonnenstürmen erfasst und gegrillt worden waren.

Doch die vielen Einzelszenen, die man in den unterirdischen Bunkern empfangen, gesammelt und gespeichert hatte und die jeweils nur wenige Sekunden der Apokalypsen-stunde 0 umfassten, waren überwältigend.

Bäume brannten lichterloh, fast wie Zunder. Tiere

rannten brüllend, röhrend, fiepend um ihr Leben, ohne jede Hoffnung auf Rettung. Brennend und zum Teil auch schon halb verkohlt saßen Gäste an Bistrotischen der lagen am Boden, der sich langsam aufweichte.
Auch ganze Autos schmolzen innerhalb von Sekunden zu Bleiklumpen zusammen in diesem glühenden sengenden Feuerball, der da in der Atmosphäre verbrannte und die Erde glühen ließ.

Eine Einstellung aus dem All zeigte den Ausbruch eines gigantischen Riesenvulkans in Italien der bis ins All hinauf zu sehen war. Es sah aus, als wäre auf Erden eine Atombombe explodiert oder ein Komet eingeschlagen.

Es gab außerdem auch noch Bilder die von drinnen aus den Häusern gemacht wurden oder aus Bunkern etwas tiefer unter der Erde, in denen die Politiker betend gehockt und gebangt hatten, vergeblich.

Kommentare, Gebete, Verzweiflung... geschrien, gebrüllt... bevor auch die Filmenden letztlich durch die Schmelzenden Steine vernichtet wurden, weil die Hitze in den ersten zwei Kilometern der Erdkruste auf über 1000 Grad Celsius anstieg. Häuser platzten unter der Feuerwelle auseinander und schmolzen. Andere wehten davon wie unter einer Atomexplosion. Gasleitungen explodierten und löschten ganze Straßenzüge auf einmal aus. Schreie, Tod, Leid... grenzenloses Leid in einem Flammenmeer das aber dann doch ein allzu rasches Ende fand.


Fee atmete tief durch um sich zu fassen und bemerkte wie sich viele der anderen jungen Leute krampfhaft an den Stühlen festhielten oder in Taschentücher hinein schluchzten, bevor sie ebenfalls wieder auf den Bildschirm starrte.

Des Asphalt kochte gerade zu einer teerartigen Masse zusammen. Sah aus wie Lava, nur komplett schwarz. Die Luft war gelb... orange... rot... Feuerrot. Die Atmosphäre hatte sich wie angekündigt ebenfalls entzündet und löschte allen Sauerstoff aus, heizte alles was da auf Erden war auf, die ganze Erdoberfläche verwandelte sich binnen weniger Minuten in einen Megavulkan. Und auch der Yellow-Stone auf der anderen Erdseite brach unter dem Druck der Erdmassen mit einer apokalyptischen Urgewalt aus, ebenso wie alle Vulkane in Neuseeland, Asien, Island und Hawaii.


Es war inzwischen alles nur noch Geschichte.

Der letzte Unterricht der Teenager vor ihrem Abschluss, die nun schon alt genug waren diese Bilder zu sehen und zu verstehen.

Geschichte, aber leider noch nicht ganz so lange her. Nur gerade mal zwei Jahre.

Doch die Erdoberfläche hatte sich seit dem Mega-Sonnensturm wieder auf normale Temperaturen abgekühlt. Die Kruste hatte sich dort oben neu gebildet, denn auch der Regen war zurückgekommen.

Im zweiten Jahr... Wäre ihr Vater nicht gewesen, hätten die Menschen in den Archen sich da schon nach oben gewagt und wären jämmerlich umgekommen. Die tatsächlich sintflutartigen Regenfälle hatten die Berge, die nur noch Hügel waren ausgespült und die Ozeane wieder aufgefüllt. Milliarden Hektoliter an Wasser, die zuvor verdampft waren und sich in der oberen Atmosphäre gesammelt hatten, wo es für das Feuer zu wenig Sauerstoff gab und die Kälte nicht zuließ dass die Wolken vollends verdampften, waren wochenlang auf die noch immer zu heiße Erdkruste herabgestürzt.

Dennoch waren gut neunundneunzig Komma neun Prozent aller draußen lebenden Tiere im Feuersturm verendet und neunundneunzig Komma neun Prozent aller Menschen ebenfalls.

Es gab nur noch einige kleine Gruppen in den Weltarchen, die sehr tief unter der Erde überlebt hatten. Sie alle arbeiteten und bewirtschafteten ihre moderne Arche-Noah. Allerdings nur mit den Tieren die ihnen auch nach der Rückkehr an die Oberfläche nützlich sein würden, die in kargen Gegenden, die nun alle Vulkanisch waren lange überleben konnten. Schafe, Ziegen, Katzen, Meerschweinchen, Tiere, die sich schnell fortpflanzten. Hasen und Vögel, Hühner und Puten, Mäuse und Ratten, Rehe und Hirsche, die man freilassen würde, sobald die gigantische Tunnelmaschine das Loch nach draußen zu Ende gebohrt hatte.

Die einzige Möglichkeit in den unterirdischen, viele Kilometer tief reichenden Höhlen zu überleben war nämlich die Versiegelung und Einbetonierung der oberen Ausgänge gewesen. Wasserbrücken, die zu kochenden Säulen und Dämmschichten zwischen der heiß glühenden Erdkruste und dem Erdinnern wurde. Auch eine Erfindung von ihrem Vater, damit die von installierten Kältestäben heruntergekühlten Wassermassen die schmelzenden Gestein ströme auffangen und ein weiteres Vordringen und

Abschmelzen tiefer ins Erdinnere hinein verhindert würden.

Außer dieser einen Arche-Noah Schutzkammer unter

5,4 Km Erdkruste, Geröll und Lavagestein, gab es noch vier weitere in Deutschland. Alle hier in den Bergen, wo es diese natürlichen, tief hinabreichenden Höhlen gab. Sie waren Jahrelang erforscht und dann kurz nach der Sonneneruption ausgebaut und für Menschen zum überleben geeignet hermetisch von der Außenwelt abgeriegelt worden.

Gott sei Dank, hatte der Solarsturm zum Erreichen der Erde fast elf Monate gebraucht.

Nun lebten nur noch ein paar Hundert Menschen in verschiedenen großen und kleinen Höhlen. Sie waren hier unten gestapelt wie die Sardinen in der Dose, getrennt von dem Inferno und auch der sich gerade wieder zum Leben geeignet ausbildenden Atmosphäre auf der Erde.


Die Wissenschaftler hier vor Ort unterstützten diese Neubildung seid gut eineinhalb Jahren künstlich. Seid die Erdkruste sich wieder verfestigt hatte.

Es war, so erklärte ihnen ein Mitarbeiter von ESA, noch bevor sie hier hinunter geschickt worden waren, so als würden sie im Erdinneren eine Weltraumstation betreiben, nur ohne noch irgendwo Nachschub anfordern zu können. Die Vorräte, Gerätschaften, eingelagerten Nahrungsmittel, Tierfutter und so weiter, reichten für genau drei Jahre, dann war da nicht mehr viel übrig.

Sie mussten bis dahin eine Möglichkeit gefunden haben die mitgebrachten Millionen Tonnen an Samen auszusäen und Tierfutter zu ernten, wie auch Nahrungsmittel ohne viele Gerätschaften, ohne Maschinen bis auf die wenigen unbedingt notwendigen, die man noch mit unter die Erde genommen hatte, um sich hieraus wieder auszugraben.

Wenn sie dann draußen von vorne begannen, ohne Erdöl, ohne Industrie, ohne Völker und Kultur, Kunst oder Elektrizität würden sie nur noch ihren Erfindungsreichtum haben. Sobald auch die Batterien und Fahrzeuge ihren Geist aufgaben, würden sie vermutlich bald wieder wie die Neandertaler leben müssen.

Denn auch Holz gab es ja noch nicht wieder. Und Metall zu bearbeiten klappte nur in einer der anderen Archen, 3,5 Kilometer von hier entfernt.

Doch sie hofften die Erde in bestimmten Bereichen, wo später ihre neue Stadt entstehen sollte, wieder auflockern zu können und so wie früher auf Feldern auszusäen, Wälder und Gras wachsen zu lassen, als Futter für die Tiere. Alles was in Deutschland und der Welt mal gesprossen war, alles wo mal Samen existiert hatten, war verbrannt, geschmolzen, ja sterilisiert worden.

Ungefähr so musste es dem unbesiedelten Mars gegangen sein, dass der heute nur noch eine staubige Wüste war.

Die Außentemperatur, direkt nach dem Sonnensturm, musste auf der Oberfläche so wie hier monatelang ähnlich der in einem Brennofen gewesen sein, bevor die Erdkruste endlich wieder fest wurde, starr, hart... und kühl.

Paul Hoffmann, ihr Vater und renommierter Physiker hatte sie eindringlich davor gewarnt sich zukünftig noch einer falschen Hoffnung hinzugeben.

Von wegen: Ihr kommt hier aus dem Berg raus und kehrt nach Hause zurück... Dann ist alles wieder gut... Das war es nicht.

Die Welt da draußen hatte sich verändert, war ein einziger dicker Klumpen Stein geworden, mit nur noch wenigen tieferen Sedimentschichten und Wasseransammlungen in den Meeren.

Doch nun vielleicht zu salzig um noch Leben beinhalten zu können und mit sterilen Sedimentierungen die ausgewaschen worden waren und sich aber nicht mehr zum Anpflanzen eigneten.

Es sei denn man würde sie vorher wieder aufdüngen können. Aber es gab heute viel zu wenig Tiere. In jedem Land drei bis sechs Archen, mit jeweils knapp 500 Menschen, von denen die meisten rein motorisch viel intelligenter waren als der Durchschnitt, Kinder von hochgebildeten Akademikern, das schon. Aber vor allem die von Handwerkern. Vor allem Handwerkern der alten Gewerke: Steinmetze, Maurer, Bauern, Fischer, Biologen, Tischler, Mechaniker, Erfinder, Überlebenstrainer und Experten auf jedem Gebiet der Agrarwirtschaft, die Mediziner waren die einzigen, die sie aus den Gesundheitssektoren mitgenommen hatten. Chirurgen die auch Allgemeinmedizinisch wirken konnten. Begabte Studenten der letzten Semester als Nachwuchs und Leute die sich mit der Erschließung mit nur alten Techniken ohne Elektrizität auskannten und der Viehwirtschaft.

Zum Schutz aller voreinander und um den Frieden in den Archen zu gewährleisten, waren dann noch einige Soldaten dazugekommen, was auch dringend notwendig war denn in den Höhlen zu leben war nicht gerade leicht.

Und Streit wegen Kleinigkeiten gab es täglich.


Zwei Jahre lang hatte man sie in den Höhlen nun alle in dem geschult was hier bald auf sie zukommen würde.

Mann hatte vorübergehend Gruppenregierungen gebildet. Einen Anführer aus dem Militärsektor. Einige Ex-Polizisten und Soldaten, die hier in Arche 2 meist weiblich waren.

Aber wer als Mädchen einen Platz in der ESA-Arche ergattern wollte musste sich verpflichten so viele Kinder wie nur möglich zu bekommen. Entweder von nur einem Partner oder von mehreren.

Wer nun Fee’s Partner werden würde stand noch nicht fest aber so einige Gruppen hatten sich hier schon gebildet. Sebastian S56, hatte schon drei Mädchen geschwängert, seid er hier war. Jens J-243 seine Karina K-78. Die beiden waren schwer verliebt und hatten nur noch Augen füreinander. Katja und Fiona waren beide von Achim schwanger. Auf sie, Fee, hatte er inzwischen auch ein Auge geworfen, doch Fee wartete noch.

Es musste ja nicht jetzt sofort geschehen. Sie hatten ja noch immer keinen Plan was da draußen bald los sein würde, wenn sie durchstießen. Es konnte jetzt jeden Tag soweit sein, obwohl es niemand so genau sagen konnte. Fest stand nur, die Mannschaft aus Arche 3 war ihnen zu Hilfe gekommen als ihr eigener Bohrer den Geist aufgegeben hatte.

Deren Bohrer funktionierte, wohl auch dank einer guten Mechanikercrew, immer noch bestens und sie hatten zum Glück auch noch genügend Ölreserven übrig um sie zu retten.

Zumindest hofften das alle.

Und wenn sie dann erst einmal raus waren würde sicherlich alles gut sein.

Und es gab in den anderen drei Archen sicher auch noch andere Jungs die sie sich aussuchen konnte. Denn zwei Archen, 3 und 4 hatten den Durchbruch nach draußen bereits vor Monaten geschafft.

Sie gruben nun jeden Tag in den anderen beiden überlebenden Archen um sie herauszuholen.


Feeline?“, sagte plötzlich der Teamleiter und Psychologe, Dr. Georg, der den Film vorgeführt hatte und sie sah wie erwachend zu ihm auf.

Hat dich der Film so sehr mitgenommen?“, fragte er sie mitfühlend.

Fee lächelte nur schwach und schüttelte den Kopf. Die anderen Schüler waren inzwischen gegangen und wohl wieder auf dem Weg zur Arbeit, wenn sie jetzt gerade Dienst hatten.

Nein, Georg. Das ist es nicht.“, gestand sie ihm leise und rieb sich die schmerzende Stirn. „Ich mache mir nur Sorgen ob die Luft da draußen wirklich wieder atembar und wirklich ohne jede Radioaktivität ist, wie sie es behaupten. Ob der Boden draußen noch fruchtbar genug für die Saat sein kann. Ob es nur noch Gestein gibt oder auch noch echte Erde dazwischen. Ob das Wasser süß genug ist, die Erdkruste kalt genug, die Lavaströme alle versiegt sind und natürlich ob die Maschinen im Tunnel von Höhle 12 irgendwann tatsächlich durchbrechen werden.

Außerdem habe ich noch keinen Partner gefunden, den ich genug leiden kann um mit ihm ein Kind zu haben, wie ich es sollte.“, erklärte sie ihm ausdruckslos.

Den Psychologen gegenüber war man immer zu absoluter Ehrlichkeit verpflichtet. Das war hier eine der Hauptregeln.

Ja, das ist nicht leicht für dich, das verstehe ich, Fee. Lass dir Zeit. Wir Menschen sind außerdem ja immer noch an Monogamie gewöhnt und nicht an Mischungen und ehe übergreifende Beziehungen oder, so wie jetzt an gar keiner Ehe ähnlichen Institutionen mehr.

Aber ich kann dich beruhigen, dass die Anführer nach Zahlreichen Beschwerden und Übergriffen, Streitigkeiten und kriegerischen Handlungen die beinahe in Anarchie ausgeartet währen das Gebot raus gegeben haben, dass ihr Mädchen euch besser doch nicht so schnell schon alle schwängern lassen müsst. Zumindest nicht bevor nicht Solaris steht.

Außerdem hat Franz euch doch im Unterricht mitgeteilt dass ihr auch gerne aus anderen Archen einen Gefährten wählen dürft, wenn euch hier niemand gut genug gefallen hat. Oder ihr sucht euch nur einen damit ihr schwanger werdet und lebt weiter alleine, natürlich betreut und mit Hilfe. Du musst keine Angst haben das du es nicht schaffen könntest.

Es geht hier immerhin um den Erhalt der Menschheit, Fee. Aber es geht auch um den Erhalt der Menschlichkeit. Mann darf euch nicht zwingen.

Also mach dir keine Sorgen. Du findest schon noch jemanden den du genug leiden können wirst um Sex mit ihm zu haben.“

Steffen S45 hat gesagt das ist nicht nötig um mit jemandem Sex zu Paarungszwecken zu haben. Mann muss sich dabei nicht einmal mögen, den Jungen nur einfach machen lassen, das ist alles.“, wiederholte sie die in letzter Zeit oft gehörten Überredungsversuche der Jungs gegenüber anderen Mädchen, die gerade extrem toll dreist waren, jetzt wo sie endlich zeugen durften.

Ich werde mich mit ihm noch einmal ausführlich unterhalten, Feeline, das verspreche ich dir. Doch wenn du ihn nicht magst musst du ihn auch nicht ertragen. Das muss hier kein Mädchen und keine Frau.“, bekräftigte er noch einmal seine Worte und lächelte Fee dann kurz milde zu.

Fee nickte ebenso kurz und stand dann auf. „Dr. Georg.“, sprach sie den Psychologen nun mit seinem vollen Titel an, den kaum einer noch benutzte nach der langen Zeit.

Ja?“

Danke. Sie können immer noch zuhören und verstehen was in mir vorgeht.“

Gesunde Kinder wird es nur aus gesunden Müttern geben und diese können nicht gesund sein, werden ihre Mütter zu etwas gezwungen, was sie nicht wollen.

Hör auf deine innere Stimme Feeline. Sie zeigt dir den richtigen Weg... und auch den richtigen jungen Mann für dich, wenn du es so willst. Keine Sorge. Wenn er kommt wird er dich kaum abweisen. Du weißt wir haben uns ebenfalls alle zu etwas verpflichtet, als wir unterschrieben haben, zukünftig für den Fortbestand der Menschheit zu sorgen. Aber zunächst bauen wir mit Arche 3 und 4 zusammen das Basislager auf, sobald wir durchgebrochen sind. Und du hast jetzt doch sicher einen Job zu erledigen, Mädchen.

Also geh schon.“, nickte er zum Ausgang hin und Feeline sprang seufzend auf die Füße.

Grüße die tragenden Stuten von mir, Feeline.“, rief er ihr noch hinterher und Fee musste unwillkürlich lächeln.

Die Liebe zu den Tieren war das Einzige was der Psychologe und sie gemein hatten. Und der einzige Grund für Fee nicht auf zugegeben. Nach dem tragischen Unfall-Tod von Sonja S206 gab es keine offizielle Tiertrainerin mehr, die die Pferde am Pflug weiter hätte ausbilden können. Doch Fee hatte es irgendwann einfach mal versucht, weil sie der Trainerin zugesehen hatte.

Sie hatten das Probefeld umgepflügt, geeggt, und wieder umgepflügt, immerzu. Sie hatte ein paar von den an gefährlichen Jobs interessierten Jungs und Arbeitern darin unterrichtet und ihnen sogenannte Buddys also Pferdekumpels zugewiesen, mit denen sie nach langem Hickhack, Verletzungen und Gefluche auch einigermaßen zurecht kamen.

Die Stuten dagegen waren nur dazu da um zu tragen und zu gebären, die Hengste um zu zeugen und zu schuften. Artenvielfalt eben. Und nächstes Jahr würden andere Hengste auf den Stuten aufsteigen. Genauso wie die Mädchen sich besser noch andere Gefährten zur Zeugung eines Kindes suchen sollten, nicht nur einen Einzigen. Um die Artenvielfalt zu erhalten und Inzest vorzubeugen.

Jede Verbindung wurde haargenau dokumentiert, mit einem Stammbaum versehen und hinterher würden bei Zweiflern auch noch Vaterschaftstests gemacht werden im Archelabor, um hundertprozentig zu wissen wessen Kind das nun war und wer von wem abstammte. Dann durften sich zwei Generationen lang die Verwandten, auch die zweiten Grades nicht untereinander vermischen, wenn sie sich Partner suchen gingen. Dann wäre der Inzest nicht mehr so gegeben und die Auswahl an Partnern wieder größer.

Tja, das Mittelalter hatte sie eben alle wieder.

Sie machte sich auf den Weg durch die Tunnel zu den Tiergehegen. So weitläufige Flächen in einem Berg hätte man wohl keinem Menschen zugetraut auch nicht das lange verbleiben und überleben unter der Erde. Doch Tageslicht-Lampen sorgten für den Vitamin D-Ausgleich und ließen sogar hier unten auf dem Übungsfeld Gräser und im Treibhaus Gemüse wachsen.

Der Sauerstoffgehalt war dank der vielen Hundert Luftfilter gut genug, die Temperatur wegen der Erdwärme von Lavaströmen auf jetzt noch mindestens 20 Grad, aber doch langsam im Abkühlen begriffen. Im nächsten Jahr würden die Höhlen nur noch 15 Grad haben im darauffolgenden nur noch 10. Im ersten Jahr hatten sie 26 Grad gehabt und immer geschwitzt. Doch das war bei einer anfänglichen Temperatur von beinahe 1000 Grad Celsius an der Oberfläche wohl noch angenehm zu nennen.


Bei den Tieren angekommen herrschte die allgemeine Hektik vor der Fütterung.

Gut dass du da bist Fee. Kannst du dich gleich um Gilly kümmern? Die macht wohl so komisch, als wollte sie heute abfohlen, meint Mika.“, sagte Erika, ein Aushilfsmädchen das bereits wieder ein Gesuch um ihre Versetzung wegen Schwangerschaft eingereicht hatte, erleichtert als sie an die Container herantrat, in denen die Pferde ihre Boxen hatten.

Fee hielt sich nicht lange mit ihr auf. Die Kleine war kaum zwei Wochen hier gewesen und hatte die Pferde nie auch nur einmal angerührt.

Angsthase, dachte sie verächtlich und joggte sofort hinüber zum Stutenbereich, wo schon mehrere Jungs und ein Paar Mädchen gespannt schwatzend und lachend vor der Box der Stute standen.

Fee hörte Alex A32, der im Treibhaus arbeitete,

verächtlich sagen:

Wenn das noch länger dauert schlitze ich ihr einfach den Bauch auf, Mann. Dann ist es wenigstens vorbei und das Fohlen auf der Welt...“

Wenn du das machst, Alex, haben wir bald einen Jungen weniger für die Nachzucht von Menschen.

Mach dass du von meinen Pferden weg kommst, bevor ich Major Derek verständige, dass er dich toll dreistes Arschloch abschießen soll.“, mischte Fee sich scharf klingend ein.

Diese Pferde werden in der neuen Welt da draußen dringender benötigt als du, um alles weiter zu führen was wir irgendwann nur noch haben werden. Also komm mir nicht mit irgendwelchen blöden Sprüchen und geh an deine verdammte eigene Arbeit, bevor ich dich auch noch deshalb melde.“, fauchte Fee ihn erbost an.

Dann öffnete sie die Gittertüre, ohne noch weiter auf die sofort kleinlaut schauenden Jungs und Mädchen, wie auch die gefährlich glitzernden Augen von Alex zu achten.

Vorsichtig trat sie hindurch, schloss das Gatter aber sofort wieder als das Pferd in dem Pferch wild röhrte, ging zu der heftig schwitzenden und gerade auch noch zitternden Stute hin, um ihre eine Hand auf deren Flanke zu legen und nachzuspüren, ob es sich hier nicht doch um eine Kolik statt um die Geburt des Fohlens handelte.

Doch die Schmerzen kamen anscheinend in Wellen, die wieder abklangen. Eindeutig so wie im Buch beschrieben. Die Wehen...

Holt Dr. Keim her, schnell! Und dann geht so weit wie nur möglich von dieser Box weg. Das ist eine schwierige Sache und Mutter und Kind müssen sich erst zurechtfinden, wenn das Fohlen geboren worden ist. Ihr könnt morgen wieder kommen, nicht früher!“, befahl Fee den Kids am Tor, die murrend und widerwillig abzogen.

Die sind wir erst mal los.“, murmelte Fee der Stute sanft ins Ohr und streichelte ihren schweißfeuchten Hals.

Und mir wird es irgendwann wohl ganz ähnlich ergehen wie dir, so als Zuchtvieh für ESA benutzt. Jährlich ein Baby werfen, schwitzen und keuchen und stöhnen und dann Mutter sein und die Kleinen aufziehen. Das hat für mich nicht mehr sehr viel mit Leben zu tun, nur noch mit Überleben.

Es ist so kalt berechnend und geplant, genauso wie deine Kinder, Gilly.

Aber bald wirst du eine gute Mutter sein und dein Fohlen haben.“, murmelte sie finster weiter und strich kräftig über ihre Muskeln, auch am Bauch und am Rücken.

Langsam schien die Stute sich etwas zu entspannen... immer wieder hatte sie Wehen, doch sie sah jetzt nicht mehr ganz so nervös aus.

Fee konzentrierte sich mit aller Macht auf die Stute und merkte deshalb gar nicht wie ein gewaltiger Krach und dann Jubel irgendwo in den fernen Höhlen auf brandete.

Der Bohrkopf aus Arche 3 war in den Tunnel in Höhle 12 durchgebrochen. Arche 2 war nun offen und die Begrüßung unter den Anführern freudig und begeistert.

Keiner dachte da noch weiter an das Mädchen bei der gebärenden Stute, als die Abgesandten und Maschinenarbeiter von Arche 3 über Nacht eingeladen wurden zu bleiben.

Ein Fest wurde improvisiert und gefeiert, endlich sollte es wieder hinaus in die Welt gehen. Endlich nach zwei ein halb Jahren Abgeschiedenheit in den Felsengrotten unter dem Berg.

*


Das Fohlen war da, eine kleine gesunde Stute. Noch ein bisschen wackelig auf den Beinen doch es war alles gut gegangen.

Zum Glück. Fee stolperte müde aus dem Paddock heraus und schloss mit bebenden Händen das Tor. Sie nahm sich noch die Zeit eine Warntafel zu schreiben der Stute und dem Fohlen absolut fern zu bleiben, um die erste soziale Bindung nicht zu kappen, dann setzte sie sich müde an die Containerwand und schloss die Augen.

Ist dir was passiert?“, fragte jemand sie plötzlich ernsthaft. Die Stimme hatte Fee noch nie gehört also machte sie die Augen auf und starrte den ihr fremden jungen, ziemlich hochgewachsenen Mann mit dem Drei- Tage-Bart und der blauen, schmutzigen Arbeiterkluft erschrocken an. Er sah aus als hätte er gerade Bergbau betrieben... Und sie kannte ihn nicht.

Definitiv.

Er war nicht von hier. Nicht von Arche 2 oder?
„Woher... was...? Wer bist
du denn?“, fragte sie den Typen nur stotternd und kam taumelnd auf die Füße hoch.

Er lehnte am Container, die Hände in den Hosentaschen und betrachtete voller Grauen ihre blutigen Hemdärmel die Brust und die Hosen, ihre Finger die noch immer blutverschmiert glänzten.

Ich frage dich noch einmal, was dir passiert ist. Du blutest! Hat dich jemand angegriffen?“, kam der Typ nun auf sie zu und ergriff fast schon hektisch ihre Hände.

Eh... nein, warum fragst du? - Alles okay...

Aber sind... sind wir etwa endlich durchgebrochen? Bist du von Arche 3 oder 4?“, fragte sie den jungen, fremden Mann wieder um Fassung ringend, während der Typ gerade ihre Hände und dann auch die Arme untersuchte und dabei ziemlich unsanft mit ihr umging.

Mein Gott, wie konntest du nur, Mädchen? Wir waren doch schon da! Wir haben doch mitbekommen dass eure Maschine kaputt gegangen ist, Gott! Aber was rede ich...? Himmel... Wir hatten schließlich die selben Probleme bei uns. Nicht genug Vertrauen das es auch außerhalb des Berges weitergehen würde. Jungs die verrückt wurden und sich auf die Mädchen stürzten, sie zu vergewaltigen versuchten oder es sogar taten. Auf einmal versuchten ein paar der Mädchen sich umzubringen.“, grollte er finster und riss nun heftig an ihren Ärmeln, um sie hochzuschieben und die Wunden zu suchen.

Fee stockte der Atem bei dem Anblick der braunen, extrem dunklen und seltsam blitzenden Augen des Typen der gar nicht weiter auf ihre stumme Gegenwehr achtete und sie unerbittlich an sich zog. Er hatte schwarze Haare, etwas zu lang, im Nacken zusammengebunden wie bei einem Rocker und seine Hände waren auch kräftiger als gewöhnlich. Ein angstvolles Kribbeln begann ihr den Rücken hinab zu rieseln. Plötzlich war ihr eisig kalt.

Lass mich los...! Ey, ich bin nicht verletzt, wirklich nicht!“, wehrte sie nun seine Versuche ihre Arme weiter oben zu untersuchen ab, doch er reagierte einfach nicht, forschte nur weiter nach Verletzungen, also gab sie ihm schließlich eine schallende Ohrfeige und stieß einen kurzen schrillen Schrei aus.

Eilige Schritte erklangen ringsherum. Soldaten die nicht weit entfernt postiert waren kamen mit den Gewehren im Anschlag um die Ecke.

Was ist hier los... Fee?“, fragte Sabrina aus der zweiten

Einheit sie erschrocken und richtete ihre Waffe auf den jungen Mann, der sofort von ihr zurückgewichen war als die Soldaten aufgetaucht waren.

Er hab sich ergebend die Hände.

Hey Leute! Ruhig mal bitte! ...Sie ist verletzt! Schaut sie an sie blutet.. ist verletzt. Ich wollte ihr nur helfen...“, hörte Fee den Fremden ernsthaft besorgt sagen.

Rüber an den Container, Freundchen... Rüber an den Container, hab ich gesagt!“, brüllte sie ihn derbe an, doch der Typ sah die Soldatin nur schwer atmend und um Fassung ringend an.

Sie blutet doch, Soldat. Sehen sie dass denn nicht? Ich wollte nur nachsehen, was ihr geschehen ist. Vielleicht bringt sie sich gerade selber um und sie stehen nur so da und richten die Waffe auf mich...?“, meinte der Typ nur erklärend, finster und doch auch aufgeregt und trat schon wieder unwillkürlich einen Schritt nach vorne, als Fee vor lauter Verwirrung und Erschöpfung taumelte.

Hans der unbemerkt hinter ihn getreten war brachte ihn nun rasch zu Fall, trat ihm die Beine weg und rang ihn runter auf die Knie. „Hände hinter den Kopf, Mann! - Fee, bist du verletzt?“, fragte der Soldat das Mädchen ebenfalls bei ihrem Anblick besorgt, doch die schüttelte nur den Kopf und lehnte sich verwirrt an die Containerwand an. „Nein... danke dass ihr so schnell gekommen seid.“, murmelte sie an Sabrina gewandt die ihr nur hart und schnell zunickte.

Hans aber war nicht so freundlich wie seine Kollegin und hieb dem fremden Typen mit dem Gewehrkolben seitlich unsanft gegen den Kopf. „Was denkst du dir eigentlich, Freundchen? Kommst hier rein und willst dich einfach irgendwo bedienen, oder was? Du bist dem Mädchen zu nahe getreten. Wir haben hier in Arche 2 strenge Verhaltensregeln. Die Frauen und Mädchen schreien nur im absoluten Notfall und nicht aus Jux und Dollerei.

Fee hier hat sich anscheinend wirklich von dir bedroht gefühlt, also halt die Klappe und lass die Finger schön da wo ich sie sehen kann.“, befahl er dem Mann eisig kalt.

Sabrina kam derweil zu Fee hin, die sich zitternd an die Containerbox anlehnte und erst mal tief durch schnaufte. „Verdammt Sabrina, was ist denn nur passiert? Wer ist der Typ eigentlich?“, beschwerte sie sich leise bei der Soldatin, die ihr nun das Gewehr auf den Rücken schiebend dabei half die Hemdärmel wieder über die Arme runter zuziehen, wie sie das gerade wollte. Doch ihre Hände zitterten dabei sehr heftig.

Das ist ein Typ aus Arche 3. Der Bohrer ist endlich durchgekommen. Wir haben gerade eine Party gefeiert. Hast du denn das alles gar nicht mitbekommen?“, fragte Hans sie stirnrunzelnd.

Gilly hat gerade abgefohlt. Ich bin schon seid Stunden hier, - konnte sie nicht alleine lassen. Es war eine Steißlage, ich musste ihr helfen. Dr. Keim ist nicht gekommen obwohl ich Alex extra geschickt hatte ihn zu holen.

Wenn ich den erwische... Fast wäre das Fohlen gestorben.“, explodierte Fee nun endlich und ihre Anspannung ließ schnell nach.

Erschöpft lehnte sie sich wieder gegen die Wand.

Ich hab dem Typ gesagt ich bin nicht verletzt, doch er grapschte an mir rum und erklärte mir was von wegen Suizidversuche bei ihnen, in ihrer Arche. Als ob ich so labil wäre, pah! Außerdem, was sollte ich bitte von dem da halten. Der hat mir nicht mal gesagt wer er ist. Was er hier macht. Ich dachte schon es hätte sich einer in einer Unterirdischen Höhle neben unserer Arche versteckt und wäre irgendwo durchgekommen, um hier Ärger zu machen. Himmel. Wie in Arche 5 mit ihrem Aufstand der noch unerlaubt Eingedrungenen im ersten Jahr.“, keuchte Fee noch einmal erstickt, dann sah sie wieder finster zu dem nun friedlich da knienden Typ hin der sogar ganz leicht aber zugleich finster lächelte... und dabei unverschämt gut aussah.

Mein Name ist Samuel.“, sagte er schließlich düster zu ihr. „Und ich hab nur nach ein wenig Ruhe gesucht, als ich zu euren Stallungen ging. Keinesfalls wollte ich mich dir aufdrängen... Fee.“, sagte er so weich wie Butter, was Fee irritierte, also sah sie ihn nur wieder böse an und wandte sich dann an Sabrina.

Okay. Alles wieder gut, also nur ein Missverständnis. Er hat mir nichts getan, also lasst ihn einfach gehen. Ist ja nichts weiter passiert.“, murmelte sie und nahm das Handtuch von Hans entgegen das er ihr für die blutigen Hände zureichte.

Danke.“

Geh dich besser mal waschen, Fee. Du siehst aus wie nach dem Kettensägemassaker. Das war früher mein Lieblingsfilm.“, grinste Hans sie neckend an, doch Fee war gerade nicht in der Laune zurück zulächeln.

Entschuldige, Fee, wenn ich dich gerade beleidigt oder erschreckt haben sollte.“, rief sich der Typ ebenfalls noch einmal in Erinnerung, als sie sich umdrehte um zu gehen.

Fee sah nur noch einmal stirnrunzelnd zu ihm zurück und nickte zurückhaltend.

Okay. Vergessen wir’s einfach.“, brummelte sie gleichgültig und ging davon zu den Gruppenduschen der Frauen.

2. Kapitel




Erst als sie in der Umkleide, wo es große Spiegel gab, sich selbst anblickte, erkannte sie wie sie auf den Typen vorhin gewirkt haben musste.

Großer Gott... ein Massaker mit der Kettensäge, hatte Hans gesagt. Doch das hier war eher die Kleidung eines Axtmörders. Sie war von oben bis unten voll mit blutigem Schleim!

Aber das Fohlen lebte.

Lächelnd zog sie die verdorbenen Kleider aus und legte sie zum Einweichen in die Wäschewannen, goss kaltes Wasser darüber und ging dann erst mal seufzend unter die warme Dusche. Erst allmählich kamen ihr die Berichte von Hans und Sabrina wieder in den Sinn, das letzte Nacht der Durchbruch geschehen war. Der Tunnel war nun also offen, der Weg nach draußen bereitet. Wie sehr sie sich auf den offenen, weiten Himmel freute und auf den Anblick des nun bestimmt sehr trist aussehenden Landes. Doch es war immerhin Land... und eine Atmosphäre die nicht mehr glühte.

Fee beeilte sich mit dem Abtrocknen und Anziehen sparte sich das Föhnen und hetzte wieder aus den Duschräumen hinaus und zu den Bohrtunneln hinüber von woher sie lautes Lachen

und Stimmengewirr vernahm.


Sie kam gerade bei der Gruppe der letzten Nachzügler an, die zusammen mit den Soldaten und Arbeitern von Arche 3 nach draußen gehen würden und schloss sich ihnen an.

Der Tunnel war ungefähr drei Kilometer lang.

Sie hatten schon von außen viel vom Berg abgetragen und die Wasserkammern im letzten Jahr komplett abfließen lassen.

Die Schmelze der Erdkruste hatte zusätzliche ein bis zwei Kilometer nach oben vernichtet und das Regenwasser hatte Geröll, den Schutt und die schartigen, losen Steine fortgespült.

So war es nun nicht mehr ganz so weit zu laufen wie früher, als sie mit den Lastwagen und Jeeps hereingefahren waren. Da war der absteigende Tunnel elf Kilometer lang gewesen

Seitlich aufsteigend hatten sie ja eigentlich mit zehn oder mehr Kilometern gerechnet. Aber es sollten nur drei sein.

So war es nicht viel mehr als ein schöner, langer Spaziergang und an der Strecke standen seitlich Wächter, die den hinausgehenden Menschen mit

starken Scheinwerfern leuchteten.

Der erste Gang an die frische Luft seit Jahren. Gleich würde sie den Himmel wiedersehen!

Fee strich sich die immer noch feuchten Haare aus

dem Gesicht zurück. Es wurde langsam kälter, je näher sie dem Ausgang kam. Sie fragte sich unwillkürlich welche Jahreszeit nun gerade draußen herrschte und ob diese sich doch vielleicht verschoben hatten, nach der Sonnen-Eruption und dem damit verbundenen extremen Klimawandel.

Zumindest hatten Wissenschaftler vor drei Jahren nicht ausgeschlossen dass es entweder eine neue Jurazeit, also feuchtwarm, wegen dem vielen Regen der in Jahr 2 runtergekommen war oder aber eine Eiszeit geben könnte, wegen der extremen und schnellen Abkühlung.

Sie hatte keine Ahnung. Aber die Wissenschaftler hatten gemeint wahrscheinlicher sei es dass sich alles nach ein bis zwei Jahren wieder einpendeln würde auf das gewohnte Klima denn die Rotation um die Erde würde von einem Sonnensturm, wenn dann nur unwesentlich beeinflusst werden und das Magnetfeld der Erde hätte sie nun inzwischen auch wieder ausreichend aufgebaut.

Sie war ja schon so gespannt herauszufinden was es da draußen noch gab.


Ungefähr drei Kilometer weiter vorne drang helles Licht ins Dunkle. Helles, blendendes Tageslicht. Die Menschen um sie herum murmelten aufgeregt und begannen darauf zu zurennen und auch Fee konnte es nun kaum mehr erwarten.

Licht... Freiheit... und die Welt war noch da, Juchhu...

Fee!“, hielt plötzlich jemand ihren Arm fest und zog sie zurück, gerade als sie mit den anderen Mädchen nach draußen laufen wollte, raus aus dem Tunnel, nur noch raus ans Licht.

Das dieser Mann sie daran hindern wollte, der gegen das blendende Licht gewandt stand und den sie darum nicht einmal richtig sehen konnte, störte sie gewaltig.

Lassen sie mich los! Ich will raus. Ich will den Himmel sehen!“, rief sie aufgeregt und zerrte bitterböse an ihrem Arm.

Nur einen Moment noch... bitte!“, sagte er knurrig klingend zu ihr und ließ sie los.

Verwirrt blieb sie tatsächlich stehen, obwohl sie sich kurz fragte, warum sie dem Fremden überhaupt gehorchen sollte. Er war ihr fremd...

- Etwa der Typ von vorhin?

Da schnaubte er plötzlich und zog sich zu ihrem Erstaunen die eigene Jacke aus

Fee, so ungern ich wieder eine Ohrfeige oder einen Tritt in die Kniekehlen von euren Wächtern hier riskieren will, wenn ich dich immerzu irgendwo auf- oder festhalte... Aber mit nassen Haaren und ohne jeden Schutz, kann ich dich da wirklich nicht raus gehen lassen.“, legte er ihr seine eigene, viel zu große Jacke um und half ihr sachte in die Ärmel rein.

Äh... warum denn nicht?“, fragte sie ihn nur reichlich verwirrt, als er... Samuel, hatte er sich doch genannt oder?... Sie nur einige Schritte herumzog und nun selbst so im Licht stand dass sie ihn tatsächlich erkennen konnte. Ja, er war es wirklich. Und er zog sie gerade an wie ein kleines Kind und setzte ihr zum Schluss sogar noch die Kapuze auf.

Das.. kann ich doch schon selbst. Warum machst du das nur?“, beschwerte Fee sich immer noch sehr irritiert bei ihm und da lächelte er wohl zum ersten mal freundlich auf sie herunter.

Da draußen ist tiefster Winter, du verrücktes Mädchen.“, schmunzelte er.

Liegt Schnee?“, fragte sie ihn atemlos vor Freude. Er ließ die Jacke los und wies nach draußen. „Sieh doch nach, wenn du dich traust.“, forderte er sie freundlich auf. Und nun war Fee nicht mehr zu halten und stolperte in der viel zu großen Jacke mit den viel zu langen Ärmeln an ihm vorbei und aus dem Tunnel heraus, wo schon die übrigen Menschen standen und andächtig die Hände ausgebreitet dastehend zum weißen, wolkenverhangenen Himmel hinaufblickten, aus dem es in wunderschönen, dicken Flocken still und ruhig schneite.

Oh Gott...“, flüsterte Fee andächtig und fing eine Schneeflocke in ihren Händen auf, sie schmolz ganz genauso wie sie auch früher schon auf ihren Händen geschmolzen war.

Der Himmel! ...Es ist ja Winter! ...Und sieh mal, es schneit!“, riefen die anderen aus und jubelten und juchzten, ebenso wie Fee die losrannte und sich jubelnd um sich selbst drehend schließlich in eine dicke Schneeverwehung warf, die Arme und Beine ausbreitete und dann einen Schneeengel machte, einfach so, Hampelmannbewegungen im Schnee... wie früher zu Hause im Garten ihres Vaters.

SCHNEE!“, jubelte sie glücklich auf und lachte

und weinte gleichzeitig, setzte sich auf und sah sich aufgeregt um. Die Luft roch so unglaublich frisch und sauber, frisches Ozon und Sauerstoff, etwas ganz anderes als die muffigen Höhlen. Die mit Generatoren betriebenen Anlagen funktionierten offensichtlich ganz ordentlich.

Himmel... und es war wunderbar.

Die Atmosphäre hatte sich wirklich wieder komplett neu aufgebaut. Sie konnten Atmen und damit bestimmt auch bald wieder so wie früher auf der Erde leben.

Erregt prustend und lachend schnaufte sie weiße Dampfwölkchen aus und sah sich einmal mehr fasziniert um. Der Berg, der vormals so riesig und urgewaltig über dem Eingang zum Tunnel aufgeragt hatte, war nahezu abgetragen. Blank geschliffen und uneben mit weißen Wolken aus Schnee bedeckt, war es vielleicht gerade mal noch so eben eine Kuppe zu nennen. Ein Hügel vielleicht.

Und drüben am schwarzen, großen Tunnelausgang stand Samuel, nur noch im Rollkragenpullover und Schal, die Hände in den Hosentaschen vergraben und blickte sie nur ziemlich forschend an. Nicht lächelnd, nicht grimmig. Einfach nur forschend mit einem nichts sagenden Ausdruck in den Augen.

Fee wurde bewusst das sie ja gerade seine Jacke

trug die sie gerade völlig durchnässte und stand schnell wieder auf, um den Schnee von sich abzuklopfen.

Sie stapfte wieder zu ihm hin und entschuldigte sich mit hochroten Wangen bei ihm.

Verzeihung. Ich hab nicht nachgedacht. Ich hab deine Jacke nass gemacht..“, meinte sie zerknirscht und wollte sie schon ausziehen, doch er hielt ihre Hände fest und ließ sie auch nach einigen Sekunden noch nicht los.

Fee... ist das eigentlich dein richtiger Name oder nur so deine Art, wie du bist, weshalb man dich so nennt?“, scherzte er plötzlich und wackelte kurz amüsiert mit den Brauen, als sie merklich errötete. „Und? Habe ich jetzt vielleicht sogar drei Wünsche frei?“, fügte er noch schelmisch zwinkernd hinzu.

Fee grinste nur kurz verlegen.

Ahm... ja, also... ich heiße wirklich Fee. Aber... was die Wünsche betrifft glaub ich eher nicht... Zumindest kann ich nicht Zaubern. Doch es ist so schön wieder draußen zu sein. Wir sind alle fast genauso weiß wie der Schnee geworden, da unten tief im Berg...“, kam sie ins Plappern, weil sie nicht wusste was sie sonst zu ihm sagen sollte und senkte schließlich schnell und verlegen den Kopf.

Sei jetzt nicht eingeschüchtert, das brauchst du nicht.“, hob er ihr Kinn zu sich an und auf einmal küsste er sie... nur ganz kurz und flüchtig, ließ sie dann einfach wieder los und trat von ihr weg.

Fee...“, sagte er wieder und lächelte hauchfein und so kurz das sie beinahe dachte es sich nur eingebildet zu haben. „Wir sehen uns sicher bald wieder. Spätestens dann, wenn ich meine Jacke holen komme.“, versprach er ihr und ging zu einem Solarmobil, in das er einstieg und die Türen schloss. Dann brauste das Mobil davon und Fee stand noch eine ganze Weile lang da und sah ihm hinterher, verwirrt, mit hart klopfendem Herzen... und auch leicht benommen. Die Arche 3 war gut dreieinhalb Kilometer von hier entfernt. Doch im

Schnee hätten es auch Zehn oder Einhundert sein können. Sie war nicht richtig angezogen, ihre Jeans waren bereits Klatschnass und sie fror erbärmlich. Auch anderen erging es nun so wie ihr. Also machten sie dass sie wieder rein in den Tunnel kamen. Für den Winter würden die Höhlen noch weiter ihre Heimat bleiben, soviel stand schon mal fest. Außerdem lernten sie nun wieder andere Menschen kennen, die die Katastrophe überlebt hatten.

Sie waren nicht mehr ganz alleine.

Fee atmete heftig aus und ein und berührte schließlich sachte ihre eigenen Lippen.

Samuel hatte sie geküsst, auch wenn er sie damit

natürlich überrumpelt hatte. Das nächste Mal würde sie ihm dafür wieder eine runter hauen...

- natürlich würde sie das tun!

Der Kerl war viel zu frech zu ihr gewesen.

Und doch hatte er ihr seine eigene Jacke gegeben und sie ihr sogar umgelegt, ihr noch die Kapuze aufgesetzt...

He du!“, rief ein fremder Soldat sie an und Fee drehte sich irritiert zu ihm um. Schmierig grinsend kam er auf sie zu.

Bist du aber ein hübsches Mädchen, Kleine. Viel

zu schade für diesen Verräter-Sohn, der eben mit dir geredet hat. Na, wie wäre es denn mit uns Zweien, eh? Ich zeuge dir ganz tolle Kinder, wirst schon sehen... stramme Mädels und kräftige Söhne!“, frohlockte er bereits.

Fee’s gute Laune war augenblicklich dahin.

Nein danke, ich habe schon gewählt.“, sagte sie aufs Geratewohl zu dem Soldaten, dessen Grinsen ihm augenblicklich aus dem Gesicht rutschte, dann aber doch zögerlich und resignierend wiederkehrte.

Er lachte wiehernd wie ein Pferd auf und klopfte sich auf die Schenkel.

Da hat der Verräter-Sohn also ebenfalls keine Chance bei dir?! Das ist gut. Idiot, es überhaupt zu versuchen. War aber klar... Die Hübschen sind immer schon alle weg.“, drehte er sich um und stampfte ärgerlich davon.

Fee blieb zitternd vor Zorn stehen und sah einmal mehr hinter einem Fahrzeug her, dass sich gerade zu Arche 3 davonmachte.

Warum hatte sie das jetzt gesagt? Nun würden die Kontrolleure sie sicher sofort zum Gespräch einladen, damit ihre Partnerwahl dokumentiert würde.

Sie musste dann später mit einem Kerl zusammen ziehen, wenn die Häuser der neuen Siedlung stehen würden. Vielleicht hatte er ja auch schon mehrere Frauen bei sich. Das wäre dann doch echt unangenehm für sie, oder?

Aber wenn Samuel echt der Sohn eines Verräters war, dann wollte ihn vielleicht auch keine Frau so gerne haben – trotz seines echt guten Aussehens und umwerfenden Lächelns.

Und sein Kuss eben war ihr auch gar nicht so unangenehm gewesen, wie einer von anderen Typen. Im Gegenteil.

Und sie musste sich sowieso irgendjemanden aussuchen, also warum nicht gleich einen, der halbwegs nett, zurückhaltend und mitunter auch Rücksichtsvoll sein konnte? Er hatte ihr seine eigene Jacke gegeben ohne Hintergedanken, oder? Er hatte sie geküsst, aber nicht angemacht. Nicht so wie sein schmieriger Arche 3-Kumpel der schon fast die Hand im Schritt gehabt hatte.

Sie hörte die Soldaten der fremden Archen in der Nähe des Eingangs über die Vorzüge und Nachteile der Arche 2 - Frauen reden, so als wären sie alle nur Zuchtstuten und keine Menschen.

Gott sei Dank lag das Wahlrecht aber auch bei ihnen und nicht nur bei den Kerlen.

Wieder dachte Fee an diesen Samuel und ob sie es

mit ihm denn so schlecht treffen würde? Wenn alle Stricke rissen und er war doch ein Arsch...? Sie mussten sich ja eigentlich auch nur begegnen wenn sie ein Kind zeugen mussten und später dann, wenn's unterwegs war, konnte sie nein sagen und sich noch viel später, nach der Geburt einen anderen Typen suchen... Wenn sie das wollte und Samuel auch nichts dagegen hatte eine andere Frau zu bekommen.

Diese lächerlichen Zuchtpläne... Warum der Natur nicht freien Lauf lassen?, fragte sie sich wieder einmal und drehte sich wieder zu den Bergen um... oder na ja, zu dem, was früher mal echte Berge gewesen waren, als sie alle hinab gewandert waren. Es war nun nur noch hügelig, ringsherum, das ja, aber so richtig hoch reichten die Spitzen nun nicht mehr. Alles runter geschliffen und abgetragen mit Kuppen aus weichem Schnee bedeckt. Es würde den Neuanfang sicher erleichtern, wenn sie ohne enorme Lawinen leben mussten, ohne Steinschläge oder Erdrutsche.

Aber es zugleich würde es ihnen das auch schwerer machen die tatsächliche Höhe herauszufinden, in der sie nun lebten. Hoffentlich schwirrten da oben noch ein paar Satelliten herum, die der Sonneneruption entgangen waren.


Fee! Es wird bald dunkel! Komm wir sollen zurück gehen!“, rief ein Soldat aus Arche 2 der nicht weit entfernt am Tunnelausgang stand. Sie gehorchte und drehte sich um, doch wieder kam sie nicht weit. Weitere Arche 3 Typen, die gerade aus Arche 2 herauskamen, stellten sich feixend vor ihr auf.

Na Kleine? Der Geile Erik sagt du hast schon einen Beschützer und Zuchtpartner? Aber deine Typen aus 2 sagten uns gerade, den hast du noch nicht. Was also soll dein Geflunker? Wolltest du nur Erik los werden?“, stellte sich der Kräftigste von den Vieren vor ihr auf und sah sie von oben bist unten über aufmerksam, ja beinahe lüstern an.

Nein.“, gelang es ihr trotzdem ruhig zu sagen. „Das war kein Fake. Ich habe tatsächlich schon gewählt, aber das weiß hier noch niemand. Ich wollte damit eigentlich noch warten bis wir raus sind, weil ich mich um die Pferde zu kümmern habe und es niemanden in 2 gibt der das besser oder überhaupt außer mir machen kann.

Schwanger hätte ich der Arche nicht viel genutzt und mein Vertrauen in fremde Archetypen war auch nicht besonders groß, dass die uns bald ausbuddeln würden. Es war mein Recht zu warten, wenn ich wichtige Arbeit zum Wiederaufbau leisten musste und immer noch muss und nun geht mir aus dem Weg.“, befahl sie dem Typen eisig.

Sag uns den Namen, von dem, den du dir ausgesucht hast. Sonst glaubt es dir keiner, Mädchen.“, bohrte der Typ weiter herum und hielt sie plötzlich am Arm fest.

Fee sah zu dem wartenden Soldaten aus Arche 2 hin, der

sich bei ihrem Hilfesuchenden Blick automatisch in Bewegung setzte. „Fee! Komm jetzt!“, rief er barscher als eben noch, doch in seinem Blick stand Sorge.

Früher hätte sie gerne mal was mit Tim- T67 angefangen, doch er hatte schon jetzt drei Frauen unter seinen Schutz genommen und geschwängert, weil er immer so nett und Hilfsbereit war. Nummer 4 in seinem Harem wollte sie nun wirklich nicht sein, zumal er sich vor weiteren Angeboten nicht retten konnte.

Nun trat er zwischen die Soldaten aus Arche 3 und richtete seine Waffe auf den Kerl, der sie festhielt.

Loslassen. Sofort!“, befahl er grimmig.

Der Soldat gehorchte ihm sofort, aber mit aufgesetzter Gleichgültigkeit. Nur seine Augen funkelten noch boshaft.

Jemanden der eine Frau bedrängt und ausfragt, festhält und unhöflich ist, will keine haben.“, wies Fee ihn leise zurecht und trat vor Tim, durch die Lücke durch und ging auf den Tunnel zu.

He, Leute, ernsthaft, lasst sie in Ruhe.

Ich weiß ja wie ihr euch bei ihr fühlt. Sie sieht echt umwerfend und heiß aus, und dabei macht sie sich nicht nicht mal groß zurecht dafür. Mir ging es selbst mal genauso wie euch jetzt und ich hab sie auch an gebaggert. Nur ein bisschen vorsichtiger als ihr. Sie ist hübsch und fleißig und nicht so vorlaut oder überheblich wie andere Mädels... aber sie ist auch unser eingeschworener Eisberg, den hier wohl keiner mehr zum schmelzen bringen kann. Doch sie macht trotzdem einen verdammt guten Job.

Außerdem hat sie sich schon entschieden, hab ich gerade gehört.

Fee macht bei so was keine lehren Worte und muss sich auch nicht vor euch rechtfertigen. Dass wisst ihr aber alle ganz genau. Das muss gar keine Frau.

Sie wird es dem Kontrolleur bei uns mitteilen, wer derjenige ist, den sie will. Im übrigen wäre ich auch etwas vorsichtiger wie ihr sie anredet. Unser Kommandant Dr. Hoffmann ist Fee’s Vater.

Und einen Typen hat er schon erschossen, weil der sie in sein Bett gezwungen hat und da echt perverse abartige Spielchen mit ihr getrieben hat. Danach war sie mehr tot als lebendig. Und seither ist sie eben der Eisberg und außerdem nicht mehr so ganz in der Spur.

Unser Psychologe sagt das wird vielleicht auch nie mehr weggehen.

Sie verabscheut sie uns Männer eigentlich sogar. Ihr könnt dem Typ der sie vorhin noch so plump und überraschend geküsst hat gerne ausrichten was ich euch sagte.

Sie wird sich vermutlich jemanden von hier wählen der sie eben nicht so plump bedrängt, sondern sie selbst einfach entscheiden lässt.

Aber wenn ich ehrlich bin und das bin ich meistens, glaubt hier im Grunde niemand mehr so richtig daran, dass sie sich wirklich noch an das Zuchtprogramm halten und da vollständig mitmachen wird.

Vermutlich hat sie nur einen Typen gefunden der ihr ein Kind machen wird und das war's für sie. Ist vermutlich auch besser so. Also haltet bitte auch in Zukunft Abstand und fasst sie nicht an.“, forderte Tim die Kerle die nun ziemlich fassungslos aussahen ernsthaft auf und kam ihr dann mit schnellen Schritten hinterher.

Fee hatte beim Eingang des Tunnels auf ihn gewartet und nickte ihm ausdruckslos zu.

Deine Ansprache war unnötig, Tim. Aber danke für den tieferen Einblick in den Glauben unseres Doc über mein Seelenleben. Nur zu deiner Info und ich meine es ernst. Ich habe jemanden gewählt und werde den Vertrag erfüllen. Es muss mir nicht unbedingt gefallen, was dabei alles passieren muss, aber ein paar Kinder werde ich für diese Welt schon noch beisteuern und meinen Beitrag voll und ganz leisten. Das bin ich ESA schuldig und ich bezahle meine Schulden, Tim.“, fuhr sie ihn verärgert an.

Und im Übrigen... Was Jan vor fast zwei Jahren mit mir gemacht hat muss Arche 3 heute nicht mehr interessieren. Du überschreitest bei weitem deine Befugnisse und meine Intimsphäre.

Mach das ja nie wieder und tratsche auch nicht über meinen Kopf hinweg mit fremden Archen über mein ach so kaputtes Wesen. Das steht dir nämlich absolut nicht zu, Soldat!“, herrschte sie ihn noch einmal arktiseisig an uns stampfte dann an ihm vorbei in den Tunnel hinein. Die anderen Soldaten, die die Wege säumten und den Frauen auf dem Weg zurück leuchteten, hatten die Worte die im Tunnelinnern laut und deutlich widerhallten, natürlich alle mitbekommen und gingen ihr respektvoll aus dem Weg. Fee hätte auch jetzt gerade mit niemandem von ihnen reden wollen. Ihr erster Weg führe sie mal wieder zu den Pferden, zu dem Fohlen das friedlich bei seiner Mutter stand und trank. Eine zukünftige Mama für andere Fohlen, mehr Fohlen, mehr Artenvielfalt. Sie trug nun, da sie Ruhe hatte erst einmal die Daten, die Geburtsstunde und das Datum ein, das Geschlecht und die Lebensnummer. Nummer 15. Das fünfzehnte Pferd in Arche 2. Dazu bestimmt für immer und ewig jedes Jahr ein Fohlen zu haben, wenn sie erst alt genug dazu war. Ebenso wie sie selbst jedes Jahr, wenn es klappte, schwanger werden sollte. Es sei denn ihre Gesundheit war nach einer der Geburten stark gefährdet. Dann musste sie nicht.

Sie trug noch die Zeichnungen und Fellfarbe des Fohlens ein, dann kümmerte sie sich um frische Einstreu und ging nach den Anderen Pferden sehen.

Irgendwann kam der schweigsame Mika dazu, einer der Pferdepfleger und begann ebenfalls seine Runde. Pferde striegeln, Hufe pflegen, Tränken, Füttern.

Sie arbeiteten schweigend wie so oft. Auch er

hatte seine Wunden und die Pferde halfen ihm sein eigenes Trauma zu überwinden... oder trösteten ihn auch nur.

Er hatte noch nie ein privates Wort mit Fee gewechselt. Und kaum einmal einen Blick.

Feeline F 3“, sagte da plötzlich Dr. Georg hinter ihr und Fee hätte am liebsten einmal laut und deftig geflucht.

Nicht jetzt, ich komme später zu dir, Georg.“, sagte sie unwillig, doch der Psychologe vertrat ihr den Weg und hielt ihr schlicht das Formular unter die Nase.

Tim behauptet du hast heute eine Wahl getroffen. Wir werden die Lage für dich sondieren, wenn du noch nicht selbst mit dem betreffenden Mann geredet hast, Feeline, und ihm die Besonderheiten deiner Situation erklären, wenn du möchtest.“, sagte er leise und mitfühlend zu ihr.

Fee wurde augenblicklich unglaublich sauer. Nicht auch noch er... besondere Lage erklären?

Nichts macht ihr!“, fauchte sie ihn derbe an. „ Ich bin ein normaler Mensch, Doc. Und normale Menschen haben Situationen, ob nun besonders oder nicht. Ich hab es satt dass mich hier jeder als zerbrochen und bemitleidenswert ansieht. Das bin ich nicht und brauche ich nicht. Und mit dem betreffenden Typen spreche ich schon selber, keine Sorge. Ich geh nachher zum Kontrolleur und melde ihm meine Entscheidung, aber ich will von dir oder meinem Vater keine Kommentare, keine Einwände und auch keine großen Reden über mich zu anderen Archen oder diesem Typen hören. Verstehst du, Doc? Tim hat denen eben gerade sowieso schon brühwarm erzählt wer ich bin und was mir passiert ist. Werde ich den Stempel also niemals wieder los den man mir so großzügig aufgedrückt hat und mir Sonderstatus gewährt, nur weil ich das Opfer eines brutalen, sadistischen Vergewaltigers im Höhlenkoller geworden bin?

Hallo? Ich bin immer noch unter Vertrag bei ESA und ich werde ihn erfüllen, wenn ich kann. Das haben sie mir doch selbst immer wieder gesagt, Doc. Ich kann frei wählen. Und wenn der betreffende dann auch mich wählt ist es okay. Außerdem kann ich noch den Zeitpunkt bestimmen und ob nach dem schwanger werden überhaupt noch was läuft.

Ich habe es begriffen Georg. Es hat mich einmal nicht umgebracht es wird mich auch zukünftig nicht umbringen, wenn ich Sex habe und dann vielleicht sogar mal normalen Sex mit einem normalen Typen, der nicht so... pervers ist. Ich bin körperlich gesund, kräftig genug, seelisch auch stabil genug, dank der letzten Jahre Therapie bei dir und nur darauf kommt es letztlich an. Es ist nun mal eine Zucht.

Oder fragen sie meine Stuten ob die für nächstes Jahr gerne wieder gedeckt werden wollen und von wem, oder doch lieber überhaupt nicht mehr?“, fauchte sie erbost und nahm wieder die Papiere auf, die sie über das Fohlen ausgefüllt hatte, um sie zur Verwaltung zu bringen und dort abzuheften.

Das hast du dir alles ja recht nett zusammengebastelt, Feeline, Aber du selbst bist kein Tier. Du bist ein Mensch. Und es ist noch nicht so lange her, da hast du in deinem Bett gelegen und kamst nicht mehr auf die Beine, hast deine Umwelt kaum mehr wahrgenommen und das für viele, viele Wochen und Monate.

Wir haben uns alle sehr große Sorgen um dich gemacht, Feeline, also musst du es uns schon verzeihen, wenn wir dich nun gerne vor weiterem Leid beschützen möchten und dir deshalb diese Ausnahmeregelung geschaffen haben.

ESA ist nicht hartherzig und böse zu den Archemenschen. Sie gehen nicht gewissenlos über Leichen. Wir sind alle immer noch ganz normale Menschen, mit hoffentlich normaler Moral, also verhalte du dich doch auch einfach menschlich und sage schlicht wie es dir geht. Sage es auch dem, den du dir ausgesucht hast, falls es wirklich jemanden gibt. Wenn du möchtest begleite ich dich auch psychologisch bei deiner Partnerfindung.“, bot er ihr an, doch Feeline riss ihm nur die Zettel aus den Fingern und griff nach dem Stift.

Ich muss seine Kennung noch raus finden. Es ist ein Typ aus 3. Ich hab ihn heute kennen gelernt und weiß nur den Vornamen. Dunkle Haare, gut gebaut. Er ist locker drauf und macht mich auch überhaupt nicht so schleimig von der Seite an. Perfekte Zuchtbedingungen finde ich, denn kuschelweiche Kerle, die auch noch Gefühle haben wollen, kann ich absolut nicht mehr ab. Er ist aber auch rücksichtsvoll genug, denke ich. Hat mir draußen seine Jacke geliehen, als es geschneit hat.

Es wird schon klappen... für ein oder zwei Kinder. Ich muss ja nicht für immer mit ihm zusammen bleiben, wenn es nicht funktioniert.“, murmelte sie kalt und steckte die Papiere dann hinten in ihre Hosentasche rein.

Der Arzt sah sie nur wieder besorgt an.

Du weigerst dich immer noch zu empfinden, Feeline und das ist nicht gerade eine gute Basis um eine Partnerin für einen Mann zu werden.“, urteilte er milde und hob beschwichtigend eine Hand als sie wieder wütend zu ihm herum fuhr.

Nein, hör mir zu. Es kommt ESA nicht nur auf eine Menge toll gebauter und gut aussehender Kinder an, es müssen auch seelisch stabile und ausgeglichene Wesen sein, die da aufgezogen werden, um den Überlebenskampf aufzunehmen. Die Programme für die nächste Generation werden hart sein.

Sie müssen das schaffen können, die Kleinen und du auch, als ihre Mutter. Verbittert und kaltherzig nützt du niemandem was und zur Zeit würde ich eher nicht empfehlen dass du schwanger werden solltest, Feeline, auch wenn dein Vater zumindest darin anderer Ansicht ist und dich unterstützt in nächster Zeit ein Kind zu empfangen.

Ich aber möchte dass du eine richtige Partnerschaft erst einmal noch zurückstellst und einen geeigneten Mann erst einmal näher kennen lernst, erst etwas tiefere Zuneigung zu ihm entwickelst, bevor ihr euch dann später in Solaris ein gemeinsames Haus nehmt und noch mehr Kinder zeugt. Vorerst aber verbiete ich dir eine eingetragene Partnerwahl, Feeline. So Leid es mir auch tut und nun sei nicht ärgerlich, sondern denk einfach mal logisch, Mädchen.

Du bist hier nicht das Eigentum einer Zuchtstation, wie die Stuten dort, du bist kein Tier, also lass dir Zeit. Schreib den Namen deiner Wahl auf, wenn du ihn kennst. Fahre mit dem Besuchertrupp morgen rüber und finde raus wie er heißt und was er tatsächlich für ein Mensch ist. Locker und zurückhaltend sind nicht die Attribute die du in deinem Leben brauchst, Feeline. Du brauchst Nähe und Zugewandtheit, Milde und Vorsicht. Und ja, auch Rücksichtnahme und das ist der einzige Grund den du eben genannt hast, warum ich überhaupt erlauben kann, dass du morgen mit fährst um einen potentiellen Partner besser kennen zu lernen, bevor du mit mir sprichst und mir vielleicht noch andere Argumente nennen kannst warum du ihn dir auswählst.“, schloss er mitfühlend und drehte sich um, um zu gehen.

Hast du mit meinem Vater darüber gesprochen, Georg?“, fragte Feeline ihn erbost und der Arzt sah sie nachsichtig an.

Das waren seine Worte, nicht eigentlich meine, obwohl ich ihm zustimme. Er hört gerade mit, Feeline. Denn wenn es um dich geht würde er sogar alle Regeln brechen und keiner aus Arche 2 würde es ihm auch nur Ansatzweise vorwerfen.“

Doch damit beschützt er mich nicht, Georg. Damit stellt er mich nur für immer ins Abseits und das weißt du auch genau. Ein normales Leben ist für mich also unmöglich... ist es das was er denkt?

Ich bin kein Kind mehr, ich bin achtzehn! Ich kann inzwischen für mich selbst entscheiden und ich hab mich entschieden. Morgen fahre ich mit rüber und frag den Typ ob er schon eine Frau für sich gefunden hat. Und wenn er auch will, dann wird er mein Partner, egal ob mein Vater das nun erlaubt oder nicht. Das ist mein Leben und da ich erwachsen bin auch nur meine Entscheidung.“, setzte sie noch einmal nach und Georg nickte ihr unmerklich zu, mit Stolz in den Augen aber auch einiger Überraschung.

Das hat er gehört.“, formte er mit seinen Lippen und deutete auf den Knopf in seinem Ohr.

Ich werde es weiterleiten, Feeline Doch nun mach erst mal Schluss für heute, sei so gut. Du hast jetzt zehn Stunden nonstop gearbeitet oder bist in der Gegend herum gerannt.

Raus gehen war meine Freizeit, das weißt du genau. Das zählt nicht und die Pferde brauchen ihr Futter...“

Aber du auch mal eine Mütze voll Schlaf. Letzte Nacht hast du auch keine Stunde geschlafen oder so wie die anderen gefeiert, wie ich gehört habe.“

Ich mach das hier nur noch eben fertig und dann geh ich schlafen. Keine Sorge.“, murmelte Fee nur kühl und wandte sich zur nächstbesten Box um. „So... du bist dran.“, murmelte sie dem Rappen zu und griff sich sein Putzzeug. Georg ging kopfschüttelnd und Minutenlang war alles ruhig, friedlich und still, bis auf einmal Mika vor ihr stand und sie vorwurfsvoll anstarrte.

Was?“, fragte sie ihn, nachdem sie Sekundenlang zurück gestarrt hatte kalt.

Es ist dir doch egal mit wem du was anfängst, oder? Kühl und zurückhaltend bin ich auch, ich grab dich nicht an und ich helfe dir... dachte ich zumindest. Ich hab dich nicht voll gequatscht oder Witze gerissen, war freundlich und alles... aber mich hast du noch nicht mal bemerkt, oder?“, fragte er sie und es war die längste Rede... Quatsch die Einzige, die sie bisher von ihm gehört hatte. Fee wurde es kurz kalt ums Herz, als sie seine verletzte Miene sah. Doch er hatte natürlich recht. Sie hatte ihn nie richtig in Erwägung gezogen bis auf einmal ganz kurz fünf Minuten lang vor ein Paar Wochen als ihr Vater mit dem Auftrag von ESA an alle Mädchen und Frauen begann der zu erfüllen stand, nun, das sie bald hier raus sein würden. Doch dann hatte sie den Gedanken wieder verworfen, weil er ihr einfach zu abwegig erschien.

Nein, nicht Mika. Ihn konnte sie nicht auf irgendeine Weise benutzen. Konnte ihm nicht das geben was er brauchte, weil er ja auch eigentlich einer anderen gehört hatte und das von Anfang an. Aber dann war ein schrecklicher Unfall passiert. Seitdem redete er kaum noch und wenn, dann nur über die Arbeit bei den Pferden in kurzen, knappen Sätzen.

Mika...“, begann sie also tonlos zu sagen und ließ die Arme mit den Bürsten sinken, schnaufte kurz durch und fragte sich wem das hier nun mehr weh tun würde, ihm oder ihr selbst, wenn sie ihm die Wahrheit gestand. „Ehrlich... Mika, es tut mir nicht Leid dass ich dich nicht gewählt habe. Du hast einmal sehr geliebt. Und jetzt bist du so kalt wie ich. Deine Tanja ist tot, aber du bist noch da. Du willst aber wieder lieben, willst vielleicht noch eine andere Tanja finden, oder eine Simone, eine Silke, eine Andrea...“, zählte sie seine heimlichen Verehrerinnen auf, die sich aber kaum an den gut aussehenden, wortkargen Eigenbrötler heran trauten, um ihn zu fragen ob er eine Verbindung mit einer von ihnen haben wollte.

Ich aber will nicht lieben, Mika, niemals. Und deshalb habe ich dich nicht ausgesucht, aber darüber nachgedacht schon. Es wäre allerdings nicht fair. In mir ist alles kalt und irgendwie tot. Nur die Pferde wecken wieder irgendwas auf, wenn ich im Stall bin. Und weißt du, der Typ den ich ausgesucht habe ist auch so, finster und kalt und ohne richtige Gefühle. Zumindest war er das heute nicht. War total ruhig und kontrolliert. Ich glaub fast er ist auch irgendwie kaputt oder so, auch wenn er versucht hat das zu überspielen.

Aber wir müssen uns nicht so sehr mögen, oder groß lieb zueinander sein, oder gegenseitig irgendwas vorspielen, denke ich. Wir müssen nur Sex haben... einmal oder zweimal... um ein Kind zu machen, für ESA. Und das werde ich dann vielleicht wirklich lieben können.

Dich mag ich auch – irgendwie. Aber nicht so. Und ich will unser Arbeitsding nicht kaputt machen, durch meine zerstörte Art. Ob ich den anderen Typen jemals richtig leiden oder lieben kann...? Ich weiß es nicht und das ist wohl auch besser, erst gar nicht groß damit zu rechnen, denn dann wird man auch nicht enttäuscht.“, gab sie ernsthaft zu und Mika nickte nur wieder ernsthaft bevor er wortlos zurück und an die Arbeit ging.

Armer Mika, dachte Fee nur und striegelte den unruhigen

Rappen zu Ende, der bei dem Gespräch nervös geworden war. Sie fühlte sich so ausgelaugt wie noch nie. Also machte sie ihre Arbeit zu Ende und zog sich dann in ihr kleines Feldbett in der abgetrennten Nische vor den Schlafgelegenheiten zurück, dass man ihr wegen der Panikattacken und Angstzustände zugestanden hatte und zog die Vorhänge zu. Sie viel einfach um und deckte sich bis zum Hals mit der Decke zu, fröstelte ein wenig denn es schien wieder etwas kälter geworden zu sein, fand sie unbehaglich. Doch dann legte sie den Kopf auf das Kissen, zog die Knie bis hinauf an die Brust und schlief beinahe augenblicklich ein.




3. Kapitel



Oh Scheiße... schau mal, der Loser! Suchst dir ausgerechnet eine total kaputte Braut aus und versuchst so jämmerlich ungeschickt bei der zu landen. Gibst ihr auch noch deine kilometerweite Jacke, damit sie nicht friert und holst dir lieber selbst Frostbeulen... So ein Idiot!“, meinte Serkan noch höhnisch zu Sam als der aus dem Schneemobil ausstieg und wortlos wie immer zu den Duschen hinüber ging, um sich wieder aufzutauen.

Dass er dem bleichen Mädchen seine Jacke gegeben und dann auch noch gelassen hatte wahr vielleicht ein Fehler gewesen, das ja. Aber er hatte schließlich auch nicht wirklich vorgehabt bei ihr zu landen.

Immer noch ging ihm das Bild nicht aus den Kopf wie sie keuchend und zitternd, völlig am Ende mit ihrer Kraft, an der Wand des Tiercontainers gelehnt hatte, mit vollkommen blutigen Händen und mit ihren verschwitzten Haaren, die ihr wild ins Gesicht hinein hingen, als wäre sie stundenlang gerannt. Wellen von lichtem Goldblond.. und die erschütternd kornblumenblauen und extrem misstrauischen Augen... Bei der nächsten Tour übermorgen würde er sich einfach seine Jacke zurückholen. Es war ja sowieso nur ein Reflex gewesen sie zu küssen. Ein Test ob sie ihn wieder ohrfeigen würde, eine Versicherung, dass es vielleicht genau so sein musste. Samuel Haggedorn würde nie wieder einen Fuß auf den Boden bekommen – ganz ausgeschlossen.

Doch sie hatte ihn nach der kurzen Berührung ihrer Lippen nur sprachlos angestarrt, überrascht, verblüfft, aber nicht ängstlich. Das zumindest nicht. Ganz anders als zuvor in der Höhle.

Er hatte gedacht sie sei schwer verletzt gewesen, ein Unfall oder ein endlich ausgeführter Suizidgedanken, dabei hatte sie nur einem Fohlen auf die Welt geholfen, tapfere kleine Maus.

Doch wie sie geschrien hatte. Sie hatte ihn gefürchtet und das sehr. Der Panische Ausdruck in ihren Augen hatte ihm alles verraten. Es hätte nicht erst Serkans gut informierte Großmaulklappe gebraucht, um ihm klar zu machen, dass das Mädchen aus Arche 2 vermutlich die Tochter von Dr. Hoffmann war, von der man schon so viel gehört hatte, sogar in den anderen Archen in den ehemaligen Bergen.

Die sofortige Hinrichtung eines Jungen der sich bestialisch verhalten hatte und nicht nur eine Vergewaltigung sondern sogar beinahe einen sadistischen, grausamen Folter-Mord begangen hatte. – Das war das Gesprächsthema für Wochen gewesen und hatte sogar von Samuels Vater und dessen Verrat abgelenkt. Und dafür war er auch noch dankbar gewesen. Idiot der er wirklich war.

Wie es damals geheißen hatte war ein junges siebzehnjähriges Mädchen als es sich gegen die Vergewaltigung eines jungen Mannes wehrte so derbe zusammengeschlagen und mit Folterwerkzeugen gequält worden das zu befürchten stand dass sie niemals wieder einen Mann auch nur in ihre Nähe lassen würde... sich vielleicht gar selbst bei der Aussicht darauf das Leben nehmen könnte. Die Psychologin hier, Dr. Merte, hatte dem dortigen Psychologen wertvolle Tipps für die Gesprächstherapie gegeben, die er unweigerlich anfangen musste, die aber keinen großen Erfolg erzielte. Denn eigentlich hätte das Mädchen eine Frau an ihrer Seite gebraucht. Ihre Mutter war auch nicht mehr da, um ihr helfen zu können und ihr Vater hatte die Arche 2 zu leiten und für Ruhe zu sorgen, nach dieser Tat, die beinahe einen Aufstand verursacht hätte.

Kein Wunder also dass die Soldatin ihn so zusammen geschissen hatte als er Fee’s Arme gepackt hatte um nach irgendwelchen Verletzungen zu suchen. Kein Wunder auch der Tritt in seine Knie von dem anderen Soldaten. Sie passten jetzt gut auf die Mädchen auf, besonders auf sie, Fee.

Sie hieß Fee.

Tapferer kleiner Hase. Hatte ihm eine ordentliche Ohrfeige verpasst - Und er hatte sie dort draußen im Schnee auch noch geküsst.

Serkan hatte völlig recht. Er war ein Idiot. Kam mit der Hoffnung nach Arche 2, dass ihn dort vielleicht eine Frau gut genug finden könnte, wenigstens vom Aussehen her, um ihn als Samenspender für ihre Kinder auszuwählen, doch das Zölibat würde anscheinend für immer so weitergehen. Dafür hatte die Soldaten aus Arche 3 natürlich umgehend gesorgt, als sich ein hübsches Mädchen interessiert nach ihm erkundigt hatte. Er hatte es mitbekommen, verdammt. Warum hatte sie es nicht selbst bei ihm versucht, dann hätte er ein Gespräch anfangen können. Doch kein Mädchen wählte den Sohn eines Verräters. Ein Verräter der versucht hatte die Anlage 2 komplett zu übernehmen und die Frauen unter den Männern Zwangseinzuteilen, sich selbst die schönsten auszusuchen und einen auf Pascha zu machen. Der Sohn eines Mannes, der sich aufführte wie ein ausgeflippter Irrer. Doch das war sein Vater schon immer

gewesen, ein Irrer, mit einer Knarre in der Hand und viel zu viel Testosteron im Blut.

Das sie das nicht von vornherein erkannt hatten, die psychologischen Gutachter bei ESA.

Jetzt war es natürlich zu spät.

Wer hörte da schon auf das Gesetz das ein Sohn nicht für die Sünden des Vaters bestraft werden sollte? Er hatte vorher zwei Mädchen gehabt die ihn nur zu gerne gewählt hatten, die mit ihm geflirtet hatten, die er hatte beschützen wollen und bei diesem verdammten Programm teilnehmen, dass das Überleben der Menschheit sichern würde... und nun hatte er nichts mehr, gar nichts. Seine Mutter hatte sich das Leben genommen und nur der Stolz trieb ihn dazu es ihr nicht gleich zu tun.

- Was ihn wieder an das Mädchen denken ließ.

Fee...

Eine gute, liebe Fee.

Ihr Blick, als sie das Tunnelende gesehen hatte, so aufgeregt und freudig, ging ihm nicht mehr aus dem Kopf ...und wie sie sich in den Schnee geworfen hatte mit so viel Lachen und Glück in den Augen. Sie hatte die neu gewonnene Freiheit, die Erde den Himmel willkommen geheißen, sich hingestellt und nur Genossen Tageslicht auf der Haut zu spüren. Nein, sie war bestimmt nicht komplett kaputt, sie konnte noch kleine Dinge finden mit denen es ihr gut ging, die sie glücklich machten. Wahrscheinlich hatte er sie deshalb spontan in seine Jacke gepackt und geküsst.

Sie wollte leben, sie wollte die Welt wieder spüren...

Nur keinen Mann für sich gewinnen, das nicht.

Die Archen hatten darüber natürlich entschieden dass ein so krasser Fall nicht nach dem üblichen ESA-Vertrag, also ohne Ausschluss und ohne Verweigerungsrecht, behandelt werden durfte. Das Mädchen hatte sich Monatelang nicht aus dem Bett raus bewegt, sollte sogar angeblich einige Wochen im Koma gelegen haben und musste wie ein Schatten herumgehuscht sein, als sie endlich wieder stehen konnte. Körperlich schien sie gesund zu sein, doch die Seele sah wohl noch mal anders aus.

Fee... Ihre Eltern hätten sie mal lieber Unglücksrabe nennen sollen, statt ausgerechnet Fee.

Er duschte sich und zog sich um, taute langsam wieder auf, holte sich seine Mahlzeit und ging im Maschinenpark an die Arbeit. Drei Motoren mussten noch überholt und gewartet, eine Achse die verbogen war repariert und gerade geklopft werden.

Wenn den Archen erst mal die Ersatzteile ausgehen würden, hätte sein Job keinen Nutzen mehr doch im Moment war noch alles okay. Er hatte einen Nutzen. Er machte seinen Dienst, tat seine Pflicht... Darüber hinaus würde er wohl keine Frau finden die ihn auch dafür geeignet hielt den Zuchthengst zu spielen. Gott wie sehr er seinen überheblichen Vater dafür hasste, dass er ihm diese neue Chance auf ein Weiterleben so komplett versaut hatte. Er hatte Freunde gehabt, war beliebt gewesen und nun... Nada, Nichts mehr. Er war der Sohn des Verräters. Besser also sich schon mal darauf einzustellen irgendwann in naher Zukunft einen Rucksack zu schnappen und sich auf den Weg ins Nirgendwo zu machen.

Und damit in den sicheren Tod.

Kurz schloss er die Augen und schüttelte den Kopf. Verdammt solche Gedanken sollte er eigentlich nicht mehr haben. Zur Zeit war er noch mehr als nur nützlich, er wurde gebraucht. Also machte er sich wieder an die Arbeit und vergaß am besten sofort wieder wie gut es sich an gefühlt hatte die kalten aber weichen Lippen des Mädchens zu küssen, das Fee hieß aber leider so zerbrechlich wie eine Schneeflocke war. Und genauso bezaubernd.

*



Fee trug heute ihren eigenen dicken wattierten Parka in neongrün, den sie noch aus besseren Zeiten hatte. Ihre wollene neongrüne, blau und weiß geringelte Bommelmütze, ihre schwarzen dicken Polar-Handschuhe und einen dicken weichen Schal den noch ihre alte Oma selbst gestrickt hatte.

Stricken und Spinnen war wieder im Kommen, ebenso das Weben und Nähen mit der Hand.

Einige Frauen und Mädchen übten sich darinnen und Fee hätte manchmal auch zu gerne die Schaufel weggelegt, um zu lernen wie man aus den feinen Wollfäden etwas warmes und schönes herstellte. Ein neues Kleid, einen Pullover – was auch immer.

Doch sie war die Pferdemeisterin – Ausbilderin, Trainerin für den bäuerlichen Gebrauch am Pflug und an der Egge.

So, mal alle her hören! Es sind leider heute viel zu viele die mitkommen wollen, nach Arche 3 , also nehmen wir nur die mit die einen bestimmten Grund haben dort rüber zu gehen. Die Wichtigkeit wird dann eingestuft und bewertet und ihr erhaltet umgehend Bescheid.

Auf der Stelle verabschiedeten sich gut die Hälfte der Leute murrend von den Fahrzeugen. Fee drängte sich vor bis zu Hans und zeigte ihm die dicke Winterjacke über ihrem Arm.

Ein Typ von drüben hat mir die hier geliehen, als ich raus gegangen bin, weil ich noch nasse Haare hatte und nicht wusste wie kalt es gerade ist. Er hat bestimmt keine zweite und ist so zurückgefahren. Der Ärmste muss erfrieren, wenn er wieder raus will oder auf Erkundung, also muss er seine Jacke wieder haben.“, erklärte sie dem überraschten Soldaten und der nahm ihr die viel zu große und zu weite Jacke ab um sie auszubreiten.

Oh...gute Größe, okay. So viele haben die sicher nicht da drüben rum fliegen. Du kannst mitkommen, spring rein. Aber ich hoffe du weißt wenigstens den Namen deines Samariters!“, rief er ihr noch nach.

Ja klar!“, erwiderte sie nur fröhlich und kletterte in das Schneemobil.

Schon wenige Minuten später ging es los.

Der Schnee war dick, weich und weiß und es machte Spaß mal wieder unter einem nun wolkenlosen Himmel der aber immer noch eher weiß statt blau aussah dahin zu gleiten.

Es erinnerte an Kutschfahrten von früher und viel zu schnell gelangten sie bei der anderen Arche an. Nahmen den Weg nach unten in den Berg hinein und hielten dann vor dem bewachten Tunnel der tiefer hineinführen würde.

Kommt, wir haben nur drei Stunden Aufenthalt, dann fahren wir zurück. Seht auf eure Uhren und merkt euch wie lange ihr für den Tunnel braucht, damit ihr alle rechtzeitig genug aufbrecht.“, befahl Hans nur wieder und ging dann empfangen von

einem anderen Soldat mit dem er sich sogleich eifrig unterhielt in den Tunnel hinein.

Die anderen folgten aufgeregt, lachend und schwatzend, weil sie die andere Arche noch nie gesehen hatten. Jede war natürlich einzigartig und auch Fee war neugierig wie sie hier wohl ihre Tiere untergebracht hatten. Doch zuerst würde sie Samuel suchen gehen.

Es dauerte fast vierzig Minuten um den Tunnel zu durchlaufen, sie wurden bereits jubelnd von den dortigen Bewohnern erwartet. Die Männer und Jungs checkten augenblicklich die Mädels ab und drei oder vier von denen kamen auch sofort auf Fee zu, die aber umgehend Schützenhilfe von Hans bekam der sich mit seiner Waffe im Halbanschlag neben ihr aufbaute.

Das ist unsere Fee. Sie möchte heute keine Männerbekanntschaften machen nur jemanden suchen und etwas abgeben.“ stellte er klar.

Die Männer grienten enttäuscht doch zumindest einer war nett genug sich zu erkundigen wen sie denn genau suchte.

Er heißt Samuel und hat seine Jacke drüben gelassen.“, brummelte sie unwillig und sah kurz einen verächtlichen Ausdruck über sein Gesicht huschen.

Den Verrätersohn... ja, gestern kam er hier ohne wieder an mit ein paar hübschen weißlichen Erfrierungen. Den findest du dort im zweiten Tunnel links wo die Arbeitsmaschinen und Lkws stehen. Er wartet die Dinger, damit wir morgen wieder raus können. Weißt du wie er aussieht, Mädchen oder soll ich dich vielleicht begleiten?“, bot er ihr an. Offensichtlich nicht bereit so schnell aufzugeben.

Ich hab mir schon einen Partner gewählt, danke. Und ich komme zurecht.“, wies Fee ihn halbwegs höflich zurecht und stolperte unwillkürlich zurück als er noch einen Schritt auf sie zu tat.

Hans stellte sich wieder zwischen ihn und den Typen und hielt demonstrativ die Waffe hoch.

Fee hat gesagt sie braucht keine Begleitung, Mann. Lass sie in Ruhe.“, sagte er kalt und Fee drehte sich tief durch atmend um den Weg zu nehmen den der Typ ihr eben beschrieben hatte.

Was ist denn mit der Kleinen los, man darf doch mal nett zu den Mädels aus 2 sein, oder? Musst du doch nicht gleich mit der Knarre herumfuchteln.

Du Arsch mit Ohren das ist doch Hoffmanns Tochter!“, zischte da plötzlich jemand anderes laut. Fee konnte es immer noch hören, auch wenn sie schon ein paar Schritte weggegangen war und schloss ganz kurz die Augen.

Hoffmanns Tochter.

Kannte ein einziger Typ diese Geschichte mal nicht und würde sie darum auch nicht bemitleiden oder schief angucken?

Ach... echt? Mann, das ist aber schade. Sah süß aus die Kleine und ist jetzt aber voll ein Psycho, was?“

Na ja, dann lassen wir sie besser... Nicht das sie noch einen Hysterischen bekommt, nicht wahr? – Hey! Jungs passt auf die süße Blonde da hinten, die gerade weggeht... Die nicht an baggern, die ist die Tochter von Paul Hoffmann in Arche 2. Die will nur was abgeben was einer vergessen hat, also lasst sie bitte ganz in Ruhe und zeigt euch mal ausnahmsweise von eurer netten Seite.“, kommandierte der leitende Soldat aus Arche 3 laut und deutlich.
- Und Fee machte seufzend das sie aus der Höhle kam, durchquerte die zweite zur Hälfte und hielt sich dann links. Da standen eine ganze Menge mehr Maschinen als drüben bei ihnen in Arche 2. Die Höhlen waren auch viel

geräumiger als bei ihnen und mehr Menschen schien sie auch zu fassen.

Ein leiser Fluch erklang. Das Klingen eines Werkzeugs, dass auf den Boden viel.

Scheiße!“, grollte eine dunkle Stimme die ihr vage bekannt vorkam.

Kurz schien ihr Herz vor Panik zerspringen zu wollen. Vielleicht war es ja doch ein Fehler gewesen rüber zu kommen und einfach zu verkünden sie hätte sich jemanden ausgesucht.

Dr. Georg hatte ja gesagt sie müsste nicht. Sie war ein Sonderfall.. total gestört. Der Schweiß brach ihr aus, bei dem Gedanken an seine distanzierten Augen, doch er war nett genug gewesen ihr seine Jacke zu geben und selbst mit Erfrierungen hier wieder anzukommen.

Chrm...“, räusperte sie sich also kurz und klopfte bei einem Amphibienfahrzeug das neben ihr stand an die blecherne Karosserie an.

Klopf-Klopf!“, sagte sie laut und viel ruhiger als sie sich eigentlich fühlte. „Ist jemand hier?“

Ja, zum Teufel. Hörst du doch. Komm her wenn du was willst oder verschwinde wieder!“, fauchte die dunkle Stimme... die von unter dem Auto hervor kam erbost. Und kurz überlegte Fee ob sie die Jacke jetzt einfach auf den Boden legen sollte und verschwinden.

Ich... suche einen Samuel. Ich hab seine Jacke mitgebracht, die er mir gestern geliehen hat, ich komme gerade aus Arche 2.“, sagte sie und sofort kam Bewegung unter dem Auto heraus. Ein Rollbrett schoss nach vorne und Samuel lag darauf, starrte befremdet zu ihr hoch, so wie sie halbwegs erschrocken über ihre eigene Courage zu ihm runter. Doch er starrte tatsächlich nur und sagte nichts.

Oh - ach. Da bist du ja.“, sagte sie also schnell und zwang sich zu einem Lächeln, das ihr aber beinahe sofort wieder verging, weil sie so schrecklich nervös war.
„Hm...also, danke... dass du mir die gestern geliehen hast. Einer der Typen am Eingang hat gemeint du hast dir deshalb sogar Erfrierungen geholt... das tut mir Leid. Ich war dämlich nicht daran zu denken sie dir besser gleich wieder zu geben.“, begann sie nervös und mit heftig klopfendem Herzen zu sprechen, wagte es dabei aber kaum einmal ihn richtig anzusehen. Er stand nun auf und streckte wortlos eine Hand vor.

Fee atmete kurz viel zu tief durch und gab sie ihm hastig.

Entschuldige, wenn ich dich gerade bei der Arbeit gestört habe. Das wollte ich auch nicht. Ich hasse es auch wenn man mich einfach so bei den Pferden unterbricht. Die brauchen viel Aufmerksamkeit...“, plapperte sie einfach drauf los und sah verlegen zu, wie er die Jacke mit einer langsamen Bewegung bei Seite legte und sie dann wieder so eindringlich und beinahe zynisch betrachtete.

Ich beiße nicht, du kannst dich also entspannen.“, brummelte er zu ihrer Verlegenheit plötzlich finster und griff erneut nach dem Schraubenschlüssel, um irgendwas an den Lampen des Fahrzeuges auf zuschrauben.

Ähm... das hab ich auch nicht angenommen. Du... bist doch etwas höflicher als die anderen Typen hier, hab ich festgestellt. Die hätten mir gestern sicherlich nicht ihre eigene Jacke geliehen. Ähm... ich bin übrigens Fee... also Feeline heiße ich eigentlich... aber jeder sagt nur Fee zu mir. F3...“

Samuel S-12, brummte er zurückhaltend und sah wieder kurz zu ihr auf. Distanziert.

Fee zog ihre Handschuhe aus und auch Schal und Mütze und wischte ihre viel zu feuchten Hände an ihren Jeans ab.

Du bist böse auf mich, oder? Weil ich hier einfach mit deiner Jacke auftauche. Obwohl du gesagt hast du holst sie dir selbst ab.“, murmelte sie unbehaglich und trat von einem Fuß auf den Anderen. Es war wohl doch ein Fehler gewesen her zu kommen, dachte sie noch nervöser werdend.

Plötzlich legte Samuel das Werkzeug weg und sprang mit einem großen Schritt auf und ging energisch zu ihr hin.

Hör auf damit!“, befahl er ihr ruhig und hob einen Finger direkt vor ihre Augen. Seine Augen blickten fast schon besorgt, aber Fee wusste nicht wieso.

Das sie gerade so bleich wie ein Schneegeist wirkte und ihre Augen riesengroß geworden waren, sah sie ja nicht und auch nicht das heftige Zittern ihrer Finger.

Wo...Womit soll ich aufhören?“, wisperte sie atemlos und verwirrt.

Er fasste sie nicht an, lehnte sich nur neben ihr an die Karosserie des Fahrzeuges an und schnaufte tief durch.

Du kannst viel von mir behaupten Mädchen aus Arche 2. Zweifellos haben die Jungs und Soldaten schon ein paar Schauergeschichten über meinen Vater losgelassen und ich will auch gar nicht bestreiten dass der ein Irrer war.. aber ich bin nicht so. Ich habe ebenfalls gegen ihn gekämpft, zusammen mit den anderen aus Arche 3, die die Frauen und Mädchen beschützen wollten. Ich werde niemals die Hand gegen irgend jemanden erheben der Schwächer ist als ich, also sieh mich nicht an als wollte ich dich gleich fressen. Hey, hey, heyher!“, fing er sie erschrocken auf als ihre Knie unter ihr nachgaben und sie sang und klanglos zu Boden ging.

Fee hyperventilierte fast und versuchte sich wieder schleunigst zu fassen, doch sie hatte gerade wohl eine Panikattacke. Das war ihr schon ewig nicht mehr passiert, musste mit den Typen am Eingang zu tun haben, da hatte ihr Herz schon so komisch gestolpert. „Okay... okay. Sei ganz ruhig. Atme langsamer, - Himmel Fee. Langsam! Kopf zwischen die Beine... setze dich hin... runter sag ich, ja so ist es gut... gut... na also.“, hielt er sie fest aber nur ganz vorsichtig und vorüber gebeugt und hatte sie sogar irgendwo auf eine Kiste verfrachtet.

Langsam atmen, Fee. Ich tu dir nichts. Echt nicht.“, versprach er ihr nun deutlich milder klingend und ebenso keuchend wie sie selbst es immer noch tat. „Ich bin im Grunde harmlos... nur der dämliche Sohn von einem irren Verräter, klar? Das heißt aber nicht dass ich es auch bin. Dass ich seine Meinung über Frauen teile und wie man sie benutzen sollte. Ich bin seid der Sache vielleicht ein bisschen zu schroff und bitter, aber ich wollte dich wirklich nicht so erschrecken dass du darüber komplett zusammenbrichst. Also beruhige dich, ich lass dich los und dann gehst du flugs wieder zu deinen Leuten zurück, okay?“, meinte er nun sehr viel Wärmer und mitfühlender Klingend, als eben noch.

Fee kamen fast die Tränen. Sie fühlte seine kräftigen Finger um ihre Arme herum, die sie stützten und behutsamer als gedacht hielten. Er hielt sie aber dabei auch so unglaublich mühelos fest und kurz fragte sie sich was sie machen sollte, wenn er doch am Ende genauso drauf war wie Jan. doch dann sah sie ihn an und las tiefe Sorge in seinem Blick und schämte sich fast schon für ihre Gedankengänge.

Ich bin so... doof.“, keuchte sie heiser und schluchzte leise auf. „Ich wollte eigentlich ganz normal ankommen und mich nur unterhalten... ganz normal aber ich bin kaputt. Ein kaputter Mensch. Ab und zu bekomme ich wie aus dem nichts solche Attacken, es tut mir Leid, dass ich dich... damit runter gezogen habe. Ich... wollte das nicht, eigentlich wollte ich dir nur die Jacke zurückbringen und dich was fragen, aber...

Frag mich ruhig... Alles was du willst.“, bot er ihr ruhig an und sah dabei schon wieder so gelassen aus. So ruhig, das Fee schon wieder Zweifel kamen.

Du... du hast sicher schon genügend Angebote, ich meine, so wie du bist und wie du aussiehst aber ich wollte dich trotzdem fragen. Ich meine es ist unsere Aufgabe als ...die letzten Menschen der Erde dafür zu sorgen, dass wir nicht aussterben und so, aber ich bin ... zu kaputt für was normales und gutes und ich dachte... du bist ziemlich distanziert und so...“

Sam ließ sie augenblicklich los und stand wieder auf. Sein Herz klopfte ihm bis zum Hals hinauf. Verstand er sie gerade richtig?

Fragst du mich gerade ob ich schon eine Partnerin habe, Fee, oder ob ich dein Partner werden möchte?“, erkundigte er sich schließlich stirnrunzelnd.

Äh... beides, glaub ich. Wenn ich nicht doch wieder einknicke, weil ich einfach zu viel Schiss hab um normal zu sein. Ich meine... he, ich verstehe das kein Typ was mit einem Voll-Psycho anfangen will und so und ich bin auch garantiert nicht der hübscheste Mensch oder aber der umgänglichste - Aber darum geht es auch gar nicht sondern nur schlicht um ESA, oder? Ich hab diesen Vertrag unterschrieben und ... ich hab da nun echt Probleme damit bekommen... nach...nach einer Sache kurz nachdem wir unter die Erde in die Archen geflohen sind. Da war ein Typ und der... hat mich ziemlich zugerichtet, weil ich ihn absolut nicht als Partner haben wollte, er mich aber schon...“, erklärte sie ihm stockend. Samuel kam nun langsam wieder auf sie zu und setzte sich mit einigen Zentimetern Abstand neben ihr auf die Kiste.

Fee, du kannst aufhören es mir zu erklären, denn ich weiß schon wer du bist. Das weiß wohl jeder. Aber ich glaub du hast keinen Schimmer wer ich bin, wenn du mich tatsächlich fragst ob ich schon eine Partnerin habe oder sogar mehrere...“, brummelte er leise vor sich hin.

Fee zuckte nur die Schultern und schüttelte verwirrt den Kopf. „Klär mich auf.“, würgte sie nervös heraus. Samuel nickte nur finster und rieb sich die blutverschmierten Hände an den Arbeitshosen ab.

Mein Vater war General Haggedorn, General Frederick Haggedorn.“, gestand er ihr finster und sah zu seiner Überraschung, dass sie immer noch keinen Schimmer hatte.

Du hast also gar nicht mitbekommen was hier in Arche 3 passiert ist?“, fragte er sie beinahe spöttisch und sie schüttelte nur stumm den Kopf.

Er seufzte wieder und schloss kurz die Augen. „Na, dann pass mal auf: Ein wahnsinniger General der mit Waffengewalt das Kommando übernahm und unschuldige Mädchen und Frauen zu missbrauchen versucht hat. Der Professor Gideon Kohl, den hiesigen Anführer, Professor der Astro-Physik und Vorsteher der Arche 3 getötet hat, samt seiner Frau die nach seiner irren Ansicht schon zu alt zum Kinderkriegen war... und dem kleinen Sohn den sie hatten, Hanniball.

Ich hatte damals keinen Anteil daran, versuchte meinen Vater wirklich immer wieder zu überzeugen dass er da Unrecht beging, dass wir hier doch alle menschlich und freundlich und demokratisch bleiben müssen und dem ESA Programm zu folgen hätten, doch er war schon immer Größenwahnsinnig und sprach vom Recht des Stärkeren, dem sich die Schwachen zu beugen hätten. Er verbot es sogar eine Zeit lang die Funkgeräte zu den anderen Archen zu benutzen. Er ging irgendwann einfach mal davon aus das kein anderer die Feuersbrünste überlebt haben konnte, außer uns. Arche 3. Weil er da war, weil er uns alle beschützte... blabla. Und nun wollte er die Gegenleistung für seinen Schutz einfordern: Die alleinige Herrschaft in Arche 3. Er ... drehte durch. Die jungen Männer und einige der Soldaten und vor allem die Soldatinnen bekämpften ihn schließlich, verweigerten seine Befehle und stürzten ihn und seine Kumpanen, bestehend aus dem Abschaum von Arche 3. noch unverbundene und eher aggressive, selbstsüchtige Gesellen die die Vorstellung meines Vaters von einer Männer dominierten Welt in der jede Frau für Sex herhalten musste, egal mit wem auch immer. Ich bekämpfte ihn auch, noch erbitterter als alle anderen und so wurde er gestürzt und auf der Stelle hingerichtet. Meine Mutter konnte es nicht ertragen, wie die Familien sie ansahen, die bei dem Aufstand Kinder oder Freunde verloren hatten, deren Mädchen vergewaltigt worden waren - und das in unserer sicheren Arche. Sie konnte es nicht ertragen, wie man nun auch mich ansah, seinen Sohn.

Sie hat sich deshalb nur einen Monat später das Leben genommen und meine Partnerinnen die ich mir damals schon ausgesucht hatte, wie auch sie mich, wollten nichts mehr mit mir zu tun haben. Dem Sohn des Verräters. - Dem Sohn des Wahnsinnigen.

Ich werde hier gemieden, Fee. Ich bin beinahe schon ausgestoßen. Du siehst deine Idee ist nicht so gut, einfach mich zu fragen ob ich dein Partner werden möchte. Vor allem wenn du mich noch gar nicht kennst.

Du bist respektvoll... und... und hilfsbereit...“, stotterte Fee aufgeregt los, noch ohne darüber nachzudenken was er ihr gerade erzählt hatte. Das war nicht wichtig. Nichts davon war seine Schuld gewesen. Er hatte da nicht mitgemacht, es war also nicht existent. „Du gibst einem unbekannten Mädchen das dich vorher noch ziemlich stark geohrfeigt hat, nur weil du ihr helfen wolltest, ...weil du dachtest sie ist verletzt, deine eigene Jacke damit sie draußen im Schnee nicht friert. A ...Außerdem bist du distanziert und drängst dich mir nicht auf. Ich... muss Kinder haben. Ich halte mein Wort... aber ich... will nicht... kann nicht einen Mann dazu haben der... mehr will als das. Ich bin nämlich echt kaputt. Ich ... weiß dass es weh tun wird... nur ein bisschen weniger vielleicht als beim letzten Mal, weil es nicht so... brutal sein muss und vielleicht könntest du mich dabei auch bitte nicht verhauen, das wäre auch hilfreich, glaub ich ... und wenn du dann nur ein bisschen Rücksicht nimmst, dass ich ab und an abdrehe und du dabei nicht mitdrehst sondern einfach... weg siehst oder so, dann glaub ich... glaub ich könnte ich das schaffen...“

Fee, wenn du mich wirklich als Partner willst, werde ich dir garantiert nicht weh tun, nie!“, sagte er hart zu ihr und stand wieder auf, griff nach dem Werkzeug und begann wieder an dem komischen Auto herumzuschrauben, ohne sie dabei auch nur noch einmal anzusehen.

Du solltest dir selbst übrigens keinen solchen Druck machen, Fräulein Hoffmann. Es gibt hier noch viele junge Männer die besser sind als ich, nett, unkompliziert, gut aussehend... Und wenn nicht hier dann in Arche 4 oder 5. Die müssen wir nur noch zünde ausbuddeln, jetzt da wir euch ja auch raus geholt haben. Außerdem haben sie doch für dich sowieso schon alle Regeln geändert, weißt du das nicht? Du musst dir niemanden mehr aussuchen, musst keine Kinder bekommen, kannst einfach friedlich weiterleben, wenn du das so willst. Und du kannst das machen was deine Aufgabe ist, was du gerne tust.“, sagte er ihr noch weiter und schraubte etwas ab, löste die Ummantelung und wechselte eine Birne in den Lampen aus bevor er das ganze wieder zusammen schraubte.

Fee sah ihn nur irritiert und nach Atem ringend an.

Heißt das... ...du...sagst nein?“, fragte sie ihn sehr unsicher und leise, zutiefst beschämt von seiner Ablehnung.

Da blickte er aber doch wieder zu ihr auf.

Teufel nein, bist du verrückt? Ich sage Ja. Doch es geht nicht nur um mich und das was ich will, Fee. Du solltest dir dein Wort noch einmal gründlich überlegen, finde ich. Mit mir machst du wirklich keinen guten Fang. Aber ich bin ehrlich... und ich werde dich beschützen und für dich und deine Kinder sorgen, soweit ich kann und die Kinder die du von mir haben möchtest auch gut und sicher aufziehen, soweit ich das kann.

Dir ein bisschen was abnehmen, wenn du mich lässt. Und ich fasse dich auch nicht an, wenn du’s nicht willst. Nur wenn du es so möchtest.“, erklärte er ihr ebenso rau und leise, wie sie es ihm gerade erklärt hatte. Fee schluckte gleich mehrmals hart und Sam nickte kurz, kratzte sich an der Braue und lächelte schließlich ein klein wenig schief was ihn beinahe unwiderstehlich aussehen ließ. „Am besten du schläfst noch mal drüber oder so. Ich werde niemandem was sagen, wenn du es dir doch wieder anders überlegst. Und ich werde es dir auch nicht übel nehmen, wenn du Abstand zu mir nehmen möchtest, nun da du weißt was hier bei uns passiert ist und wer ich bin.“, versprach er ihr noch und schaute dann auf die Uhr.

Du solltest vielleicht langsam mal gehen es wird spät, oder nicht?“, fragte er sie kurz. Fee schaute erschrocken auf ihre Uhr. Sie hatte nur noch dreißig Minuten.

Oh Gott! Die fahren ohne mich...! Das schaff ich

doch gar nicht mehr... Ich... ich muss rennen... ich..“, wollte sie sich schon umdrehen, doch Sam schnappte sich bereits einen Lappen und wischte sich rasch die Hände ab. „Warte!“, rief er grimmig. Dann lächelte er beinahe schon schelmisch auf sie runter als er sich ihre Hand schnappte und sie mit sich zog. Auf dem Weg nahm er noch einen Schlüssel von einem Brett. „Ich hab da eine viel bessere Idee, also folge mir, Fee... Ich hoffe nur du magst auch noch andere PS als deine lahmen Gäule auf vier Beinen.“, zog er sie aus dem Maschinenbereich heraus und in eine andere, kleinere Höhle hinüber.

Dort stand eine echte, super tolle Harley, chromblitzend und gefährlich aussehend.

Oh, ich hab aber gar keinen Helm und ich bin auch noch nie...“, wollte sie ablehnen doch Sam lachte nur wieder glucksend auf.

Helmpflicht besteht schon längst nicht mehr. Komm schon, steig auf, sei kein Hase, Fee. Damit sind wir viel schneller, sogar wenn ich nur langsam fahre, und das mache ich natürlich, versprochen. Ich lass dich nicht runter fallen.“, sagte er noch zu ihr und hob sie einfach auf den hinteren Teil der Maschine und setzte sich dann schnell vor sie hin.

Er schob den Ständer herunter und startete den Motor der fauchend wie ein Panther hochjagdte.

Ich hab den Motor extra noch auf Öl umgestellt. Benzin gibt es ja keines mehr was jetzt noch gebrauchsfähig währe.“, sagte er beinahe schon brüllend zu ihr, zog ihre Hand nach vorne und um seine Mitte herum, langte auch nach der anderen und gab erst da Gas als sie sich richtig an ihm festhielt und das Gesicht seitlich an seinen Rücken drückte.

Er fuhr durch die kleineren Tunnel zurück zu dem Haupttunnel. Einige böse Blicke trafen ihn rechts und links. Dann bretterte er mit einem Hopser in den gebohrten Tunnel hinein und es brummte und summte den weiten Weg durch den finsteren Schacht entlang. Nicht lange und sie holten die anderen Nachzügler ein, fuhren langsam um sie herum und waren schon am Ausgang, noch lange bevor sie da sein musste. Es hatte inzwischen wieder angefangen zu schneien

Mit hochroten Wangen stieg sie mit Hilfe seiner Hand die sie wieder stützte von dem Motorrad herunter und sah ihn nervös an, während er die Maschine gelassen abstellte und mit einer Hand noch einmal nach ihrer langte. Sie reichte ihm die Rechte und er schüttelte sie sachlich. - So als hätten sie gar nicht über irgendwelche Partnerschaften und Kinder machen geredet.

Es war mir ein Vergnügen zu helfen.“, sagte er schon wieder reichlich reserviert zu ihr, weil gerade so viele andere Soldaten und Zivilisten aus Arche 2 und 3 mithörten. Fee nickte nur stumm, obwohl sie sich gerne richtig bei ihm bedankt hätte. Nervös zog sie ihre Hand zurück und stand verlegen vor ihm, keine Ahnung was sie nun noch zu ihm sagen sollte... oder nicht.

Hans, der in der Nähe stand kam sogar schon wieder näher heran, weil er wohl einen etwaigen Annäherungsversuch unterbinden wollte, was Sam auch sofort aufgefallen war. Seine Augen funkelten schon wieder so zynisch.

Das nächste mal zeigst du mir dann mal deine PS, Fee. Ich freue mich schon darauf und denk noch einmal ganz in Ruhe darüber nach worüber wir gesprochen haben. Denke gründlich nach, bevor du irgendwas entscheidest. Das ist wichtig für dich. Auch wenn du das im Moment vielleicht noch anders siehst.“, riet er ihr noch einmal flüsterleise, nickte kurz, startete den Motor und fuhr wieder ohne noch einmal zurück zu blicken in den Tunnel hinein.

Na Fee. Hattest du dich da drin in den fremden Höhlen verlaufen?“, fragte Hans sie fürsorglich und hastig nickte sie zu dem Soldaten hoch.

Sam ... hat mir die Maschinen von Arche 3 gezeigt. Die haben einen sehr viel größeren Fuhrpark als wir in Arche 2.“, fand sie nervös die Hände ringend.

Hat er dich an gebaggert oder ist dir vielleicht zu nahe getreten?“, fragte der andere Soldat sie sofort ganz ernsthaft.

Fee schüttelte wieder nur den Kopf.

Nein... Er hat mir nur geholfen. Irgendwo im Tunnel hatte ich... eine Panikattacke. Es kam ganz plötzlich. Er hat mir geholfen, ich weiß nicht wie lange es gedauert hat, aber er war sonst nur nett und ist auf Abstand geblieben. Er weiß schon wer ich bin... dank dir und den anderen.“, warf sie ihm leicht verbittert vor.

Hans war sofort betroffen.

Aber Fee, ich wollte dir doch nur helfen. Du musst dich nicht von den fremden Typen anmachen lassen. Du stehst unter dem Schutz aller Archen...“

Bitte Hans, halt endlich mal den Mund und hör mir zu, nicht meinem Vater!“, herrschte sie ihn böse an und rang danach nach Atem aber auch um Worte. Was sollte sie ihm nur sagen? Doch dann war es plötzlich ganz einfach: „Hilf mir bitte nicht mehr, Hans. Wenn wir irgendwo sind und jemand möchte mich kennen lernen... ich muss damit zurecht kommen ohne das ein Soldat meines Vaters mit der Waffe im Anschlag hinter mir steht und Bodyguard spielt. Hilf mir nicht mehr, es sei denn ich rufe um Hilfe, so wie alle anderen Mädchen auch. Ich habe es nämlich wirklich satt immer behandelt zu werden wie ein rohes Ei. Ich habe es satt das alle um mich herumschleichen und mich angucken als währe ich verrückt oder verletzt oder die heilige Jungfrau Maria.

Das bin ich nicht, Hans. Ich bin ein Mensch und ich gehöre zu ESA. Und ich habe mir eben gerade meinen Partner ausgesucht, selbst wenn er für den Rest der Welt der Teufel persönlich ist, ich hab mir Samuel ausgesucht, Samuel S 12.

Denn er hat auch ein Problem damit, das er nur das Kind von jemandem ist.

Genauso wie ich damit Probleme habe das ich Feeline Hoffmann bin.

Wenigstens behandelt Samuel mich normal. Er weiß zwar auch schon wer ich bin, aber er ist nur respektvoll ohne dieses beschissene Mitleid für mich zu haben. Schließlich

wird er ebenfalls nicht bemitleidet.

Und ESA braucht auch meine Gene, ebenso wie deine, wie seine. Warum also nicht eine Abmachung treffen? Reine Vernunftsache. Er wird nichts weiter von mir erwarten, wenn ich erst mal schwanger bin und trotzdem alles so machen wie er es sollte. Mitarbeiten, mich... uns versorgen, bei was auch immer helfen und seinen Job machen, für den er eingeteilt wurde, so wie ich auch meinen machen werde. Das ist ESA, Existent-Survifers-Ark das sind wir, Hans. Du auch und Sabrina. Ich kann mich dem nicht entziehen nur weil ein Arschloch mir mein Leben kaputt gemacht hat. Er ist tot, er kommt nicht wieder. Und ich bin nicht mehr Feeline Hoffmann. Ich bin jetzt Fee F 3. Und jetzt möchte ich gerne zurück zu meinen Stuten. Wie Samuel schon gesagt hat. Meine PS auf vier Beinen. Doch die werden irgendwann bedeutend länger durchhalten, als sein Motorrad, weil irgendwann das Öl alle sein wird, genauso wie das Benzin letztes Jahr und es kann nicht alles über Solarenergie betrieben werden, auch wenn ihr es versucht. Denn die Solarzellen können auch nicht mehr nach gebaut werden.

Ich hoffe meine vierbeinigen PS schaffen es diesen lavasteinigen und bestimmt auch sandigen Boden unter dem Schnee wieder in landwirtschaftliche Nutzflächen zu verwandeln. Wir müssen auf jeden Fall dorthin wo das jetzige Tal ist. Wo alles, was nach der Sonnenerruption und dem Backofen noch Erdreich war, hin gespült worden ist. Hier oben werden wir keine Landwirtschaft betreiben können, aber weiter unten muss es in der Sintflut entstandene Seen geben, Quellen die neu entspringen. Das Wasser sucht sich schließlich immer seinen Weg, oder?

Mein Gott ich hoffe so sehr darauf. Auch auf frisches Gras für die Pferde, die Milliarden Säcke von Samen die wir eingelagert habe.

Bäume die wieder gepflanzt werden müssen, um Sauerstoff zu produzieren und das CO2 abzubauen und Blumen für die Bienen.

Dreitausend Setzlinge und Jungbäume von jeder Sorte Baum in Arche 4. Was das für Massen an Pflanzen sind und Sauerstoff. Und mehr als genug Saatgut für Getreide, Mais und Gemüseflächen, damit wir nicht verhungern müssen. Gläser zum Einmachen, massenweise Emaile-Töpfe um Sauerkraut zu machen und Kartoffeln zu pflanzen. Berge von Salz, bis wir zum Meer gelangen können um uns dort wieder welches zu hohlen – Wenn es überhaupt noch Salz gibt das nicht verkocht oder verbrannt ist.

Die Gärtner werden gut zu tun bekommen wenn wir im nächsten Winter nicht verhungern wollen. Und die Baumaschinen im Frühjahr die Grassamen sähen sollen, auf jeder Fläche... zusammen mit gedüngter Erde und Wasser sprenkeln, Ich hoffe nur es wird rasch wachsen und nicht von kräftigen Güssen fort geschwemmt werden. Und dann in den nächsten Jahren werden die neuen Samen überall hin fliegen und wieder sprießen, fliegen und aufgehen, Regen und Sonnenschein. Der Ewige Kreislauf der Natur der von neuem Beginnen wird und die Tiere die in Arche 5 für die Artenvielfalt in Flüssen und Seen und auf der Erde sorgen würden. Würmer, Käfer, Insekten... Bienenstöcke! Lachse, Forellen... Wasserkäfer als ihr Futter... Mein Gott wie sehr ich die Bienen vermisse. In Arche 4 und 5 soll es angeblich einige Hundert Stöcke geben, überall dort wo Pflanzen sind. In Arche 1 waren auch welche...“, murmelte sie noch traurig und atmete schwer durch.

Denn Arche 1 hatte soweit alle wussten noch nicht einmal das erste Jahr überlebt. Nur zwei Wochen nach der ersten Sonneneruption, die die Erde getroffen hatte, hatte der dortige Anführer der Wissenschaftler den Funkspruch durchgegeben die Bergdichte sei anscheinend falsch errechnet worden, die Hitze käme sogar durch die Wassersäulen hindurch. Sie lag da schon bei sechzig Grad und steigend. Die Menschen würden es nicht schaffen, hatte der Wissenschaftler gesagt und sie wünschten nun den anderen Archen mehr Glück und Gottes Segen, bei dem Versuch zu überleben. Dann war es still geworden und selbst der noch ein Jahr lag andauernde Versuch Arche 1 über Funk zu erreichen hatte nichts mehr genutzt. Mann beschloss sie trotzdem aus zu graben, wenn die anderen Archen befreit und geöffnet waren. Zumindest musste man noch nachschauen, ob es nicht doch Überlebende in den tiefer liegenden Grotten gab, oder von dem eingelagerten Vorratsgut, Maschinenteile, Decken, Betten und so fort, noch was verwertbares für die Neubesiedlung gefunden werden konnte.

Alles was da war, würde Hilfreich sein, weil es ansonsten nichts weiteres mehr gab. Keine Industrie, keine Wirtschaft, keine Ressourcen.

Fee, kommst du jetzt?“, fragte Hans sie nüchtern als die restlichen Arche 2 Bewohner aus dem Tunnel auftauchten und in die Fahrzeuge kletterten.

Auch Fee beeilte sich einzusteigen.

In ihrem Inneren kribbelte es merkwürdig als sie noch einmal zurück zum Tunnel blickte. Sam war schon längst darin verschwunden und doch glaubte sie er würde sie noch beobachten.

Kurz hob sie die Hand und winkte zaghaft in den schwarzen tiefen Schacht hinein. Ein Soldat der außen davor stand grinste breit, fühlte sich wohl angesprochen und winkte kurz zurück.

Du bist töricht, schimpfte Fee sofort mit sich selbst und ließ den Arm hastig sinken, drehte mit wild klopfendem Herzen ihren Kopf weg und schon ging die wilde Fahrt wieder los, Heim zu Arche 2.

War wahrscheinlich auch besser so.





4. Kapitel



Hast du gesehen? Sie hat mir zugewunken.“, meinte der Soldat fröhlich der am Tunneleingang stand und in den weißen Himmel hinauf blickte.

Er pfiff kurz und kicherte dann wieder. „Ich glaube sie mag mich, Art. Ist auch richtig hübsch die Kleine, finde ich. Wenn wir den Besuch erwidern fahre ich mit rüber und stelle mich ihr vor, was sagst du?“

Dass du eine Null bist und bleiben wirst. Die hat nicht dir sondern unserer Arche gewunken. Die ist ein bisschen ballaballa, die liebe Tochter vom alten Hoffmann, drüben in 2. Und deren Soldaten haben uns alle gewarnt ja nichts mit der anzufangen.

Die beißt nämlich wenn man sie nur mal kurz zufällig berührt. Schnappt über... erinnerst du Holzkopf dich denn nicht mehr an die Sache mit der Hinrichtung in Arche 2 vor fast zwei Jahren? Als die Jungen da drüben die noch kein Mädel haben wollte durchgeknallt sind? Kurz danach ging es doch auch bei uns los, mit dem General. Höhlenkrank waren die... alle miteinander.

Wie Klaustrophobie, nur noch irrer. Und die Tochter vom Hoffmann musste fast dran glauben. Wurde zu Brei geschlagen. Ey, vielleicht ist die nicht mal mehr gebärfähig, weil sie sie nämlich von jeder Liste der ESA runter gestrichen haben und es ihr freigestellt haben für immer Single zu bleiben. Die muss keine Kinder mehr kriegen und sich auch niemanden aussuchen.

Ist wahrscheinlich auch besser so, denn wer will bitte wissen ob die Kinder von der nicht auch alle durchknallen? – Wenn sie schon 'ne Psycho-Mama haben...“

Aber sie schien doch ganz normal. Und es ist auch schon lange her. Meine Großmutter selig hat immer gesagt: Die Zeit heilt alle Wunden.“

Ja, klar. Aber nicht solche wie die bei der Kleinen. Die wurde gefoltert, klar? Die wurde bestialisch gefoltert, während dieser durchgedrehte Junge sie hergenommen hat wie ein Verrückter Sadist. Der eine Soldat von denen hat ein bisschen Details ausgespuckt. Mit dem Messer hat er der kleinen die Haut aufgschlitzt, bis sie geblutet hat wie eine abgestochene Sau. Der hat sie mit den Fäusten bearbeitet, bis ihr Kopf nur noch Mus war. Aber er hat wohl noch darauf geachtet, dass sie alles noch ganz genau mitbekommt. Hat ihr gesagt dass sie schon noch gehorchen lernen würde, wenn er erst mit ihr fertig sei. Dann hat er sie wohl auf alle Arten gefickt die man sich nur vorstellen kann, auch die abartigsten - während sie kaum noch bei Bewusstsein war.

Mit dem Lötkolben soll er sich dann auch noch künstlerisch auf ihr verewigt haben.. was für ein Scheiß...“, berichtetet der Soldat weiter und Sam schluckte hart, bei der Vorstellung wie sehr Fee, die arme zarte Fee, die heute so tapfer vor ihm gestanden hatte und ihm dieses unglaubliche Angebot gemacht hatte, damals gelitten haben musste. Es war unglaublich wie selbstsicher sie dennoch schien und ruhig.

Aber der Soldat war noch nicht fertig mit seinem Bericht und beugte sich beifallheischend vor, amit auch alle ja jedes Wort verstehen konnten.

Ihr Vater hat sie damals tatsächlich auch noch selbst gefunden, als der Typ immer noch an ihr dran war.“, erzählte er seinem gespannten Publikum weiter. „Hat sie die ganze Nacht über in den Höhlen gesucht, weil sie noch nie zu spät gekommen ist. Und dann... also er hatte Zeugen dabei, die ihm beim Suchen halfen. Und als er das Schwein dann auf frischer Tat ertapt von ihr runter hatte und der nackte, wahnsinnige Kerl ihn nur vollkommen Blutverschmiert angegrinst hat, hat er einfach durchgedreht. Hoffmann hat sich einfach die Knarre eines Soldaten genommen und den Kerl schlicht und einfach erschossen.

Eigenhändig und in den Kopf und ohne jede Verhandlung. Dabei wusste er damals noch nicht mal wie man das Ding richtig hält und war super- bekennender Oberparzifist.

Die haben damals extrem viele Monate gebraucht um seine Tochter wieder zusammenzuflicken. Sie lag sogar eine Zeit lang im Koma, hat aber trotzdem leider nichts von allem vergessen, was ihr passiert ist.

Und sie meidet seidher alle Männer wie die Pest und hat sich nun trotzdem für einen aus Arche 3 entschieden. Ausgerechnet den Verrätersohn... - weil sie den nämlich nicht lieben muss und der sich wohl nun auch ihr gegenüber verpflichtet hat außer Zeugung nichts weiter mit ihr zu machen und sie trotzdem zu versorgen und sie zu unterstützen, wenn sie dann ein Kind bekommt.

Wenn du mich fragst das war das beste Angebot das sie kriegen konnte, Richi, außer dem von sämtlichen Listen gestrichen zu werden.

Und glaub mir, die wird alle Unterstützung brauchen wenn sie irgendwann Kinder hat und weiter ihre Ausraster bekommt, wie man immer noch erzählt.

Passiert wohl ganz plötzlich, manchmal im Schlaf, dann wieder bei der Arbeit. Früher hat sie dabei auch los gebrüllt, heute rennt sie einfach nur irgendwohin weg und wenn man sie findet wippt sie vor und zurück wie eine Irre aus der Anstalt und starrt vor sich hin.

Oder aber sie hyperventiliert ohne jeden Grund und fällt einfach um. Ey, der Haggedorn-Sohn tut mir sogar fast schon Leid. Aber außer der verrückten Hoffmann-Tochter wird ihn wohl keine mehr haben wollen, und so hat der wenigstens wieder einen Sinn in diesem neuen Leben. - Na ja... Wenn sie ihn überhaupt irgendwann mal an ihre Wäsche dran lässt. Ich bezweifle das ja, Gerd. Sagen kann sie viel und versuchen auch. Aber machen... nach ihrer Geschichte?“

Sam stieß sich von der Tunnelwand ab und ging zurück zu seinem Motorrad.

Seine Gedanken schwammen alle durcheinander.

Fee hatte ihn zum Partner gewählt und es auch einem ihrer Soldaten aus 2 verkündet, trotz dieser abscheulichen Geschichte. Dazu gehörte wirklich unfassbar viel Mut. Sie hatte ihn außerdem eben noch irgendwie im Tunnel gesehen und ihm noch einmal gewunken. Gerd, der Idiot, bildete sich immer viel zu viel auf sein gutes Aussehen ein. Hatte aber schon zwei feste Partnerinnen und die Erste hatte ihm sogar vor kurzem eine Tochter geboren.

Vielleicht würden Fee und er irgendwann auch eine Tochter haben. Und wenn sie auch Probleme hatte, die sie nie wieder los wurde... Verdammt, wer hatte die nicht, heutzutage? Er würde da sein und ihr helfen. Und ihr zeigen dass nicht alle Typen Schweine waren.

Sein Magen rumorte wild, als Bilder von einer gefangenen blutüberströmten und gefolterten Fee in ihm hoch stiegen.

Wie konnte sie sich nur dazu entscheiden das ESA-Programm weiter mitzumachen, das fragte er sich wirklich. Doch sie tat es und er würde sie niemals deshalb zur Rede stellen, beschloss er für sich.

Sie wollte Distanz... was er gut verstehen konnte. Und doch hatte sie seine Nähe heute ein Stück weit zugelassen. Er hatte sie angefasst und sie war nicht ausgerastet. Sie war nervös gewesen. So nervös dass sie schließlich hyperventiliert hatte, doch auch da war sie wieder ganz gut raus gekommen. Er hatte sie gehalten und sie hatte ihn angesehen, aus diesen riesigen, weit aufgerissenen kornblumenblauen Augen.

Sie war nicht nur hübsch, sondern sogar richtig schön.

Wenn er sanft genug war, würde sie sich vielleicht wirklich so weit an ihn gewöhnen dass sie ihre sogenannte Pflicht erfüllen konnten. Vernunftpartnerschaft, hatte sie gesagt. Keine Gefühle und doch regte sich etwas in ihm, wenn er nun wieder an sie dachte.

Und was immer es auch war, es war kein Mitleid.



Du wirst ihn nicht wählen. Feeline du kannst in deinem Zustand überhaupt nicht wählen, sei doch vernünftig! Du kannst keinen Kerl auf diese Weise wählen, wie es normal und richtig ist... und ESA besteht auch nicht mehr auf ihren Verträgen, nach dem was damals passiert ist.“, regte sich ihr Vater

unglaublich auf und raufte sich die Haare.

Fee stand nur still vor ihm und sah ihn geradewegs an.

Er hatte sie in die Kommandozentrale bestellt, gleich nachdem sie zurückgekommen

waren. „Und sowieso... du wirst warten müssen bis die Siedlung steht, bevor du dir einen Partner aussuchst. Samuel S 12 wird drüben bei den Maschinen gebraucht und du hier bei den Pferden.“

Das ist kein Problem, Vater. Wir treffen uns sowieso nur wenn’s um die Zeugung geht, zumindest vorerst. Er bleibt auf ...einem gewissen Abstand und ich auch. Das ist eine reine Vernunftsache. Er hat keine Partnerin weil alle ihn für schlecht halten... nur weil sein Vater schlecht war, aber ich hab drüben einen Anfall gehabt und er hat mir durch geholfen. Er ist zu Rücksichtnahme fähig, hat gutes Erbgut und wird einmal ein ganz ordentlicher Vater sein können, denke ich. Die Mädchen drüben in 3 sind verrückt wenn du mich fragst, aber es ist umso besser für mich, denn so sind keine Gefühle mit ihm Spiel. Er wird nichts weiter von mir erwarten, Vater. Und meine DNA ist wichtig für die ESA-Mission. Jedes Mädchen ist wichtig, deshalb wurden ja auch keine Verwandten hereingelassen, nur die Kernfamilien die nicht einmal irgendwo einen gemeinsamen Schwager hatten. Ich werde meine Entscheidung nicht mehr ändern, Papa. Ich leiste meinen Beitrag und vielleicht.. tut es mir ja gut Kinder zu bekommen.

Stuten werden dann ruhiger, wenn sie abgefohlt haben. Sind ausgeglichener. Ich hätte gerne viele Kinder, dann währe ich wenigstens nicht mehr der verrückte einsame Freak den alle bedauern und vor dem so großkotzig gewarnt wird.“

Gewarnt...? Feeline! Hans hat ihnen nur gesagt das sie dich nicht so anbaggern sollen. Das kannst du doch nicht leiden...“

Halt den Mund, Papa. Einmal nur und lüg nicht rum, ich war auch dabei. Ich bin weggegangen aber in den Höhlen hört man verdammt gut durch den Schall.

Ich bin für alle Archen nur noch die Hoffmann-Tochter. Die durchgedrehte, vergewaltigte und bestialisch gefolterte Tochter, die kaputt im Kopf ist, irre wie ein Psycho und genau so nennen sie mich auch hinter meinem Rücken. Ich wollte das alles nur vergessen aber hier wird es immer wieder aufgewärmt. Und wenn ich nun einen Partner habe der sich nicht groß um Mitleid oder Gefühle schert, weil er nämlich ebenso wie ich die Schnauze voll hat von allem was hier schief läuft, dann ist das meine Sache, denn ich bin erwachsen.

18, Papa. Und ich muss irgendwas tun. Irgendwer

sein, nicht nur die Pferdetrainerin, die ich eigentlich nie sein sollte, nur Gehilfin. Du warst so überrascht, das es wirklich klappt, dabei hab ich immer gut mit Pferden gearbeitet. Du hast in deinem Kopf immer noch die Vorstellung von der sechzehn jährigen Göre, die hier rumstolziert ist und mit jedem Typ geflirtet hat, ich hätte nur wählen müssen – und dann als Gehilfin aufgehört. Aber das wollte ich nie und werde ich auch nie. Ich glaube ich habe sogar richtig gut gewählt, Vater, denn Samuel kümmert sich um Maschinen. Irgendwann wird es die nicht mehr geben weil das Öl ausgeht, weil wir kaputte Teile nicht nachbestellen können. Weil es irgendwann nur noch die Pferde geben wird und das weißt du auch.

Er kann sich dann um die Kinder kümmern, wenn er keinen Job mehr hat und ich mich um die Pferde. Vielleicht hilft er mir auch dabei, wer weiß?

Tatsache ist das ich meine Entscheidung verkündet habe und laut den Regeln und Gesetzen von ESA kannst nicht einmal du dagegen protestieren. Erinnerst du dich noch an die Abmachung bevor wir hier rein sind? Ich werde nicht anders sein als andere, nur weil ich deine Tochter bin. Auch wenn ich bei einem Typen wohnen werde der drei Frauen neben mir hat, was dir nicht gefallen kann, aber das werde ich ja nun auch nicht. Samuel hat niemanden an seiner Seite. Ihn kümmert meine Vergangenheit auch nicht sonderlich, er hat selbst eine und wir sind deshalb vermutlich beide kaputt, was sich alleine darum wirklich gut ergänzt. Also lass mich das machen was ich will und muss.“, befahl sie ihrem Vater hart und sah auch Hans der dabei stand ernsthaft an. „Das gilt für euch alle. Lasst mich frei wählen, wie es vereinbart war – Im übrigen hab ich schon mit dem Programm zur Analyse der fruchtbaren Zeiten angefangen. Mein Entschluss steht fest und ich hab es auch Dr. Georg schon aufschreiben und die Tabelle zur Stammbuchführung anlegen lassen. Ich wähle Samuel S12 zu meinem Partner in der Nachzucht von Kindern für ESA.“, teilte sie ihrem Vater mit, der wie vom Donner gerührt dastand und sie bleich und fassungslos ansah. Dann drehte sie sich um, nickte Hans noch einmal zu und verschwand durch die Tür nach draußen. Es war die einzige Tür in der ganzen Arche 2. Am liebsten hätte sie sie zugeknallt.

Dass er sie so vor anderen herab würdigen musste. Als wäre sie ein Kind das nicht selbstständig sein konnte, das geistig behindert war... eben ein Psycho.

Fee ging direkt zu den Pferden hinüber und sah nach dem Fohlen, dass sich prächtig entwickelte. Dann mistete sie die Ställe, fütterte die Pferde, striegelte und sah nach einem wunden Huf von Hengst Nummer 6 den sie Butterball nannte, weil er so ein vanillefarbenens Fell hatte und weich wie Butter ging. Eine Seele von einem Tier. Einer der Arbeiter die mit ihm trainierten war wohl grob mit ihm gewesen und hatte nicht einmal gemeldet das Butterball sich verletzt hatte. – Was den nahe liegenden Schluss nach sich zog dass er ihn auch nicht nach der Arbeit versorgt hatte. Der Huf war geschwollen, aber oberhalb des Horns, so als hätte dem Hengst einer mit seinen Stahlkappenschuhen davor getreten.

Mika war es nur vorhin beim Auskratzen der Hufe aufgefallen. Nachdem sie die Wunde über dem Huf versorgt hatte, einen Breiumschlag gemacht hatte und zornig zurück in die Verwaltungsstelle kam, sichtete sie die Liste der Arbeiter und der ihnen zugeteilten Pferde und nickte wütend. War ja klar... Lars L 787. Der Kerl konnte Pferde eigentlich nicht ausstehen. So wie er eigentlich keine Arbeit ausstehen konnte. Er hatte zuvor schon in der Küche, bei den Bäckern, im Maschinenpark und nun auf dem Feld gearbeitet. Doch genug war genug.

Sie griff nach dem Funkgerät.

Einsatzkoordinator im Pferdestall Fee F 3 an den Leiter der Teambildung.“, meldete sie sich auf Kanals sieben und die Zentrale ging rann.. verband sie umgehend als sie hohe Priorität anmeldete. „Leiter der Teambildung, Finn, schieß los, Fee.“, meldete sich der ältere Soldat auch sofort. „Ich brauche ein sofortiges Meeting, Finn, hier am Pferdestall. Ein Arbeiter hat einen unserer besten und ruhigsten Hengste verletzt und ich glaub auch du weißt schon wer es war. Du hast ihn uns aufs Auge gedrückt aber Lars ist einfach nur widerlich zu den Tieren und unfähig obendrein. Jetzt muss es Hengst Nummer 6 ausbaden der eine ganze Weile ausfallen wird... wenn er ihm nicht doch etwas gebrochen hat, mit seinen Stahlkappenschuhen. Er hat ihn vor die Fessel getreten und unversorgt im Stall stehen lassen. Er hat uns nicht mal Bescheid gesagt das er lahmt, das hat Mika vorhin raus gefunden.“, zürnte sie aufbrausend.

Ich komm rüber und schau mir das mal an.“, meldete sich Finn umgehend und hart klingend ab.

Fee ging zurück zu dem Hengst den Mika nun weiter versorgte.

Ich glaube da ist was schlimmeres mit dem Fesselgelenk, Fee. Es scheint unterbrochen... hier.“, zeigte Mika auf eine Stelle am Huf des Tieres die immer dicker wurde und runzelte besorgt die Brauen. Fee nickte nur und sah zu wie Mika den Fuß nun auch noch mit kaltem Wasser kühlte. „Gib noch Rittersporn dazu und Arnika ins Maul. Wir müssen versuchen ihn wieder hinzu bekommen, Mika. Er hat noch nicht genug Fohlen gezeugt um ihn schon jetzt aus der Zuchtlinie zu entlassen. Ihn zu verlieren wäre eine Katastrophe.“

Ich weiß, wir tun was wir können.“, murmelte der Stallbursche kurz angebunden und wässerte weiter den Huf.

Drei Minuten später kam Finn mit zwei Soldaten und dem Arbeiter um die Ecke der nur mürrisch zu dem Hengst hinsah und auch noch vor seinem Stall ausspuckte als Finn ihn vor Fee anhalten ließ.

Was machst’n für Aufstand, Fee?“, meinte der Arbeiter lahm und Fee schlug ihm rot sehend die Hand ins Gesicht.

Du Arschloch trittst niemals wieder eines unserer Pferde! Du bist raus, Lars. Sofort und auf der Stelle raus hier! Wenn Nummer 6 stirbt dann ist das deine Schuld. Du hast ihm wahrscheinlich das Fesselgelenk angebrochen, du Idiot und er ist unser bestes Pferd im Stall, wichtig für die Zucht. Viel wichtiger sogar noch als du, du miese Kröte!“, fluchte sie ihn an.

Der Arbeiter wurde krebsrot im Gesicht und sah sich verwirrt zu dem Teamleiter um.

Ich hab ihn nur mal kurz angerammelt, weil das Vieh mir auf den Fuß gestiegen ist, Finn. Ein Mann darf ja wohl seine eigenen Knochen schützen.

Du hast die Regeln des Stalls gebrochen und kostest dieser Nachzucht wahrscheinlich

einen sehr wertvollen jungen Hengst, Lars. Das ist ein nicht geringer Regelverstoß und wird harte Konsequenzen nach sich ziehen die dem Sachverhalt angemessen sein werden. Diese Tiere sind die Garanten für unsere Zukunft. Fee bildet sie an Egge und Pflug aus, damit sie unsere Felder bewirtschaften können sobald es keine Maschinen mehr gibt und es wird bald keine mehr geben, Lars. Du hast die ESA geschädigt, uns alle. Wenn dir die Arbeit hier auch wieder nicht gefallen hat dann ist das noch lange kein Grund gewesen die Zuchtlinien so empfindlich zu treffen. Wir haben nur sechs Hengste und sieben Stuten für die Nachzucht. Arche 1 hatte auch noch mal 12 Hengste und zwanzig Stuten, die waren größer als wir, aber die sind weg, du Idiot. - Verhaftet ihn!“, kommandierte Finn nur knapp, ohne auf das Gestotter des Arbeiters zu achten, der wohl jetzt erst mitbekam wie schwer sein Verbrechen wog und legte Fee beruhigend eine Hand auf den Arm. „Halt mich über Nummer 6 auf dem Laufenden. Ich hoffe er erholt sich wieder... wenn vielleicht auch nur für die Zucht. Wenn ihr wieder einen Platz frei habt lass es mich wissen. Es gibt noch andere die sich für eine Arbeitsaufnahme bei euch beworben haben... unter anderem auch Leute aus Arche 3.“, teilte er ihr mit.

Lass mir die Liste da, ich schau dann mal drüber.“, murmelte Fee nur vage und wandte sich wieder dem verletzten Hengst und Mika zu. „Schick mir nur nie wieder einen der aus anderen Jobs wegen Desinteresse raus gefallen ist. Lars ist faul und sauer auf alles und jeden weil er keine Partnerin findet. Aber so einen fiesen, faulen Sack will ja schließlich auch keine haben.“

Glückwunsch übrigens zur Partnerwahl.“, merkte Finn noch vorsichtig an. „Ich wünsche dir alles gute Fee und das du viele gesunde Kinder bekommst.“

Doch Fee reagiert nur mit einem nüchternen „Danke“ darauf und trat schon wieder in den Auslauf rein um bei der Pflege des Hengstes zu helfen.

Finn nickte nur ein wenig irritiert, von ihrer offensichtlichen Gleichgültigkeit und fragte sich kurz ob ESA sie nun doch noch dazu gezwungen hatte jemanden auszusuchen, eben weil Arche 1 ja nicht mehr da war und der DNA-Pool damit auch nicht mehr so ausgewogen wie ausgedacht sein konnte.

Es hatte lange Diskussionen gegeben soviel wusste er noch, doch Hoffmann hatte sich letztlich

durchgesetzt.

Nun, vielleicht auch nicht. Doch Fee schien gerade nicht besonders unglücklich über die Aussicht zu sein nun doch noch einen Partner zu bekommen. Der Soldat beschloss auf alle Fälle sie im Auge zu behalten. Sicher war sicher.

Und mit dieser Meinung stand er nicht alleine da.




5. Kapitel





Eine Woche war vergangen und Samuel hatte sie nicht besucht. Nun, dachte Fee, vielleicht wartete er ja auch nur auf ein Zeichen von ihr. Schließlich hatte sie ja nachdenken sollen, er hatte sich schon dafür entschieden.

Dem Hengst ging es jeden Tag immer schlechter, wie sie besorgt bemerkte.

Er hätte eigentlich eine Aufhängung zur Entlastung der Fesseln gebrauchen können. Sie hatte da mal so einen Film gesehen über ein Rennpferd dass sich die Beine gebrochen hatte. Wenn die Fessel kaputt war musste sie dringend entlastet und steif eingebunden werden und der Körper regelmäßig massiert und gelagert... Ein Flaschenzug hätte das Problem gelöst doch wie den hier aufhängen, in der Decke. Da oben kam doch keiner rann und die großen Maschinen passten hier auch nicht rein. Samuel, dachte sie immer mal wieder, wenn sie über das Problem nach grübelte. Er hatte Ahnung von Maschinen, er reparierte sie. Vielleicht hatte er ja eine Idee wie so ein Flaschenzug in Arche 2 errichtet werden konnte? Also beschloss sie Mika mit der Pflege des Hengstes alleine zu lassen, stellte noch ein weiteres Mädchen das Finn ihr als Hilfskraft anbot zur allgemeinen Fütterung und Pflege ab und zog sich dann warm an, um mit dem täglichen Konvoi nach drüben zu fahren. Sowieso gab es mehr als nur das eine zu besprechen, doch daran wollte sie jetzt gerade lieber nicht denken. Später vielleicht... Wenn Sam einverstanden war und sie ihre Partnerschaft öffentlich machten. Mein Gott, überlegte sie kurz und stand schon wieder nahe am Hyperventilieren. Doch sie konnte es gerade noch beherrschen.

Die Fahrt dauerte gar nicht mehr lange. Durch den regen Verkehr hatte sich eine Straße gebildet die inzwischen gut ausgefahren war und zwischen den Archen hin und her führte. Sie brauchten nur 8 Minuten dann waren sie da und wurden sehr begrüßt. Fee ignorierte alle scheelen Blicke und ging direkt in den Tunnel hinein, inzwischen kannte sie ja den Weg zu den Maschinen.

Sam arbeitete diesmal auf der Anderen Seite, stand auf einem enormen Vehikel und zog mit Hilfe eines anderen Arbeiters irgendetwas an den Fensterrahmen fest das wie gigantische Gummi-ringe aussah.

Halt es fest...“

Mach ich ja...“

Fester... gleich hab ich’s!“

Gott, die bringen uns noch alle um, mit ihren Sonderwünschen...“, grummelte der andere Kerl. Etwas schnappte hörbar ein und beide Männer atmeten erleichtert auf. Schweiß glänzte auf ihrer Haut die außerdem ölverschmiert war. Samuel war wohl schon länger am schaffen.

Den Rest mach fertig. Ich geh rüber zum zweiten Planierer und schneid schon mal die Gummis zurecht. Alles damit die Fahrer nicht frieren...“, grollte er düster. Da hielt Fee es für richtig sich laut bemerkbar zu machen.

Chrmm...“, machte sie nur. Sein Kopf fuhr herum und der eben noch finstere Ausdruck seiner Augen hellte sich merklich auf.

Fee...“, murmelte er überrascht.

Verzeih wenn ich dich bei der Arbeit störe, Samuel. Ich hab eigentlich gehofft du kommst auch mal rüber zu uns, wir hatten einen Notfall bei den Pferden... eigentlich ist er immer noch ein Notfall und eigentlich müsste ich noch da sein aber Mika kümmert sich um den Hengst und wir... müssen mal reden.“, schloss sie umständlich formulierend.

Sam sprang von dem Planierer herab und griff nach einem Tuch dass in seiner Hosentasche hängte, wischte sich die Finger daran ab und nickte ihr zu ihm zu folgen.

Hast du Zeit gehabt darüber nachzudenken?“, fragte er sie schließlich im hinteren Teil der Höhle reserviert.
Gerade diese Reserviertheit ließ Fee kurz schief lächeln. „Hab ich, keine Sorge. Ich hab die Partnerschaft bei uns schon offiziell bestätigt, aber von hier ist noch nichts gekommen. Also dachte ich ich komm mal rüber denn...“, sie pustete kurz durch und beugte sich vor um sich mit den Händen auf den Oberschenkeln aufzustützen, bevor sie sich wieder aufrichtete.

Geht’s dir nicht gut?“, unterbrach er sie leise.

Bin nervös. Denn wie bitte macht man einem Typ klar, den man kaum kennt, das man gerade fruchtbar ist... wenn die Anzeige auf dem Testgerät nicht spinnt. Außerdem weiß ich ja gar nicht ob du überhaupt noch willst und... sowieso ist ein richtiges zusammenarbeiten ...leben... was auch immer... erst dann möglich, wenn wir beide aus unseren eigenen Archen raus und in der Siedlung sind, also geht es zur Zeit nur so... also jetzt... wenn du willst.“ , verhaspelte sie sich nervös und atmete mehrmals tief durch, bevor sie es wieder wagte ihn anzusehen.

Es wird wohl auch generell nur so gehen, Fee. Wenn ich daran denke, dass du eigentlich keinen richtigen Partner an deiner Seite willst...“, brummelte Sam düster vor sich hin, doch dann sah er ihre hochroten verlegenen Wagen und schmunzelte unwillkürlich.

Sei nicht so nervös, ich fresse dich schon nicht, nur weil du ehrlich bist. Das du überhaupt mich wählst ist schon ein Wunder, also sollte ich mich generell nicht beschweren. Aber wir sollten noch zwei drei Regeln festlegen bevor wir uns offiziell Verbinden.“, schlug er freundlich vor und Fee atmete erst mal ganz tief und angespannt durch.

Und das währen welche Regeln?“, fragte sie ihn heiser.

Ich bestimme ob du bereit bist das durchzuziehen oder nicht, denn so angespannt und ängstlich wie du heute bist, tu ich dir nur weh, und das willst du nicht und ich auch nicht. Ich stürze mich nicht auf dich drauf, nur weil deine Lampe auf grün steht und du mir sagst das wir sollten. Du musst bereit dazu sein. Und das bedeutet du musst dich genug entspannen um dich zu öffnen. Es ist nicht nur ein rein physiologischer Akt. Das könnte er sein, wenn ich ein Schwein währe, doch das hab ich nicht vor zu sein, auch nicht wenn du es mir so befiehlst nur um es schnell hinter dich zu bringen.“, warf er den Lappen auf den Tisch und sah an ihr Vorbei zu dem anderen Arbeiter hinüber der nun neugierig näher kam.

Daniel?“, fragte Sam ihn reichlich reserviert.

„’Tschuldigung, aber die Höhle trägt die Stimmen weit. Willst du ernsthaft mit dem da eine Partnerschaft eingehen? Ich meine du bist doch Feeline Hoffmann, drüber aus 2 oder?“, fragte er Fee irritiert und sie rutschte bei seinem Blick unwillkürlich näher an Sam heran, der es schweigend zur Kenntnis nahm und insgeheim erleichtert war. Sie fürchtete die anderen mehr als

ihn. Das war doch schon mal was.

Das ist Fee, meine Partnerin. Sie hat die Eintragung in Arche 2 schon bestätigt und wollte mir heute bescheid sagen das sie mich wählt. Das ist Daniel D146. Er ist Mechaniker so wie ich und ich berufe mich mal eben auf Paragraph sechzehn. Ich hab einen Auftrag für ESA zu erfüllen. Also musst du mal eine Weile ohne mich weitermachen, Daniel.

Komm mit mir, Fee, wir gehen zum Koordinator hier und bringen die Formalitäten hinter uns.“, ergriff er ihre Hand und zog sie mit sich.

Das winzige Zögern und abgehackte Atmen entging ihm nicht. Aber auch nicht dass sie sich zwang die Hand zu entspannen und nicht mehr so fest zuzudrücken wie eben noch.

Beruhige dich.“, raunte er ihr zu als sie den Maschinenpark verließen und rüber zur

Haupthöhle liefen und sah sie kurz fragend von den Seite an.

Mir geht’s gut, ehrlich ich... bin nur immer ...also generell sehr nervös. Vor allem wenn ich mich irgendwo nicht auskenne und die Typen... mir noch fremd sind. Ist aber nicht gegen dich gerichtet. Ich arbeite noch dran... ich meine immerhin hab ich heute nicht hyperventiliert.“, erklärte sie reichlich stolz und Sams Mundwinkel zogen sich amüsiert nach oben. „Immerhin schon

mal das.“, bestätigte er freundlich.


Viele Blicke richteten sich auf die Beiden als sie nun zu den Verwaltungskomplexen gingen. Die Psychologin Dr. Merten beendete gerade ein Gespräch mit Arche 2 und sah sie beide kommen. Stirnrunzelnd betrachtete sie die verbundenen Hände der beiden und zwang sich dann aber zu einer ausdruckslosen Miene.

Wir haben gerade davon gehört, Fee, dass du dir einen Partner für das ESA-Programm aus unserer Arche ausgesucht hast. Wenn du mich fragst, du überstürzt es vielleicht ein bisschen, doch wenn du ernsthaft überzeugt bist stabil genug für eine normale Verbindung zu sein...“, meinte sie besorgt, doch Feelin ließ sie nicht aussprechen.

Bei ESA geht es gar nicht um normale Verbindungen, Frau Doktor. Sonst würden die jungen Männer nicht zwei oder sogar drei Mädchen schwängern dürfen sondern nur eine.“, sprach sie kühl und ließ kurz Sams Hand los um sich am Arm zu kratzten.

Ich habe eine Verpflichtung. Meine DNA ist wertvoll und Samuels auch, aber so wie bei mir in Arche 2 wird seine hier in der Arche 3 nicht genutzt. Es ist eine Frage der Ethik, eine Frage des Willens, eine Frage der Gene und der Absprache. Und wenn sie das unnormal finden, dann denken sie mal bitte an die verschiedenen Kulturen in denen Zwangsehen geschlossen wurden, oder Vernunftehen. Es kann mehr draus werden. Doch es muss nicht. Die Hauptsache ist doch dass man zusammen arbeitet, sich einigermaßen versteht und Kinder in die Welt setzt, damit die Menschen eine zweite Chance erhalten.

Wir sind beide in unseren Archen eingebunden. Er kann nicht zu uns, ich nicht zu ihm. Bis zur Siedlung werden wir uns also nur ab und zu sehen... und versuchen in der fruchtbaren Zeit für Nachwuchs zu sorgen. Genauso wie es auch bei den Zuchttieren läuft, bei den Pferden zum Beispiel. Da fragt die Stute auch niemand ob sie gerade den Hengst auf sich lassen möchte. Wir sind da wesentlich unflexibler. Aber ich möchte Kinder, meinen Beitrag leisten und Samuel vermutlich auch... oder?“, sah sie ihn unsicher von der Seite an doch er lächelte ihr nur beruhigend zu.

Ja, natürlich. So wie du es sagst. Dafür wurden unsere Gene eigens ausgewählt und wir in die Archen gebracht. Fee braucht schon längst nicht mehr ihr Mitleid, Dok. Nur ein Bisschen Verständnis und Respekt. Sie ist sehr stark.“, behauptete er einfach, was aber Fee nun doch ein bisschen übertrieben fand. Doch sie sagte nichts weiter dazu und hielt der Frau nur den Partnervertrag hin, die ihn abzeichnen und damit offiziell bestätigen musste.

Wenn du es also wirklich so willst, Fee...“, murmelte sie ernsthaft besorgt. Sie sah der jungen Frau noch einmal eindringlich in die entschlos-senen Augen hinein, bevor sie einen Kugelschreiber zückte und den Vertrag eigenhändig unterschrieb.

Vergesst bitte beide nicht dass es auch sein kann dass ihr euch in euren Gefühlen und Vernunftgründen irrt. Dieser Vertrag ist aufhebbar, für euch beide. Doch vorerst wünsche ich euch alles Gute und... gutes Gelingen.“, kopierte sie den Vertrag mit ihrem Scanner und druckte ihn noch einmal für Samuel aus, bevor sie beide wieder an den jungen Mann und das Mädchen zurückreichte.

Danke.“, meinte Samuel nur ernsthaft und ergriff wieder Fee’s Hand um sie mit sich zu ziehen.

Komm mit. Wir sollten ungestört sein, wenn du wirklich versuchen willst schwanger zu werden.“, murmelte er ihr zu und Fee nickte leicht erbleichend.

Sam wusste dass er nun sehr sensibel mit ihr umgehen musste, sonst würde alles gleich wieder zunichte gemacht was sie sich vorgestellt hatte. Und er musste ihr die Führung überlassen, komplett. Sie würde ihm schon mitteilen was sie brauchte oder wollte.

Ich dusche erst, wenn du nichts dagegen hast.“, führte er sie in den Wohnteil der Arbeiter der gerade menschenleer war – alle an der Arbeit, dachte Sam und wollte Fee nur seinen eigenen Raum und sein Bett zeigen und dann mal kurz verschwinden doch sie ließ ihn nicht gehen. Auf einmal stieß sie ihn heftig zurück, dass er überrascht gegen das Stockbett taumelte und öffnete seine Jacke, sein Hemd, seine Hose. Die fiebrige Hasst mit der sie vorging riss ihn komplett mit. Auch er half ihr nun sich auszuziehen, vergrub eine Hand in ihrem Haar und zog ihren Kopf an sich, verschloss ihren Mund mit seinem. Bittersüß schmeckte der Kuss und war doch noch nicht genug. Er spürte fassungslos und schockiert wie sie nun forsch in seine Hose griff und ihn zu reizen begann. Zugleich strampelte sie ihre eigene Hose von sich runter, zappelte mit dem Fuß damit sie von ihr ab viel und zerrte ihn dann beinahe mit sich runter auf sein Bett.

Er hatte Vorsicht für sie gewollt, Respekt, Ruhe, eine nahezu Anbetung ihrer Weiblichkeit. Hatte sich vorgestellt zärtlich zu sein, und ganz behutsam, doch Fee überwältigte ihn einfach nur. Schon riss sie ihn über sich und griff nach ihm, führte ihn zu sich und ehe er wusste was geschah war er auch schon tief in ihr. Sie bewegte sich heftig keuchend gegen ihn, stöhnte, wimmerte... und er bewegte sich schockiert und fassungslos, aber auch so erregt wie nie zuvor mit ihr mit, wurde schneller... Sie auch. Viel zu schnell!

Es war der Himmel, ..und die Hölle. So lange hatte er keine Frau...kein Mädchen mehr gehabt. So warm und weich, fühlte sie sich an...

Binnen weniger Sekunden war es schon vorbei, er zuckte, versteifte sich und kam, laut stöhnend, während sie seine Schultern fieberhaft umklammert hielt und zu seinem Schrecken zu Hyperventilieren begann.

Drei oder vier Sekunden lang spürte er ihren viel zu heftigen Herzschlag an seinem. Hörte ihren keuchenden, viel zu schnellen Atem und stand augenblicklich von ihr auf.

Fee... verdammt... mein Gott! - Tut mir Leid! Ich wollte nicht so wild sein, ich... ich meine... ich wollte nicht über dich herfallen, sondern mir Zeit lassen und dir auch...“, versuchte er sich zu entschuldigen, doch sie lachte nur kurz und irgendwie wild auf, keuchte wieder und rang erstickt nach Atem.

Nein... bitte... war doch total okay so... Alles okay. Es war gut – richtig gut.“, unterbrach sie ihn bebend Lächelnd und ohne ihn anzusehen.

Nur... nur zuletzt war da wieder... meine blöde Kopfsache, keine Luft und so.. alles nur Einbildung... aber... Das passiert mir echt immer wieder, und deshalb ist... ja auch schnell und wild viel besser und voll in Ordnung für mich, als langsam und vorsichtig. Dann denke ich nämlich nicht so richtig darüber nach, verstehst du? Ich hatte mir das schon lange so überlegt... Das das vermutlich besser ist für mich... und es hat echt geklappt. Bei den Anderen Typen hat es bisher nie geklappt wenn die es sanft und langsam und so komisch vorsichtig versucht haben. So mit streicheln und kuscheln und ... und so... Da bin ich immer nur irgendwann weggeflippt. Da war ich hinüber, jedes mal, noch bevor es richtig angefangen hatte. Und es ist dann auch gar nicht noch irgendwie nachher weiter gegangen, kein Versuch mehr, nie! Die Loser haben einfach aufgehört und sind gegangen, weil sie mich so bemitleidet haben. Arme, kaputte Fee... Und deswegen halten die mich auch alle in Arche 2 für meschugge, dass ich jetzt dich zum Partner wollte. Aber ... das bin ich nicht. Ich brauch einfach nur... Ja.... das hier halt.“ Sie schüttelte wieder kurz aufkeuchend den Kopf, lächelte erstaunt zu ihm hoch und hob eine Hand, wie um sich bei ihm zu entschuldigen. „Mach dir einfach keinen Kopf ob das nun so gut war oder nicht... wirklich nicht. Es war gut Samuel, wirklich... du warst sehr... danke.“, keuchte sie nur noch einmal hektisch erbebend, fast gepresst und zerrte sich bereits durch den Raum hetzend ihre Klamotten über die Beine und die Hüfte hinauf. Eine Minute später schon war sie schon raus gerannt als wäre ein Höllendämon hinter ihr her und Samuel fragte sich, erst einmal ganz tief durch schnaufend und das Gesicht in den Händen vergrabend, ob nun er oder sie gerade vollkommen verrückt geworden war. - Und ob er diese kleine, temperamentvolle Fee nach heute Nachmittag wohl jemals wiedersehen würde.


Fee zitterte am ganzen Leib, als sie zurück zur Arche 2 fuhren. Hans hatte nur einen Blick auf sie geworfen, das kreidebleiche, aufgeregte Gesicht und hörte ihren keuchenden Atem. Sie war den ganzen Weg durch den Tunnel zurück nach draußen gerannt.

Hast du dich doch anders entschieden? - Oder er?“, fragte er sie besorgt und sie schüttelte nur mit einem fast schrillen Lachlaut den Kopf.

Nein, alles okay, es hat geklappt und war...echt Okay. Ist gerade nur wieder meine Kopfsache ich bin so blöd... Kann sein das ich Samuel jetzt echt fies beleidigt hab oder so - Aber ich muss zurück... zu meinen Pferden. Gott, dass verzeiht er mir sicher nicht so schnell... aber... Ich muss noch mit dem Doc reden und die Tabelle eintragen... ich fasse es nicht, dass es wirklich geklappt hat. Es hat noch nie vorher geklappt ich... fährst du mich rüber, bitte, Hans? – Jetzt?“, fragte sie Hans zitternd und er half ihr in das Schneemobil hinein und fuhr ohne jedes weiteres Wort wieder hinüber zur Arche 2, wo Fee hastig ausstieg und ebenfalls durch den Tunnel hetzte, rannte bis ihr die Lungen brannten und direkt zu Butterball ging der mit hängendem Kopf dastand.

Jetzt erst hatte sie Zeit nachzudenken und blinzelte verstört.

Sie hatte vollkommen vergessen Samuel wegen dem Flaschenzug um Rat zu fragen. Gott sie war so dämlich... hatte nur an sich selbst gedacht und nicht eine Sekunde lang an Butterball.

Na, wie war’s bei deinem Partner?“, fragte Mika sie ausdruckslos..

Ich hab vergessen ihn um seine Hilfe zu bitten. War wohl zu aufgeregt, wegen der anderen Sache, also der Partnerschaft. Die Psychologin bei denen hat noch versucht es mir wieder auszureden... aber wird sind nun Partner.“, murmelte sie tonlos vor sich hin.

Schön für dich... ist nur leider nicht alles, dieses Stück Papier...“, murrte Mika erneut

missmutig. Fee lachte prompt leise auf und wischte sich ihre Jacke ausziehend den Schweiß von der Stirn.

Nicht mehr nur auf dem Papier, Mika. Das andere hat auch geklappt. Sogar richtig gut. Ich wusste ja, dass er nicht so ein Loser ist und sofort mit allem aufhört, nur weil mein Kopf dicht macht. Er hat es genau kapiert... und mir nicht mal irgendwie weh getan.“, fügte sie hinzu als der Stallbursche bedrohlich finster guckend aufstand.

Fee lachte nur wieder und atmete gleich mehrmals tief durch.

Kann sein dass ich jetzt schon schwanger bin... Währe schön. Dann hätte mein Leben wenigstens wieder eine echte Bedeutung, und währe nicht nur die reine Pflicht an der Pferdewirtschaft.

- Wie geht es ihm jetzt eigentlich, Mika?“, fragte sie besorgt über Butterballs Hals streichend.

Genauso beschissen wie heute morgen. Wir brauchen eine Aufhängung hast du gesagt.

Ja... hab ich gesagt. Mal sehen, vielleicht kann ich ja per Funk mit drüben verbunden werden und eine Nachricht für Samuel hinterlassen, dass er morgen doch mal bitte vorbei kommen soll, hierher zur Arche 2.“, murmelte sie schwach und Mika nickte nur wieder wortlos und kümmerte sich in der Zeit weiter um das kranke Bein des Pferdes, machte Umschläge und kühlte die Schwellung mit kaltem Wasser.

Fee machte sich nichts vor.

Wenn es nicht bald sehr viel besser werden würde, musste man das arme Tier erschießen, um es von seinen Qualen zu befreien. Er schwankte jetzt schon auf seinen drei Beinen herum. Verdammter Lars und seine elenden Stahlkappenschuhe...

Also machte sie wieder kehrt und ging zu dem kleinen Tisch hinüber auf dem die Funkanlage stand.

Vermittlung, hier Pferdestall von Arche 2 ich brauche eine Leitung zur Arche 3 hinüber, in den Fuhrpark. Ich brauche die Hilfe von den dortigen Mechanikern, die sind viel besser ausgerüstet als wir hier in Arche 2. Es hat hohe Priorität. Eines unserer Zuchtpferde ist schwer verletzt und stirbt vielleicht, wenn wir nicht schnell eine mechanische Lösung zu seiner Entlastung finden.“, meldete sie um Ruhe bemüht.

Augenblick noch, Pferdestall, Arche 2, wir stellen sie durch.“, kam die Meldung zurück und dann knisterte es sekundenlang nur in der Leitung.

Fuhrpark, Arche 3. Schießt los Arche 2.“, meldete sich eine ihr unbekannte Stimme und Fee atmete mehrmals ganz tief durch.

Wir haben hier ein schwer verletztes Pferd das auf ein Gestell, einen Flaschenzug in eine Art Hängematte oder ähnliches aufgehängt werden muss, um einen gebrochenen Knochen zu entlasten. Wir haben hier allerdings nicht die Materialien und Werkzeuge dazu. Könnt ihr vielleicht Samuel zu uns rüberschicken, damit er was baut, oder es sich zumindest ansieht, ob es möglich ist? - Hier spricht Fee. Ich bin seine Partnerin, – over.“, schloss sie hastig und sekundenlang rauschte es nur wieder in der Funkleitung.

Hallo 3 habt ihr gehört? Bestätigt bitte! – over.“, sprach sie noch einmal in das Funkgerät hinein.

Endlich klackte es wieder in der Leitung.

Fee, hier ist Sam. Was ist los? – over.“, fragte er sie kühl klingend. Fee schloss kurz die Augen, drückte den Knopf am Funkgerät und schniefte leise bevor sie rau zu sprechen begann: „Kannst du bitte zu uns rüber kommen, Samuel? Eins meiner ... unserer Arche-Pferde ist ziemlich schwer verletzt und ich brauche deine Hilfe. Du bist doch Mechaniker, kannst Sachen zusammenbauen. Kannst du uns vielleicht auch einen Flaschenzug bauen in einem Metall-Gestell, um ein 700 Kilo-Pferd darin aufzuhängen? – over.“, fragte sie zittrig nach und betete halb dass er ihr den heutigen Tag verzeihen würde. Dass er sie nicht meiden würde, weil sie ihn vorhin einfach nur benutzt hatte und dann abgehauen war. – In Panik vor sich selbst, ihrer Courage... einem nahenden Panikanfall. Aber das interessierte ihn bestimmt gerade gar nicht mehr warum und weshalb sie das getan hatte.

Zwei Sekunden vergingen in Stille, drei... vier...

Ich komme, Fee. Bin in ungefähr einer Stunde drüben, muss nur noch ein paar Sachen zusammen packen... Ich verbringe die Nacht dann bei euch in Arche 2. Währe nett wenn du das regeln könntest, bis ich da bin. - Over und Out.“, meldete er sich ab und es rauschte wieder nur in der Leitung.

Danke.“, flüsterte sie tonlos vor sich hin und schaltete dann den Sender kurz aus, bevor sie ihn wieder aktivierte und die Zentrale anrief.

Stallungen Arche 2 an Zentrale, ich erbitte eine Notfallmaßnahme. Ein Mechaniker aus Arche 3 wird für unser verletztes Pferd eine Aufhängung bauen, damit wir versuchen können den Bruch in seinem Knochen zu heilen, damit der Hengst uns vielleicht wenigstens für die Nachzucht von Fohlen erhalten bleiben kann. Für die Arbeit wird er wohl nie mehr zu gebrauchen sein, fürchte ich. Doch ohne Hilfe aus Arche 3 können wir sein Leben nicht retten... Es nicht einmal mehr versuchen. Der Mechaniker Samuel S12 kommt in einer Stunde und bleibt über Nacht, um einen Flaschenzug zu errichten... Bitte um Bestätigung und Genehmigung dieser Maßnahme, over.“, sagte sie in das Funkgerät.

Stallungen Arche 2, hier ist die Zentrale. Die Anforderung wird an die Kommandierenden von Arche 2 und 3 weitergeleitet. Bitte um Standby!“, wies die Funkerin in der Zentrale sie an und Fee hing eine ganze Weile lang ihren Gedanken nach wie sie sich nun Sam gegenüber verhalten sollte, nun da sie ihn so derbe beleidigt hatte. Er hatte ziemlich kühl geklungen. Vielleicht wollte er die Partnerschaft ja nun auch gar nicht mehr, sorgte sich Fee insgeheim. Aber den Vertrag gleich wieder aufzulösen? Was wenn sie schon schwanger war?

Gut, ihr Vater würde sich schon um sie kümmern, doch es wäre dann Samuels Kind... und ein Kind brauchte seinen Vater, oder?

Wenn sie sich einfach bei ihm entschuldigen

würde... ihm erklären könnte das sie eine Panikattacke hatte, dass sie so eigentlich gar nicht hatte gehen oder wegrennen wollen aber nicht anders gekonnt hatte...

Würde er ihr überhaupt noch zuhören?

Fee kämpfte nun wirklich mit den Tränen, als das Funkgerät wieder zu knacken begann.

Arche 3 Zentrale an Stallungen in Arche 2, kommen, Stallungen Arche 2.“, sagte eine emotionslose Männerstimme. Fee ging ans Funkgerät und meldete sich.

Stallungen, Arche 2, hier ist Fee, ich höre, over.“

Stallungen , Arche 2, der Mechaniker Samuel S12 hat die Erlaubnis sich um euer Problem mit dem Zuchthengst der verletzt ist zu kümmern. Bitte um geeignete Unterkunft für ihn, over.“

Stallungen Arche 2, Samuel S12 wird bei mir, seiner eingetragenen Partnerin Fee F3 übernachten, deren Verbindung seid heute offiziell ist.“, meldete sie mit klopfendem Herzen zurück.

Es dauerte ein paar Sekunden, bis der Kommandant das scheinbar verdaut hatte.

Arche 3 verstanden. Da gibt es also wohl auch noch was zu feiern, Stallungen Arche 2. Aber ihr müsst unseren Mechaniker nicht für Übernachtungen privater Natur anfordern. Wir lassen ein verbundenes Paar tatsächlich auch so zusammen-kommen.“, meinte der Kommandant der Arche 3 reichlich trocken klingend.

Fee kämpfte wieder mit sich, um nicht ebenso trocken und idiotisch zu antworten wie der Kommandant gerade:

Stallungen, Arche 2 an Arche 3, bitte genau hinhören! Stallungen Arche 2 fordern Unterstützung bei der Rettung eines verletzten Zuchthengstes an, der von einem unglaublich dämlichen Arbeiter aus Arche 2 mit einem wohl platzierten Tritt den Knochen gebrochen bekam. Wenn ihr uns nicht glaubt kommt her und überzeugt euch selbst davon. Wir haben nur noch diese sechs Hengste, Arche 3. Auch nur einen davon zu verlieren könnte das Aussterben der Tierart zur Folge haben, die wir aber dringend für die Feldarbeit brauchen werden, wenn wir eine Siedlung eröffnen, Felder bestellen wollen und die Maschinen irgendwann nicht mehr funktionieren! Das ist keine private Anforderung von Arche 2, das hier ist ein Notfall, sonst würden wir ja wohl kaum einen offiziellen Antrag stellen, over!“, sagte sie bemüht ruhig in das Sprechgerät hinein, aber sie wusste selbst dass sie zornig und aufgeregt klang.

Wieder blieb es gut eine Minute still.

Arche 3 verstanden. Genehmigung der Anforderung eines Mechanikers über Nacht zum errichten eines Flaschenzuges für ein verletztes Pferd erteilt. Over und Aus.“, kam es endlich ausdruckslos aus dem Funkgerät heraus.

Fee hätte das Funkgerät beinahe hin geschmissen so sauer war sie über die Annahme des Kommandanten in Arche 3.

Ob Samuel das nun ebenfalls so glaubte? Dass sie ihn nur herbestellte, weil sie ihn sehen oder noch mal so benutzen wollte wie vorhin?

Die Tränen liefen ihr schon längst über das Gesicht als sie es bemerkte . Zornig versuchte sie sich die Augen zuzuhalten und schluchzte trotzdem wie ein Schlosshund vor sich hin. Es war nicht aufzuhalten.

Fee?“, fragte Mika sie leise von irgend woher.

Geh... ist nichts. Sie schicken jemanden rüber der einen Flaschenzug für Butterball aufbaut damit wir ihn aufhängen können. Geh zum Doc und hol ein Sedativa für den Hengst. Ich will nicht dass er sich aufregt und bitte ihn selbst auch noch mal zu kommen, auch wenn er kein Tierarzt ist. Wenn der Bruch nicht heilbar ist, nutzt uns auch das beste Gerät nichts.“, sagte sie schluchzend zu ihm und hielt sich noch immer die Augen zu.

Fee warum weinst du? Was ist denn los? Soll ich deinen Vater holen? Dr. Georg?“

NEIN!“, schrie sie ihn beinahe an und ließ nun doch ihre Augen wieder los, aber sie konnte ihn gar nicht geradewegs ansehen. „Geh... geh einfach und lass mich in Ruhe... ich... hab 'ne Attacke. Panik... sonst was... Kopfsache... weiß ich doch nicht. Lass mich einfach und verschwinde Mika!“, schluchzte sie wieder und stolperte hinter dem Schreibtisch auf ein paar Container zu, setzte sich darauf und nahm den Kopf zwischen die Knie, versuchte ruhiger zu atmen doch sie zitterte und bebte am ganzen Leib.

Oh Mann...“, murmelte Mika nur erschrocken und rannte davon.

Scheiß auf ihre Antwort. Er würde Dr. Georg verständigen. Fee war ja vollkommen fertig mit der Welt.

Er rannte durch die Stallhöhle, durch die Fahrzeughöhlen, durch den Aufbau vor

dem Ausgangstunnel als ein kleiner Laster mit halsbrecherischer Geschwindigkeit herein geschossen kam und vor Mika scharf abbremste.

WOW!“, schrie der erschrocken und setzte sich auf den Hosenboden.

Der Fahrer stieg aus. Es war Samuel Haggedorn, Fee's Partner... schon da. Er musste geflogen sein.

He Mann, alles klar?“, kam er mit schnellen Schritten auf Mika zu, der sich gerade wieder auf rappelte und auf Sam zu rannte.

Geh zu den Stallungen, bis ganz nach hinten durch Mann. Fee hat grade 'ne Attacke oder so. Panik oder sonst was. Sie heult sich die Augen aus dem Kopf und sieht echt mies aus, hyperventiliert...“

Sam rannte schon los, noch bevor Mika zu ende gesprochen hatte und er setzte seinen

Weg zur Kommandohöhle fort und rannte sich fast die Lungen aus dem Hals heraus.



Sams Herz klopfte zum Zerspringen... ein Anfall?

FEE!“, rief er nach ihr, kaum das er die Pferdeställe erreicht hatte. Er rannte bis ganz nach hinten durch. Da stand ein Schreibtisch, ein Funkgerät ein verlassener Stuhl, doch keine Fee.

Fee, wo bist du? Ich bin’s Sam! Wo bist du, Fee?“, drehte er sich einmal um sich selbst. Irgendwo polterte eine Kiste zu Boden. Er hetzte um den Schreibtisch herum und ging in den hinteren Teil der Vorratskammern, die alle Möglichen Pferdepflegeprodukte enthielt. Da lag sie zitternd wie unter einem Epileptischen Anfall auf dem Boden und hielt sich selbst fest umschlungen. Die Laute die sie ausstieß waren kaum hörbar, scheinbar versuchte sie es irgendwie zu unterdrücken, was immer auch gerade mit ihr passierte.

Mit zwei schnellen Schritten war er bei ihr und hob sie auf, trug sie zu einer Kiste und setzte sich mit ihr auf dem Schoß dort hin und hielt sie einfach nur fest, weil er nicht wusste was er sonst tun sollte.

Fee.. ist gut... ich hab dich, ist gut. Alles ist wieder gut, ich bin hier Fee. Ich bin hier.“, legte er sein Kinn auf ihrem bebenden Scheitel ab.

...Ha... ha...hamm.“, meinte er sie sagen zu hören. Vielleicht meinte sie ja Sam?

Ja, ich bin da. Alles in Ordnung. Was rennst du auch einfach so weg wie ein kopfloses Huhn? Du brauchst nun ein bisschen Ruhe, hm? Ein bisschen was zu trinken und zu essen und eine Mütze voll Schlaf, glaub ich.“, murmelte er einfach irgendwas vor sich hin, nur um sie zu beruhigen. Ihre Gesichtsfarbe erschreckte ihn, ihre riesigen Augen. Attacke traf das wirklich gut. Sie war ja kaum richtig bei Bewusstsein.

Schhh... Fee. Ich bin hier, ist gut, ich bin hier.“, hob er sie wieder auf und sah sich suchend um. Auf dem Tisch stand eine halb volle Flasche Wasser. Er setzte sie darauf nieder und schraubte mit einer Hand den Deckel auf, mit der anderen hielt er sie weiter fest, weil sie sich nicht selbst halten konnte. Sie zitterte und bebte wie verrückt.

So, du trinkst jetzt einen Schluck Wasser, Fee!“, ordnete er energisch an und hob ihr die Flasche an den Mund. Sie spuckte das meiste wieder aus doch Sam sah sie auch schlucken also hob er die Flasche wieder und wieder an und sorgte dafür dass sie zumindest ein bisschen Flüssigkeit zu sich nahm. Dann aber packte er sie wieder und brachte sie runter zum Pferdestall.

Die Arbeit hatte sie sich bestimmt nur ausgesucht, weil sie ihr geholfen hatte. Sie hatte selbst gesagt sie fühlte nichts für andere, nichts für Männer - nur für die Pferde. Er suchte und fand den Stall mit der Stute und dem Fohlen wo sie sich kennen gelernt hatten, öffnete den Verschlag und trug sie hinein. Setzte sie ins weiche Stroh und drückte ihr die Flasche mit dem Wasser erneut in die Hand.

So... sitzen bleiben, ruhig werden, atmen!“, befahl er ihr streng. Sie sah ihn nur verwirrt an aber das Zittern ihrer Glieder schien an Ruckartigkeit verloren zu haben. Sam nickte ihr nur wieder grimmig zu und ging mit großen Schritten hinaus. Einen Mann in der Nähe zu haben, wenn Mann gerade nichts fühlen konnte außer Panik, war bestimmt nicht förderlich, also blieben nur ihre Pferde. Das Fohlen das sie eigenhändig auf die Welt geholt hatte...

Er schloss den Verschlag wieder und stellte sich wie ein Wächter davor.

Der Stallbursche kam gerade zurück, auf dem letzten Loch pfeifend und ihm folgte ein

dicklicher Mann mit Hornbrille und ... Fee’s Vater. Er hatte Herrn Hoffmann zuletzt vor zweieinhalb Jahren gesehen, noch vor der Eingliederung in die Archen. Er hatte sich nicht viel verändert, außer dass er bleicher und hager geworden war, weil das Sonnenlicht hier unten fehlte.

Wo ist Fee - und wer zum Teufel sind sie?“, fragte Dr. Georg ihn keuchend und sah sich aufgeregt um.

Fee hat gerade eine Auszeit, Doc. Sie sind doch der Psychoklemptner. Sie müssten doch eigentlich wissen das Fee nur die Pferde mag, nichts sonst und wenn sie Angst oder Panik bekommt bringt man sie am besten dorthin hab ich mir gedacht. Da direkt zu dem Fohlen.

Und ich bin Samuel S12, seid heute ihr eingetragener Partner für ESA.

Ich weiß genau wer sie sind, Haggedorn. Ich weiß auch wer ihr Vater war.“, zischte Herr Dr. Hoffmann zynisch und wollte ihn vom Gatter weg schieben doch Sam rührte sich nicht vom Fleck und ließ auch niemanden in den Stall hinein.

Nein, wir warten jetzt, Sir. Fee braucht Ruhe, keine Hektik. Sie hatte einen langen Tag, okay? Außerdem hat sie sich heute selbst überwunden und war so stark wie wohl lange nicht mehr. Sie hat mich als Partner gewählt und heute ihren fruchtbaren Zyklus gehabt, ist bei mir in 3 aufgetaucht und hat gemeint wir tun mal was für ESA, aber es war eher was für sie. Sie haben sie hier in 2 ja beinahe tot gepflegt, Sir, dabei braucht sie das nicht, Hoffmann. Sie braucht Leben und Gefühle und wenn sie die nur bei den Pferden bekommt, zum Teufel noch mal dann lassen sie sie doch einfach da drin sitzen so lange sie will, - oder Doc?“, wandte er sich wieder an den Psychologen, der seitlich an den Zaun getreten war und zu Fee hinüber blickte die nun nur noch ab und an ein bisschen zuckte. Das Fohlen war zu ihr gekommen und schnupperte an ihren noch leicht bebenden Händen, die Augen hielt sie nun halb geschlossen.

Paul, ich denke der Junge hat recht. Wir helfen ihr nicht wenn wir jetzt zu ihr rein stürmen. Sie beruhigt sich gerade schon wieder, schneller als letztes mal, deutlich schneller. Komm her und sieh selbst. Es geht ihr gerade schon wieder recht gut. Dein neuer Schwiegersohn hat sie anscheinend bereits besser kennen gelernt als wir es in der kurzen Zeit für möglich hielten.“, atmete Dr. Georg erleichtert auf und musterte dann den wild aussehenden jungen Mann in der Mechanikerkleidung aufmerksam von Kopf bis Fuß.

Nun ja. Wie sie sich denken können, Samuel, haben wir Fee von einer Beziehung abgeraten. Sie ist noch nicht sehr stabil und ich finde sie sollte auch noch mit Kindern warten, bis sie ihr Trauma überwunden hat...“, begann er angelegentlich zu sprechen und nahm seine Brille ab, um sie an seinem Hemd ab zuputzen. Sam runzelte lediglich die Stirn und schwieg, so wie auch Dr. Hoffmann der den Jungen misstrauisch und fast schon böse anstarrte.

Hatten sie Sex mit meiner Tochter, Junge?“, fragte er ihn frei heraus.

Ja, Sir, auf ihren Wunsch hin, hatte ich Sex mit Fee. – Was dagegen einzuwenden?“, fragte er ebenso finster, wie der alte Herr schaute.

Prompt hob er auch schon die Faust.

Wenn du Bastard meiner Kleinen weh getan hast und sie deshalb nun so durch den Wind ist, dann gnade dir Gott. Den letzten Idioten der sie gezwungen hat hab ich persönlich erschossen...“

Was wahrscheinlich auch der Grund ist das von den meisten Teenagern die in die Archen gesteckt wurden keine Eltern mit dazu genommen wurden, Sir. Sie haben sie über behütet und nun ist Fee eben ausgebrochen. Sie hat mich gewählt und ich mache das was sie von mir will. Vorhin hat sich mich um Hilfe gerufen, jetzt bin ich da. Vorhin war sie bei mir in 3 und wollte Sex von mir, ihrem Partner. Den hat sie bekommen und ich habe ihr nicht weh getan. Das würde ich nie tun.“, knurrte er gefährlich sanft.

Sie hat sich soweit geöffnet um einen Mann... gewähren zu lassen? Wie das? Hat sie die Augen zugemacht und durch? Hat sie sich beteiligt oder war sie reglos? Hatte sie schmerzen... oder konnte sie sogar Lust empfinden? Sonst bekommt sie bei der kleinsten, zartesten Berührung doch immer schon Panik, Atemaussetzer, Herzrasen und ...“

Doktor ich werde mich jetzt ganz sicher nicht mit ihnen über Fee’s Liebesleben unterhalten. Sie ist keine Laborratte sondern ein lebendiger Mensch und sie sollten sie und ihre Gefühle als solche Respektieren, finde ich.“, knirschte Sam nun doch hart mit den Zähnen und sah dann Fee’s Vater vorwurfsvoll an.

Haben sie den Scheißer hier eigentlich immer so mit und über ihre Tochter reden lassen, Sir? Kein Wunder dass dann die ganze verdammte Arche hier glaubt Fee sei vollkommen kaputt und gestört. Kein Wunder auch das sie sich bei uns in Arche 3 nach einem anderen, normaleren Typen umgesehen hat, der sie ganz einfach nur als Partnerin sehen kann... und sehen wird. Und als solcher weise ich sie beide darauf hin dass sie ihre Menschenrechte beschneiden, ihre Würde mit Füßen treten und nun am besten mal wieder die Fliege machen. Fee hat nämlich noch zu arbeiten und ich auch. Ich muss einem kranken Pferd eine Hängematte bauen, damit es vielleicht wieder gesund werden kann. Darum macht sie sich gerade nämlich große Sorgen. Das und zu viel Stress, zu wenig Schlaf, nichts zu essen oder zu trinken im Magen... sie überfordern sie total mit ihren Ansprüchen nur ihre Arbeitskraft nutzen zu wollen, aber sonst eher nichts. Da fühlt man sich echt minderwertig und ich weiß genau wovon ich spreche. Auch in meiner Arche wollte kein Mädchen noch was mit mir zu tun haben, nur weil ich der Sohn von jemandem bin der grausam war und schlecht. Ich habe aber ebenso wie alle anderen gegen ihn gekämpft, gegen meinen eigenen Vater... Doch hinterher hat das keinen mehr interessiert. Er war schlecht und der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Doch für Fee werde ich nun da sein, ob sie es nun gut heißen oder nicht.

Denn sie interessieren sich im Grunde auch nicht für sie, sie nehmen sie nur auseinander und zwar seelisch und geistig und zerstören ihr bestimmt früher lustiges Wesen nach und nach, indem sie sie in die ewige Geschichte einbinden von dem armen Opfer das niemals darüber hinwegkommen kann was geschehen ist. Und ja, vielleicht ist das so. Aber sie haben nicht das Recht – sie alle nicht – Fee's Probleme in die Welt hinaus zu tragen, jedem Typen der sie auch nur mal ansieht zurückzupfeifen und ihr die freie Wahl zu nehmen sich selbst mit den Menschen zu beschäftigen oder ihnen aus dem Weg zu gehen.

Bei mir hat keiner damit gerechnet dass sie mich überhaupt bemerkt. Und sie hat mir auch sofort klipp und klar gesagt das sie mich weder sonderlich anziehend findet noch Liebesschwüre von mir will. Keinen großen Kuschelkontakt, keine emotionalen Verwicklungen - sondern einfach nur meine Gene, dann wenn sie es mir sagt und später in der Siedlung dann meine Unterstützung als Partner, wenn sie Kinder für ESA haben sollte. Sie will ihren Vertrag erfülle und so sein wie alle anderen, nur eben zu ihren Bedingungen. Das ist wenig genug finde ich und sie gibt mir dafür eine ganze Menge mehr als ich noch zu hoffen wagte.“

Aber der Sex mit ihnen hat ihr gefallen? – Oder hat es dabei wieder eine Kurzschlusshandlung gegeben?“, hakte der Psychologe noch einmal ein.

Sams Augen blitzten gefährlich auf.

Welchen Teil von halten sie ihre schmutzigen Fragen zu Fee’s Sexleben aus diesem Gespräch heraus haben sie nicht verstanden, Doktor?“, grollte er nun gefährlich ruhig. Der Arzt sah sich bereits mit gebrochenen Knochen am Boden liegen, also suchte er mit den Augen schnell die Unterstützung von Fee’s Vater, der aber nur mit ernster Miene den Gefährten seiner Tochter anschaute und schließlich nickte.

Kurz sah er noch einmal zu seiner Tochter hin die gerade ihre Hand nach dem Fohlen ausstreckte, um es zu berühren. Es schien ihr schon besser zu gehen, nur ihre noch leicht glasigen Augen zeugten von dem Panikanfall der sie vorhin übermannt hatte.

Sie scheint jetzt wieder ruhig. Samuels Therapie scheint tatsächlich besser zu wirken als alle Analysen, Doktor, also versuchen wir es mal eine Weile ohne Gespräche und Reflektionen. Vielleicht hat er ja recht und sie sollte nun wieder selbstbestimmt und eigenverantwortlich entscheiden und handeln lernen. - Was sie früher übrigens schon sehr gut konnte.“, brummelte Dr. Hoffmann an den jungen Mechaniker gewandt, der nur ernsthaft nickte.

Ich passe auf sie auf, wenn ich in der Nähe bin. Und wenn sie mich so wie heute ruft bin ich da.“, versprach er ihm finster.

Dr. Hoffmann nickte nur noch einmal und wandte sich zum gehen.

Paul...“, rief Dr. Gregor ihn entnervt und hob die Arme. „Paul, das ist deine Tochter. Sie braucht dich.“, zürnte der Psychologe lautstark.

Fee’s Vater sah noch einmal zu seinem Freund und Arzt seiner Tochter zurück und musterte ihn kühl. „Sie braucht jetzt gerade nur die Menschen, die sie sich sucht. Und sie hat den da gefunden. Auch wenn es mir nicht sonderlich gefällt, auf welche Weise sie gewählt hat. – Und wen... Er ist hier. Und er scheint sie zumindest ein bisschen kennen gelernt zu haben. Es geht ihr gut. Und ich habe eine Arche zu leiten.“

Paul das ist Gefühlloses Verhalten!“, hetzte der Arzt ihm nach und packte seinen Arm.

Nein, es ist rational und wenn du in den letzten Tagen mal ein bisschen aufgepasst hättest, hättest du mitbekommen das deine Patientin, meine Tochter – auf die ich übrigens gerade ziemlich stolz bin – ebenfalls eine rationale Entscheidung getroffen hat und damit eine logisch fundierte.

Sie opfert sich für ESA. Sie nimmt an den Programmen wieder Teil. Sie hat ihren Knacks weg und das lässt sich verdammt noch mal auch nicht wegdiskutieren, doch ihr derzeitiger Partner kommt anscheinend damit klar und ich damit auch. – Wieso bin ich der Einzige von uns beiden, übrigens Forscher und Physiker, der gerade erkennt das da ein Psychologe vor mir steht der seinen Patienten vor lauter Mitleid nicht loslassen und am ESA-Programm teilnehmen lassen kann, wegen dem wir hier alle aufeinander hocken?“,

herrschte er den Arzt an und ging dann fort.

Sam zog nur die Brauen hoch, als der Arzt sich wieder verwirrt und sauer zu ihm umdrehte, hielt seinem Blick stand, doch dann sah er starr an ihm vorbei und Sam fühlte das Fee gerade hinter ihn getreten war. Er lauschte und hörte ihren lauten Atem, der immer noch etwas zu schnell ging aber schon wesentlich ruhiger als eben gerade noch.

Wir kommen zurecht, Doc.“, sagte er also nur reichlich reserviert und nickte dem Psychologen kurz zu. Da drehte auch er sich um und ging davon.

Fee räusperte sich leise hinter ihm und hielt sich an den Stangen der Umzäunung fest,

gleich neben Sams Ellenbogen, doch er beschloss immer noch nicht auf sie zu reagieren, sondern ihr noch etwas Zeit zu lassen. Schließlich war sie heute schon einmal vor ihm geflohen. Vielleicht hatte sie den Anfall auch nur gehabt, weil er rüber kommen sollte.

Tun wir das?“, fragte sie ihn da sehr leise und heiser, zittrig...

Ja, wir kommen zurecht.“, bestimmte Sam nur hart und kühl klingend, obwohl es kräftig in ihm rumorte. Dann drehte er sich zu Fee um und sah ihr in die unglaublich blauen Augen. Ihre Lippen bebten immer noch.
Fee blieb fast das Herz sehen bei seinem grimmigen Anblick, kühl und distanziert. Nicht so wie eben als er sie gehalten hatte.

Was sollte sie nun tun, was nur?

Samuel. Es...Es tut mir Leid ...das vorhin, drüben in Arche 3. Ich ...hab dich mies behandelt, das weiß ich und ich kann wirklich nicht sagen, was da in mich gefahren ist. Früher war ich nicht so und ich dachte auch nie...“, begann sie stockend doch er beugte sich einfach vor und legte zwei Finger auf ihre bebenden Lippen.

Nicht.“, bestimmte er kurz und sah sie ernsthaft an.

Fee wusste dass er eine weitere Erklärung oder Entschuldigung nicht hören wollte und biss sich fest auf die Lippe, um nicht zu weinen.

Dabei tat sie es doch schon längst.

Fee, du warst von Anfang an ehrlich zu mir, offen und direkt. Das bevorzuge ich. Und du musst dich auch nicht entschuldigen. Vielmehr muss ich es tun. Ich war zu wild zu dir, das hat dich erschreckt. Du hast es vom Verstand her wohl wirklich genau so bevorzugt, aber es hat dich auch furchtbar erschreckt, ... Nein, sei still und hör auf den Kopf zu schütteln. Ich bin kein Idiot.“, wies er sie milde zurecht und grinste dann unversehens.

Das eben hier war wohl nur die etwas verspätete Reaktion darauf. Du hast doch selbst gesagt dass das immer so passiert. Einer gräbt dich an, du willst Sex von ihm, ihr kommt langsam ins Spiel rein und dann knallst du durch. Diesmal nicht sofort, ist doch schon mal ein Vorteil gewesen. Aber du musst dir zwischendurch auch eine Auszeit nehmen, wenn so was läuft. Geh zu deinen Pferden und setze dich eine Weile hin, überlege nicht lange rum, sondern entspann dich einfach, atme und lebe weiter. Das ist der Schlüssel zur inneren Ruhe.“, griente er sie noch kurz an und stieß sich dann vom Gatter ab um es zu öffnen.

Fee wusste nichts zu sagen auf seine vermessene aber auch phylosophische Art die Dinge zu sehen. Er war sogar noch verrückter als sie selbst, fand sie, doch seine Ruhe beruhigte sie in ihrer Sorge er könnte jetzt doch wieder einen Rückzieher machen.

Er schien ganz und gar nicht böse auf sie zu sein. Und vielleicht war er ja auch genau so ein Typ der nur schnellen Sex wollte und dann nichts weiter – gab es doch, oder?

Also würde sie ihm doch in dem Fall gerade recht kommen.

Erleichtert atmete sie mehrmals tief durch und wieder nickte Samuel auf sie runter. Wenn er so vor ihr stand überragte er sie doch ganz gewaltig, fand Fee und trat einen schnellen Schritt von ihm zurück. Er schien den Wink zu verstehen und schloss das Gatter hinter ihr wieder zu, legte den Riegel vor und tat vollkommen unbeschwert.

So und nun zeig mir mal deinen Notfallhengst. Ich hab Befehl ihn zu fotografieren, weil du anscheinend vorhin unseren Kommandanten - ob zumindest seiner Annahme das Pferd sei nur ein Fake, um mich rüber in dein Bett zu locken, zurechtgestutzt hast.“, grinste er breit.

Fee runzelte besorgt die Stirn.

Er wusste nicht dass ich deine Partnerin bin.. also ich hab mich nicht mit Namen gemeldet. Er war ziemlich schroff und trocken und hat gemeint das er einem frisch verbundenen Paar ja nicht im Weg steht und wir einfach nur fragen sollten, statt so eine Anforderung im Notfallbereich zustellen aber... es ist ein Notfall, Sam sonst würde ich das nie über die offiziellen Kanäle sagen und damit andere wichtigere Anfragen blockieren. Butterball ist wirklich schwer getreten worden und hat wohl eine Absplitterung von Knochenteilen am Vorderfußwurzelgelenk. Der Arzt kann sich das erst ansehen und eingegipsten, wenn er spediert ist und oben hängt, weil ... Ist ja auch egal. Doch wenn er weiter nur das geringste Gewicht darauf lässt müssen wir ihn erschießen. Er ist einer unserer besten Hengste. Und wir haben nur die Sechs. Wir müssen sowieso schon sehr genau gucken um einen Inzest zu vermeiden und Vielfalt zu züchten. Er war auch der beste Kandidat für die Feldarbeit, ruhig und stark. Dieser beschissene Lars hat ihn getreten, nur weil der seine eigenen Füße nicht kontrollieren konnte und unter einen Huf geraten ist. Butterball hat noch nie jemandem böswillig auf dem Fuß gestanden. Und wäre Lars neben ihm oder hinter dem Pflug gegangen wie wir es ihm gezeigt haben, dann wäre das auch nicht passiert. Und jetzt...“, trat sie aufgeregt aus dem Gatter heraus und ging ein paar Plätze weiter nach links um ihm den Hengst zu zeigen der den Kopf bis fast zum Boden hängen ließ und ein dick verbundenes Bein hatte.

Oh, armer Kerl.“, murmelte Sam leise und maß mit dem Auge die Größe und das Gewicht des Pferdes. Er hatte dickes Metall-Gestänge und die gewünschten Rollen und dicke Seile für einen Flaschenzug und noch dazu eine riesige Zeltplane mitgebracht.

Es müsste hinkommen fand er knapp nickend und sah sich oben die Felsendecke an. Keine Chance daran ein so schweres Pferd zu hängen.

Aber alles der Reihe nach, ermahnte er sich selbst.

Zuerst fotografierte er das Pferd und schickte die Datei rüber zur Arche 3, damit die sich wieder ein kriegen konnten, mit ihren Meinungen über Arche 2.

Dann winkte er Fee zu sich, die immer noch reichlich bleich wirkte ihm zu folgen.

Ich hab alles mitgebracht was ich brauche um dein PS aufzuhängen. Übrigens nette Metapher.“, griente er ihr wieder kurz zu und winkte auch Mika ihm zu folgen.

Ihr müsst ein bisschen Platz schaffen, ich fahre mit dem kleinen LKW hier rein. Die Stangen her zutragen würde sonst Stunden dauern...“

Ich hab mir erlaubt unseren Soldaten Bescheid zu geben.“, unterbrach Mika ihn kühl.

Sie tragen sie gerade rein. Wir sind alle besorgt um den Hengst. Er ist der Beste den wir haben und wir haben ja nicht viele hier. Arche 1 war eigentlich der Hauptstützpunkt für die Pferdezucht, aber wir wissen ja nicht ob die noch da sind nach den Meldungen. – Und wenn es Überlebende gibt, dann sicher nicht unter den Pferden. Die werden sie höchstens zum Essen mitgenommen haben in die tiefer gelegenen Höhlen. Dr. Körner aus Arche 1 hatte damals in weiser Voraussicht darauf bestanden einen zweiten, kleineren Zuchtpunkt einzurichten falls einer von beiden verloren gehen sollte, bei den heftigen Sonnenstürmen und der enormen Hitze, sogar bei uns unter der Erde war es heiß wie im griechischen Hochsommer. Hätten wir damals die Kaltwasser-Brunnen aus der Tiefenbohrung nicht gehabt, währen auch unsere Pferde eingegangen und bei denen da drüben hatten sie ja angeblich auch schon sechzig Grad erreicht. Da schmort man schon richtig und zieht innerhalb weniger Stunden gut durch.“

Mika...“, murmelte Fee und der Pferdepfleger zuckte mit den Schultern.

Ich sage nur wie es ist, Fee. Du hoffst ja immer noch, weil die auch acht Araber dabei hatten und die in der Wüste ja oft ähnliche hohen Temperaturen ausgesetzt waren, aber nicht Tag und Nacht. Und nicht über Wochen oder Monate oder zwei Jahre hinweg.“,

Aber jetzt gerade geht es nicht um Arche eins sondern um diesen Hengst hier.“, grollte Samuel den Stallburschen wieder finster an und nickte zu den Tunneln hin.

Sag den Soldaten sie sollen herkommen. Nicht irgendwo am Anfang der Höhle, Ich brauche das Material hier bei dem Pferd. Es weiter wegzubringen und dort zusammen zu schweißen wäre unklug, auch wenn hier leicht entzündliche Materialien rum fliegen. Aber wenn ich woanders die Hängematte für euren Butterball zusammenschweiße, können nachher nicht mal mehr fünfzehn Mann das Ding heben, geschweige denn transportieren.“, gab er Mika einen Wink und der stampfte seufzend davon.

War ja klar, dass ich wieder der Laufbursche bin.“, hörte Fee ihn noch brummeln.

Sie drehte sich wieder zu Sam um, doch der hatte schon einen Zettel und einen Stift herausgezogen und schieb und zeichnete darauf herum, mit bitterernster Miene und immer wieder höchst abschätzenden Blicken auf das Pferd.

Fee verhielt sich derweil ganz still, weil sie nicht wusste ob er es leiden konnte wenn sie mit ihm sprach, wo er doch gerade arbeitete.

Ihr Vater zum Beispiel wurden dann immer ganz fuchsig und genervt. Also ging sie zu dem Hengst hinein, um den Verband wieder mit kaltem Wasser an zuschütten und ihm ein weiteres Schmerzmittel in die Flanke zu verabreichen.

Guter Junge. Gleich tut es nicht mehr so weh. Alles gut. Samuel hilft dir und baut dir eine Hängematte. Dann kannst du darinnen locker abhängen und ganz cool sein... für die vielen Ladys die es noch zu begatten gilt, mein Freund. Du hast bisher nur ein Stutfohlen gezeugt. Wir brauchen aber auch noch einen starken und kräftigen Sohn von dir, damit es eine eigene Blutlinie geben kann. Wenigstens das noch, Butterball. Wenigstens noch einen Sohn... und zehn hübsche Töchter, die wiederum kräftige Söhne austragen.“, schmeichelte sie ihm sanft.

Samuel konnte sich ein Glucksen nicht verkneifen und sie sah ihn über ihre Schulter gewandt an.

Was?“

Du verlangst ja nicht besonders viel von ihm. Einen Sohn und zehn Töchter. Das ist nur elf mal Sex mit den Stuten. Das erinnert mich so ein bisschen an meine Jobbeschreibung. Ein paar Kinder, wobei bei uns die Anzahl nicht so genau definiert ist.“, schmunzelte er belustigt. „Wie sieht’s aus Fee? Einen Sohn und zehn Töchter?, fragte er sie belustigt.

Lach du nur. Aber in unserer Familie gibt es oft Zwillingsgeburten... ich meine es gab oft Zwillingsgeburten.“, korrigierte sie sich finster und Sam wurde auch augenblicklich ernst.

Fällt es dir auch so schwer hier zu stehen und über die zu reden die vor zwei Jahren bei lebendigem Leibe verbrannt sind?“, fragte er sie nun deutlich reservierter.

Fee nickte knapp. „Mich hätten sie auch draußen gelassen, wenn das mit den vielen Zwillingen nicht gewesen währe. Darauf haben sie hier in unserer Arche schließlich auch verstärkt geschaut. Das es viele Babys in kürzerer Zeit geben kann. Die meisten Mädchen in Arche 2 haben Zwillinge in ihrer Familie oder ihre Eltern oder Großeltern sind Zwillinge gewesen, das vererbt sich oft über eine Generation hinweg an die nächste.

Eineiig oder zweieiig?“, fragte er sie überrascht und neugierig.

Fee grinste wieder schwach. „Beides. Die elf Kinder könnten also durchaus was werden, Sam. Meine Großmutter hatte sogar eineiige Drillinge. Drei Jungs, einer sah haargenau so aus wie der andere. Und meine Mutter kam danach. Also wer weiß. Wir haben hier extra eine erweiterte Krankenstation für Frühgeburten, Mehrlingsgeburten und eine extra Hebamme zu den zwei standartmäßig eingeteilten Hebammen pro Arche noch dazu, sowie zwei Gynäkologen, falls mal einer ausfällt. Es gibt auch einen Notfalloperationssaal, wo auch Kaiserschnitte gemacht werden können in einem Krankenwagen der neuesten Art – vor der Erruption. Neuere wird es niemals mehr geben, doch dort passt alles rein was Mann braucht um einen Menschen zu retten, der schwer verletzt ist ...oder eine Mutter, die es nicht schafft auf natürliche Weise zu gebären. – Bist du fertig mit deiner Zeichnung?“, fragte sie ihn angelegentlich.

Hier!“, reichte er ihr sein Muster zu und Fee betrachtete das Blatt stirnrunzelnd. Versuchte sich darauf zu konzentrieren, sich cool zu geben, locker. Aber sie war es nicht. Immer noch flatterte ihr Puls. Und ihr Herz hatte sich auch noch nicht wieder richtig eingekriegt. Es wummerte wie irre in ihrer Brust herum.

Alles okay, Fee. Lass dir noch ein bisschen mehr Zeit. Keiner erwartet das du immer und zu jeder Zeit funktionierst. Du bist keine Maschine, auch wenn du dich dazu entschlossen hast wie eine zu laufen. Doch auch Maschinen müssen ans Strom-gerät um aufzuladen, denk daran. Hier unten gibt es keine Sonne. Das verstärkt noch unsere allgemeine Depression, auch wenn es in dieser Höhle Tageslichtlampen für die Pferde gibt. – Und für euch.“

Samuel...“, murmelte Fee leise und er strich ihr sachte eine lange Haarsträhne über die Schulter zurück. „Was denn, Fee?“, fragte er sie freundlich.

Ich... hätte den Vertrag nicht schließen sollen.“, gestand sie ihm schließlich heiser.

Ich bin zu kaputt um ein normales Leben zu führen und du bist zu nett und zu freundlich...“

Wow...wow...!“, trat er ein paar Schritte von ihr zurück und hob die Arme.

Keinen Stress jetzt, nur weil ich meine Pflicht erfülle. Nett und freundlich, denkst du?

Das ich nicht lache. He wir hatten Sex.. unglaublich wahnsinnigen und schnellen Sex. Aber wir haben nicht gekuschelt, nicht geschmust und ehrlich gesagt brauch ich das auch gar nicht. Ich dachte echt ich muss mich hier noch irgendwie verbiegen, um so zart und vorsichtig und ...tja.. gezähmt zu sein, wie du das vielleicht gerne brauchst und willst, aber das es schnell und heiß war, war vollkommen okay. Das bin ich. Gefühle – Tja... die hab ich nicht so für dich, ich meine wir kennen uns ja kaum. Aber ein Körper ist ein Körper, oder? Und ich hatte vorher schon lange keinen mehr.
Und wenn dann eine Frau so rann geht wie du, Tja, dann gibt es eben wilden Sex. Alles so, wie du es anfängst, Fee. Und ansonsten kümmere ich mich um meinen eigenen Scheiß und setze dich bei deinen PS ab, damit du dich wieder ein kriegst. Das würde doch nun wirklich jeder tun, mit ein bisschen Grips in der Birne. Es bedeutet aber nicht gleich dass ich dicke Liebe von dir will oder brauche. He, dein Abgang war okay. Sonst währe vermutlich ich gegangen, kapiert?“, gab er sich betont schroff, aber sein Herz trommelte nun ebenfalls... voller Panik in seiner Brust herum. Wenn sie ihn nicht mehr wollte, weil er zu freundlich wurde, war sein neuer Status in Arche 3 gleich wieder gefährdet. Zumindest die Obrigkeit - der Kommandant und die Psychologin - hatten ihn staunend beglückwünscht und sogar gefragt ob das für ihn okay sei wieder auf die Liste gesetzt zu werden und eine Aufgabe als Ernährer und Versorger zu erfüllen nach allem was passiert war und wie man ihn behandelt hatte.

Es geht hier um die DNA. Das hast du selbst gesagt, Fee. Wir müssen unsere Gene einbringen, und ey.. es war deine Idee. Also mach jetzt keinen Rückzieher. Wir hatten schon Sex und du hast gesagt er war gut genug für dich. Die Paniksache die du schiebst kriegst du ganz gut hin und wenn du wieder was von mir willst brauchst du es mir nur zu sagen und ich falle so heiß über dich her wie du willst, egal wo immer du auch gerade bist, so dass du nicht mal zum nachdenken kommen kannst. Selbst hier im Pferdestall...“, bot er ihr an und sah sich dann kurz um. Noch kein Soldat zu sehen.

Oh nein!“, murmelte Fee beunruhigt und Sam trat einen Schritt auf sie zu, sah sie berechnend an und grinste schließlich kurz.

Ah.. das ist es nicht wahr? Ich törne dich an und das findest du nicht gut. Du machst hier einen auf Gefühle, Fee, aber das ist okay. Teenagerkram. Den hast du versäumt, eh? Aber wir schaffen das schon...“

Er griff sich ihre Hand und zog sie mit sich hinter die Container zu den gelagerten Heu und Strohvorräten hinüber und dort gegen eine Wand aus Heu.

Sam!“, keuchte sie nur halb protestierend auf, aber sie lächelte fast unmerklich dabei, so dass Samuel nun auch sehr breit zu lächeln begann – es sogar irgendwie lustig fand, wie das hier gerade lief. „Das ist doch okay so. Du willst doch gerne ein Kind und zwei Mal ist besser als einmal. Das erhöht noch die Chancen für dich, wenn es mehr fleißige Schwimmer gibt!“, presste er sie mit dem Rücken gegen die Wand und streifte sich selbst bereits die Hose runter. Fee sah ihn nur groß an und keuchte auf als er sie auch schon an sich riss du heftig küsste, an ihrem Mund keuchte und... Himmel es war irre! So wie beim letzten Mal ...sie wurde sie einfach von ihm mitgerissen. Keine Ahnung warum und wie auf einmal ihre Hose weg war, keine Ahnung auch warum er sie nicht noch weiter auszog, aber auf einmal hob er sie hoch und war in ihr, bewegte sich rhythmisch vor und zurück, behielt aber eine Hand an ihrer Scham und tat da was... stöhnte, bewegte sich schneller, noch tiefer und Fee explodierte einfach, es war fast wie beim ersten Mal. Nur ganz anders, als sie gedacht hätte, keine Schmerzen dafür Gefühle und was für welche, pure, heiße, mitreißende Lust. Verschwommene Eindrücke von seiner Haut an ihrer, wie sie beide miteinander verschmolzen und ... Erregungsstürme, heißer noch als die Sonneneruptionen. Sie keuchte und schloss die Augen. Hielt sich an seinen Armen an seinem Hals fest und krallte ihre Fingernägel in seine feste, glatte Haut. Sie wollte nicht reagieren, wollte einfach alles geschehen lassen, kühl und stumm, kam aber nicht gegen sich selbst an, gegen die Erregung, die ihr brennend durch die Adern schoss. Seine Finger rieben an ihrer Mitte – Gott im Himmel!
Sie ließ sich einfach hinauf katapultieren und fühlte in nur wenigen Sekunden wie es ihr kam – und ihm auch. Heiß, schnell, wild. Und dann einige wenige weitere Sekunden stand er an ihr, zuckte in ihr, stöhnte über ihr. Glitt dann schließlich sachte aus ihr heraus, stellte sie wieder behutsam auf den Boden zurück, sorgte dafür dass sie nicht fallen würde indem er ihre Hand ergriff und sie gegen die Containerwand lehnte und zog sich dann schnaufend seine Hose wieder hoch, reichte ihr ihre Sachen und sah sie eindringlich an.

Ab zu deinen Pferden und mach erst mal eine lange Pause, Fee!“, befahl er ihr nun wirklich amüsiert, zog dabei eine Braue hoch und pfiff leise und fröhlich vor sich hin, während er noch seinen Gürtel schloss und sie fassungslos stehen ließ.