Er bewegte sich so was von schnell, dass sie ihn nicht einmal kommen sah.
Schon hatte er sie gepackt und hielt sie von hinten fest umklammert.
"Mich fern halten, Mate?, fragte er sie nun beinahe spöttisch, fletschte die Zähne und biss sie dann plötzlich in den Hals.
Genau dorthin wo er sie bereits markiert hatte.

Rahel quietschte erschrocken auf... doch statt nun unglaubliche Angst, Panik oder Sorge um ihren Hals oder seine Reißzähne zu empfinden, schnurrte ihre dämliche innere Wölfin nun so was von los.

Hallo???
Die war doch komplett Irre, Mann!!!

Ihr logischer Verstand spielte da natürlich nicht mit.
Sie wusste ja schließlich auch nichts von den wölfischen Mate-Bissen und wie ein männlicher Werwolf sich seine Mate auf diese eher erregende und damit friedliche Weise unterwarf, wenn alles andere nicht half.

Sie reagierte also nur wieder rein instinktiv, ignorierte ihre protestierend aufjaulende Wölfin und boxte mit der Faust einen linken Aufwärtshaken nach oben und traf knirschend seine Nase.

Die eben noch belustigt raunenden Wölfe kieksten, quietschten oder knurrten verdutzt auf.
Schon hatte sie sich aus Dareds prompt gelöster Umarmung freigewunden und ihm mit einem Seitwärtskick hart in den Magen getreten.

"Bist du irre mich schon wieder so zu beißen???", brüllte sie ihn nun ernsthaft überschnappend an.

Eben noch hatte er sich verwundert seine Nase gehalten, nun war er es aber noch mehr.
Verwundert und auch entsetzt, von ihrer erneut aufwallenden Panik, die er ebenso in sich spürte wie sie.

"Rahel, verdammt noch mal... hör doch endlich mal auf deine Wölfin!", donnerte er sie sauer an.

"Tu ich genau dann wenn du deinen Wolf mal für einen Tag lang kontrollierst, du Wildsau! Mich einfach so zu beißen... geht's noch???
Hast du denn vom letzten Mal noch nicht genug?
Und denkst du echt das bringt dir bei mir auch noch plus Punkte ein, du Wahnsinniger???

Sie hatte sich verwandelt, noch bevor sie es selbst realisierte und rannte einfach auf und davon.
"Rahel!!!", brüllte er ihr noch im Alphaton hinterher, doch sie jaulte nur schmerzerfüllt, schüttelte den Bann von sich ab, den er über sie zwingen wollte und rannte nur noch schneller.

Schon bald hörte sie eine Menge tapsender Pfoten die donnernd hinter ihr herjagten... und rasch aufholten.
Rahel aber fühlte nur wieder das Brennen am Hals und den Schmerz in ihrer Brust.

Halt sofort an!!!
Er war in ihrem Kopf und seine Stimme tat ihr körperlich weh...
Auuuuuuuu !!!
Rahel, anhalten! Du kannst nicht einfach davon laufen, nur weil du immer noch keinen Plan von unserem Rudel hast... oder von deinen Pflichten!
Du kannst mich mal mit deinen Pflichten!
Lass mich in Ruhe du ewig beißendes, blutrünstiges Monster!!!
Rahel! Es hat dir doch gar nicht weh getan... Es war doch auch nur ein Mate-Biss...
Bleib weg von mir!!!
Pass auf... Vorsicht, da vorne kommt gleich ein... - RAHEL, NEIN!!!!!!

Sie viel...
auf einmal war der Boden weg und sie stürzte in die Tiefe.

Den Abgrund dieser Schlucht hatte sie wirklich nicht kommen sehen, der direkt hinter den Büschen begann.
Aber dafür hörte sie noch lange, lange Sekunden den irren, fassungslosen jaul-heul-Ton, den Dared von sich gab und fühlte genauso seine tödliche Angst wie eine Dolchspitze in ihrer beider Leib eindringen.

Die Schlucht, in die sie gerade stürzte, war mindestens zwanzig Meter tief. Und auch wenn dort unten ein tiefer Fluss entlangfloss... sie spürte nur noch einzig den brutal harten Aufprall, fühlte ihre Knochen brechen... spürte den Sog des irre wild brausenden Wassers, hörte Schreie in ihrem Kopf und dann knallte sie mit dem Kopf auch noch irgendwo dagegen...
Bamm...!

Licht aus!

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Die verschwommenen Eindrücke von Schmerz und Personen, dir sich über die beugten, an ihr zogen, sie trugen, ließen sie erahnen dass sie doch nicht gestorben war.

Funkgeräte knackten... Stimmen riefen laut... sanfte große Hände, die sie hielten... dann kurz wieder nichts.

"Vorsichtig mit ihrem Hals!"
"Habt ihr den Rettungshubschrauber bestellt?"
"Wo ist der Notarzt?"
"Dass sie in nur 20 Stunden so weit gelaufen ist..."
"Hauptsache wir haben sie endlich gefunden... und Gott sei Dank noch lebend!"
Herrgott wie sie zugerichtet ist... Schädel-Hirn Trauma?"
"...legt sie auf die Trage... Auf die Trage!", wies eine autoritäre Stimme jemanden an.

Sie stöhnte vor Schmerz auf als jemand sie sachte aber intensiv abtastete. Und endlich konnte sie die Schemen besser erkennen, die Stimmen besser hören.
"Alles okay... du bist jetzt sicher, Rahel.
Es wird alles wieder gut, hörst du mich?
Ich bin der Notarzt, Dr. Friedrich. Kannst fundierte Augen aufmachen?
Welcher Tag ist heute, weißt du das?
... Ein Wunder das du diesen Sturz überlebt hast."
Er sprach mit ihr?
Wer denn nur?

Rahel stöhnte schmerzlich auf.
In ihrem Kopf tobten irre Gefühle herum, jaulen, heulen, winseln...
Dann Dareds leise verängstigte Stimme in ihrem Kopf:
Ich bin bei dir... Liebste... Rahel hörst du mich?
Schon war seine Stimme, die Gefühle , seine Sorge und Angst wieder weg und der Arzt der sich immer noch um sie kümmerte fluchte leise auf.

"Herzschlag unregelmäßig! Sofort die Decken her, sie fällt in einen Schock!"
Jemand schon ihr was unter die Beine,
jemand anderes drückte sachte ihre Finger.
"Sie muss schon vorher eine starke Gehirnerschütterung gehabt haben, wenn sie diese Schlucht hier übersehen hat. War nur rein im Fluchtmodus... das arme Mädchen!", sagte eine Frauenstimme mitleidig.
Rahel keuchte vor Schmerz nur leise aus und ein.

"Linker Arm zweifache Fraktur linkes Bein... Schienbeinbruch.  Sie hat links außerdem mehrere Rippenfrakturen. Ein Trauma rechts, seitlich Augenhöhle... die Faust dieses Irren Onkels vermutlich. Hoffentlich ist der Knochen nicht gebrochen. Außerdem muss sie sich auf der Flucht aus dem Wagen noch heftig am Kopf rechts gestoßen haben. Da ist eine Schnittwunde. Die Hüfte sieht soweit gut aus, Wirbelsäule auch. ... hm... scheiße! Stumpfes Abdomen! Wahrscheinlich innere Verletzungen.
Das aber auch rechts... sieht nicht gut aus. Das war wohl der zweite Hit. Alles klar!
Zugang liegt!
Schmerzmittel läuft!
Ab mit ihr zum Hubschrauber! Beeilung, sie muss in den OP!

Rahel blinzelte nur kurz noch mal teilnahmslos in die verschwommenen Gesichter hinauf und ergab sich dann wieder dem schwarzen Nichts, dass sich unter ihr auftat und sie einfach wieder verschluckte.

 

*

 

"Es geht ihr den Umständen entsprechend gut. Sie ist jetzt außer Gefahr.
Wir rechnen damit dass sie bald aufwachen wird, dann können sie sie bald bestimmt Vernehmen."
"Eigentlich ist das nun eher zweitrangig.
Die Liste ihrer Verletzungen ist Lang und dieses Video, das sie gemacht hat spricht Bände. Gut dass sie noch so geistesgegenwärtig war, einen bildhaften Hilferuf an ihren Freund zu schicken.

Der Staatsanwalt hat schon Haftbefehl angeordnet, sowohl für ihren Onkel als auch für ihre Tante.
Wir haben außerdem von ihrem Testamentsvollstrecker gehört, der ihr Erbe verwaltet, das dir beiden sich anscheinend neulich eine Kopie des Testamentes haben aushändigen lassen.
Es gab da diesen Passus, das im Falle von Rahels Tod das gesamte Erbe ihm und seiner Frau zugefallen währe.
Es kann also gut sein dass sie sie nach dieser Fahrt wieder eingesperrt und verprügelt hätten, um so vielleicht auch noch ihren Tod herbei zu führen oder zumindest billigend in Kauf zu nehmen.
Die Kollegen von der Krippo vernehmen die beiden gerade dahingehend.
Auf alle Fälle kommt da auch so schon mal einiges zusammen:
Nötigung, Diebstahl, Freiheitsberaubung unter Einsatz von gefährlicher und im letzten Fall fast tödlicher Körperverletzung.
Das ist bei Leibe keine Kleinigkeit.

Ich glaube diesen Onkel ist die Kleine los, bis sie schon lange volljährig ist und ihre Tante ebenso.
Bleibt nur noch abzuwarten ob auch deren Kinder an den Taten beteiligt waren.
Na ja. Deshalb möchte ich sie später noch mal Vernehmen, aber wenn sie gerade noch nicht einmal aufgewacht ist, komme ich besser Morgen wieder..."

"Ja, währe vermutlich empfehlenswert.
Also dann auf Wiedersehen. Wir halten sie über Rahels Zustand auf dem laufenden."

Die Tür schloss sich mit einem Klicken und kurz hörte sie nur noch ein leises Piepen... bevor eine warme große Hand nach ihrer griff.
"Ich weiß das du gerade wach geworden bist, Rahel. Ich spüre es. Du kannst die Augen jetzt aufmachen.", sagte Dared leise und seltsam tonlos klingend zu ihr.

Sie blinzelte ins grelle Licht. Doch ihr Kopf tat nun zumindest nicht mehr so dolle weh., wie beim letzten Mal.
Leise aufseufzend drehte sie ihn zur Seite und sah zu Dared hin... der allerdings ganz furchtbar aussah.
Graue Haut, eingefallene Wangen. Dunkle Schatten unter den blutunterlaufenen Augen und total wirre Haare

Woahhh???

Er griente kurz schwach und drückte sachte ihre Finger.
"Siehst du? Das ist auch so eine Sache die du  noch nicht weißt, weil du menschgeboren und keine Werwölfin warst, Rahel.
Ehrlich... ich hab es dir so oft gesagt. Und Mahmen und Mia... Lies das Buch zu Ende, verdammt!
Denn das was dir geschieht spüre ich ebenso. Und stirbst du, Rahel, dann sterbe ich auch, denn wir sind Mate!", knurrte er sie nun leise und ziemlich heftig an.

Oh, er war immer noch sauer oder schon wieder?
Jetzt im Ernst?
Kurz kniff sie ihren Mund fest zusammen.
Dieser arrogante, blöde Kerl...Er tat es schon wieder! Sie litt hier und er machte ihr Vorwürfe!?

"Nein... lass das gefälligst! Nicht aufregen, Rahel - Zuhören!!!", knurrte er sie nur sofort wieder mit heftigen Glühaugen an.

Okaaay...?!

Sie schloss grimmig den Mund. War wohl auch besser so, denn Dared schien nun wirklich mit seiner Geduld am Ende zu sein.
"Akzeptiere es endlich! Du bist jetzt ein Werwolf und lebst in meinem Rudel.
Es ist wohl mein einziger wirklicher Fehler gewesen dass du noch nicht genügend gelernt hast, was dies nun für dich im Klartext bedeutet, aber eines steht jetzt schon fest...
Du wirst mir nicht noch einmal einfach so davonlaufen! Du benötigst nämlich immer noch viel Hilfe und Unterstützung ..."
"Ah ja???- Und Schläge und Einsperren und blöde, fiese Death-Matches im Werwolfkreis?", fauchte sie ihn nur ätzend an. "Ist ja echt toll für mich. Wie gut dass ich dich habe." (Ironischer Tonfall)

Er schluckte hart.
"Du hättest dich auch m einfach mal darauf einlassen und mich angreifen können, Rahel. Dann hättest du gesehen dass ich dir trotz meiner Wut niemals vorsätzlich weh tun will und werde. Deine eigene Wölfin hat es doch gespürt und dir gesagt, aber du nimmst ja immer gleich das Schlimmste an, hältst mich für ein Monster..."
"Du bist ja auch eins! Du hast mich in den Hals gebissen!", fuhr sie nun ernsthaft böse auf.
"Und es hat dir gefallen, weil es nämlich tatsächlich nur ein Mate-Biss war, Rahel!!!", unterbrach er sie nun ebenfalls etwas lauter werdend und stand dann heftig knurrend auf.

Leicht schüttelte er den Kopf und atmete tief durch, bevor es sie schließlich wieder sauer anblickt.
Rahel aber hob nur trotzig das Kinn.    

"Du weißt doch gar nicht was mir gefällt und was nicht, Dared. Du kennst mich gar nicht. Du weißt nicht was ich will und brauche, du sperrst mich nur ein und nimmst mich gefangen. Ich soll einfach aufgeben, wer ich bin, wie ich bin und was ich bin, was ich gerne machen möchte... Ich soll immer nur eure dämlichen vorsintflutlichen Regeln lernen...", ereiferte sie sich wieder doch er viel ihr sogleich erneut aufbrausend ins Wort.
"Werwolfregeln, Rahel!
Es sind Werwolfregeln!
Du bist jetzt ein Werwolf und gerade vollkommen außer Kontrolle, weil du dich ständig gegen deine innere Wölfin wehrst, ja sie regelrecht hasst.
Aber sich selbst zu hassen zerstört dich nur und starke Empfindungen nicht zu zu lassen auch.
Du spürest den Drang des Wolfes in dir, Nähe zu suchen, Schutz und deinen Mate und ja auch den Zwang den ich ausübe, denn so ist es nun mal wenn ein Alpha in einem Rudel das Sagen hat.
Was aber nicht bedeutet, dass ich dich gerne verletzt sehen oder vorsätzlich leiden lassen will.
Ich hätte dich dort in dem Kreis nicht verletzt, Rahel, obwohl ich wirklich richtig sauer auf dich war. Ich währe dir trotzdem nur ausgewichen. Hätte vielleicht ein bisschen mit dir gespielt, um dir zu zeigen wie wenig du noch weißt.

Doch war es ja letztlich auch nur ein dämlicher Ritualkampf, den ich angesetzt hatte damit du den Platz der Luna auch im offiziellen Ranking hättest einnehmen können.  
Es hätte zu deinem sonstigen Wünschen gepasst bald mit ein paar leichten Blessuren von den Menschen gefunden zu werden. Ich dachte nicht dass es für dich zu solch einem gigantischen Problem mutieren würde..."
"Ritualkampf?", fragte Rahel ihn nur verständnislos zischelnd.
Davon hatte sie schließlich auch noch nie etwas gehört. Er hatte es ihr im Auto auch nicht gesagt...
"Ich habe es dir höchstpersönlich noch vor ein paar Tagen vorgelesen, damit du vorbereitet bist, dass das demnächst noch auf dich zukommt, aber dann nicht mehr extra angekündigt wird.
Rahel, genau deshalb habe ich das Buch dich mitgenommen? Oder denkst du ein Alpha liest seiner Luna grundsätzlich Gute-Nacht-Geschichten vor?!", führtet nun wieder bitterböse auf.
Ich habe es dir erklärt, während du wohl gerade eingepennt bist
Auslöser für den Ritualfight würde eine Lapalie sein und dass man das Ritual aber eindeutig an der an Wortwahl erkennen würde dass du im Kreis aller Rudelwölfe deine Ehre Verteidigen musst. Ich hab dir außerdem gesagt das du bitte jemanden in deiner Größe und Geschlecht wählen solltest, damit es besser anzusehen wird.
Hättest du nurvein Msl das getan was man für gesagt hat und selbst das Buch zu Ende gelesen, dann wüsstest du das jetzt auch schon längst und würdest dich nicht immer noch so anstellen.
Aber es interessiert dich anscheinend nicht die Bohne, das du gerade so absolut blind Unfall taub und unwissend in einem Rudel höchst gefährlicher Werwölfe herum stolperst.
Deine Wahrheiten sind die Einzigen die zählen, deine Wahrnehmung der Situation ist die einzig Richtige und wir Werwölfe sind nur ein Haufen Irrer Freaks, nicht wahr?", fragte er sie erbittert und Rahel fühlte sich auf einmal ... gar nicht mehr so gut.
Ihr Herz klopfte viel zu hart und zu schnell in ihrer Brust herum...
Mann ey.... Hatte er Recht?
Irgendsoeins mit einem Ritual oder verschiedene Rituslen hatte er wohl erwähnt aber... halt, mal, halt!!! Wieso zum Teufel musste eigentlich nur sie sich ändern und Anpassen und nicht auch er?
Das war so unfair...

Er schnaubte kurz kopfschüttelnd auf.
"Siehst du? Und deshalb sollte man tatsächlich manchmal warten bis der oder die Mate erwachsen ist, bevor man sich bindet.
Du bist hier der Teenager, Rahel und du hast ein gewaltiges Problem damit.
Ich liebe dich, wirklich, deinen Mut, deinen ungebrochenen Kampfgeist, sogar deine Zickigkeit...aber du musst dir jetzt ganz dringend mal bewusst machen dass du tatsächlich kein Mensch mehr bist.", fuhr er sie scharf knurrend an und Rahel wurde es prompt noch viel elender zumute.
"Ja, ganz genau! Du bist jetzt ein Werwolf. Unsere Gesetze zählen. Sie sind wichtig für den Fortbestand unserer Rasse und Kultur, auch wenn dir sicherlich vieles unfair und fremd erscheint.
Aber das ist normal in den ersten Wochen. Also hier...", er griff neben sich und hob ihr eine Tasche auf den kleinen Beistelltisch hinauf.
"Ich hab das Buch noch einmal für dich mitgebracht.
Ich will dich heute wirklich nicht noch mehr aufregen. Lies einfach weiter und versuche zu begreifen, dass deine Realität sich schon längst verändert hat.
Wenn du das nicht kannst oder willst hast du laut unserer Gesetze immer noch die Möglichkeit mich als deinen Mate abzulehnen. Das würde dich dann allerdings Rudellos und damit zum Rogue machen.
Lies nach was das für dich bedeuten kann, Rahel. Ich selbst habe mich bereits entschieden... für dich... für uns beide... für unser Rudel ... und ich weiß genau wie verwirrt und verloren du dich die ganze Zeit über bei uns im Rudelhaus gefühlt hast.

Denn stell dir vor, ich fühle das Selbe was du fühlst, seid ich dich zum ersten Mal gebissen habe.
Ich bin mit dir verbunden und deine Gesetze und deine Regeln, dir dir immer noch wieder und wieder durch den Kopf spuken sind für mich genauso schwer nachvollziehbar, wie es unsere für dich sind.
Zwei verschiedene Welten, Rahel!
Und ja, ich habe dir tatsächlich keine Wahl gelassen.
Aber du bist nun auch mal meine Mate, meine Seelengefährtin, das Teilstück das meinem Werwolf fehlt, um gelassen, ruhig, zufrieden und glücklich sein zu können und ich musste dich darum einfach haben."
"Gegen meinen Willen!", flüsterte dir nur wieder heiser.
"Und das ist es was dich im Grunde am allermeisten stört nicht wahr? Gegen deinen Willen, gegen deine Gesetze, gegen deine Vorstellungen..."
"Aber für dich ist das alles natürlich ganz leicht!", fuhr sie zornig auf
"Ganz leicht??? Du hast ja keine Ahnung!!!", fauchte er sie schon wieder mit rot glühenden Augen an.
"Ich habe dir gerade erklärt dass ich alles fühle was du fühlst, immer dann wenn du es fühlst und ja, es ist nun gerade sehr schwer für dich. Ja, es macht dir Angst, Ja, es wird auch mal gekämpft, wenn man ein Werwolf ist und Ja, hin und wieder sind wir auch blutrünstige Monster, vor allem im Krieg und in unserer Eifersucht... wirklich und tatsächlich... ein wahrer Alptraum.
Weil wir nun mal Werwölfe sind und keine Schosshunde, Rahel!"

Er atmete nach diesem neuerlichen knurrigen Ausbruch nur wieder Haareraufend durch und klopfte kurz hart auf das Buch, bevor er es wieder in einen Leinenbeutel schob und sah sie dann aber nur wieder absolut ausdruckslos an.

"Lies es endlich zu Ende und nimm es diesmal ernst, Rahel, was du hieraus erfährst. Es ist wichtig das du begreifst wer und was du sein könntest.
Doch das findest du nur dann heraus, wenn du es wirklich ernsthaft auch versuchst!"

Und damit verlies er dann das Zimmer.
Rahels Wölfin jaulte kläglich auf. Am liebsten hätte sie nun los geweint.

 

Er musste den Ärzten Bescheid gesagt haben, dass sie aufgewacht war.
In den nächsten Stunden gaben dich Ärzte, Psychologen und die Polizei die Klinke in die Hand. Zuletzt war dann auch noch der Testamentsanwalt reingekommen. Ein ehemaliger Kollege ihres Vaters, Dr. Peters.
Er war sichtlich bestürzt über ihre Lage sicherte ihr zu, nun dafür zu sorgen, dass sie gut untergebracht würde... und nun vor allem sicher war.
Wenn der mal wüsste...
Er fragte sie sogar ob sie zurück in ihr altes Internat gehen wollte und sie dachte tatsächlich darüber nach zuzustimmen
Pferde, Handball, Karate.
Ihre Freundinnen...

Ihre Wölfin meldete sich mit einem leisen Knurren zu Wort     Wehe dir!

"Ich hab hier richtig gute Freunde gefunden. Bessere als in meiner alten Schule. Wenn es ihnen nichts ausmacht bleibe ich im Internat Waldbach, Dr. Peters.", sagte sie so emotionslos wie sie sich gerade fühlte.
Toll.
Ihre Wölfin entschied das jetzt für sie.
Doch Dr. Peters war schon weg, noch bevor sie die Kontrolle zurück erhielt. Kurz fragte sie sich warum die überhaupt noch für eine eigene Meinung kämpfen sollte. War ja sowieso schon entschieden, was in ihrer nächsten Zukunft passieren würde.
Ein kaltschnäuziger Alpha regierte über sie. Er hatte sie entführt und gebissen, gefangen gehalten und überwachte ihre Gefühle. Also warum überhaupt noch etwas fühlen? Interessierte sich sowieso kein Schwein dafür. Und die Werwölfe schon gar nicht.

Du bist jetzt ein Werwolf... akzeptier das...
Ha!
Ha Ha Ha Ha!
LOL!
Und ganz ohne Gefühl.

Er hatte hier bei ihr am Bett gesessen.
Aber er hatte ihre Hand gehalten als währe sie bloß ein blöder Backstein und er ein Maurer.
Er drückte ihr ein beschissenes Buch in die Hand, mit dem verkackten Titel "How to be a Werwolf -in 4 Stunden" und erwartete das sie vom Biss bis zu den Gesetzen alles sofort im Kopf behielt und sich einfügte... sich ihm unterwarf.

Er hatte sie noch nicht einmal gefragt wie es ihr ging. Hatte sie nicht angelächelt, keine Sorge um sie gezeigt, nichts.
Er hatte nur in einem absolut eiskalten Tonfall gesagt er würde sie lieben ... ihren Mut und ihre Stärke...
Ja? Echt?  Sah die Liebe bei Werwölfen tatsächlich so aus?

Ihre innere Wölfin bewegte sich unruhig in ihr. War besorgt und ängstlich über ihre Gedankengänge. So hatte sie die Sache mit ihrem tollen Mate wohl auch noch nicht gesehen und je mehr sie darüber nachdachte was ihr bei Dareds Verhalten vorhin gefehlt hatte, desto ruhiger wurde diese Bitch und hörte schließlich auf ihr dauernd von seinen starken Muskeln und der körperlichen Anziehung  vorzuschwärmen. Ihr war nicht bewusst das sie schließlich auch noch an ihren Fingernägeln zu kauen begann und selbst auf ihren Knöcheln herum biss.
- Wie ein Wolf.

Sie starrte blicklos aus dem Fenster.
Er kontrollierte also all ihre Gedanken und Gefühle?
Er bestimmte wo es lang ging?
Sie sollte sich nur anpassen, nicht protestieren und auch jetzt sofort nicht mehr verwirrt über das neue Leben sein, weil sie ja nun ein von ihm gemachter, beschissener Werwolf war?

Hey?! Wir sind nicht beschissen!
Halt die Schnauze!

Sie knurrte leise auf und krallte ihre Finger in ihre Decke rein.

Wenn er nur für ein paar Sekunden lang ernsthaft besorgt um sie gewesen wäre...
Wenn er sie vorhin angelächelt und bei ihrem aufwachen erleichtert gewesen wäre...
Wenn er nur nicht so kaltschnäuzig behauptet hätte er liebte ihren Mut und ihre Stärke.
Doch er hatte ihr nur den Vorwurf gemacht nicht auch an ihn gedacht zu haben, als sie weggelaufen und beinahe in den Tod gestürzt war.

Ihr Inneres brannte. Tat echt weh.

Er wollte also nur eine reine Werwölfin haben, die über alles was Werwölfe betraf auch gut Bescheid wusste und danach handelte, ja?
Rahel atmete tief und bemüht ruhig bleibend durch.
Enttäuschung und Schmerz schluckte sie einfach runter und versuchte es nur noch rein logisch zu betrachten.

Ihr blieb bei seiner Alpha-Stimme keine Wahl als ihm zu gehorchen. Ihr blieb auch sonst so gut wie keine Wahl, bei egal was auch immer.
Okay!
Der Zorn in ihrem Innerrn über seine ungerechte und eiskalte Haltung wuchs langsam an.
...
Sie würde das Buch also noch mal ganz von vorne studieren und diese verfluchten Gesetze auswendig lernen. Sie würde Erforschen was nun noch ihre Möglichkeiten waren und ihre naive Schwärmerei für diesen Arsch ablegen
- gehört, Bitch!???
Hey! Ich bin doch ganz deiner Meinung! Beleidige uns nicht andauernd! Ich bin genauso sauer und enttäuscht wie du. Unser Mate mag uns ja doch nicht so gerne wie wir dachten.
Bei Werwölfen nichts schlimmes, aber er war früher doch immer so freundlich zu uns...
Er hat uns wohl nur etwas vorgemacht, damit wir erst einmal Ruhe geben und zum Werwolf werden, dachte Rahel grollend.
Ja, das hat er wohl. Aber wenn er uns in Wahrheit gar nicht mag, müssen wir ihn doch auch nicht mehr mögen, knurrte ihre Wölfin böse auf.
Rahel schloss bei ihrem trotzigen Tonfall nur resignierend seufzend die Augen.
"Fang an erwachsen zu werden, Wölfin. Das Leben ist nicht schön und gut.", zischte sie leise vor sich hin.
"Das hab ich doch schon längst gelernt und du eigentlich auch.  Dared will nur der Alpha seines Rudels bleiben. Dazu braucht er eine representative Luna. Unser Sturz hat ihn fast umgebracht und deshalb ist er nun gewaltig sauer.
Er will nämlich keinen geborenen Menschen bei sich haben, der überhaupt nichts von gar nichts kapiert. Und mir die Zeit lassen erst einmal zu lernen, von Wölfen und nicht aus Büchern will er wohl auch nicht.
Ergo, schließe ich daraus - er will nur Dich von uns beiden.
Die reine Werwölfin... Die, die an ihm hochspringt, ihm die Schnauze leckt und sich ihm unterwirft..."
Als ob ich das jetzt noch mal einfach so machen würde. Nicht nachdem er uns so mies behandelt hat, Rahel!
Auf gar keinen Fall.
"Ich denke nicht dass er uns da eine große Wahl lassen wird und wegen diesem Mate-Geruch-Gefühl-Zeug wirst du garantiert schnell wieder umfallen und dann war's das mit Rahel. Dann bleibst nur noch du übrig und
Rahel gibt es dann nicht mehr. Rahel stirbt."
Das kann nicht passieren. Du bist ich und ich bin du. Wir existieren beide. Er kann doch nicht nur einen Teil von uns beiden haben wollen.
Rahel lächelte nur bitter und schüttelte den Kopf. "Wie steht es im Werwolfbuch geschrieben: Der Alpha bekommt alles was er will. Und er will eben nur eine reine Werwölfin. Er wird garantiert nicht locker lassen, bis er sie hat.", flüsterte sie nur noch tonlos und schluckte hart, während ihre Wölfin nun betrübt aufjaulte, winselte und weinte...

...Bevor sie dann aber schließlich irgendwann doch ganz leise und bösartig zu Knurren begann.