"Hey...!"Das Flüstern war sanft und Berührung an ihrer Wange noch sanfter.Doch erst der Kuss weckte sie vollends auf.Instinktiv hielt sie sich an Dareds Armen fest und schlug die Augen auf.Hui... !Er war ihr so nahe...und er lächelte so schön... sah einfach atemberaubend gut aus.Meiner! , kam es ihr irgendwie dabei in den Sinn.Beinahe hätte sie los gekichert."Du bist so schön, meine Mate, meine wundervolle Rahel. Ganz besonders, wenn du lächelst.", raunte er ihr fasziniert aussehend zu."Deine dunklen Augen verzaubern mich immer wieder, weißt du das eigentlich? Nur ein Blick von dir und mein bisher so wilder innerer Wolf ist zahm wie ein winziger Welpe und wirft sich dir zu Füßen. - Bei Lunas Ohren...!Du ahnst gar nicht wie froh ich bin dich gefunden zu haben.", schnurrte er weiter und lächelte sie dabei total lieb an.OMG!!! Wie romantisch war das denn jetzt???So was hatte nun wirklich noch nie ein Junge zu ihr gesagt. Schon gar kein so toll aussehender wie Dared.Ehrlich gesagt hätte sie es ihm auch niemals zugetraut so mit jemandem wie ihr sprechen zu können - oder es auch nur zu wollen.Schließlich war er ein Werwolf und grimmig und hart und sehr oft finster, oder?Gott ... was sah er aber gerade süß aus, wie er sie so eindringlich anlächelte.Als gäbe es auf der ganzen Welt kein hübscheres oder faszinierenderes Wesen mehr für ihn, außer sie... Rahel...ausgerechnet.Woah....!Rahel lächelte nun irgendwie schüchtern fühlend zurück und errötete verlegen."Irgendwie... geht's mir gerade genauso wie dir, Dared. Ich bin ... wirklich so froh...", flüsterte sie atemlos und richtete sich ein wenig auf um ihn spontan zu umarmen, sich an ihm fest zu halten, sich an ihn zu drücken... und er schloss sie auch sogleich in seine starken Arme und hielt sie ebenso fest, warm und sicher."Meine Mate!", hörte sie ihn flüstern, wieder und wieder, bis sie seine Hand auch noch ihren Nacken kraulen spürte.Oh... ja. Das war so schön. Vor allem wenn er dabei immer wieder sachte an ihren Haaren zupfte.Minutenlang kuschelten sie so schweigend, bis er schließlich seinen Kopf wieder hob und leise seufzte."Was denn?", fragte Rahel ihn leise als er plötzlich aufstand."Alpha-Kram!", sagte er erst nur kopfschüttelnd, doch als sie die Brauen hob wusste er dass sie es gerne etwas genauer wissen wollte. "Die Wächter warten auf ihr tägliches Training und machen sich schon über mich lustig, weil ich lieber bei dir bin, als im Wald. Früher war das anders.", verriet er ihr grummelig.Rahel musste kichern."Früher hatte ich überhaupt kein Interesse an Typen wie dir. Ich meine... so Testosteron gesteuerte Muskeltypen, die einen packen und abschleppen möchten.", erklärte sie ihm verlegen"Jaaa... Das hab ich schon gemerkt.", meinte er nur gedehnt grinste schief und räusperte sich dann mit kurzem Blick auf seine Weichteile.Rahel konnte nicht anders als laut heraus zu lachen, fröhlich und aufgekratzt fühlend.Er sah nur wieder bewundernd auf sie runter, ein, zwei, drei Sekunden lang, bevor er wieder zusammenzuckte und die Stirn runzelte."Ja, ich komme schon!", knurrte er dann erneut grimmig und sah zum Fenster hin."Kannst du etwa so weit hören? Von hier oben bis runter in den Hof? Oder haben die gerade was hoch gebrüllt? Ich hab rein gar nichts gehört?", fragte Rahel ihn stirnrunzelnd.Er lächelte schwach."Das wirst du schon bald, wenn du dich erst verwandelt hast. Dann wirst du sowohl mit dem Rudel wie auch mit mir über den Geistigen Mind-Link verbunden sein.Es braucht zu Anfang noch ein bisschen Übung, vor allen in Menschengestalt. Ist aber fast so wie das Fahrrad fahren. Aber wenn du den Dreh erst mal raus hast können wir uns die endlich sparen!", legte er ihr ein funkel-niegel-nagel-neues I-Phone 7 auf den Tisch - in Rosé -Gold!!!"Wahnsinn!!!", freute sie sich aufkeuchend und er lächelte wieder liebevoll auf die runter."Trag es immer bei dir, ok?Die Nummer 1. auf der Anrufliste bin ich.Nr 2. ist Mahmen und die 3. Kara", erklärte er ihr noch sanft klingend.Dann zog er auf einmal vor ihr mit einem seltsamen Feixen auf denn Gesicht seine Strümpfe und anschließend sein Hemd aus.Atemlos betrachtete sie wieder einmal seine athletischen Muskeln.Waschbrettbauch...!!! WOAH....!!!!So was von...!!!Wie der Donnergott Thor, nur mit schwarzen statt blonden Haaren und das mit diesen hinreißenden silbrig schimmernden Augen.Er war weg noch bevor sie gleich anfangen konnte vor lauter Begeisterung über seinen irre tollen Body zu sabbern und ihn vielleicht sogar anzuhecheln.Eindeutig verknallt.Absolut und so was von!Und das, obwohl er sie doch entführt hatte...Seufzend stand sie auf und betrachtete nun doch etwas trübsinnig das zerwühlte Bett.Vermutlich würde sie demnächst genauso anhimmelnd an seinen Armen dran hängen, wie die Mädchen in der Schule vorhin am Beta gehangen hatten.Aber heute war dieser Kelch noch mal an ihr vorüber gegangen... gerade noch so eben.- Gott sei Dank!Das wäre sonst nämlich so was von peinlich geworden...

 

Das Heulen aus dem Wald klang richtig gruselig.
Rahel hörte es, gerade als sie die Treppe hinunter lief.

Es roch nach Essen. Nach sehr gutem Essen sogar.
Hmmm... Ihr Magen knurrte so sehr, dass sie es selbst hören konnte.

Langsam fühlte sie sich hier richtig wohl. In diesem kleinen Palast, mitten im Wald.

Das moderne Ambiente des Hauses mit den verchromten Handläufen und weißen Wänden mit dezent verschiedenen grauen oder braunen  Wandbildern aus verschieden großen Vier- oder Rechtecken gefiel ihr echt gut. Da musste ein richtiger Künstler am Werk gewesen sein.
Ebenso wie die wenigen Seasal-Läufer auf dem mit grauen kleinen Steinchen zum Mosaik gefliesten Boden und die hohen Vasen mit Ästen darinnen, langen Weidenruten oder Blütenzweige. Es passte einfach, war schlicht und elegant.
Ganz anders, als dass die gedacht hätte wie Werwölfe vielleicht hausen könnten.
Also eher in verborgenen Waldhüttchen oder sogar dunklen, kalten Höhlen.
Ganz sicher aber nicht in aller Öffentlichkeit inmitten der Menschen und mit richtigen Schulen, Internaten, Fabriken und einer richtigen Gesellschaft die Arbeitet, Geld verdient, normal lebt und wohnt.
Es waren trotzdem echte Werwölfe.

"Da bist du ja, Rahel. Na komm! Wir haben dir noch etwas zu Essen aufgehoben.", kam Mahmen unten in den Korridor hinein gelaufen und lächelte freundlich zu ihr hoch.

"Ähm... Danke.", meinte Rahel nur befangen, stieg die restlichen Stufen hinab und folgte Dareds Mutter in das total veränderte Wohn-Esszimmer hinein.

"Waren hier etwa die Heinzelmännchen am Werk?", fragte sie Mahmen ehrfürchtig und schaute sichern dem erneut hypermodern eingerichtete Zimmer um. Auch die Glasscheibe war wieder heil und nur von außen werkelten noch ein paar emsige Handwerker lächelnd und scherzend mit Putz und Farben herum. Das neue Sofa sah nur unwesentlich anders aus als das Alte. Neue Beistelltische und Lampen zierten die Nischen und der neue Flatscreen war noch eine Ecke größer als der Alte
Wie schnell das bei den Wölfen alles wieder behoben war... als hätten sie schon vorsorglich komplett neue Fenster, Türen und Wandputz vorrätig, für genau solche Fälle hier.

Mir scheint es langsam als würde hier öfter mal was kaputt gehen. Und eure Arbeiter vom Bau warten dann nur darauf sich in die Arbeit zu stürzen, oder?", fragte sie Mahmen, die darüber belustigt auflachte und ihr derweil ein Gedeck auf den neu bestuhlten Tisch stellte, wo es jede Menge Platten mit knusprigen Hühnchen, Rippchen, Steaks und gebackenem Schinken. In den Schüsseln gab es  Klöße, Reis, Pommes und Kroketten, dazu drei verschiedene Soßen oder Ketchup und Mayo zur Auswahl. Für Vegetarier Gab es eine reiche Auswahl an Salaten, Gemüse und Rotkohl.

"Also ich glaube ja nicht dass ich sooo viel Hunger habe, Mahmen. Kommt heute noch eine ganze Kompanie Soldaten mit dazu oder kochst du für das gesamte Rudel, nebst Kindern?", kicherte sie kurz.

Mahmen lächelte nur weiter fröhlich.
"Das Mahl ist für den Alpha und seine innere Leadergruppe . Das sind sein Beta, der Tic, Oliver und frisch zurück vom Mate-Ball in der Röhn, Hanniball, von allen aber nur Billy genannt.
Leider hat er dort keine Mate für sich gefunden. Na ja. Er hat noch unseren eigenen Ball und den im Taunusgebirge, um fündig zu werden. Wenn nicht, stellt Dared ihn frei um seine Seelenverwandte suchen zu gehen, bis er sie gefunden hat.
Das Kann dann aber Monate oder auch Jahre dauern. Nun ja. Zumindest ist dieser Kelch an ihm vorübergegangen. Du bist zu ihm gekommen, Rahel was uns nur wieder mal beweist dass es die Götter wirklich gibt."

"Bst du denn nicht furchtbar enttäuscht dass ich nur ein normaler Mensch und kein geborener Werwolf bin, Mahmen?", fragte Rahel sie unsicher und Mahmem's Blicke wurden nun überaus ernsthaft und eindringlich.

"Nein Rahel!", sagte sie entschieden zu ihr.
Im Gegenteil bin ich froh dass du keine Wölfin bist, denn die Einzigen, die es jetzt noch für Dared zu sichten gäbe währen unsere Erzfeinde, die Taunuskrallen.

Sie mögen die Schwarzwald-Teufel nicht und ganz ehrlich kann ich ebenfalls auf deren Gesellschaft verzichten.
Sie waren Jahrzehnte lang mir Aristo im Bunde, den Dared getötet hat.
Doch hätte unser Rudel gewusst in welcher Währung sich diese gierigen Monster bezahlen ließen um unseren Grenzen fern zu bleiben, hätte selbst nich der jüngste unserer Wölfe das Nahkampftraining begonnen.
Aristo hat ihnen nämlich unsere weiblichen Wolfsmädchen verkauft... als Sklavinnen!
Den Letzten Deal wollte er letztes Jahr mit unserer Mia abschließen und zwei anderen Mädchen, die die Töchter des Omega sind.
Mein Gefährte kämpfte gegen seinen Alpha an und verlor sein Leben. Danach wollten sie mir Dared nehmen, doch er war schon immer ein Krieger und größer und stärker als andere.
Mein Handal sagte immer, an ihm sei ein echter Alpha verloren gegangen.
Als Hakon ihn hinterrücks töten wollte warf Mia sich auf ihn und lenkte ihn für den Bruchteil einer Sekunde ab. Es reichte um ihren Bruder zu retten der Aristos Sohn sofort Angriff und tötete denn er schlug seine Schwester, ein Mitglied seines eigenen Rudels brutal nieder.
Aristo wurde dadurch - Luna sei Dank - ebenfalls abgelenkt und Dared Kämpfte mit ihm um sein Leben, meines, Mias und das des Rudels.

Es hat ihn gezeichnet und verändert.
Früher war er so lebenslustig. Doch als sie ihm seinen Vater nahmen, nahmen sie ihm zugleich sein Herz.
Ich hoffe nun darauf dass er es mit dir, seiner Mate zusammen wieder findet und ebenso die Güte und Sanftheit zu der er früher fähig war.

Sage es ihm ruhig auf deine schroffe Weise wenn er sich daneben benimmt. Es hat ihm sehr gut getan einmal wieder zu unterliegen.
Und so sollte es zwischen Luna und Alpha auch schließlich sein.

Du wirst einiges ändern müssen, dass dir so nicht gefallen kann und hast ja auch schon damit begonnen.
Also nein... ich bin nicht unglücklich über seine Wahl, Rahel.
Ich mag dich sehr gerne und werde dich unterstützen wo ich nur kann.

Jedoch wird es schwierig für dich werden,
Wenn Olivers Mate von den Taunuskrallen kommt. Denn dann  wirst du bald alle Hände voll zu tun bekommen, um diese hier gut zu integrieren.
Aber so wie du stets um dich schlägst, wird es schon passen.
Nun lass es dir schmecken.
Die Weibchen essen hier stets zu erst, vor allem unsere Luna.
Auch eine Wolfsregel, an die sich alle halten müssen, seid Dared Alpha ist.", erklärte sie ihr leichthin und lies gleich darauf die nächste Bombe platzen:
Das wird im übrigens auch deine Aufgabe auf dem Mate-Ball am Samstag sein, als unsere neue Luna.

"Was? Wie bitte?
Ich.. soll als ... als erste und noch vor allen Anderen Wölfen und Menschen essen? ...Auf dem Ball, vor weiß was ich, wie vielen Leuten???", kiekste Rahel erstaunt.

"Selbstverständlich. Schließlich bist du unsere Luna. Es ist eine Respektsbezeugung, also etwas durchaus positives.
Und du brauchst dich auch nicht zu fürchten, Rahel, niemand würde es wagen Dared zu verärgern, indem man dich ungebührlich anstarren würde.
Nun ja, ... solange du angemessene Kleidung trägst, natürlich.", schränkte sie ernsthaft die Stirn runzelnd ein.

Rahel wurde es kurz ganz anders zumute, als Mahmen nun leise mit der Zunge schnalzte.

"Ich muss gestehen, wir haben heute Morgen mal deine Garderobe gesichtet, Luna. Und du hast kein einziges Kleid, dass für unsere Feierlichkeiten des Mate-Balls angemessen ist, Liebes.
Ich fürchte also wir müssen heute noch unbedingt einkaufen gehen.

Eben gerade hatte Rahel sich den Teller gefüllt und gerade auch noch in ein Hühnerbein rein gebissen als sie auch schon prompt zu husten begann.
- Einkaufen gehen??? Kleider????
Konnten die mal glatt vergessen!

Sie schüttelte also nur horrend den Kopf.
"Ich ... brauch aber kein neues Kleid. - Danke sehr
Ich hab noch eins. Das reicht dicke für einen Ball. Haben meine Eltern mir noch gekauft, für ein Fest.
Meine Cousine wollte es nur nicht haben, weil es schwarz ist, aber ich finde es total schön, mit der Spitze und dem weit fallenden Rock.", erklärte sie Mahmen achselzuckend.

"Schwarz? Auf einem Mate-Ball?", fragte sie nur entsetzt klingend.
"Ja, warum denn nicht? Ist doch total modisch.", mümmelte Rahel nur wieder an dem Hühnerbein herum und lächelte sie verwirrt an.

Mahmen schien nicht davon überzeugt zu sein, doch das war Rahel gerade auch egal.
Er hatte ihr schon ein neues Handy geschenkt. Und das hatte sie nur deshalb angenommen, weil es sinnvoll war ihn auch anrufen zu können, wenn er sie schon in diese seltsame Beziehung rein bugsiert und fieser Weise zu einem Werwolf gebissen hatte.

Ein Ballkleid war dagegen eine ganz andere Sache. Zumal sie ja sowieso einen hässlichen Verband am Arm tragen musste.
Also warum sich überhaupt groß aufbrezeln?
Für wen denn bitte?

Okay, okay. Um ehrlich zu sein... vielleicht hatte sie ja auch nur eine Scheiß-Angst vor so einem ähnlichen Desaster wie letztes Jahr, als sie mit ihrer Mutter in 15 tolle Nobel-Läden gegangen war und die dann aber alle schrecklicher weise nur Kleidchen für Magermodels angeboten hatten.

Sie hatte in fast allem entweder wie ein ertrinkender Gartenzwerg oder aber wie eine sich gerade frisch verpuppende Raupe ausgesehen. Ganz zu schweigen von den nuttigen Outfits mit Ausschnitt bis zum Bauchnabel runter... brrrr!

Und das sollte sie jetzt noch mal mit Darend oder Mahmen wiederholen? Im Leben nicht!!!

Wenn es Dared nicht gefiel, wie sie herumlief, sollte er sich eben schlicht eine andere Mate suchen, ganz einfach und unbürokratisch., dachte sie noch und hatte das Thema damit endgültig für sich abgeschlossen.

Sie aß recht vergnügt zu Ende und machte sich dann entgegen der vielen unsinnigen Vorschläge von Mahmen, nun lieber wieder etwas auszuruhen oder doch noch besser shoppen zu gehen oder Fern zu sehen oder ein Buch zu lesen oder (igitt!) Hausaufgaben zu machen... viel lieber ab durch die Mitte und raus an die frische Luft.

Rahel wollte endlich mal die Umgebung kennen lernen. Wollte endlich wissen wo genau sie hier überhaupt gelandet war.
Wie die anderen Wölfe lebten und so weiter.

Sie schlüpfte also genau in dem Augenblick durch die Küchentür hinaus ins Freie, als sie Dareds laute Stimme im Eingangsbereich rufen hörte:
"Bei den Wäldern... hmmmm, wie das duftet!!!
Mahmen?! - Hat meine Luna schon gegessen, Mahmen? Dass mir keiner von eich vor ihr anfängt, Leute, ...sonst mach ich euch fertig!"

Rahel verdrehte entnervt die Augen.
So was von unsinnige Gesetzte hatte sie ja noch nie gehört.
Ganz, ganz leise schloss sie hinter sich die Tür und flitzte mit einem zufriedenen Grinsen durch den Garten davon.

Der Wald war hier noch so viel schöner als im Schulpark, rot-golden und einfach spektakulär.
Rahel liebte den Herbst.
Es roch so gut nach Regen und frischer Erde.

Eine tolle aber kurze Allee mit uralten großen Bäumen, die golden in der Sonne leuchteten, führte von dem großen Haus fort vor dem es einen großen Platz gab.

Auf diesem hatte Rahel schon mal gestanden, nein gekniet, verletzt und kaum in der Lage weg zu laufen.

Doch jetzt gerade war sie dazu in der Lage...
und wollte es nun aber gar nicht mehr.
Doch was sie genau wollte war ihr auch nicht so klar.

Ihre Mutter hatte früher immer so schnulzige  Romane gelesen: 'Entführt ins Glück' und so ein Scheiß. Als ob man nach einer Entführung einfach so glücklich werden konnte...

Na ja, mit Stockholmsyndrom vielleicht.

Oder man akzeptierte schlicht das das andere Leben grauenvoller währe, zu dem man ansonsten gezwungen war und wählte zwischen den zwei Übeln.

Na ja, okay... Dared als Übel zu bezeichnen war echt ... irre.
Er war sicherlich gefährlich. Sah zumindest so aus wenn er mit den anderen herumzankte und knurrte. Er war oft finster.
Außerdem hatte er zwei andere Werwölfe umgebracht und sie hierher entführt.

Aber... er schenkte ihr ein I-Phone mit dem sie weiß Gott wen um Hilfe anrufen konnte und machte sich die Mühe, rauszufinden welche Rucksackart sie früher getragen hatte um ihr dann einen ganz ähnlichen für ihre Schulbücher zu schenken.

Er war so... widersprüchlich. Das verwirrte sie total.
Zu den anderen fies und knurrig und zu ihr total nett und sanft und freundlich.
Sie bewegte sich zudem gerade relativ frei... für eine Gefangene viel zu frei.

Vertraute er also einfach auf seinen überwältigenden Charme mit dem er sie - Zugegeben - schon fast um den Finger gewickelt hatte?

Sie mochte es nicht leicht nachgiebig und tussenhaft zu sein, oberflächlich und durchschaubar.
Dann hätte er sie nämlich viel zu schnell in der Hand, dieser Wolf.

Allerdings strahlte er eine solch große Faszination auf sie aus. Selbst in Wolfsgestalt.
Wie er da auf ihrem Onkel gestanden und seine Sachen zerfetzt hatte... Hätte sie doch nur ein Video davon. Sie würde es sich in einen Endlosschleife immer wieder anschauen und sich kaputt lachen, wie Onkel Harald zuletzt mit blankem Arsch über den Rasen geflohen war...

Aber Dared war kein solches Arschloch wie er.
Er bestand seid dem Kuss immerhin auch nicht mehr darauf jede Sekunde des Tages bei ihr zu sein und alle männlichen Wesen die auch nur in ihre Richtung guckten anzufallen.

- Und dass er sie gebissen hatte um sie zu einem Werwolf zu machen...?

Okay... DAS war beängstigend. DAS war verrückt ...
Himmel hilf... sie würde bald selbst ein Werwolf sein. Aber ein Werwolf, der gegenüber Dared und seinen Leuten vermutlich total mickrig und tapsig und schräg herum wanken würde.
-Wenn sie das überhaupt überlebte.
Ja, sie gestand sich selbst ein dass sie scheußliche Angst davor hatte sich zu verwandeln.

Würde es sehr weh tun?
Könnte sie sich denn einfach so wieder zurückverwandeln?
Würde sie wild und brutal und bissig werden bei Vollmond und Menschen töten?

Das ganze Werwolfzeug war ihr ja jetzt schon zu viel. Außerdem hatte sie eine heiden Angst davor, was noch weiteres von ihr erwartet wurde.

Mate-Bälle, Alpha, Luna, vor Anderen Essen und die müssten ihr alle dabei zusehen...?!

Sie sah sich schon jetzt einen Hotdog oder Hamburger essen mit dick bekleckstem Ketschup-Gesicht oder Senf am Kinn,
Soßenkleckse auf dem Kleid oder sie stand einfach mal so lässig tuend da und steckte sich ein Brötchenstück in den Mund, verschluckte sich daran und kotzte hustend auf die Bühne.
Brrrrr...

Und das auch noch als Einzige ... vor allen Anderen!

Okay ... okay. Eigentlich verstand sie ja rein logisch worum es hier gerade ging. Das war schlichtes, rein wölfisches Rudelverhalten.
Ein Alphawolf und seine Luna fraßen zuerst...
Fraßen.

Komplett andere Gedankenrichtung:
Würde sie dann als Wolf auch auf die Jagd gehen und Rehe und Häschen fressen müssen???
OMG!!!😱
Nicht daran denken! Sch... und F...ck!
sonst kam ihr gleich alles wieder hoch.

Da erklangen auf einmal kleine, spitze Kinderschreie... ein Lachen... Kichern...
"Fang mich doch, du Eierloch!"

Abgelenkt folgte Rahel den Geräuschen und kam am Ende der Allee seitlich zu einem dichten kleinem Laubwald, durch den ein Trampelpfad führte. Durch die Baumstämme hindurch konnte sie weiter entfernt ein paar Kinder spielen sehen, ganz normale kleine Kinder die rannten, fangen spielten und kreischten...
Ganz normale Kinderspiele.
Ein glückliches, idyllisches Bild.

Und dort unten am Ende des Pfades lag ein weitläufiger See auf dessen Wasser die Sonne reflektierte, blitzte und glänzte.
Ganz benommen von dem friedlichen Zauber stand sie da, bevor sie schließlich lächelnd weiter lief.

Ihre Ängste und Befürchtungen traten wieder in den Hintergrund, angesichts dieser atemberaubend schönen Natur.

Sie lief schneller den Pfad entlang der zum Ufer führte, hätte am liebsten laut aufgelacht.
Dared hatte sich hier einen wirklich hinreißend schönen Flecken Erde ausgesucht...

Da sprang die auf einmal ein knurrender Typ von der Seite an und Hieb sie gegen den nächsten Baum.
Noch ehe sie es sich versah, hielt er die würgend am Hals gepackt und Rahel reagierte einfach nur noch, hebelt seinen Daumen mit dem Griff aus, riss seine Hand herum, bis der Knochen knackte, stieß einen lauten Kampfschrei aus und trat dem Idioten mit einem Round-House-Kick erst an den Kopf und dann schnell zurückziehend und wieder den Fuß nach vorne tretend mitten ins Gesicht.
Er ging mit einem Ächzlaut zu Boden.

Doch auf einmal knurrte es überall um sie herum...
Wölfe...!!!
Zu viele, um sie zu zählen, hatten sich um sie herum versammelt und duckten sich bereit zum Angriff tief auf den Boden runter.
Rahel sah sie erst erschrocken an, tastete dann hastig nach ihrer Hosentasche, aber sie hatte das neue Handy von Dared nicht mitgenommen. Scheiße!!!

Was jetzt?

Den ersten Wolf, der sie knurrend ansprang konnte sie noch abwehren und mit einem Sprung bei Seite hechten. Doch da kamen nun noch viel, viel mehr Wölfe zwischen den Bäumen hindurch an sie angeschlichen.
Rahel blieb keine Zeit mehr um zu überlegen.

Instinktiv ballte sie die Hände zu harten Fäusten, legte den Kopf in den Nacken und heulte so laut und langgezogen auf, wie sie nur konnte...