"Luna?", fragte Dennis erstaunt.
Irgendwie drang das sogar durch den Nebel in ihrem Hirn, der da gerade aufgezogen war.

"Rahel?", fragte auch Frau Eberlein besorgt.
"Ist dir nicht gut?"

Sie schluckte nur und schluckte und sprang dann schließlich auf die Füße.
"Ich... ich glaube... jetzt brauche ich doch Hilfe.", sagte sie zitternd zu Dennis, der sofort sein Handy zückte.

Nur ganz am Rand bekam die mit, dass sich schon nach dem ersten Klingeln jemand meldete. Selbst war sie schon halb in Panik. Ihr Onkel war da... und er wollte die mitnehmen!!!
Was sollte sie nur tun?

"Dared! Rahel braucht dich sofort hier in der Schule!
... Nein , kein Angriff... ihr Onkel ist da und will sie mitnehmen.
... Nein, Sie ist gerade total bleich geworden als Frau Eberlein hier aufgetaucht ist und ihr das gesagt hat. Sie hat mich gebeten dich zu rufen!", knurrte er leise, während sie bereits aufstand und ihren neuen Rucksack schulterte. Irgendwie fühlten sich ihre Beine gerade wie Spagetti an.

Frau Eberlein sah sie besorgt an.
Rahel aber ging nur kurz zu Dennis hin und nahm ihm das Handy ab, was der verdutzt zur Kenntnis nahm, sich aber nicht dagegen wehrte.

"Beeil dich, bitte!", sagte sie nur leise hinein und drückte den Anruf dann weg, noch bevor Dared darauf antworten konnte.
Sie gab Dennis sein Handy zurück, was der nun richtig finster guckend wieder einsteckte.

"Willst du besser auf ihn warten?", fragte er sie knurrig.
"N...Nein, nicht nötig. Ich geh nur nicht mit ihm mit. Egal was er sagt oder will.", sagte sie ausdruckslos zu ihm. Doch da war etwas in ihren Augen, das dem Beta ganz und gar nicht gefiel.
"Ich bin angewiesen worden bei dir zu bleiben, Rahel.", erklärte er ihr knurrend und sie knurrte ebenfalls leise auf.
"Solange du dich nicht wie ein Werwolf einmischst...", nickte sie der Sekretärin entschlossen zu und folgte ihr dann zurück in die Schule.

*

Direktor Wagner sah ziemlich ernsthaft aus, als sie dicht gefolgt von Dennis sein Büro betrat. Die Tür war schon wieder komplett gerichtet worden. Inklusive Mauern, Tapezieren und streichen.

Wow...

Aber noch seltsamer war der Anblick ihres gerade so geschniegelt aussehenden Assi-Onkels, der sich für den heutigen Anlass in einen neuen Anzug rein gezwängt hatte.

Armani, ja klar!!!
Papa hätte glatt gekotzt vor Lachen.

"... sehen sie also, dass ich mein Mündel leider sofort wieder von ihrer Schule nehmen muss. Schon alleine das sie sich hier in so kurzer Zeit so schwer verletzt hat ist unglaublich...", tat er gerade super besorgt und vornehm.
Nur die wenigsten wussten wie er wirklich war, dachte sie noch mit eisiger Gänsehaut auf den Armen.

"Sorry, wenn ich das Theater hier mal unterbreche... aber ich bleibe hier, Onkel. Sowieso hast du mein Geld bereits ausgegeben wie ich sehe. Willst du mich also jetzt an eine öffentliche Schule schicken, damit' s dich noch weniger kostet?
Dann denk daran das Dr. Peters, Papas Anwalt das merken wird. Sowieso hab ich schon Kontakt mit ihm aufgenommen...", log sie biestig klingend, aber innerlich wir Espenlaub zittern vor Angst vor diesem Schläger.

Schon sah sie zu, wie ihr Onkel rot anlief vor Wut. Aber vor anderen Leuten konnte er sich meisterlich beherrschen. Ja, vor anderen. Aber wenn er ganz alleine mit ihr war und sie überraschte...

"Ah, da ist sie ja!, säuselte er herzlich tuend. "Meine liebe Nichte... charmant wie immer.
Wenn mein Bruder nur wüsste was aus seinem ehemals so wohlerzogenen Töchterchen geworden ist...", seufzte er schwermütig weiter so tragisch den geplagten Vormund herauskehrend.
Oh ja. Das konnte er gut, der Arsch, dachte sie nur finster seiner Hand ausweichend und hinter dem Sofa des Direktors halb in Deckung gehend.
Denn auch dieser lächelte nun skeptisch zwischen ihrem Onkel und ihr hin und her.

Aber Onkel Harald war nun sauer.
"Geh jetzt deine Sachen packen, Rahel. Ich nehme dich mit nach Hause, wie du es uns ja auch geschrieben hast, dass es dir lieber währe... nach dem Unfall...", grollte er sie warnend an, jetzt ja mit zu spielen.
Aber Rahel dachte gar nicht daran.
"Eh? Wie soll ich euch denn bitte geschrieben haben, Onkel? Meine Cousine hat doch jetzt mein Handy, schon vergessen? Und Briefpapier oder Geld um mir welches zu kaufen und euch einen Brief zu schicken habt ihr mir ja auch nicht mitgegeben...", höhnte sie fast schon spottend und nickte dem Direktor kurz grienend zu.
"Ich geh nirgendwo hin, Herr Wagner. Schon gar nicht, weil das Schulgeld für das Jahr doch bereits bezahlt ist.", erklärte sie ihrem Onkel mit heftig klopfendem Herzen.
"Das bekommen wir natürlich zurück erstattet, Rahel. Und jetzt sei ein braves Mädchen und pack deine Sachen ein!", wurden seine Augen nun zu zornigen Schlitzen.

"Vergiss es ", brüllte Rahel ihn vor Angst nun beinahe schlotternd an und wandte sich dann wieder Hilfesuchend an den Direktor:
"Sowieso will mein Onkel mich doch nur wieder in meinem Haus im Keller einsperren bis ich den Antrag auf Selbstbestimmung zurückgezogen habe.
Aber das könnt ihr gleich mal Knicken!", fuhr die ihren Onkel erneut aufbrausend an.
"Ich hab jetzt nämlich einen Freund. Und wenn du dem blöd kommst hat er noch eine ganze Gang hinter sich stehen. Ich geh nicht mit, bis ich achtzehn bin und dann auch nur noch mit der Polizei dabei, die euch Assis aus Mamas Haus raus schmeißt!", drohte sie ihm giftig.
Und sein Kopf lief nun regelrecht lila an vor Wut.

Er stand plötzlich auf und kam zu ihr hingestampft. "Du hast genau das zu tun was wir dir sagen, du freche Göre...!", begann er bereits zu schimpfen.

Doch noch ehe er sie packen konnte flog die Tür auf und Dared kam mit fünf weiteren seiner Wölfe beeindruckend finster guckend zur Tür herein marschiert.

Seine Augen blitzten vor Zorn und er bebte vor Wut. "Rahel!", knurrte er sofort schroff als sein Blick auf sie viel.
Erleichtert konnte sie nicht anders als zu lächeln, seiner doch sehr herrischen Geste zu folgen und sich schleunigst hinter ihn zu stellen.
- In Sicherheit. Puh!

Sie atmete innerlich auf.
Ok vielleicht ein bisschen zu erleichtert, aber mit einer gebrochenen Hand wollte sie es auf keinen Fall alleine mit diesem Arsch von Onkel aufnehmen müssen.

Dareds Hand streifte im Vorbeigehen sachte ihre Schulter. Es beruhigte sie sofort,
Sie hob den Blick zu ihm und sah seine Miene dich kurz erheblich aufhellen, bevor er sich laut aufknurrend vor sie schob.

Gerade noch bekam sie mit wie Dennis zugleich ihren Onkel daran hinderte noch schnell nach ihr zu greifen und sie zurück zu zerren.
"Das ist meine Nichte!", brüllte er erbost auf baute dich dann gewichtig tuend vor dem kräftigen Beta auf, der darüber aber nur abfällig eine Braue hob.

"Herr Degenhard!", meldete sich nun der Direktor plötzlich wieder eisig klingend zu Wort und kam um seinen Schreibtisch herum, derweil er ruhig sein Sakko schloss, doch Onkel Harald hörte nicht auf ihn
"Gib augenblicklich den Weg frei, Freundchen!", bellte er nur wütend und versuchte Dennis dann sogar bei Seite zu schubsen, doch der rührte sich um keinen Millimeter von der Stelle.
"Wenn sie nicht alle augenblicklich meine Nichte herausgeben, rufe ich die Polizei!", stritt er hitzig weiter, nun auch gegen Direktor Wagner, dessen Miene sich daraufhin deutlich verfinsterte.

"Herr Degenhard, das können die natürlich gerne tun. Ich bin selbst gerade versucht. Denn wir haben unsere Behörden bereits darüber informiert dass sie ihre liebe Nichte Rahel hierher, auf unser Internat geschickt haben, ohne ausreichende Materialien, Kleidung oder wenigstens einem Minimum an Geldmitteln, um sich solche zu beschaffen.
Weiterhin habe ich das hiesige Jugendamt auch über ihre Wünsche an uns informiert, dem Mädchen jeglichen telefonischen Kontakt zu gleich wem auch immer zu verbieten, Herr Degenhard.

Wir sind eine integrative Schule und stehen darum mit Behörden, Verbänden und Ämtern in ständigem, sehr guten Kontakt und was Rahel so erzählt hat von ihren so abrupt geänderten Verhältnissen, waren wir natürlich sofort alarmiert und haben in ihrem Namen Kontakt zu den Anwälten und dem Nachlassverwalter hergestellt, die ihr Erbe verwalten.
Diese haben uns nun in rechtlicher Vertretung der verstorbenen Eltern angewiesen Rahel vorerst hier und damit in Sicherheit zu behalten, bis Dr. Klaus Petersen und seine Kollegen Gelegenheit hatten mit ihr persönlich zu sprechen und den eben erwähnten Antrag auf Sebstbestimmung an unserem Amtsgericht zu stellen, da dies hier ihr momentaner Wohnsitz ist.

Die Verhandlung wird wohl in knapp drei oder vier Wochen stattfinden.
Wenn sie nun noch eine Begleitung zur Tür hinaus benötigen, wir Dennis dies sicher gerne übernehmen.
Er gehört zu unserer örtlichen Security, welche wir gelegentlich einschalten um Schüler vor Elternteilen zu schützen, die nicht das Sorge-oder Umgangsrecht besitzen oder aber besitzen sollten.

Ich wünsche Ihnen noch einen guten Tag, Herr Degenhard!", sagte Direktor Wagner noch eisig- freundlich zu ihm.

Oh wow! Echt jetzt???

Rahel sah angespannt zu, wie ihr Onkel zornig schimpfend und wüste Drohungen brüllend nun auch noch von Sebastian, dem Tic des Rudels, der tatsächlich genauso schlecht und blau geschlagen aussah wie Dennis, gepackt wurde und sie ihn dann nach draußen zerrten.

"...Wenn ich dich in die Finger bekomme, Rahel!!! Dann kannst du was erleben!!!", brüllte er noch zuletzt zu ihr hin und Rahel drängte sich nun doch unwillkürlich näher an Dareds Seite heran, der sie auch sofort leise knurrend an sich zog.

"Lehres Geschwätz. Der Wichser kriegt dich garantiert nicht mehr in die Hände.
Und wenn er es versucht ist er tot.", stellte er seelenruhig fest.
Das Rudel knurrte zustimmend und sogar der Direktor nickte ernsthaft dazu.

Wahnsinn!!!!

Halbwegs hatte sie schon damit gerechnet gleich ihren Onkel in Einzelstücken auf dem Boden liegen zu sehen, so wie er normalerweise drauf war.
Dass er statt dessen einfach einen auf Bodyguard machte und ruhig blieb, stand im krassen Gegensatz zu seinem sonstigen Verhalten.

Rahel konnte einfach nicht anders als ihn dankbar anzulächeln.
Zuerst knurrte er nur irgendwas leises dann aber schlang er einen Arm um ihre Mitte und zog sie fest an sich heran.
"Selbst wenn du hättest mit fahren wollen, hätte ich dich nicht gehen lassen.", brummte er an ihrem Ohr und hauchte dann
einen zarten Kuss auf ihren Hals.

Atemlos wandte sie den Kopf zu ihm um und begegnete seinem nun wieder sanften, warmen Blick.

"Ich würde niemals mehr freiwillig mit ihm gefahren sein. Danke das du hergekommen bist, trotz deinem Versprechen", murmelte sie tief durchatmend.

Schon zog er die zu sich herum und sah die grimmig an.
"Hey, was war denn das gerade?
Du seufzt so tief und erleichtert auf...?
- Hat das Schwein dir etwa weh getan...???", knurrte er mit sofort rot aufglühenden Augen los und war nach nur einem Blick in ihr nun krebsrot angelaufenes Gesicht auch schon auf dem Weg zur Tür.

Rahel rannte hastig hinter Dared her, doch er war längst die Treppen runter.

Sie war beunruhigt, weil sie eigentlich niemanden so gerne tot sehen wollte, den sie kannte.
Verängstigt auch, weil sie ebenso fürchtete in dem Fall vielleicht Dared zu verlieren, wenn er ins Gefängnis musste.

Schon auf der Treppe hörte sie das laute, ängstliche Aufkreischen ihres Onkels, der ja fast so schrill klang wie sie selbst.
Hui kam der aber hoch...
(*kicherhust*)

Ein jaulendes Wolfsgeheul erklang auf einmal. Ein lang gezogenes:

"Waaaaa-huuuuuuuuuuuuuhhhh....!"

Türen wurden augenblicklich überall aufgerissen, Wölfe oder aber Teenager, die sich gerade mit gelb glühenden Augen in solche verwandelten, sprangen hechelnd, winselnd und jaulend aus den Klassenräumen heraus, die dem Ruf ihres Alphas folgten und auch die menschlichen Lehrer und Schüler rannten aufgeregt rufend, was denn passiert sei und das der Alpha wohl jemand feindliches auf dem Schulgelände gestellt hatte, den Korridor entlang und aus dem Gebäude hinaus.

Rahel rannte einfach mit und folgte dem Strom bis hinaus in den Schulpark.
- Wo sich schon ein riesiger kläffender und knurrender Kreis gebildet hatte.

Der äußere Ring bestand aus den schaulustigen Menschen, der innere aus Wölfen und ganz in der Mitte lag ihr Onkel am Boden und der riesige graue Werwolf Dared stampfte ihn gerade mit gebleckten Reiszähnen, die an den Resten seines weißen, teuren Hemdes rissen, beinahe in den Boden hinein.

"Hiii...Hiiii...Hilfe ... Arrrrgh!!!!! Ahhhhhhuhuhuhu!!!", kreischte ihr Onkel weiter, im besten Sopran, während zwei weitere Wölfe wie wild an seinem tollen neuen Anzug rissen, der aber jetzt schon total zerfetzt aussah. (Ach du...!!!)

Rahel hatte sich endlich bis zum inneren Kreis durchgedrängelt und selbst die zuerst mächtig böse grollenden Wölfe, denen sie beinahe auf die Pfoten trat, machten ihr zum Glück schnell Platz.

Sie blieb eine kleine Weile lang völlig atemlos stehen, während die Werwölfe weiter an ihrem Onkel rissen, zerrten und kratzten.
Und sein Sopran wurde tatsächlich noch einmal eine Oktave höher, als sie nun auch noch an seiner Hose zu schnappen und zu zerren begannen.

Beinahe hätte Rahel  laut und fröhlich losgelacht, da sah die in die Runde der Wölfe die eindeutig ebenfalls zu grinsen schienen, bei dem was die drei da gerade in der Mitte anstellten.

Der schwarze Wolf und Beta hatte sich gerade  die handgenähten und sicher schweineteuren Oxforder-Lederschuhe ihres Onkels geschnappt und warf die den jüngeren Wölfen zum Zerkauen hin.
- Was diese auch sofort begeistert taten.
(Ach du lieeeeber Himmel! )

Ein schnaubendes Prust-Kichern entkam ihr, noch bevor sie sich zurück halten konnte und der graue Riesenwolf drehte hechelnd den Kopf zu ihr um, bevor er sehr majestätisch von ihrem Onkel runter stieg und mit nur einem Seitenblick drei andere Wölfe auf ihn hetzte, während er nun gemächlich neben Rahel trat.

Ein wenig atemlos war sie schon, als der gewaltige Alpha zum ersten Mal so unmittelbar neben ihr stand. Sein Kopf reichte ihr locker bis auf Augenhöhe, obwohl er gerade auf vier Beinen ging.
Aber immerhin wusste sie ja dass es Dared war.
Er brummte kurz als er den Kopf an ihrem Arm rieb, wie ein Hund, der gerne gestreichelt werden wollte.
Vielleicht hieß es ja auch was übersetzt, sie wusste es aber nicht genau.

Doch als er sich noch etwas zurückweichend neben sie stellte und erneut ein schriller weher "Hilfeeeeeee!!!" -Ruf erklang, wandte sie sich doch wieder zu ihrem Onkel und den Rudelwölfen um.

Inzwischen hatten die ihn schon von seinem Sakko und dem größten Teil seiner Hosen befreit. Als er nun zappeln und kreischend um sich trat rollte er dabei wie ein Walross schnaufend auf den Bauch herum.
Der Schwarze Wolf nutzte diese Gelegenheit sofort und biss ihm kräftig in den Hintern.

Sie hatte echt keine Ahnung gehabt das ihr Onkel das Zeug zu einer verdammt guten Opernsängerin hatte.
Aber der Schrei den er gerade los ließ erinnerte sie stark an das Solo der Sängerin im Phantom der Oper, in das ihre Eltern sie vorletztes Jahr zum Zwecke der Kulturentwicklung verschleppt hatten, dass sie sofort wieder loslachen musste.

Sie lachte sich kaputt, wie inzwischen auch die halbe Schule, während die Wölfe ihr Opfer noch weiter beutelten, ihm Teile aus Hose und Hemd heraus rissen und ihn dabei wild knurrend weiter hin und her warfen.

Rahel hatte natürlich auf den ersten Blick erkannt, dass ihm niemand lebensbedrohlich geschadet hatte.
Die Kratzer und Schmisse,  die er von dem Geraufe und den schnappenden Wolfszähnen davon getragen hatte, waren lediglich rein oberflächlicher Natur.
Das war dann wohl die Werwolfsart einen Menschen zu verdreschen, der es verdient hatte.

Schließlich ließ das Rudel von ihm ab.

"Oh Gott...!!! Schaft doch endlich die Hunde weg! Schafft die Hunde weg, die kann man doch nicht einfach so frei laufen lassen!!!", heulte ihr Onkel ängstlich und hob die Hand, um damit seinen Kopf vor dem zuschnappenden Maul des Beta zu schützen.

Sofort verging Rahel jegliches Lachen, dass sie eben noch geschüttelt hatte, denn ihr Onkel trug die unglaublich teure Omega ihres Vaters am Handgelenk und der Beta schnappte auch noch gerade danach....
"Hör sofort auf Dennis!!!", schrie sie den Wolf schrill kreischend an und stürmte vor, während die schwarze Wolfsbestie nun erschrocken zurückwich und sie sich den Arm ihres Onkels schnappte, um das kostbare Lederband hastig von dem dicken Handgelenk zu lösen. Doch mit der gebrochenen Hand gelang es ihr kaum ihn auch nur fest zu halten

"Sag mal... Bist du bescheuert, Onkel Harald??? Das ist Papas teure Omega- Uhr!!! Wie konntest du denn da ran?
... Du ... Du Arschloch, sag bloß du hast den Save geknackt?", herrschte die ihn an, bevor sie beinahe überschnappte, vor Kummer. Denn in dem Save war auch noch der Familienschmuck ihrer Mutter drin gewesen und eben Papas allerbeste Uhr, die er nur zum Hochzeitstag und an Weihnachten getragen hatte, sonst nie.
Was es nun bedeutete das ihr Onkel sie trug war absolut klar.

"Du... blöder ...idiotischer... Bastard! Hör endlich damit auf meine Erbstücke zu Klauen!!! Die gehört mir... MIR!!! Weil sie nämlich Papa gehört haben, du fauler, überheblicher, alter Sack, genauso wie der Erbschmuck von Mama! Den hatte sie von ihrer Mutter bekommen und die auch von ihrer... Ist dir denn überhaupt gar nichts heilig, du Satan???", brüllte sie ihren Onkel dabei immer lauter schluchzend an und zerrte mit ihrer gesunden Hand an der Armband-Schließe um sie zu lösen, während ihr Onkel nur wieder aufbrüllte und dagegen hielt.

"Das ist meine du Rotzlöffel! Nimm dir Finger weg... gehört alles mir... alles !", kreischte ihr Onkel zornig auf.

Da stand Dared auf einmal wieder verwandelt neben ihr und half ihr, riss ihrem Onkel regelrecht die Uhr vom Handgelenk herunter und gab sie ihr, bevor er ihn wieder zu Boden stieß.
Und nun heulte der Kerl tatsächlich noch viel lauter.

Rahel aber umschloss nur noch schützend die Uhr mit beiden Händen und betrachtete schluchzend die tiefen Kratzer auf dem geschliffenen Saphierglas und die tiefen Reißzahnabdrücke in dem feinen Leder, während Dared ihren Onkel nur wieder am Kragen Packte und hasserfüllt anstarrte.

"Sei froh dass deine Nichte dich gerade gerettet hat, du elender Kotzwurm!
Und um ihr nun deine tief empfundene Dankbarkeit zu zeigen, fährst du jetzt nach Hause packst alle Wertsachen die du meiner Freundin geklaut hast in ein großes Paket und schickst es ihr.

Ich warne dich davor auch nur einen Ohrring, eine Uhr, einen Wertgegenstand oder die elektronischen Gegenstände wie Computer, Handys und Tabletts zu behalten.
- Denn in dem Fall werde ich dich finden.
Und wenn du Kinder haben solltest oder eine Frau könnt ihr euch gerne noch alle kurz voneinander verabschieden... bevor ich euch zur Hölle schicke!
- Ist das Klar?", fauchte er ihn erbost an und Onkel Harald nickte nur hastig, ängstlich winselnd und heulend, bevor er endlich losgelassen wurde und wie ein Irrer kreischend davonlief... in seinem total zerfetzten Anzug und dem blanken Hintern der aus dem abgerissenen Hosenstück deutlich hervor blitzte.

Sogar Rahel, obwohl gerade so traurig über die kaputte Uhr, musste bei diesem Anblick wieder lächeln und sich hart auf die Lippen beißen, um nicht wieder hysterisch loszulachen.

Sonst hätte sie nämlich sicher nicht mehr so schnell damit aufhören können.

 

*

Die Lehrer ließen sie den Rest des Tages in Ruhe.
Ein Glück, denn sie wollte nicht mehr darüber reden wie mies ihr Leben gerade war.

Besser gesagt... wie mies ihre Familie war, denn ihr Leben hatte sich ja vor ein Paar Tagen grundlegend verändert.

Sie hatte jetzt einen Freund der unglaublich gut küssen konnte, fantastisch aussah und sie heute nicht nur souverän geschützt sondern auch gleich noch gerächt hatte.
Für alle Demütigungen und Gemeinheiten, die sie in den letzten Monaten hatte ertragen müssen...
Und er hatte dabei noch glatt eins oben drauf gesetzt. Einfach unglaublich dieser Wolf.

Schon alleine wenn sie an ihn dachte fing ihr Magen an zu flattern.
Aber noch viel unglaublicher war, dass er danach nicht sofort wieder auf seinen alten ultra-eifersüchtigen Beschützermodus in der Schule bestanden hatte, sondern einfach gegangen war.

Rahel schüttelte halb den Kopf und sah zum wiederholten Male aus dem Fenster hinaus. Nur Dennis stand am Parkeingang herum und flirtete mit ein paar Tussis, die ihn ganz offen anhimmelten.
Er sah aber auch wirklich gut aus der Beta...
aber bei weitem nicht so gut wie Dared. (Seufz)
War sie etwa jetzt schon dabei dich in diesen Werwolf zu verlieben?
-  Hm...
Eigentlich wäre es ihr heute sogar ganz Recht gewesen, wenn er, statt Dennis, da geblieben wäre, gestand sie sich selbst gegenüber ein.

---

Nachdem ihr Onkel mit quietschenden Reifen davon gebraust war, hatte Dared sie noch kurz in den Arm gezogen, bevor er ihr behutsam die Uhr aus der Hand genommen hatte.
"Die Jungs und ich wussten nicht dass die Uhr mal deinem Vater gehört hat. Es tut mir Leid, dass sie nun beschädigt ist.", sagte er leise zu ihr und sie hatte nur schniefend genickt.

"Wenn du sie mir für eine Weile überlässt lasse ich sie wieder komplett neu herrichten, wie sie einmal war.", bot er ihr leise an.
"Vierzigtausend Euro.", flüsterte die nur heiser und vollkommen zusammenhangslos und sah ihn verzweifelt an.
Er zog nur kurz die Brauen zusammen.
"Im Originalzustand...", erklärte sie ihm leise und wischte sich eine Träne weg.
So gut erhalten wie sie war und...
Es warPapas erste Anschaffung und eine Belohnung an sich selbst, weil er so hart gearbeitet hat, um sich aus seiner Assi-Familie raus zu kämpfen.
Er hat als Student einmal diese Uhr gesehen, in diesem Nobeljuweliergeschäft und ist reingegangen um sie sich anzusehen.
Dort hat er damals auch Mama kennen gelernt. Sie hat zum bestandenen Abby eine Swarovsky-Uhr von ihren Eltern bekommen.
Ebenfalls ein Traum.
Ihrer.

Sie haben sich beide nur kurz angesehen, schon war es passiert. Und sie hat zu Papa gesagt dass er sich eines Tages diese unglaublich tolle Uhr da im Fenster kaufen wird...
Und das hat er dann auch getan.
Sie waren nicht reich, das nicht... aber wohlhabend. Und sie haben sich sehr geliebt.

Sie sind vor drei Monaten miteinander ausgegangen. An Mamas Zweiundvierzigstem Geburtstag. Papa hatte mich gebeten mal zu Hause zu bleiben. Er wollte Mama noch mal einen Antrag machen und sie zum siebzehnten Hochzeitstag im September auch noch einmal ganz neu heiraten, mit Kirche und Brautkleid und Schleier und so.
Weil sie das beim ersten Mal wegen mir doch nicht konnten.
Er hat mir noch ein Selfi geschickt aus dem Restaurant.
Sie hatte ja gesagt und beide... sahen so glücklich aus.
Sie haben mir noch geschrieben, das sie gleich nach Hause kommen wollten, aber dann..."
Sie schluckte mehrmals hart und rang nach Atem. Er knurrte ganz leise und sein Blick war so warm und tröstlich.
Es gab ihr die Kraft um weiter zu sprechen:

"Direkt vor dem Restaurant ist ein Fahrzeug in die Menschen reingefahren, die gerade aus dem Restaurant gekommen sind. Es war ein Autounfall, kein Terroranschlag. Der Fahrer hatte einen Herzinfarkt und ist dabei gestorben... so wie meine Eltern und noch eine weitere Frau.", berichtete sie etwas gefasster weiter und strich noch einmal sachte über die Uhr in seiner Hand.
"Es war gut das sie beide zusammen gegangen sind, weißt du? Ohne einander hätten sie nicht leben können. Nicht mal für mich, obwohl sie auch mich sehr geliebt haben."
Er nickte nur.
Sagte nichts.
Gab ihr aber schließlich einen sanften Kuss aufs Haar und drückte sie leicht an sich bevor er die Uhr mit einem Knurren in seine Tasche schob.

"Ich hole dich gleich nach dem Unterricht ab.
Dennis passt auf.
Ruf mich einfach wenn was ist oder du mich brauchst, okay?", hatte er noch leise gebrummelt und sie hatte nur noch stumm genickt.
Dann war er schlicht gegangen.

---

Und nun hockte sie in der letzten Stunde, Erdkunde und starrte aus dem Fenster während die halbe Klasse dem Unterricht folgte und die andere Hälfte immer noch über sie und den Alpha tuschelte.

"Hey!", stieß Kara sie kurz an und sie wandte sich wieder der Lehrerin zu, die sie gespannt ansah.
"Nun?", fragte Frau Neubauer sie noch einmal.
Rahel errötete etwas verlegen.
"Ich habe nicht aufgepasst, Verzeihung. Könnten Sie ihre Frage bitte noch mal wiederholen?", bat sie sie müde.

"Ich  habe dir keine Frage gestellt, Rahel, sondern sagte gerade nur, dass du dich vielleicht besser abholen lassen solltest.
Es ist nicht schlimm ab und zu um Hilfe zu bitten oder sie anzunehmen.
Kara bringt dir die Hausaufgaben nachher im Rudelhaus vorbei."
Rahel hob nur überrascht die Brauen.
"Dared holt mich aber erst nachher ab...", sagte sie verwirrt in die Runde.
Kara zückte lediglich ihr Handy, tippte eine Kurzwahltaste und reichte es ihr lächelnd zu.

"Kara?", fragte Dared kurz und hörbar angespannt, als er nach dem ersten Klingeln ran ging.
"Nein hier ist Rahel...", murmelte sie leise und räusperte sich dann. "Ähm ... holst du mich jetzt schon ab? Ich soll... besser Heim gehen...", wollte sie ihm noch erklären.
"Bin gleich da!", sagte er nur knurrig wie immer und beendete das Gespräch sofort wieder.
Rahel reichte Kara dankbar nickend ihr Handy zurück und stand seufzend auf.
"Er kommt.", teilte die der Lehrerin leicht grienend mit und sie nickte mitfühlend.
"Kara kann dich rausbegleiten. Ruh dich erst mal ein Bisschen aus, Luna.", sagte sie noch freundlich zu ihr.
- und outete sich damit glasklar als Werwolf-Lehrerin.
Oh wow!

Von allen Seiten kamen leise gute Wünsche Rufe, gute Besserung und das sie sich ausruhen sollte.

Verwirrt  aber auch gerührt von all der Anteilnahme, nickte sie nur verlegen und winkte mit einem gezwungenen Lächeln in die Runde, bevor sie mit Kara raus ging... wo schon Dennis im Flur stand und die Hand nach ihrem Rucksack ausstreckte.
"Er wartet schon draußen auf dich, Luna!", erklärte Dennis ihr freundlich.

Komisch... seine blauen Flecke waren schon richtig verblasst und so viel besser geworden, und das nach nur wenigen Stunden.
Irre!

"Ich hab doch gesagt dass du dir keine Sorgen um einen Werwolf machen musst!", deutete er ihren Blick amüsiert richtig und Rahel errötete ein wenig vor Verlegenheit.

Schon standen sie vor der Tür und Dared kam ihnen entgegen, nahm ihren Rucksack und schickte seinen Beta mit einem kurzen Knurrlaut weg, bevor er ihr die Hand hinhielt und sie zum Porsche führte.

Zu Hause ging sie mit einem leisen Dank an Dared in ihr Zimmer hoch und legte sich erschöpft und komplett angezogen auf das Bett.
Kurz dachte sie noch die andere Bettseite hätte sich runtergedrückt ... auf jeden Fall aber wurde es ihr schnell ganz wunderbar warm am Rücken.
Sie schlief schon, noch ehe sie erkannte das Dared sich tatsächlich zu ihr gelegt hatte... und sie die ganze Zeit über fest im Arm behielt.