Seine Augen waren kühl und grau, wie der Gletscherbach auf Island, den sie letzten Sommer noch mit ihren Eltern besucht hatte.

Seine Haare standen ihm zu Berge, als hätte er sie sich gerade heftig gerauft. Außerdem sah er plötzlich gar nicht mehr so zornig aus wie eben noch.
Vielmehr... besorgt oder so.

Rahel fragte sich einmal mehr was hier gerade seltsames lief.
Sie konnte nicht von ihm wegsehen, sich nicht rühren, seiner Hand, die er nun hob, um ihr eine verschwitzte Strähne ihres braunen Haares aus dem Gesicht zu streichen, nicht ausweichen.

Es war fast so als stünde sie unter einem magischen Bann und nur ihre Lippen bebten vor Angst, was dieses Monster nun mit ihr vorhaben mochte.
Ausserdem pochte ihre Hand immer mehr und mehr.

"Was bist du für ein Ding?", brach es schließlich irgendwann einfach aus ihr heraus und er hob wieder nur überrascht die Brauen.
"Bist du noch nicht drauf gekommen?", fragte er sie sichtlich angespannt.
Der Bann war gebrochen, sie schluchzte leise auf und stöhnte danach schmerzlich, während sie ihre Hand an ihrer Brust barg.

"Du... Du hast mich einfach gebissen! Warum hast du mich gebissen? Ich versteh das nicht!
Was willst du denn von mir?", schluchzte sie nur wieder leise vor sich hin und wich seinem eindringlichen Blick aus.

"Ich bin ein Werwolf.", erklärte er ihr schlicht. "Seid einem Jahr der Alpha dieses Rudels, in diesem Tal.
Wir sind Gestaltwandler und leben schon immer hier. Nur die Menschen die darüber Bescheid wissen oder an den Mädchenaustauschjahren teilnehmen melden diese an den fünf Wolfs-Internaten in Deutschland an, damit jeder Wolf schließlich seine Mate findet.
Warum wurdest du hier angemeldet und weißt aber gar nichts davon?", verlangte er sanft klingend von ihr zu wissen und betrachtete sie kurz nachdenklich.

Rahel war es zumute als währe gerade ihre Welt zusammengebrochen.
Werwölfe?
Die gab's wirklich?
Entsetzt sah sie zu ihm auf.

"Aber... wenn du ein... ein Werwolf bist und mich gerade gebissen hast..., dann ...dann werde ich jetzt auch zu einem... einem Werwolf?", fragte sie ihn fassungslos.
"Beim nächsten Vollmond!", nickte er kurz und strich ihr wieder sachte über die Wange, weil sie nun zu beben begonnen hatte.

"Du bist jetzt meine Mate, das bedeutet bei uns Seelenverwandte. Ich musste dich beißen, um dich für mich zu markieren, damit dich mir kein anderer Wolf mehr wegschnappen kann.
Du hast da unten gerade ganz schön Eindruck gemacht. Normalerweise nimmt ein Alpha sich eine geborene Werwölfin zur Gefährtin.
Die Tochter eines Betas oder Third in Comand, genannt Tic.
Aber wenn du nur aus Zufall hier gelandet bist, und nichts von uns wusstest, ist es für mich ein um so größeres Glück, dass ich dich gefunden habe.
Ich suche nämlich schon seid einem Jahr nach dir, meine Mate.", erklärte er ihr nun ganz weich und seltsam klingend.

Rahel erschauerte unter seiner warmen Hand die nun sehr sachte über die Bisspur an ihrem Hals strich.

"Ich... Ich heiße aber nicht Mate, ich heiße Rahel. Und ich sollte eigentlich auch gar nicht an diese Schule gehen.
Mein Onkel hat sich einfach die billigste rausgesucht, die er finden konnte und mich hergebracht, damit er... damit er mein Erbe mit Urlaubsreisen und für seine eigene Familie verprassen kann.
Verstehst du das, Alpha? Ich bin die Falsche!
Du hast die Falsche erwischt.
Also lass mich bitte gehen, ja?
Bitte! Meine Hand tut so weh...", flüsterte sie zum Schluss nur noch leise und drückte sie wieder fest an ihre Brust.

Er strich erneut mit einer zarten Bewegung des Daumens über ihr Kinn und schließlich beugte er sich vor, sog tief die Luft ein und küsste sie dann sanft auf die Wange.
Es war so angenehm und kribbelig und irgendwie richtig anfühlend, das Rahel sich nicht noch mal dagegen wehrte.

"Meine Mate... meine Rahel. Hab jetzt keine Angst mehr! Weder vor mir noch vor dem Rudel.
Auch wenn du jetzt noch nicht weißt was es bedeutet meine Luna zu sein hattest du heute einen starken ersten Auftritt.
Und du brauchst dich auch nicht vor deiner ersten Verwandlung zu fürchten, ich werde bei dir sein und dir da durchhelfen, versprochen."
"Ich will mich aber nicht verwandeln. Ich will nicht deine Luna sein!", flüsterte sie nur ganz ganz leise zu ihm auf. Sein warmes Lächeln aber raubte ihr nun wirklich den Atem.

"Bald schon wirst du es wollen, denn wir beide gehören zusammen. Und selbst wenn du nicht an diese Schule gekommen wärst, hätte ich dich bald gefunden, Rahel.
Es ist deine Bestimmung meine Seelengefährtin zu sein. Und meine ist es dich für immer und ewig zu beschützen."

 

Dared hatte das Gefühl als würde etwas in ihm zerbrechen. Ihre Augen waren so wunderschön, sie selbst so klein und zart. Unmöglich dass dieses unglaubliche Menschenmädchen wirklich seine Mate war.

Eigentlich hatte er Menschen immer verachtet.
Doch im ganzen letzten Jahr hatte er alle  Werwolfrudel wie auch sämtliche Mate-Bälle die sie hier in Deutschland veranstalteten besucht, um sie zu finden, seine Rahel.

Einmal mehr sog er ihren berauschenden Duft ein. Süß wie Schokolade mit einer herben Note, die wohl von ihrem Temperament sprach.
Einfach atemberaubend.
Er hatte es sofort gerochen als er vorhin aus dem Auto gestiegen war. Sein innerer Wolf hatte begeistert und hibbelig wie noch nie aufgejault, schon kannte er kein Halten mehr.

Sein Beta war nach anfänglichem Schock darüber dass sie ein Mensch war restlos begeistert.
Seine Mutter jubelte nur noch und hatte gerade begonnen ihm seine Lieblingskekse zu backen.
Das hatte sie schon seid über einem Jahr nicht mehr getan, weil sie gedacht hatte die Götter würden ihn für seine Anmaßung bestrafen, den alten Alpha dieses Rudels und seinen Sohn herausgefordert zu haben. Er... Dared... ein ehemaliger Betasohn.

Doch Aristo hatte seinen Vater heimtückisch getötet, weil der einen Verrat des Alphas an seinem ganzen Rudel aufgedeckt hatte.
Er hatte gerade noch die Kraft gehabt es allen zu erzählen, bevor er seinen schweren Wunden erlegen war.
Aristos Sohn Hakon hatte daraufhin nur gegrinst und seinem Vater eiskalt vorgeschlagen jeden zu töten, der gegen ihn protestierte. Angefangen beim Sohn des Betas.

Tja, nur hatte Dared dann zuerst zugeschlagen und Hakon, der ihm schon immer ein Dorn im Fleisch gewesen war mit einem gut gezielten Biss in die Kehle getötet.

Seinen Vater, den zornigen Alpha, hatte er dann aber nur mit viel Glück besiegt und hatte nachher viele Tage gebraucht, um zu heilen. Beinahe währe auch er den vielen Verletzungen erlegen.
Seither fürchteten ihn alle. Es war ihm egal gewesen, bis heute.

Seine Mutter war gerade zum ersten Mal seid langem wieder ganz normal mit ihm umgesprungen und hatte ihn eben regelrecht begeistert von seiner Mate angefaucht, das jetzt bloß nicht zu versauen.
Schon schlimm genug das seine Luna Werwölfe für einen Mythos hielt, hatte sie nun tatsächlich auch noch Angst vor ihm.

Dared versuchte also, während er ihr aus dem Haus folgte, nachdem sie ihm gerade noch in bester Kämpferinnenmanier an den Schädel getreten hatte, seine Empörung darüber, dass sie das auch noch im Beisein seiner Mutter und dem Großteil seiner Anführer im Rudel getan hatte, Herr zu werden.
Schon schnappte er sie sich und klemmte sie sich  wie einen Sack Mehl unter den Arm.

Wohlmöglich hatte er dabei aber nicht richtig aufgepasst, weshalb sie nun ihre Hand so schützend  umkrampfte und mit tränenverhangenen Blicken zu ihm hoch schaute... mit heftig bebenden Lippen.

Er hatte das Gefühl gleich kotzen zu müssen. Seine Luna litt Schmerzen und war nun bleich und unterwürfig geworden.
Eigentlich ein Umstand der ihn freuen sollte, doch er hielt es nicht aus.
Seine Luna sollte sich nicht vor ihm ducken. Ihm gefiel ihre kratzbürstige Art.
Er musste ihr sofort helfen.

"Mathias!", brüllte er laut in Richtung Tür. Sein Beta öffnete sie mit dem Handy am Ohr.
"Er fährt gerade vor, Alpha! Er ist drei Mal geblitzt worden und ein Polizist fährt hinter ihm die Auffahrt hoch, soll ich dir von ihm ausrichten...", meinte er ernsthaft.

Dared sah ihn nur aus zornroten Augen an und knurrte mit seiner besten Alphastimme:
"Dann kümmern Dich darum! Wozu bist du sonst mein Beta?"
"Sofort, Alpha!" Er verschwand schnell genug, dass er ihm nicht auch noch Beine machen musste.

Schon kam der Rudelarzt Mathias die Treppe hinaufgesprungen.
"Bin schon da, Alpha! Ich gratuliere. Wie ich höre habt ihr eure Mate endlich gefunden..."
"Sie leidet Schmerzen!", herrschte er den etwas älteren Wolf nur knurrend wie ein Höllenhund an.
Der blonde Mathias nickte nur Unterwürfig und huschte schnell an seinem Rudelführer vorbei zum Bett hin, auf dem sich Rahel aber nun in die hinterste Ecke geflüchtet hatte.

"Verzeih, Luna. Ich bin Rudelarzt Mathias. Darf ich mir bitte deine Hand ansehen, die du so fest umklammert hältst?", fragte er sie sanft klingend.

Doch Rahel sah ihn nur wieder eingeschüchtert an und schüttelte mit riesengroßen Augen den Kopf.
"Nun gib ihm schon deine Hand! Er beißt sie dir auch ganz sicher nicht ab, schließlich bin ich auch noch hier und werde dich beschützen!", knurrte Dared sie ungeduldig an.
Er konnte ihre Schmerzen nicht ertragen... sie wiegte dich schniefend auf dem Bett vor und zurück und ihre wunderschönen dunklen  Augen glitzerten vor Tränen.

Also stürmte er nun schlicht zu ihr auf das Bett, als sie immer noch stur den Kopf schüttelte und zog sie blitzschnell mit sich nach vorne an die Bettkante, hob sie auf seinen Schoß und legte ihr nachdrücklich eine Hand auf den Mund, um ihren schrillen Aufschrei zu unterdrücken. Zugleich hielt er ihr gesundes Handgelenk fest und nickte Mathias grimmig zu.
"Fang an!"

Rahel wusste nicht wie ihr geschah, schon war dieser Verrückte, der sich für einen Werwolf hielt, über's Bett gesprungen, hatte sie gepackt und mit sich gezerrt.
Er hinderte sie auch noch am Schreien und hielt sie eisern fest, während der andere Kerl an ihrer verletzten Hand herumfingerte.

Schweißperlen bildeten sich auf ihrer Stirn und sie zitterte... aber nicht nur vor Schreck oder Angst, oh nein!
Die Wärme dieses Typen ließ sie wohlig erschauern. Genauso wie sein Daumen der über ihr Handgelenk strich...

OMG!!!

Der Typ, der sich selbst Arzt genannt hatte, drückte nun auf ihre Knochen, zog zugleich an einem Finger und noch ehe sie wusste was sie tat, biss sie Dared fest in die Handkante hinein.

Er knurrte aber nur ganz leise, statt sie deswegen wütend anzufahren oder zu schlagen.
Verstehe einer diesen Kerl?!!

Sie schmeckte sogar sein Blut auf der Zunge und irgendwie war ihr dadurch ganz seltsam zumute, schummrig und ...warm.

Sie spürte gerade kaum noch Schmerzen, bekam nicht einmal mehr mit, dass der Arzt ihr eine Handschiene verpasste... oder das weitere Personen ins Zimmer eintraten und dem Geschehen nun ruhig oder zuversichtlich
lächelnd zuschauten.

Rahel sah nur noch seine eindringlich blickenden grauen Augen, die Sorge darin, die Ruhe und Kraft.
Sie bemerkte sein leichtes, seltsam verwundertes Stirnrunzeln, während er weiter leise Knurrte ... oder schnurrte...
oder war das etwa eine Sprache?

Rahel wusste es nicht mehr, es vermischte sich in Klang und Ton zu einem brummenden Geräusch, dass sie unglaublich beruhigte, tröstete und irgendwie sogar geborgen hielt.

Sie lehnte sich schließlich nur noch aufseufzend an ihn, löste ihre Zähne leise ächzend von seiner Hand, atmete im selben Rhythmus wie er und es war ...irgendwie gut.
Er roch so anziehend. Seltsam aber gut.
Und er hielt weiter den Blickkontakt mit ihr, bis der Arzt auf einmal laut und deutlich "Fertig!" sagte.

Und da brach der Bann den er scheinbar mit seinem knurrigen Gebrumme über sie gelegt hatte.

Verwirrt blinzelnd ließ sie es zu, dass er sie zurück auf das Bett setzte und in die Kissen drückte, bevor er lächelnd seine blutige Handkante betrachtete.
"So hast du mich nun also auch markiert. Gleiches Recht für alle, meine Luna. ", knurrte er sanft und sah dann über seine Schulter zu dem Arzt hin.

"Wie lange muss sie das Ding jetzt tragen, Doc?", nickte er auf ihre geschiente Hand runter.
"Nicht lange, Alpha. Nur bis Vollmond.
Wenn sie sich erst einmal verwandelt hat, wird es sehr schnell heilen.", nickte er ihm ernsthaft zu.

"Ihr spinnt doch!", schüttelte Rahel nur wieder reichlich fassungslos keuchend den Kopf. "Ich werde mich garantiert nicht verwandeln! Ich bin ein Mensch, klar?", schrie sie Dared erneut aufbrausend an "Eure dämliche Märchenstory über Werwölfe könnt ihr meinetwegen sonst wem erzählen aber sicher nicht mir! Ich bin doch nicht bekloppt!" , tippte sie sich zornig an den Kopf.
Dared grinste sie allerdings nur gutmütig an und nickte kurz.
"Natürlich, Liebste, ganz wie du meinst.", sagte er immer noch so sanft klingend und griff zugleich beruhigend meinend nach ihrer gesunden Hand, doch Rahel schlug sie weg. Bitterböse zischte sie ihn nun wieder an:
"Fass mich ja nicht an... ey... Verpiss dich du Tier! Oder denkst du vielleicht ich vergesse mal eben gerade durch deinen Hokuspokus, dass du mich vorhin gebissen hast? -Halt dich ja fern von mir, sonst Rauchts! Ich warne dich, Freundchen... Du bist schon zwei mal geflogen und einmal KO gegangen. Beim nächsten Mal bin ich bestimmt nicht mehr so nett und lass dich einfach liegen!", warnte sie ihn nun ebenfalls mal knurrend, so wie er es immer tat, wobei ihr das Herz aber bis zum Halse hinauf schlug und der Arsch glatt auf Grundeis ging. Oh Mann, wenn sie gerade nicht eine dicke Lippe riskiert hatte, was denn dann?

Doch statt dass sie nun von den Typen in Leder oder Dared mal gründlich zurecht geschissen wurde schnaubten, husteten, prusteten oder kicherten die Anwesenden nun alle los, wie die Blöden, sogar der Doktor.

Und auch Dared grinste megabreit über ihre Worte und stand nun ergeben die Hände hebend vom Bett auf.
"Wie du es wünschst meine Liebste. Natürlich.  -   Dennis!", wandte er sich  dann weiter grinsend an seinen Beta, der immer noch leicht rot angelaufen hüstelte und dessen blaue Augen belustigt blitzten.

"Ja, Alpha?"

"Nimm dir Oliver und seine Truppe und holt die Sachen meiner Mate aus der Schule hinterm Wald ab, wie auch meinen Wagen.
Direktor Wagner wird euch sicher helfen, auch wenn ihr ihre Räume garantiert schon von weitem riechen könnt.

Außerdem hätte ich gerne ihre Akten hier bei mir im Haus. Niemand soll noch irgendwelche Informationen über meine Mate einholen können, dass das klar ist!"

"Wird gemacht, Alpha!"

"Ach ja und verkündet außerdem im Ort dass ich meine Mate nun endlich gefunden habe. Vielleicht verzichten dann die Mädchen beim Mate-Ball am Wochenende

auf die Nuttenkleider und Higheels und diese widerlichen Parfums."
"Das wollen wir alle hoffen, Alpha!", grinste einer der bulligsten Typen in schwarzem Leder Dared vergnügt an und wieder lachten die Anderen belustigt los.

"Aber... Nein! Halt...", stotterte Rahel alarmiert von Dareds Anweisungen dazwischen: 
"Ich bleibe nicht hier! Kannst du so was von Knicken, Mann!", tobte sie beinahe wieder los.
Da setzte sich diesmal eine Frau zu ihr ans Bett.

"Luna! Beruhige dich bitte.
Ich verstehe dass du gerade sehr verwirrt bist. Aber du kannst als neue Luna unseres Rudels nicht mehr länger im Ort oder in der Schule bleiben.
Ein feindliches Rudel oder die verstoßenen Rogues könnten sich dort viel zu leicht an dich heranschleichen.", sagte sie nett und ganz freundlich besorgt zu ihr.

"Aber... Sagt mal begreift ihr denn alle nicht mal endlich dass ich gar nicht LUNA bin??? Ich bin RAHEL!", sagte sie nur wieder wütend zu der Frau und sah dann auch gleich wieder fassungslos zu Dared auf, der sich nun ernsthaft ein Lachen verbiss.

Das hatte er schon ewig nicht mehr getan. Und heute sogar schon zwei Mal.
Aber ein Alpha lachte nicht - niemals. Schon gar nicht vor Mitgliedern seines Rudels, die darin womöglich eine Schwäche entdecken könnten.

"Schluss jetzt mit den Erklärungen!", knurrte Dared also nur wieder bemüht ernsthaft den Kopf schüttelnd, bevor er der Frau eine Hand auf die Schulter legte. "Mahmen...würdest du dich bitte um die rechtlichen Angelegenheiten  meiner Luna kümmern?
Ich gehe mal stark davon aus dass du noch nicht achtzehn bist, Rahel?", fragte er sie samtig weich klingend und nun sogar freundlich lächelnd... und ihren Namen benutzend!
Es verwirrte sie total. Mal finster dann wieder freundlich... was war sein verdammtes Problem?

"Ich werde in zwei Monaten erst siebzehn.", knurrte sie nach einer kurzen tief-durchatmen- und-sammeln-Pause betont schroff aber auch schon wieder ziemlich zittrig vor Unbehagen.

"So jung noch und doch schon ganz eine richtige Luna!", hörte sie die ältere Frau, die Dared Mahmen genannt hatte, andächtig flüstern.

"Na immerhin ist sie nicht mehr fünfzehn oder noch jünger. Dass hatte ich nämlich zuerst befürchtet, als ich sie mit ihren Büchern auf der Bank im Schulpark sitzen sah!", meinte Dared nur wieder breit grinsend in die Runde.

"Ja, so ist es nun bedeutend leichter sie aus der elterlichen Obhut zu nehmen...", nickte die Frau ihm lächelnd zu.

Rahel verstand wieder nur Bahnhof.

"Wovon redet ihr da eigentlich?
Elterliche Obhut???
Ich habe keine Eltern mehr.
Mein Onkel Harald ist mein Vormund und der wird garantiert nicht zustimmen mich aus seiner Vormundschaft zu entlassen.", sagte sie finster zu Dared.

Eher würden Schweine fliegen lernen, dachte sie nur wieder erbost an sein feixendes Bulldoggengesicht mit den Hängewangen zurück, mit dem er ihr verkündet hatte, dass er gedachte die tollen Sportwagen ihres Vaters als ihr Vormund zu verkaufen... ebenso alles andere von Wert, das mal seinem kleinen Bruder gehört hatte. Natürlich würde das Geld damit auch nicht ihr zugute kommen, sondern ausschließlich seiner Familie.

Von dem Gedanken runtergezogen zog Rahel ein finsteres Gesicht, dass sicher auch Medusa alle Ehre gemacht hätte.
"Eher geht die Welt unter als dass dieser Arsch mich vor meinem 18-ten Geburtstag gehen lässt.", fügte sie noch grimmig hinzu.
Prompt grinsten alle um sie herum wie die Honigkuchenpferde.

-Hallo? Wahnsinnig geworden???

"Du magst deinen Onkel also nicht? - Perfekt!", sagte diese Mahmen nur glücklich aussehend und Dared sah nur wieder leicht besorgt ihre finster gerunzelte Stirn.

"So, das reicht jetzt! Meine Mate ist gerade verwirrt genug und sauer noch dazu, weil sie nichts versteht von dem was wir ihr beruhigend meinend sagen möchten. Denkt daran dass sie noch gar nichts über uns weiß.

Mia! - Du suchst mal das Buch raus dass die außerhalb gefundenen Mate immer zuerst lesen müssen, bevor sie in einem unserer Rudel integriert werden. Bring es Rahel einfach hier hoch.
Vorerst sollte sie sich ausruhen.
Und alle nennen Sie Rahel, bis sie akzeptiert hat wer sie nun ist, das ist ein Befehl!
- Ach und Mahmen... Es war vorhin gerade Mittag in der Schule. Sie hat aber noch nichts gegessen..."

"Dann koche ich ihr mal besser was Gutes. Mit vollem Magen lässt doch so einiges leichter Verdauen. Ein Alpha zum Gefährten, zum Beispiel. ", nickte Mahmen nur wieder lächelnd und wuselte zusammen mit dem jungen Mädchen, das Dared Mia genannt hatte, wie auch mit den meisten der Gangtypen aus dem Zimmer hinaus.

Rahel griff sich erbend an die Stirn... Moment?  Was war das denn?
Ein Verband!?
Wann hatte der Doktor ihr denn den Kopf behandelt und verbunden?
Hatte sie ja gar nicht mitbekommen...

"Ruf mich, Alpha, wenn unsere Luna wieder Schmerzen hat. Vorerst sollte die Spritze jedoch genügen.", meinte der Arzt Mathias noch ernsthaft und respektvoll nickend zu Dared hin, der ihn aber seinerseits nun stirnrunzelnd anblickte.
"Nenn mich endlich wieder Dared, so wie früher.", grummelte er leise.
"Ich bin schließlich nicht Aristo und kann darauf verzichten ständig mit meiner Stellung angesprochen zu werden.
- Zumal es sich ja nun wohl auch genügend weit herumgesprochen hat, wer ich nun bin."

"Der mächtigste Alpha dieses Landes, seid Aristos Tod. Ihr solltet nicht zu schnell auf diese Ehrenbezeichnung verzichten, Alpha.
- Und darf ich nun endlich meinem Cousin zu seiner ausgezeichneten Mate-Verbindung gratulieren?
Das halbe Rudel liegt ihr bereits hechelnd und schnurrend zu Füßen, wie ich gerade eben feststellen konnte.", grinste er kurz und gab Dared High-Five was der nun ebenfalls locker grinsend erwiderte.

Sein Blick traf den von Rahel, die immer noch arge Probleme hatte zu begreifen, dass Dared und die anderen Leute es wirklich ernst meinten, mit ihren Worten: Rudel, Alpha, Luna, Mate...

Doch erst als Dared den Arzt nach draußen begleitete und es direkt vor dem Haus zu jaulen und laut zu heulen begann, hielt Rahel nichts mehr im Bett. Sie sprang auf die Füße und ging schlotternd zum Fenster hinüber.

Was sie da sah ließ ihr das Blut regelrecht in den Adern gefrieren und zugleich einen hitzigen faszinierten Schauer über den Rücken hinunter laufen.

Der Typ den Dared gerade eben noch mit Dennis angesprochen hatte stand draußen in einer sich schüttelnden Meute von wirklich riesigen Wölfen.
Er schien ihnen irgendwas zu sagen, während diese sich wartend niedersetzten und tatsächlich auch noch zu lauschen schienen.

Dann aber sprang er auf einmal nach vorne.
Sein Körper schien in Sekundenbruchteilen aufzubrechen und zu zerreißen ...und auf einmal stand da ein großer schwarzer Wolf vor der Haustür, inmitten der anderen Wölfe.

Mindestens zwölf waren es die dem Schwarzen nun hinterher rannten.
OMG!
Irre!!

Einfach
nur
Irre!!!!